und 1) da liegt ein H. begraben = man hat schlechte Karten. Zusammenhängend mit der veralteten Geringschätzung der Hunde. Wo ein Hund begraben liegt (wofern es überhaupt erkennbar ist), kommt Anteilnahme selten auf.
2) was jeder H. hat = Spielfarbe Karo. Jeder Hund hat einen Eckstein, an den er harnt; Eckstein ist Karo.
3) einen dicken H. haben = ein gutes Spiel in der Hand haben. Der dicke Hund ist eine achtunggebietende Erscheinung, er ist »gewichtig«.
4) unter dem H. spielen = sehr schlecht Karten spielen. Der Hund gilt vielen noch immer als Sinnbildtier der Minderwertigkeit; was noch unter dem Hund ist, ist vollends verachtenswert. - (kü)

Hund (2) Ausschließlich zu dem Zweck erschaffen, seinem Herrn das Leben zu retten.
Schwefel in sein Trinkwasser tun, um zu verhindern, daß er Tollwut bekommt.
Korkenhalsband bei Hündinnen, damit sie keine Milch mehr geben. Ideal vom "Freund des Menschen". - (fla)

Hund (3) A dog reflects the family life. Whoever saw a frisky dog in a gloomy family, or a sad dog in a happy one? Snarling people have snarling dogs, dangerous people have dangerous ones. - Sherlock Holmes

Hund (4)  

Hund (5) Auf die Frage, was er denn tue, daß man ihn »Hund« nenne, antwortete Diogenes: »Die mich beschenken, umwedle ich, die mir nichts geben, belle ich an, und die Schufte beiße ich.« - (diog)

Hund (6)  Ich hörte dann ein metallisches Klirren, wie von einem Laufenden mit gezogener Waffe. Ein Grollen kam dazu, eher ein fernes Raunen im Luftraum, und fast zugleich empfand ich hautnah ein Gebrüll: den bösesten aller Laute, Todes- und Kriegsschrei zugleich, ohne Ansatz das Herz anspringend, das sich in der Phantasie kurz als Katze buckelte. Ende der Farben und Formen in der Landschaft: Nur noch ein Gebißweiß, und dahinter bläuliches Fleischpurpur.

Ja, vor mir, hinter dem Zaun, stand ein großer Hund — eine Doggenart —, in dem ich sofort meinen Feind wiedererkannte. Und schon kamen auch die anderen von überall auf dem Hof herbeigelaufen, mit am Beton kratzenden Krallen; blieben aber im Abstand zu mir und dem ersten, der in Haltung und Stimme der Leithund zu sein schien.

Sein Körper wirkte bunt, während Kopf und Gesicht tiefschwarz waren. »Sieh dir das Böse an«, dachte ich. Der Schädel des Hundes war breit und erschien trotz der hängenden Lefzen verkürzt; die Dreiecksohren gezückt wie kleine Dolche. Ich suchte die Augen und traf auf ein Glimmen, In einer Brüllpause, während er um Atem rang, geschah nur das lautlose Tropfen von Geifer. Dafür bellten die übrigen, was sich freilich eher temperamentlos und rhetorisch anhörte. Sein Leib war kurzhaarig, glatt und gelbgestromt; der After markiert von einem papierbleichen Kreis; die Rute fahnenlos, Als der böse Lärm wieder einsetzte, verschwand die Landschaft in einem einzigen Strudel aus Bombentrichtern und Granatlöchern.

Im Blick zurück auf den Hund sah ich, daß ich gehaßt wurde. — Doch zu sehen war auch die Qual des Tiers, in dem sich gleichsam etwas Verdammtes umtrieb. Es gab am ganzen Leib keinen Teil, der ruhig halten konnte. Nur einmal, wie von mir gelangweilt, hielt er ein, blinzelte heuchlerisch zur Seite, spielte sogar gönnerisch mit seinen Kumpanen (die er ebensogut hätte totbeißen können) — und sprang im nächsten Moment filmreif den Zaun an, so hoch, daß ich tatsächlich zurückwich.

