Aehnlichkeit  Ich habe den Vorschlag gemacht, im Ameisenbären eine kombinatorische Variante des Faultieres zu sehen. Gleichwohl muß diese Behauptung nuanciert werden, denn der Ameisenbär hat seinen Platz zwischen dem Faultier und dem Tapir und kann also als Substitut für beide eintreten. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß nach Goeje der karibische Name des großen Ameisenbären mit dem des Faultieres verwandt ist. Derselbe Autor ist überdies der Meinung, daß die karibischen Worte *waria oder *waila, »Tapir«, auch zur Bildung der Bezeichnungen des Ameisenbären dienen: *warisi, * waris-ima.. Bei denselben Kariben in Guyana saugt der Geist Tikokë, der manchmal in der Gestalt eines Ameisenbären auftritt, seinen menschlichen Opfern mittels einer Flöte das Blut aus; er ist also ein anziehender, ein einsaugender Dämon, wie der Tapir für andere Indianer.

In anderer Hinsicht weichen der Tapir und der Ameisenbär von einander ab: dieser scheidet durch das Maul aus, jener atmet durch den Anus; die Ameisenbären gelten als eingeschlechtig und sollen angeblich als Einzelgänger leben und sich fortpflanzen, während der Tapir im Denken der Indianer - man wird sehen, warum - das sexuelle Verlangen symbolisiert. Im Zusammenhang mit dieser Vorstellung vergleicht Goeje die Tupi-Worte tapiira, »Tapir«, und T-apia, »Skrotum«. Überdies scheint der Tapir vom Faultier weiter entfernt zu sein als der Ameisenbär. Die Indianer schreiben dem Faultier und dem Tapir ein antithetisches Exkretionsverhalten zu. Man erinnert sich, daß das Faultier sich von oben nach unten bewegt, um seine Ausscheidungen auf dem Erdboden und an immer derselben Stelle abzulegen. Der Tapir soll dagegen den Grund des Wassers vorziehen und seine Exkremente - also in horizontaler Achse - in einem Korb dorthin transportieren; während er in Wirklichkeit nicht nur im Wasser oder an den Uferböschungen defäziert, sondern manchmal auch in einiger Entfernung davon und sogar auf den Anhöhen.

Noch allgemeiner gesehen, machen die südamerikanischen Mythen den Tapir einerseits zu einer egozentrischen und gefräßigen Person, andererseits zum geradezu habituellen Verführer der verheirateten Frauen, die, sobald er sich ihnen vorstellt, dem Ruf der Natur erliegen. Überdies stellt der mythische Komplex, der uns hier beschäftigt, eine Verbindung, wenn nicht gar eine Äquivalenz zwischen dem Tapir und dem Meteor her. - (str)

Ähnlichkeit (2) Betrachtet man die Pflanzen als Tier, so ergibt sich, daß sie stationäre Tiere sind. Da ihre Nahrungsquelle im Boden selbst ist, muß ihre Bewegung sehr behindert sein.

Den Wurzelteil der Pflanze sollte man als Kopf bezeichnen. Fühl- und Tastsinn müssen in den Wurzeln hoch entwickelt sein. Auch motorische Kräfte sind in der Wurzel viel stärker entwickelt, wie sich aus der Überwindung der Widerstände im Erdreich deutlich ergibt. Die Leistung unter Tag ist oft bedeutend.

Ganz entsprechend dem häufigsten Tiertypus ist bei der Pflanze der Sexualorganismus dem Pol der Freßwerkzeuge am weitesten abgewandt. Die Blüte ist der Geschlechtsapparat der Pflanze. - Ernst Fuhrmann, Was die Erde will. Eine Biosophie. München 1986 (zuerst 1930)

Ähnlichkeit (3) Du mußt die Verhaltensweisen der Tiere denen der Menschen zum Vergleich gegenüberstellen und Denken und Wollen eines jeden einzelnen unter dem Gesichtspunkt ähnlicher Züge beim Tier untersuchen. So zeigen z.B. stolze, in Freiheit lebende, draufgängerische und Furcht erweckende Tiere, z. B. der Löwe, Tiger, Panther, Elefant, der Adler und Falke, Menschen entsprechender Art an. Die gewalttätigen, rauhen und ungeselligen, wie z.B. der Eber und der Bär, weisen auf Menschen ähnlichen Schlags. Die feigen, schnellfüßigen und gemeinen Tiere, z. B. der Hirsch, der Hase, der Hund, verkörpern Feiglinge und Ausreißer.

Dagegen stellen die trägen, faulen und verschlagenen Tiere, wie die Hyäne, träge Subjekte und Nichtstuer, vielfach auch Giftmischer dar. Von den giftigen Tieren weisen die Furcht erregenden, starken und kräftigen, wie der Drache, der Basilisk und die Kreuzotter, auf mächtige Männer, während die besonders giftigen, z.B. die Uräusschlange, die Sandviper, der Seps, reiche Männer und Frauen anzeigen.

Jene aber, deren äußere Erscheinung gewaltiger ist als ihre Kraft, wie die Äskulapschlange, die Kröte, die Blindschleiche, bedeuten Prahlhänse und Windbeutel. Die kleinen Tiere, wie die Giftspinnen, Wasserschlangen, Eidechsen, ähneln kleinlichen und verächtlichen Leuten, die aber fähig sind, einem übel zuzusetzen.

Die, welche offen räubern, wie der Habicht und der Wolf, versetzen uns unter Diebe und Räuber; die hinterrücks angreifenden aber, wie die Gabelweihe und der Fuchs, unter hinterhältige Subjekte.

Die schönen und reizenden Tiere, wie der Papagei, das Rebhuhn und der Pfau bezeichnen Stutzer, die Singvögel aber, die lieblich zwitschern, wie die Schwalbe, die Nachtigall, der Zaunkönig und ähnliche, Literaten, Musiker und Menschen mit klangvoller Stimme; die nachäffenden, wie der Hundsaffe, die Amsel und der Eichelhäher, Gaukler und Kerle, die alle Schliche kennen. Die gesprenkelten und gefleckten Tiere, wie der Panther, bedeuten verschlagene, häufig auch gebrandmarkte Menschen.

