orm  Zunächst gewahrte man einen großen Kreis von bläulichen, durchsichtigen Kegeln, deren Spitzen nach oben ragten. Sie hatten etwa das halbe Volumen eines Menschen. Einige helle Streifen und dunkle Windungen überzogen ihre Oberfläche, unten hatten sie alle einen hell strahlenden Stern.

Weiter entfernt sah man nicht weniger seltsame Quader, die, aus senkrecht aneinandergelagerten Schichten bestehend, einer Birkenrinde ähnelten und von schillernden Ellipsen geädert waren. Hier und da gab es außerdem noch zylinderartige Formen von unterschiedlicher Ausprägung; die einen waren schmal und hoch, die anderen klein und untersetzt, alle aber waren bronzefarben mit grünen Sprenkeln und, wie die Quader, mit dem charakteristischen Lichtpunkt behaftet.

Der Stamm starrte sie entsetzt an. Auch die Tapfersten wurden von einer abergläubischen Furcht gelähmt, die noch wuchs, als die FORMEN in den grauen Schatten der Lichtung zu wogen begannen. Und plötzlich, mit bebenden, schwankenden Sternen dehnten sich die Kegel aus, die Zylinder und die Quader zischten wie Wasser, das auf eine Flamme trifft, und alle bewegten sich mit erhöhter Geschwindigkeit auf die Nomaden zu.

Kein Mitglied des Stammes vermochte sich zu rühren, jeder starrte wie gebannt auf dieses Schauspiel. Die FORMEN griffen an. Es war fürchterlich. Krieger, Frauen, Kinder fielen reihenweise zu Boden, auf geheimnisvolle Weise getötet, wie vom Blitzschlag getroffen. Da erst erwachten die Überlebenden aus ihrer Erstarrung, die Angst verlieh ihnen Flügel, und sie ergriffen die Flucht. Die FORMEN, die zunächst massiert und nach Rang geordnet aufgetreten waren, zerstreuten sich, um die Flüchtlinge unerbittlich zu verfolgen. Ihre furchtbare Angriffswaffe war jedoch nicht unfehlbar: sie tötete die einen, betäubte die anderen, fügte aber niemals Wunden zu. Einige Tropfen Blut kamen aus den Nasenlöchern, den Augen, den Ohren der Sterbenden, aber die anderen erhoben sich bald unversehrt und konnten ihre Flucht in der blassen Dämmerung fortsetzen.

Welcher Beschaffenheit auch immer die FORMEN sein mochten, sie handelten wie Lebewesen, keineswegs wie Elemente, waren wie Lebewesen unbeständig und verschieden in ihrem Verhalten, wählten ihre Opfer offensichtlich gezielt aus und verwechselten dabei die Nomaden weder mit Pflanzen noch mit Tieren. Bald merkten die Schnelleren, daß sie nicht mehr verfolgt wurden. Erschöpft, zerrissen, wagten sie es, sich nach dem ungeheuerlichen Geschehen umzudrehen. Weit hinten, zwischen den in Schatten getauchten Baumstämmen, ging die lichterwerfende Verfolgung weiter. Mit besonderem Eifer verfolgten die FORMEN die Krieger und metzelten sie nieder. - J. H. Rosny Ainé: Die Xipehuz. In: Polaris 4, Hg. Franz Rottensteiner. Frankfurt am Main 1978

Form (2)  Rückzug! Ich ahne (aber ich weiß nicht, sollen meine Lippen es jetzt schon gestehen?), daß bald die Zeit des allgemeinen Rückzugs kommen wird. Dann wird der Erdensohn verstehen, daß man sich nicht im Einklang mit seinem innersten Wesen ausdrückt, sondern nur und stets in einer künstlichen, einer von außen her schmerzlich auferlegten Form, auferlegt von anderen Menschen oder auch von Umständen. Er wird sich allmählich vor dieser seiner Form so fürchten und sich ihrer so schämen, wie er sie bisher verehrt und verherrlicht hat. Bald werden wir uns vor unserer Person und unserer Persönlichkeit scheuen, weil uns klar sein wird, daß sie uns durchaus nicht so ganz und gar selber gehören.

Und anstatt zu brüllen: «Daran glaube ich - das fühle ich - so bin ich - dafür stehe ich ein! « - werden wir mit Demut sagen: «Es glaubt in mir - es fühlt in mir - mir ist das so in den Kopf, so über die Lippen, so in die Feder gekommen.« Der Sänger wird sein Lied verachten, der Führer vor seinem Befehl erzittern, der Priester vor seinem Altar erschrecken, die Mutter wird ihrem Sohn nicht nur Grundsätze einflößen, sondern auch die Fähigkeit, sie zu meiden, damit sie ihn nicht erdrücken. - Witold Gombrowicz

Form (3)  Jede Form hat einen Inhalt (inneren Klang). Es gibt keine Form, wie überhaupt nichts in der Welt, was nichts sagt.  Alles ‹Tote› erzittert. Nicht nur die bedichteten Sterne, Mond, Wälder, Blumen, sondern auch ein auf der Straße aus der Pfütze blickender weißer Hosenknopf . .. Alles hat eine geheime Seele, die öfter schweigt als spricht . . . auch jeder ruhende und jeder bewegte Punkt (Linie).  - Wassily Kandinsky, nach: Walter Hess (Hg.), Dokumente zum Verständnis der modernen Malerei. Reinbek bei Hamburg 1964 (rde 19)
 
 

Qualität Morphologie

 

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Gestalt
Synonyme