Danach stand er still drohend und las aufmerksam und lange in meinem Gesicht, doch einzig nach Zeichen der Angst und der Schwäche. Ich begriff:

Er meinte gar nicht mich-im-besonderen, sondern sein Blutdurst war hier auf dem Territorium der Fremdenlegion, wo nur mehr das Kriegsrecht galt, auf jeden dressiert, der, unbewaffnet und ohne Uniform, bloß war, der er war. (Wenigstens einen müßte es doch geben, der unbewaffnet bliebe, schrieb diesbezüglich einmal solch ein bloßes Ich.) Er, der Wachhund, im Gelände; und ich im Gefilde (für das er naturgemäß keine Augen hatte, weil das Wirkliche für ihn einzig sein Sperrgebiet war); und der Stacheldraht zwischen uns, wie im alten Gedicht, wieder als ewiger, vermaledeiter, kalter, schwerer Regen, durch den hindurch ich, geistesgegenwärtig und tagträumend zugleich, den Feind betrachtete, wie er in seiner von dem Getto vielleicht noch verstärkten Mordlust jedes Rassenmerkmal verlor und nur noch im Volk der Henker das Prachtexemplar war.

Ein Weg mit dem Großvater fiel mir da ein, wo er mir gezeigt hatte, wie man sich beim Gehen im Freien die Hunde vom Leib hält: auch wenn kein Stein zur Hand war, bückte er sich wie nach einem, und jedesmal wichen die Tiere dann tatsächlich zurück. Einem warf er sogar einmal Erde ins Maul; und der Hund schluckte sie und ließ uns vorbei.

Ähnliches versuchte ich mit der Dogge von Puyloubier, die darauf aber nur aus einem vervielfachten Maul zurückbrüllte. Beim Bücken war mir eine gelbe Pariser Métrofahrkarte, gebraucht und auf der Rückseite mit Notizen bedeckt, aus dem Rock gefallen: diese warf ich jetzt, in einem Moment des Übermuts, durch den Zaun — und der Hund verwandelte sich auf der Stelle in einen Marder, die bekanntlich Allesfresser sind, und schlang mein Papier hinunter: die Gier und zugleich die Unlust in Person.

Im Phantasiebild fielen sofort die Würmer, die in seinem Innern von ihm lebten, in einem finsteren Nachgetümmel über den Fahrschein her — und schon schied die Dogge auch tatsächlich ein verdrehtes, wie ihre Dolchohren spitzes Türmchen aus; worauf ich erst bemerkte, daß sie rundum auf dem Beton mit vergleichbaren, vertrockneten und ausgebleichten Gebilden, die auch in Häufen gesammelt erschienen (insgesamt eine großspurige Krakelschrift), sich sozusagen einen öffentlichen Machtbereich abgesteckt hatte.

Undenkbar, vor solch bewußtlosem Willen zum Bösen, ein gutes Zureden (überhaupt jedes Reden); so hockte ich mich entschlossen hin, und die Dogge der Fremdenlegion verstummte. (Es war eher ein bloßes Stutzen.) Dann kamen unsere Gesichter einander ganz nah und verschwanden wie in einer gemeinsamen Wolke. Der Blick des Hundes verlor sein Glimmen, und der dunkle Kopf nahm ein zusätzliches Florschwarz an. Unsere Augen trafen sich — jedoch nur ein einzelnes Auge das andere: einäugig, sah ich ihm in das eine Auge; und dann wußten wir voneinander, wer wir waren, und konnten nur noch auf ewig Todfeinde sein; und zugleich erkannte ich, daß das Tier schon seit langem wahnsinnig war.

Der nächste Laut des Hundes war kein Gebell, sondern ein inständiges Hecheln, das immer heftiger wurde und schließlich wie das Geräusch von ihm gerade anwachsenden Flügeln war, mit denen er gleich über den Zaun setzen würde; begleitet von einem allgemeinen Geheul der Meute, das nicht mehr mir allein galt, sondern dem Weiß der Bergkette dahinter, oder allem jenseits des Tierbereichs: ja, jetzt trachtete er mir nach dem Leben; und auch ich wollte mit einem Machtwort ihn tot und weg haben.  — Peter Handke, Die Lehre der Sainte-Victoire. Frankfurt am Main 1984 (zuerst 1980)

Hund (7)  Das Abenteuer, das Pinocchio jetzt zustößt, ist zugleich beängstigend, klärend und abstoßend; was in wenigen Zeilen gesagt wird, ist grenzenlos, aufreibend und unfaßbar.