Arbeits- und Lasttiere, z.B. Esel und Ackerstiere, verkörpern Arbeiter und Untergebene; Tiere, die zwar Arbeit leisten, sich aber nicht einspannen lassen, wie Stiere, Rinder in der Herde, Weidepferde und Wildesel, ähneln Rebellen und anmaßenden Personen. Dagegen zeigen gesellige Tiere, z.B. Störche, Kraniche, Stare, Dohlen und Tauben, Menschen an, die Gemeinschaft und Zusammenleben schätzen, weshalb sie auch im Hinblick auf eine Gemeinschaft von guter Vorbedeutung sind. Einige davon aber prophezeien sowohl Unwetter, z. B. Dohlen und Stare, als auch Räuber und Feinde, wie Kraniche und Störche. Diejenigen, die sich an Aas heranmachen und nicht auf Beute aus sind, wie die Geier, versinnbildlichen Nichtstuer und Menschen ohne Schneid oder Leichenbestatter, Bestattungsunternehmer, Gerber oder sonst aus der Stadt verbannte Handwerker. Nachtvögel, die sich am Tag nicht rühren, wie der Steinkauz, die Waldohreule, der Waldkauz und ähnliche, bedeuten Ehebrecher, Diebe oder Leute, die ihre Arbeit in der Nacht besorgen.
Diejenigen, die mannigfache Laute von sich geben, wie der Rabe, die Krähe, der Eichelhäher und andere dieser Gattung, bezeichnen Personen, die eine Vielzahl von Sprachen sprechen oder ein umfassendes Wissen haben. Diejenigen, die gerne an bestimmten Orten nisten, z.B. die Haus- und Rauchschwalbe, verkörpern Menschen, die ganz in unserer Nähe wohnen und Türnachbarn; diese Gattung zeigt auch an, daß entlaufene Sklaven, die von Natur Freigeborene sind, in ihre Heimat wieder zurückkehren.

Bedenke auch, daß alle Tiere, die vielfache Auslegungen zulassen, dementsprechend zu beurteilen sind. So bedeutet z.B. der Panther wegen seiner Verhaltensweise einen hochgesinnten, wegen seiner Farbe einen verschlagenen Menschen, ebenso das Rebhuhn eine stattliche Person und einen Kerl, der alle Schliche kennt. - (art)

Ähnlichkeit (4) Das Wissen um die Gefährlichkeit eines bestimmten Köders wird von Generation auf Generation weitergegeben und überlebt bei weitem jene Individuen, die schlechte Erfahrungen mit ihm gemacht haben. Die Schwierigkeit, den erfolgreichsten biologischen Gegenspieler des Menschen, die Wanderratte, wirklich erfolgreich zu bekämpfen, liegt vor allem darin, daß die Ratte mit grundsätzlich ähnlichen Mitteln arbeitet wie der Mensch, mit traditionsmäßiger Überlieferung von Erfahrung und ihrer Verbreitung innerhalb einer eng zusammenhaltenden Gemeinschaft. - Aus: Konrad Lorenz: Das sogenannte Böse. Zur Naturgeschichte der Aggression. 1963

Ähnlichkeit (5)  Ein Strauß kratzt sich hinten im Nacken mit dem Fuß, wo ihn eine Laus beißt. Der Buschmann spürt dieselbe Stelle im eigenen Nacken, da, wo der Strauß sich kratzt. Ein Mann fühlt das Rascheln der Springböcke im Gebüsch in seinen eigenen Füßen. Den schwarzen Streifen des Springbocks, von der Stirn bis zur Nase herunter, fühlt er auf seinem Gesicht. Er spürt an den eigenen Augen die schwarzen Zeichen auf den Augen des Springbocks. Das schwarze Haar an den Flanken des Tieres spürt er an seinen Rippen. Ein Buschmann fühlt Blut an den Waden und im Rücken. Es ist das Blut des zu erregenden Springbocks, den er am Rücken tragen wird. Da spürt er auch das Haar des Tieres. Man spürt im Kopf, wo man die Hörner des Springbocks abschlagen wird. Man spürt das Blut unter den Kniehöhlen, wohin es vom erlegten Tiere, das man trägt, herunterzutropfen pflegt.  - (cane)

Ähnlichkeit (6)  Ein großer Fürst, den ich kenne, sagte, er wolle dem Löwen gleich sein: er wird im Alter niemals weiß; dem Affen: je mehr er es macht, desto mehr will er es machen; dem Hund: je älter er wird, desto größer wird sein Glied; und dem Hirsch: je älter er ist, desto besser kann er‘s, und die Hindinnen gehen lieber zu ihm als zu den jungen Hirschen.  - (brant)

Ähnlichkeit (7)

Ähnlichkeit

- Kliban

Ähnlichkeit (8) Ohne Witz wäre eigentlich der Mensch gar nichts, denn Ähnlichkeit in den Umständen ist ja alles was uns zur wissenschaftlichen Erkenntnis bringt, wir können ja bloß nach Ähnlichkeiten ordnen und behalten. Die Ähnlichkeiten liegen nicht in [den] Dingen, vor Gott gibt es keine Ähnlichkeiten. Hieraus folgt freilich der Schluß, je vollkommener der Verstand ist, desto geringer ist der Witz, oder es muß Seeleneinrichtungen geben, die so gespannt werden können, wie manche Waagen (wieder Witz) daß man sie sowohl zum genau als roher Wiegen gebrauchen kann. - (licht)

Ähnlichkeit (9)  Johannis, ein Riese von 16 Fuß, war mit einer Zwergin von 8 Fuß verheirathet. Er hörte aber von einer Riesin von eben so viel Länge, die einen Zwerg Thomas von 8 Fuß zum Mann habe. Johannis ließ sich in geheimen Briefwechsel mit der Riesin ein; und beide wünschten persönliche Bekanntschaft, ja Heirath, indem sie überdachten, welche herrliche große Sonntagkinder oder H[o]ren sie mit einander erzeugen <erzielen> könnten, wenigstens noch 1 1/2 mal so groß, bei einer Ehe-Zusammenfügung von zweimal 16 Fuß. Der lange Johannis nahm sich vor, den langen Weg von 6 Monaten zur Riesin mit schwarzem Haar und blitzenden Augen zu machen. Aber während seiner Reise nahm er, das wärmste Klima gewohnt, immer mehr ab und als er vollends in den kalten Dezember hinein kam, und zwar immer schneller, schrumpfte er so zusammen, daß er, als er vor die Riesin trat, wirklich nicht mehr maß als 8 Fuß und ihr nur bis an den Magen reichte, nicht ein mal ans Herz. »So etwas hab‘ ich auch im Bett, einen solchen Knirps« sagte sie und ersuchte ihn, nur umzukehren und erst länger zu werden. Da ers wirklich unterwegs wurde durch die Wärme: so schrieb er ihr im Juny, sie solle lieber doch ihn besuchen und besehen, er habe schon an Ort und Stelle die alte Länge und sie werd‘ es sehen. Da trat wirklich die Riesin, die die Einladung nach einem halben Jahr durch die Post (weil sie so schnell als der Riese ging) erhielt, die halbjährige Reise zu Johann an; aber sie hatte wieder dasselbe Schicksal wie er, nur aber, daß sie als Nordländerin an Kälte gewohnt, durch die steigende Wärme wie ein Eisberg abnahm und endlich auch in der Größe ihres Thomas bei dem Johannes anlangte. »Mein rothhariges Ding von Zwergin, sagte Johannes, ist um keinen Strich kürzer als du, du siehst aber, daß ich wirklich lang bin, du aber nicht.« — Ich merke aus allem, sagte sie, es soll ‹kann› aus unsrer Ehe nichts werden; so behalte du deine kurze Nixe und ich meinen zwergigen Thomas; Eheleute brauchen einander nicht ähnlich zu sein. - Jean Paul

Ähnlichkeit (10) Alle Menschen haben etwas Tierisches an sich, nur der Apollo von Belvedere nicht. So haben auch alle Tiere etwas Menschliches an sich, nur Madame ** zu *** nicht.   - (rit)

Ähnlichkeit (11)  Der Orang-Utan ruft unter allen Affen am meisten dem Menschen, der sich zum Ebenbilde Gottes macht, zu: Ecce homo. Der witzige Galiani hielt sich noch einen Affen und wußte alle seine Streiche zu bemänteln: Zerbrach er die Lampe auf der Treppe, so daß sich das Öl über den Gesandten ausgoß, so hatte der Affe Beobachtungen über die Oszillation des Pendels anstellen wollen; warf er eine schöne Schüssel zum Fenster hinaus, so machte er Betrachtungen über die Schwere, und erbrach er gar Briefe, so sah Galiani Anlagen in ihm zum Legationssekretär; aber endlich schaffte er ihn selbst fort, da er einst ihm, der mit einem Mädchen auf dem Sofa beschäftigt war, von gleicher Pavianslust erhitzt auf den Rücken sprang. - (kjw)

Ähnlichkeit (12)  Die hohe Einsicht wohnt nicht in den einzelnen Kammern, sondern im Gefüge der Welt. Ihr entspricht ein Denken, das sich nicht in abgesonderten und abgeteilten Wahrheiten bewegt, sondern im bedeutenden Zusammenhang, und dessen ordnende Kraft auf dem kombinatorischen Vermögen beruht.

Der ungemeine Genuß, den die Beschäftigung mit solchen Geistern gewährt, gleicht der Wanderung inmitten einer Landschaft, die sich ebensowohl durch die Weite ihres Umkreises als durch die Fülle der Einzelheiten auszeichnet. Die Aussichten wechseln in mannigfaltigem Reigen ab, während der Blick sie mit stets gleichmäßiger Heiterkeit erfaßt, ohne daß er sich je im Verworrenen und Ungefügen oder im Kleinlichen und Verschrobenen verliert. Bei allem Reichtum an Varianten, den der Geist zu erzeugen, und bei aller Leichtigkeit, mit der er die Gebiete zu wechseln vermag, verharrt er mit ungezwungener Strenge in seinem Zusammenhang. Seine Kraft scheint zu wachsen, gleichviel, ob er sich vom Motiv zur Ausführung wendet oder von der Ausführung zum Motiv zurück. Diese Art der Bewegung läßt sich, unter Abwandlung des schönen Bildes von Clausewitz, dem Gang durch einen verschlungenen Park vergleichen, in dem man doch von jedem Punkte aus den hohen, im Zentrum errichteten Obelisken erblickt.

Das kombinatorische Vermögen unterscheidet sich vom nur logischen insofern, als es sich stets in Fühlung mit dem Ganzen bewegt und nie im Vereinzelten verliert. Wo es das einzelne berührt, gleicht es einem Zirkel aus doppeltem Metall, dessen goldene Spitze im Zentrum fußt. Dabei ist es in weit geringerem Maße auf Daten angewiesen; es beherrscht eine überlegene Mathematik, die zu multiplizieren und zu potenzieren versteht, wo die gewöhnliche Rechenkunst sich mit einfachen Additionen behilft.

Wo es daher dem Genius auch immer beliebt, das Feld der Wissenschaften zu betreten, da liefert er den Leuten vom Fach ein kurzes, entscheidendes Gefecht, indem er sie, die gewissermaßen in der geraden Linie gegen ihn anrücken, mit Leichtigkeit zu überflügeln und aus den Flanken zu erschüttern vermag. Am schönsten und schnellsten tritt seine Überlegenheit in der Kriegskunst hervor.