Es ist Nacht, eine kalte Nacht, Regen liegt in der Luft; und Pinocchio hört »ein Gewisper und Geflüster seltsamer Stimmchen«, das an das Geräusch der »heranschleichenden Schritte« des Besitzers erinnert: kleinlicher Hinterhalt. Nun kommen die »Steinmarder«, »die wie Katzen aussahen«. In Anbetracht ihrer gewohnten Nahrung - »Eier und junge Hühnchen« - stehen die Marder, so meine ich, in Pinocchios Bestiarium zwischen dem Kater und den schwarzen Kaninchen der »kleinen Bahre«. Die Steinmarder sprechen ihn an: sie wissen noch nicht, daß der alte Wachhund, Melampo, gestorben ist. Pinocchio kann mit den Tieren sprechen, und nach der Ansicht der Steinmarder sieht er »auch nicht gerade wie ein bärbeißiger Hund« aus. Aus dem Gespräch erfahren wir, daß Melampo mit den Steinmardern ein Abkommen hatte; und sie schlagen Pinocchio dieselben Bedingungen vor: für ihn »ein schön gerupftes Huhn« in der Woche, sieben für die Marder. Also hatte sich der schikanöse und mißtrauische Besitzer einen untreuen Wachhund ausgesucht, einen hinterlistigen »Dummen Kauz«. Melampo stand auf der Seite der Marder: dem Tod nahe, ohne Hoffnung oder Lust auf eine Karriere, war er nicht erpreßbar: nur bestechlich. Selbstverständlich liebte er seinen Herrn nicht, er war unabhängig, da zwielichtig.

Pinocchio zeigt sich mit ihren Vorschlägen einverstanden und bereitet seine Falle vor. Kaum sind die Marder im Hühnerstall, schließt Pinocchio den Einschlupf hinter ihnen und stützt ihn mit einem großen Stein ab. Dann bellt er.

Es ist uns zumute, als ginge Pinocchio ein äußerstes moralisches und psychologisches, ein tödliches Risiko ein; er spielt seine Rolle mit solcher Sachkenntnis, daß er dabei ist, ein »Hund« zu werden; und zwar ein guter Hund im Gegensatz zu Melampo, einem miesen Beispiel gesellschaftlicher Laxheit. Sein angelerntes Gebell ist ein Zeugnis dafür, daß er dem Herrn treu ergeben ist; er ist bereit, die Marder oder, wie er sagt, »die Diebe« auszuliefern. Bei Feuerfresser war er heroisch, bei den Mördern listig und beharrlich, aber in welcher Gestalt erscheint er uns hier? Ist er ein feiger Schuft?

Pinocchio ist eine vielschichtige Gestalt, nicht nur auf den ersten Blick, sondern auch auf lange Sicht: eine geheime, vielgestaltige Zukunft beherrscht ihn. Er gehört nur zum Teil der Welt der Marder an, er spricht mit den Tieren, er wird aufgenommen in die Welt der Fee und hat einen - noch peripheren - Platz in der Welt der Menschen. Da er mit allen Schichten des Daseins zusammenhängt, wird er ständig zur Untreue und zum Verrat an einem dieser moralischen Orte gedrängt. Die Verderbtheit gehört zu seiner Struktur, ist eine Tugend, auf die er nicht verzichten kann.