Insofern es zu den Aufgaben des Verstandes gehört, die Dinge nach ihrer Verwandtschaft zu ordnen, zeigt sich der kombinatorische Schluß dadurch überlegen, daß er die Genealogie der Dinge beherrscht und ihre Ähnlichkeit in der Tiefe aufzuspüren weiß. Der einfache Schluß dagegen sieht sich auf die Feststellung der Oberflächen-Ähnlichkeit beschränkt und plagt sich damit ab, am Stammbaum der Dinge die Blätter zu messen, deren Grundmaß jedoch im Keimpunkt der Wurzel verborgen liegt. - (ej2)

Ähnlichkeit (13) Ein Kind sieht die Ähnlichkeiten zwischen Dingen oder Menschen als jemand, der noch am wenigsten Vergleichsmöglichkeiten hat, am besten. Seine Vergleiche sind die genauesten. Einem Kind, das Ähnlichkeit feststellt, kann man vertrauen - (bleist)

Ähnlichkeit (14) Er nahm die Laterne aus der Hand des Wirts und beleuchtete die zwei; es waren die Männer, die er schon getroffen hatte und die Artur und Jeremias angerufen worden waren. Sie salutierten jetzt. In Erinnerung an seine Militärzeit, an diese glücklichen Zeiten, lachte er. »Wer seid ihr?« fragte er und sah vom einen zum anderen. »Euere Gehilfen«, antworteten sie. »Es sind die Gehilfen«, bestätigte leise der Wirt. »Wie?« fragte K. »Ihr seid meine alten Gehilfen, die ich nachkommen ließ, die ich erwarte?« Sie bejahten es. »Das ist gut«, sagte K. nach einem Weilchen, »es ist gut, daß ihr gekommen seid.« - »Übrigens«, sagte K. nach einem weiteren Weilchen, »ihr habt euch sehr verspätet, ihr seid sehr nachlässig.« — »Es war ein weiter Weg«, sagte der eine. »Ein weiter Weg«, wiederholte K., »aber ich habe euch getroffen, wie ihr vom Schlosse kamt.« - »Ja«, sagten sie, ohne weitere Erklärung.

»Wo habt ihr die Apparate?« fragte K. »Wir haben keine«, sagten sie. »Die Apparate, die ich euch anvertraut habe«, sagte K. »Wir haben keine«, wiederholten sie. »Ach, seid ihr Leute!« sagte K., »versteht ihr etwas von Landvermessung?« — »Nein«, sagten sie. »Wenn ihr aber meine alten Gehilfen seid, müßt ihr doch das verstehen«, sagte K. Sie schwiegen. »Dann kommt also«, sagte K. und schob sie vor sich ins Haus.

Sie saßen dann zu dritt ziemlich schweigsam in der Wirtsstube beim Bier an einem kleinen Tischchen, K. in der Mitte, rechts und links die Gehilfen. Sonst war nur ein Tisch mit Bauern besetzt ähnlich wie am Abend vorher. »Es ist schwer mit euch«, sagte K. und verglich wie schon öfters ihre Gesichter, »wie soll ich euch denn unterscheiden? Ihr unterscheidet euch nur durch die Namen, sonst seid ihr einander ähnlich wie« - er stockte, unwillkürlich fuhr er dann fort —, »sonst seid ihr einander ja ähnlich wie Schlangen.« Sie lächelten. »Man unterscheidet uns sonst gut«, sagten sie zur Rechtfertigung. »Ich glaube es«, sagte K., »ich war ja selbst Zeuge dessen, aber ich sehe nur mit meinen Augen, und mit denen kann ich euch nicht unterscheiden. Ich werde euch deshalb wie einen einzigen Mann behandeln und beide Artur nennen, so heißt doch einer von euch. Du etwa?« — fragte K. den einen. »Nein«, sagte dieser, »ich heiße Jeremias.« - »Es ist ja gleichgültig«, sagte K., »ich werde euch beide Artur nennen. Schicke ich Artur irgendwohin, so geht ihr beide, gebe ich Artur eine Arbeit, so macht ihr sie beide, das hat zwar für mich einen großen Nachteil, daß ich euch nicht für gesonderte Arbeit verwenden kann, aber dafür den Vorteil, daß ihr für alles, was ich euch auftrage, gemeinsam ungeteilt die Verantwortung tragt. Wie ihr untereinander die Arbeit aufteilt ist mir gleichgültig, nur ausreden dürft ihr euch nicht aufeinander, ihr seid für mich ein einziger Mann.« Sie überlegten das und sagten: »Das wäre uns recht unangenehm.« - »Wie denn nicht«, sagte K., »natürlich muß euch das unangenehm sein, aber es bleibt so.« - Franz Kafka, Das Schloß

Ähnlichkeit (15)  Basarow hatte in einigen Minuten alle Gartenwege abgelaufen, hatte in den Viehhof und in den Pferdestall hineingeschaut und zwei Hofjungen ausfindig gemacht, mit denen er sich sofort anfreundete und zu einem kleinen, eine Werst vom Anwesen gelegenen Sumpf begab, um Frösche zu fangen.

»Wozu brauchst du die Frösche, Herr?« fragte einer der Knaben.
»Na, hört mal zu«, antwortete ihm Basarow, der es hervorrragend verstand, bei gesellschaftlich tieferstehenden Leuten Vertrauen zu erwecken, obwohl er ihnen niemals etwas durchgehen ließ und mit ihnen recht geringschätzig umging. »Ich werde den Frosch aufschneiden und nachsehen, wie er inwendig aussieht; und da ich und du die gleichen Frösche sind, nur daß wir auf den Beinen gehen, so werde ich dadurch erfahren, wie es in uns aussieht.«
»Aber wozu brauchst du das?«
»Um mich nicht zu irren, wenn du krank wirst und ich dich kurieren muß.«
»Bist du denn ein Doktor?«
»Ja.«
»Wasjka, hör, der Herr sagt, daß ich und du die gleichen Frösche sind. Seltsam!« - Iwan Turgenjew, Väter und Söhne. München 1969 (zuerst 1862)

Ähnlichkeit (16)   Die Ähnlichkeit ist  eine Falle, in der sich gar mancher Künstler fängt, um darin zugrunde zu gehen. Da gibt es eine Ähnlichkeit der Oberfläche, die einem ihre Tore sehr bald auftut, und eine hinreichend ausdrucksvolle Wiedergabe der Physiognomie, die ein geschickter Mann ebenso geschwind erfassen wird wie gewisse Karikaturisten. Ein also leichthin betriebenes Geschäft hält jedoch keiner Erprobung stand. Man kann dieser Art von Werken durch die Betrachtung nicht mehr Tiefe geben, als ihre Schöpfer ihnen kraft der Durcharbeitung und kraft der »Durchdachtheit des Zusammenbaus« zu geben vermochten. Je mehr man sie ansieht, desto schwanker werden ihre Formen, desto mehr fallen sie auseinander. Man darf nicht bei der Ähnlichkeit erster Hand Halt machen. Ich gehe weiter: Man darf nicht vor jeglichem Dinge die Ähnlichkeit wollen; diese muß vielmehr aus der Übereinstimmung einander zugewandter Beobachtungen und Verrichtungen hervorgehen, die in die Form des Ganzen eine ständig sich mehrende Vielheit von Bezogenheiten der einzelnen Teile speichern, die der Künstler wahrgenommen hat. Es kennzeichnet die Güte einer Arbeit, daß man sie immer weiter der Genauigkeit zu vorantreiben kann, ohne daß man ihre Anlage oder die Bezugspunkte zu ändern brauchte. - Paul Valery, Über Kunst. Frankfurt am Main 1959 (BS 53, zuerst ca. 1935)

Ähnlichkeit (17)  Ich kann meinen Abscheu und mein Erstaunen nicht beschreiben, als ich in diesem verabscheuungswürdigen Tier eine vollkommene Menschenfigur erblickte. Das Gesicht war zwar zu flach und zu breit, die Nase eingedrückt, die Lippen wulstig und der Mund sehr weit. Diese Verschiedenheiten von unserer Gesichtsbildung sind aber allen wilden Nationen gemein, deren Gesichtszüge verdorben werden, weil sie ihre Kinder auf dem Boden herumkriechen lassen oder sie auf dem Rücken tragen, so daß die Kinder mit dem Gesicht über den Schultern ihrer Mutter gesäugt werden. Die Vorderpfoten des Yahoo waren von meinen Händen nur durch Länge der Nägel, durch die Rauheit und Bräune der Handflächen und durch die haarige Rückseite verschieden. Dieselbe Ähnlichkeit bestand auch zwischen unseren Füßen, wie ich wohl wußte, nicht aber die Pferde, weil ich Schuhe und Strümpfe trug.    - (gul)

Ähnlichkeit (18)   Die Vernunft hat so viele Gestalten, daß wir nicht wissen, an welche wir uns halten sollen; die Erfahrung hat deren nicht weniger. Der Schluß, den wir aus der Ähnlichkeit der Ereignisse folgern wollen, ist unzuverlässig, zumal sie nie ähnlich sind: es gibt in diesem Schauspiel der Dinge keine so allgültige Eigenschaft wie die Verschiedenheit und Vielfalt. Die Griechen so gut wie die Römer und wie wir kennen kein handgreiflicheres Beispiel der Gleichheit als das der Eier. Gleichwohl haben sich Menschen gefunden, und namentlich einer zu Delphos, der Unterscheidungsmerkmale zwischen den Eiern erkannte, so daß er nie eines mit dem andern verwechselte; und wenn da mehrere Hennen waren, wußte er zu entscheiden, von welcher das Ei stammte. Die Ungleichheit nistet sich von selbst in unsem Werken ein: keine Kunst kann es bis zur Gleichheit bringen. Weder Parrozet noch irgendeiner vermag die Rückseite seiner Karten so sorgfältig zu glätten und zu weißen, daß nicht einige Spieler sie von hinten unterscheiden, wenn sie nur vor ihren Augen durch die Hände eines Mitspielers gehen. Die Ähnlichkeit macht nie so gleich, wie die Unähnlichkeit anders. Die Natur hat sich vorgesetzt, nie ein Zweites hervorzubringen, das nicht vom Ersten abwiche. - (mon)

Ähnlichkeit (19)   Maigret mußte an die längste und schwierigste aller Vernehmungen denken, die in den Annalen der Polizei fast klassisch geworden war: die Vernehmung Mestorinos, die geschlagene sechsundzwanzig Stunden gedauert hatte. An ihrem Ende war der Raum so voller Rauch gewesen, daß man fast nichts sehen und kaum noch atmen konnte. Leere Gläser standen herum und halbgeleerte Platten mit belegten Broten. Die beiden Männer saßen in Hemdsärmeln, die Gesichter der beiden waren so erschöpft und gezeichnet von der durchwachten Nacht, daß ein Unkundiger schwer hätte sagen können, welches von ihnen dem überführten Verbrecher gehörte.  - Georges Simenon, Maigret in New York. München 1974 (Heyne Simenon-Kriminalromane 12, zuerst 1946)

Ähnlichkeit (20)  66. Betrachte z. B. einmal die Vorgänge, die wir »Spiele« nennen. Ich meine Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiele, Kampfspiele, u. s. w. Was ist allen diesen gemeinsam? - Sag nicht: »Es muß ihnen etwas gemeinsam sein, sonst hießen sie nicht ›Spiele‹« — sondern schau, ob ihnen allen etwas gemeinsam ist. — Denn, wenn du sie anschaust, wirst du zwar nicht etwas sehen, was allen gemeinsam wäre, aber du wirst Ähnlichkeiten, Verwandtschaften, sehen, und zwar eine ganze Reihe. Wie gesagt: denk nicht, sondern schau! - Schau z.B. die Brettspiele an, mit ihren mannigfachen Verwandtschaften. Nun geh zu den Kartenspielen über: hier findest du viele Entsprechungen mit jener ersten Klasse, aber viele gemeinsame Züge verschwinden, andere treten auf. Wenn wir nun zu den Ballspielen übergehen, so bleibt manches Gemeinsame erhalten, aber vieles geht verloren. — Sind sie alle unterhaltend? Vergleiche Schach mit dem Mühlfahren. Oder gibt es überall ein Gewinnen und Verlieren, oder eine Konkurrenz der Spielenden? Denk an die Patiencen. In den Ballspielen gibt es Gewinnen und Verlieren; aber wenn ein Kind den Ball an die Wand wirft und wieder auffängt, so ist dieser Zug verschwunden. Schau, welche Rolle Geschick und Glück spielen. Und wie verschieden ist Geschick im Schachspiel und Geschick im Tennisspiel. Denk nun an die Reigenspiele: Hier ist das Element der Unterhaltung, aber wie viele der anderen Charakterzüge sind verschwunden! Und so können wir durch die vielen, vielen anderen Gruppen von Spielen gehen,  Ähnlichkeiten auftauchen und verschwinden sehen. - (wit)

Ähnlichkeit (21)  Maigret war hier außerhalb seines Zuständigkeitsbereichs. Hier war Marella der Chef. Er war natürlich ein dunkler Typ, nicht sehr groß, aber äußerst lebhaft. Seit sie sich das letztemal gesehen hatten, hatte er einen kleinen Bauch bekommen, der ihm ein etwas biederes Aussehen gab.