Als er die Steinmarder einsperrt und sein Herrchen ruft, scheint er sich aus der wilden und schlauen Welt der kleinen Fleischfresser auszuschließen und sich für eine mittlere, vom Menschlichen schmarotzende tierische Kategorie zu entscheiden. Heute ist Pinocchio der »Hund«, den wir schon als »Gendarm« im Land Dummenfang und als Kutscher am Hof der Fee kennen. Er kann sich nicht von den Mardern bestechen lassen, ohne dadurch nicht endgültig als Hund empfinden zu müssen; indem er sie verrät und sich gegen die beutegierige

Unschuld des Waldes versündigt, befreit er sich aus der Lage des Knechtes, der auf den Tod wartet, und in seiner Eigenschaft als Mörder, ja als gedungener Mörder, zeichnet er sein künftiges Menschsein vor. Er tötet nicht für sich selbst - wie die Marder -, sondern für Dritte: für einen Menschen und eine moralische Ordnung.

Der Besitzer nimmt sich vor, die eingefangenen Marder dem Wirt des nächsten Dorfes zu bringen, der sie dann »als zarten und herzhaften Hasenbraten« anrichten wird. Dieser Wirt ist verwandt mit dem Wirt Zum roten Krebs, dem Helfershelfer der Gauner, und dem Lumpenverkäufer, der seinerzeit die Fibel erwarb. Für dieses »Herrchen«, einen sadistischen Hohlredner, ist Pinocchio zum Hund geworden. Und trotzdem ist es gerade entscheidend, daß es keinerlei mildernde Umstände für ihn gibt, daß er für den Menschen, für dessen Brutalität zum Hund wird; indem er seine erbärmliche Aufgabe erfüllt und einer Kanaille kleinmütig die Treue hält, hat Pinocchio eine weitere Stufe zu seiner Menschwerdung überwunden; er ist gleichzeitig abgestiegen und vorwärtsgekommen. Zum Knecht abgesunken, kann er befreit werden. Nun, da er das Bild des »Hundes« gelernt hat, kann man ihm das Halsband abnehmen. Als er frei ist, kann er erklären, er werde »unehrlichen Leuten nie Handlangerdienste leisten«. Eine doppeldeutige Erklärung, denn der Besitzer, der Komplize des Wirts, hat seine Unredlichkeit offen bekannt; aber der Besitzer ist die Gesellschaft und kann sich selbst nicht kennen. - Giorgio Manganelli, Pinocchio. Ein Parallel-Buch. Frankfurt am Main 1993 (it 1517, zuerst 1977)

Hund (8)

Es führte ihn so sein Verhängnis.
Da, sobald er die quelldurchrieselte Grotte betreten,
schlagen die Nymphen beim Anblick des Mannes, nackt wie sie waren,
jäh ihre Brüste, erfüllen mit lauten klagenden Rufen
plötzlich den ganzen Hain. Mit den eigenen Leibern sie deckend
drängen sie rings sich eng um Dianen. Doch höheren Wuchses
ragt über alle hinaus um Haupteslänge die Göttin.
Purpurglut, wie Wolken sie eigen, die von der Sonne
Widerschein überstrahlt, wie sie eigen der Röte des Morgens,
färbte Dianas Gesicht, da sie ohne Gewand sich erschaut sah.
Und, obgleich sie so dicht umringt von der Schar ihrer Treuen,
stellt sie sich doch zur Seite gedreht und wendet das Antlitz
rückwärts, und wie sie verlangt einen Pfeil in Händen zu haben,
schöpfte sie, was ihr zur Hand, das Naß, besprengte des Mannes
Antlitz mit ihm, und, sein Haar mit den rächenden Fluten benetzend,
spricht sie die Worte dazu, die das kommende Unheil ihm künden:
„Jetzt erzähle, du habest mich ohne Gewände gesehen,
wenn du noch zu erzählen vermagst!" Sie drohte nicht weiter,
gab dem besprengten Haupt des langelebenden Hirsches
Hörner, die Länge dem Hals, macht spitz das Ende der Ohren,
wandelt zu Läufen um seine Hände, die Arme zu schlanken
Schenkeln, umhüllt seinen Leib mit dem fleckentragenden Vliese,
gab auch die Furcht ihm dazu. Es flieht Autonoes tapfrer
Sohn und wundert sich selbst im Laufe der eigenen Schnelle.
Als er aber Gesicht und Geweih in den Wellen erblickte,
wollte er: „Weh mir!" rufen — es folgt keine Stimme, ein Stöhnen
nur! (Dies ist seine Stimme fortan.) Das Antlitz — nicht seines
mehr — überströmen die Tränen; ihm blieb sein früher Gemüt nur.
Was soll er tun? Zum Haus des Königs zurückfliehn, im Wald sich
bergen? Die Scham, die Furcht verbietet das Eine, das Andre.
Während er zaudert, erspähn ihn die Hunde; es gaben als erste
Schwarzfuß und Spürauf, der scharfe, mit lautem Bellen das Zeichen
(Spürauf Gnosier, Schwarzfuß spartanischer Rasse.) Da stürzen
rascher als Sturmeswehn herbei in Eile die andern:
Allfraß, Bergfreund, Luchs (arcadische Rüden sie alle),
Hirschtod, der kräftige, und der grimmige Jäger und Wirbel,
Fittich, der tüchtige Läufer, der tüchtige Witterer Suchfein,
Waldmann, der wilde, erst kürzlich vom Zahn des Ebers getroffen,
Hainlust (ihr Vater ein Wolf.'), die Rinder früher bewachte:
Hirtin, und dann, begleitet von beiden Jungen: Harpyia,
Packan aus Sicyon -auch mit den eingefallenen Weichen,
Renner, Glocke und Fleck und Tiger und Bärin, die starke,
Blank mit dem schneeweißen Fell und Ruß mit den schwärzlichen Haaren,
Lauthals, gewaltig an Kraft, und Sturmwind, der schnellste der Läufer,
Hurtig und Wölfin, die rasche, dazu ihr Bruder aus Cypern,
Räuber, die schwarze Stirn mit weißer Flocke gezeichnet,
Neger sodann und Rauh mit der harten, struppigen Decke,
Creter vom Vater her, von Mutterseite Laconier:
Gierschlund und Scharfzahn, und Klaff mit der scharf durchdringenden Stimme.
Und noch andere mehr. In wilder Gier nach der Beute
jagt über Stein und Fels, über unzugängliche Klippen,
da, wo schwierig der Weg, und da, wo keiner, die Meute.
Und er flieht durch Gelände, in dem so oft er verfolgt hat.
Weh! Seine eigenen Diener flieht er! Er möchte wohl rufen:
„Ich bin Actæon!' Erkennt den eigenen Herrn?" Doch versagt das
Wort sich dem Sinn. Von Gebell nur widerhallen die Lüfte.
Schwarzhaar brachte zuerst im Rücken ihm bei eine Wunde,
Wildfang die nächste darauf, es hing am Buge ihm Bergwelp.
Später geeilt zur Jagd, hatten kürzeren Weg sie gewonnen,
steigend quer waldein. Dieweil ihren Herren sie halten,
kommt die übrige Schar und schlägt in den Leib ihm die Zähne.
Schon fehlt Wunden der Platz. Er seufzt — ein Klang wie ein Menschen- 
laut zwar nicht, doch auch nicht so, wie ein Hirsch ihn kann äußern.
So erfüllt das bekannte Gebirg er mit traurigen Klagen,
und, einem flehend Bittenden gleich in die Kniee gesunken,
läßt an der Arme statt die stummen Blicke er kreisen.
Ahnungslos jedoch hetzt der Gefährten Schar mit gewohnten
Rufen die rasende Meute; sie suchen mit Augen Actæon,
rufen als wäre er fern um die Wette zusammen Actæon!'
Er erhebt auf den Namen das Haupt. Sie beklagen sein Fernsein,
daß dem Säumgen die Schau der bescherten Beute entgehe.
Fernsein möchte er, doch er ist da! Er wollte wohl sehen,
nicht aber fühlen selbst das wilde Gewerk seiner Hunde.
Rings umdrängen sie ihn, in den Leib die Schnauzen ihm tauchend,
reißen im trügenden Bild des Hirschs ihren Herrn sie in Stücke.
Erst, als in zahllosen Wunden, so sagt man, geendet sein Leben,
war ersättigt der Zorn der köcherbewehrten Diana.