Früher hatte man ihn ebenso für einen Gangster wie für einen Polizeibeamten halten können. Auch Gangster neigen dazu, einen Bauch zu bekommen, aber wenn es soweit ist, haben sie sich im allgemeinen schon aus dem Geschäft zurückgezogen. - Georges Simenon, Maigret und die Spinnerin. München 1979 (Heyne Simenon-Kriminalromane 122, zuerst 1970)

Ähnlichkeit (22)   Sie hatten es so gewollt! Wegen all dieser Getränke sah Gilles sie nur noch als Karikaturen. Jean Plantel, der fünfundzwanzig Jahre alt sein mochte, war lang, mager, mit schütterem, blondem Haar, und er erinnerte an eine Heuschrecke. Übrigens rieb er sich unaufhörlich seine dürren, knackenden Hände, so wie sich die Heuschrecken die Vorderbeine reiben. - Georges Simenon, Ankunft Allerheiligen. Zürich 1979 (detebe 135/14, zuerst 1941)

Ähnlichkeit (24)  «An der Kirchentür in meinem Dorf war die Tatze eines Bären angenagelt, den hatte ich im Frühling geschossen, im Schnee, an einem Abhang, wie er gerade mit dieser selben Tatze einen Baumstamm auf die Seite wälzte.»

«Wann war das?»

«Vor sechs Jahren. Und immer, wenn ich diese Tatze sah, wie eine Menschenhand, aber mit langen Klauen, vertrocknet und mit dem Nagel quer durch die Fläche an die Kirchentür genagelt, da freute ich mich.»

«Vor Stolz?»

«Vor Stolz in der Erinnerung an das Zusammentreffen mit dem Bären an jenem Abhang im Vorfrühling. Aber wenn man einen Menschen tötet, der ein Mensch ist wie wir, bleibt nichts Gutes zurück.»

«Du kannst doch wohl nicht seine Tatze an die Kirchentür nageln», sagte Robert Jordan.

«Nein. Eine solche Barbarei ist undenkbar. Aber eine Menschenhand sieht genausoaus wie eine Bärentatze.»

«Und die Brust eines Menschen wie die Brust eines Bären», sagte Robert Jordan. «Zieht man dem Bären die Haut ab, dann findet man auch viele Ähnlichkeiten in der Muskulatur.»

«Ja», sagte Anselmo. «Die Zigeuner glauben, der Bär ist ein Bruder des Menschen.»

«Auch die Indianer in Amerika», sagte Robert Jordan. «Und wenn sie einen Bären töten, dann entschuldigen sie sich bei ihm und bitten ihn um Verzeihung. Sie hängen seinen Schädel an einen Baum, und bevor sie weggehen, bitten sie ihn, ihnen zu verzeihen.»

«Die Zigeuner glauben, der Bär ist ein Bruder des Menschen, weil er unter seinem Fell denselben Körper hat, weil er Bier trinkt, weil er Musik liebt und weil er gerne tanzt.»

«Das glauben auch die Indianer

«Sind denn die Indianer Zigeuner

«Nein. Aber sie glauben dasselbe vom Bären.»

«Ja. Die Zigeuner glauben auch, er ist ein Bruder, weil er zum Vergnügen stiehlt.» - Ernest Hemingway, Wem die Stunde schlägt. Frankfurt am Main 1978 (zuerst 1940)

Ähnlichkeit (23)  Watts Lächeln war  insofern eigenartig, als es sich selten nur einmal zeigte, da ihm nach kurzer Zeit ein zweites, allerdings schwächeres folgte. Darin ähnelte es dem Furz. Und es kam sogar manchmal vor, daß ein drittes, sehr schwaches, flüchtiges für notwendig erachtet wurde, ehe das Gesicht wieder zur Ruhe kommen konnte. Aber das war selten.  - (wat)

Ähnlichkeit (24)   Zahllos sind die Dinge, die nicht dem ähneln, was sie sind (zum Beispiel das Blatt, das sich in nichts als Lunge zu erkennen gibt, ein Flugzeug, das man für zu schwer hält, um es den Vögeln gleichtun zu können, ein Computer, der keinerlei Anzeichen eines Gehirns aufweist), und zahlreich sind die, deren äußerer Anschein trügerisch ist (der gutmütig aussehende Bär, die Schlange als Schnur auf dem Boden, der Fisch, dessen Gehör nicht die Ohren sind, der Mond als Scheibe am Himmel, der Baum als Gespenst, der Tote als Schlafender). - (leiris2)

Ähnlichkeit (25)   Wir alle ähneln mehr oder weniger irgendwelchen Speisen. Es gibt eine Menge Bourgeois, die mir wie Suppenfleisch vorkommen: viel Dampf, kein Saft und kein Geschmack. Man hat sofort genug davon, und es nährt die Bauernlümmel. Es gibt auch eine Menge weißes Fleisch, Flußfische, schlanke Aale, die im Morast der Flußbetten leben, Austern (mehr oder weniger salzig), Kalbsköpfe und süßes Mus. Ich ? Ich bin wie Makkaroni mit zerlaufenem stinkendem Käse; man muß sich erst daran gewöhnen, bis man auf den Geschmack kommt. Mit der Zeit ist man dann soweit, nachdem sich einem zuvor so manches Mal der Magen gedreht hat. - Flaubert an Louise Colet, nach (enc)

Ähnlichkeit (26)   Kein Vogel kennt den Weg dahin, kein Geierauge hat ihn erspäht. Welch anderer Vogel soll damit gemeint sein als jener, der den fleischlichen Leib, den er angenommen hat, beim Aufsteigen zum Äther freimachte? In zutreffender Weise wird er auch als Geier bezeichnet. Denn wenn ein Geier beim Flug ein hingestrecktes Aas erblickt, läßt er sich zum Fraß darauf nieder und wird so häufig gefangen und getötet, nachdem er aus höchsten Höhen zu einem toten Tiere kam. Zurecht also wird der Mittler zwischen Gott und Menschen, unser Erlöser, als Geier bezeichnet, der in den Höhen seiner Gottheit verbleibend gleichsam in erhabener Höhe fliegend tief unten das Aas unserer Sterblichkeit erblickte und sich würdigte, aus himmlischer Höhe in die untersten Tiefen herabzusteigen und auf diese Weise Mensch zu werden; und während er so auf das tote Tier zuflog, fand er, der in sich unsterblich ist, den Tod.   - Bestiarium, nach dem Ms. Ashmole 1511, Hg. Franz Unterkircher.  Graz 1986

Ähnlichkeit (27)  Der italienische König Umberto I. aß mit seinen Adjutanten in einem Restaurant in Monza (Italien), das er wegen eines Sportfestes besuchte. Einem der Adjutanten fiel die große Ähnlichkeit des Wirtes mit dem König auf. Als der König ihn an den Tisch bat und mit ihm sprach, wurden erstaunliche Parallelen offenbar: Der Wirt hieß auch Umberto, war wie der König in Turin, sogar am gleichen Tag, geboren. Er hatte am Tag der Hochzeit des Königs mit der Königin Margherita ebenfalls ein Mädchen namens Margherita geheiratet. Die Eröffnung seines Lokals fand am Tag der Krönung Umbertos zum König statt.

Der König war fasziniert und lud seinen Doppelgänger spontan zu dem Sportfest ein.

Doch am nächsten Tag wurde gemeldet, der Wirt sei bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Während König Umberto sein Bedauern ausdrückte, wurde er selbst von einem Anarchisten ermordet. - (hoe)

Ähnlichkeit (28)

 Ähnlichkeit (29)   Mr. Brooks hatte keine Vorurteile; was ihn anbetraf, konnten die Leute siebzehnmal heiraten und chinesische Kinder in die Welt setzen. Doch an der Unterhaltung mit Madame Zilensky war etwas, das ihn beunruhigte. Plötzlich wußte er, warum. Die Kinder sahen Madame Zilensky überhaupt nicht ähnlich, aber untereinander glichen sie sich sehr, und da jedes einen andern Vater hatte, fand Mr. Brook die Ähnlichkeit merkwürdig.  - Carson McCullers, Madame Zilensky und der König von Finnland. In: C.M., Gesammelte Erzählungen. Zürich 2005

 Ähnlichkeit (30)   Nichts scheint mir so sehr einem Bordell zu ähneln wie ein Museum. Man begegnet hier der gleichen Zweideutigkeit und dem gleichen Versteinerungscharakter. Im einen Falle die Venusse, die Judiths, die Susannen, die Junonen, die Lucretien, die Salomes und andere Heldinnen, zu schönen Bildern erstarrt; im andern lebendige Frauen in ihrer traditionellen Tracht, mit ihren Gesten, ihren Redensarten, ihren Gepflogenheiten, die ganz und gar stereotyp sind. An beiden Orten befindet man sich gewissermaßen unter dem Zeichen der Archäologie; und deshalb bin ich lange Zeit gern ins Bordell gegangen, weil es ebenfalls am Altertum teilnimmt, wegen seines Aspektes als Sklavenmarkt, rituelle Prostitution.  - (leiris3)

 Ähnlichkeit (31)  in China findet man den  Glauben, daß das Glück einer Stadt sehr stark von der Form abhänge, in der sie erbaut sei, und daß sich ihr Schicksal ändert je nach dem Charakter des Dinges, dem sie gerade am meisten gleicht. So wird berichtet, daß vor langer Zeit die Stadt Tsuen-Cheu-fu, deren Umrisse einem Karpfen gleichen, häufig den Übergriffen der benachbarten Stadt Yung-chun zum Opfer fiel, welche die Form eines Fischernetzes hat, und zwar so lange, bis die Bewohner der ersteren beschlossen, zwei hohe Pagoden in ihrer Mitte zu errichten. Diese Pagoden, die heute noch das Wahrzeichen der Stadt bilden, haben von da an ihr Schicksal in der glücklichsten Weise beeinflußt, indem sie das vermeintliche Netz auffingen, ehe es auf sie herabfallen und den vermeintlichen Karpfen in seinen Maschen fangen konnte.  - (fraz)

Ähnlichkeit (32)

- Jan Saudek

Ähnlichkeit (33)  Lieber Freund, wer macht Dich denn eifersüchtig? Im Grunde sehe ich in jedem Mann doch nur Dein Bild. Was für eine Ähnlichkeit stellt allein schon die Männlichkeit dar! Aber ja, ich sehne mich auch nach ganz vulgären Eigenschaften. Gestern stellte ich mir vor, Du hättest einen Schnurrbart, und ich musterte daraufhin Arbeiter auf der Straße. Oh, ich schwöre Dir, Du solltest Dich ein bißchen anstrengen, um zu verstehen. Wenn ich Kinder sehe, bringe ich es einfach nicht fertig, sie nicht anzufassen. So geht's mir auch bei Tieren, bei manchen Katzen, großen Hunden, aber davon bleibt mir immer ein gewisser Nachgeschmack, gleichsam ein nachträglicher Ekel, das Bedürfnis, mir die Hände zu waschen.  - (lib)

Ähnlichkeit (34)  Eine Dame und eine Klosterfrau sitzen in ihrer Nähe unter einer Kastanie und plaudern miteinander. Marie hält im Spielen inne. Aufrecht bleibt sie stehen, ein wenig abseits, mit gekreuzten Händen, um die Klosterfrau zu betrachten: in aller Ruhe und mit unverwandter Aufmerksamkeit in ihren großen Augen. Sie betrachtet sie wie einer, der in Verzückung ist, ohne etwas anderes zu sehen, ohne den Kopf zu wenden oder sich ablenken zu lassen, ohne auch nur ein einziges Mal die Lider zu senken, ohne an etwas anderes zu denken als an das, was sie da vor sich sieht, und wie sie ihm näher kommen möchte. Die Klosterfrau bemerkt alsbald, welch eine außergewöhnliche Bewunderung ihr da entgegengebracht wird. Sie ruft das Kind herbei: «Warum schaust du mich denn so an?» - «Gnädige Frau Schwester Sancta Beatrix, ich liebe Sie. Wenn Sie mich nicht angeredet hätten in diesem Augenblick, ich wäre krank geworden.» Anderntags betraten Françoises drei Enkelkinder das Kloster der Vorsehung. Schwester Beatrix, ganz weiß und wunderschön in ihrem Mantel, kam ihnen öffnen. Marie bat alsogleich, man möge ihr den Lieben Gott in die Hände geben, den sie an einem qualvollen Tage ganz von ferne erblickt hatte und so gerne berührt hätte. Schwester Beatrix ließ den großen silbernen Kruzifixus von der Wand nehmen, und Marie durfte die Arme in ihrem schwarzen Kittel darum schlingen: sie sah ihn an, kaum konnte sie ihn halten, während ihre kleine Schwester und der kleine Vetter ihn schüchtern streichelten, wie sie es vorausgesagt hatte.

Plötzlich sagte sie mit leiser Stimme zu ihnen: «Er sieht wie der betrunkene Mann aus, den die Mutter umgebracht hat.» Schwester Beatrix legte dem kleinen Mädchen ihren Finger auf den Mund, das hinzufügte: «Ich hab ihn ganz nackt gesehen, wie der hier aus Silber ist. Sie haben gesagt, das wäre mein Vater.»    - Marcel Jouhandeau, Vieille Françoise oder Die Eroberung der Ehrbarkeit. In: M. J., Chaminadour. Reinbek bei Hamburg 1964

Ähnlichkeit (35)  Am Ende sind alle Aehnlichkeiten, die der Witz zwischen Vorstellungen aufdeckt, eben so wahr als die, die der Scharfsinn unter ihnen auskundschaftet. Denn der Witz unterscheidet sich vom Scharfsinn nicht durch den kleinern Grad der entdeckten Aehnlichkeiten - weil Aehnlichkeit als solche blos Gleichheit von wenigem Theilen und mithin ohne Grade ist -, sondern durch die kleinere Zahl derselben, die sich meistens noch auf Gestalt, Farbe usw. beziehen. Daher gewährt oft beim ersten Anblick eine scharfsinnige Erfindung das Vergnügen einer witzigen, weil man an ihr noch nicht alle die Aehnlichkeiten ansichtig geworden, die sie zu einer scharfsinnigen erheben. Daher sehen vielleicht höhere Wesen das buntfarbige Band, womit der Witz spielend unähnliche Dinge zusammennäht, mit beiden Enden um die halbe Schöpfung laufen und sich schlingen; daher mag ihnen oft unser Scharfsinn Witz und unser Witz Scharfsinn dünken.  - Jean Paul, Auswahl aus des Teufels Papieren. Frankfurt / M. Berlin 1991 (zuerst ca. 1784/89)

Ähnlichkeit (36)  Ich will jetzt zwei Vorstellungen einander nähern, die noch weiter auseinanderliegen, nur zum Versuch. Wer mit dem Auge des Künstlers eine lange grüne Schlangengurke betrachtet, die auf schlechtem freiem Lande gewachsen ist, hat wohl bemerkt, wie die Frucht einer gewissen Kaktuspflanze gleicht. Die Gurke ist grün wie der fragliche Kaktus, geriffelt wie der Kaktus und bekommt Warzen mit Haaren darauf - wie der Kaktus. Kann eine Frucht einer ganzen Pflanze gleichen? Ja, sie kann es wohl, da sie es tatsächlich tut! Aber der Zusammenhang? Wenn der Zoologe alle Glieder zwischen der Schildkröte und dem Schwimmvogel aufweist, will ich mich für verpflichtet halten, alle Übergänge zwischen einer Qurke und einem Kaktus anzugeben. Während ich auf den Zoologen warte, will ich mich mit einigen Andeutungen eines existierenden Zusammenhanges begnügen. Nach dem System von Fries gehören sowohl Cucurbitaceae wie Cacteae zur siebenten Klasse Fauciflorae; sie stehen unmittelbar nebeneinander, so daß die Gurkenpflanzen die Familiennummer vierundfünfzig haben und die Kaktuspflanzen fünfundfünfzig. Damit haben wir die beiden bereits ein tüchtiges Stück einander genähert. Ferner: der Kaktus gehört nach Linne zu Icosandria, und (bemerkt S. Almquist in seinem Lehrbuch) bei den Gurkenpflanzen ist der Blütenboden schalenförmig ausgebreitet wie bei der Klasse Icosandria (wohin der Kaktus gehört). Füge ich hinzu, daß die Gurke nunmehr für eine Beerenfrucht angesehen wird, und daß die junge Kaktusfrucht, auch eine Beere, einem jungen Kürbis gleicht, so wird der Abstand wieder ein Stück vermindert.

Aber das schlimmste Stück bleibt noch übrig, die Gurke war ja eine Frucht, und das Kaktusfleisch ist keine Frucht, auch kein Blatt, sondern die Bekleidung des Stammes, denn der Stamm in einem Kaktus ist oft holzartig mit Jahresringen. Für einen Goethe, der glaubte, daß Blüte und Frucht nur Metamorphosen des Blattes seien, und das Blatt ein metamorphosierter Stamm sei, wäre also der Übergang vom Stamm (der Kaktus) zur Frucht (der Gurke) nicht ungereimt. Für den, der Zeit hat, alle Glieder in der morphologischen Kettenrechnung aufzustellen, die hier erforderlich sind, bitte ich daran erinnern zu dürfen, daß die Euphorbien (die mexikanischen) mit ihren kaktus- und gurkenähnlichen Stämmen, und die Sedumarten mit ihren kaktusähnlichen Stämmen und gurkenähnlichen Blättern (vergleiche Sedum acre) in die Analogiekette (oder das Analogienetz) aufgenommen werden müssen.  - (blau)

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