- (
ov)

Hund (9)

Die Hunde

Elegie

Es waren einmal zwei Hunde,
Wie war das Herz ihnen schwer!
Sie liefen wohl eine Stunde
Hintereinander her.

Sie hofften, in liebendem Bunde
Werd ihnen leicht und frei,
Und waren doch nur zwei Hunde,
Und keine Hündin dabei.

Das ist die soziale Misere,
Die Sphinx in der Hundewelt,
Daß man vom Hundeverkehre
Die Hündinnen ferne hält.

Die Hündinnen werden ja häufig
Gleich nach der Geburt ersäuft,
Und wird eine Hündin läufig,
Verhindert man, daß sie läuft.

Man läßt sie aus ihrem Kerker
Tag und Nacht nicht heraus;
Knurrend liegt Bella im Erker
Zu Füßen der Tochter vom Haus.

Lisettchen starrt in die Zeilen
Und zittert wohl mit den Knien,
Zuckt mit den Lippen bisweilen,
Und beide denken an ihn.

Wallt man im Familienvereine
Sonntags vors Tor hinaus,
Bella geht an der Leine
Zugleich mit der Tochter vom Haus.

Hier rücken heran die Studenten,
Dort naht sich Nero galant;
Wie wird von beiden Enden
Die arme Leine gespannt!

In einem Rudel Hunde
Kam schließlich man überein,
Es möge nun in der Runde
Jeder mal Hündin sein.

Das Auge, angstvoll, trübe,
Schweift ferne zum Horizont,
Als spräch's: Und das hat der Liebe
Himmlische Macht gekonnt.

Der kleine Fritz ging vorüber
Und sagte: Lieber Papa,
Sage mir doch, du Lieber,
Was machen die Hunde da?

Papa entgegnet: Das nennt man,
Darf dir nicht sagen wie;
An diesen Greueln erkennt man
Das lausige Hundevieh.

- Frank Wedekind

Hund (10) Es gibt Menschen, die zur Welt kommen, um wie ein Hund behandelt zu werden.

Geboren als jüngerer Bruder, wurde er von den älteren wie ein Hund behandelt; wenn sie gefehlt hatten, beschuldigten sie ihn, und er kriegte Schläge. Dann, mit fünf Jahren, verfluchte er die Stunde seiner Geburt und wollte sterben. Aber er ging zuerst in die Küche und beklagte sich der Köchin gegenüber, die er für seine Freundin hielt. Sie verriet ihn sofort und erzählte den Eltern, das Kind habe sein Geständnis zurückgenommen, das ihm eben unter Martern abgerungen worden war. Das angebliche Verbrechen bestand darin, daß er, der Fünfjährige, vom Portwein der Alten getrunken habe! Ein fünfjähriges Kind sollte so viel Portwein getrunken haben, aus einer angebrochenen Flasche, daß es zu merken war, aber dem Kind kein Rausch anzumerken! Das ging den Eltern ein! Da wurde er wieder gemartert, und gezwungen zu bekennen, erstens, daß er vom Portwein getrunken, zweitens, daß er eben gelogen habe, als er es leugnete. Darauf mußte er um Verzeihung bitten, sowohl dafür, daß er vom Wein getrunken, wie dafür, daß er gelogen hatte. Daß er danach nicht ein Lügner für das ganze Leben wurde, zeigt wohl, daß es nicht seine Natur war.  - (blau)

Hund (11)  Fremde Hunde, die einen anwedeln, bedeuten Anschläge und Hinterhältigkeiten von nichtswürdigen Kerlen oder Weibern und, wenn sie beißen oder bellen, Gewalt- und Übeltaten; des näheren prophezeien die weißen Hunde offene, die schwarzen heimliche, die rötlichen nicht ganz offene, die gefleckten ziemlich schlimme Gewaltakte. Sie ähneln nämlich ganz und gar nicht adligen oder freien, sondern gewalttätigen und unverschämten Menschen; denn so sind die Hunde geartet.  - (art)

Hund (12)  Gewahrt man viele Hunde, hat man viele Feinde abzuwehren. - (byz)

Hund (13) » Ja«, sagte Father Brown, »ich mag jeden Hund, solange er nicht rückwärts buchstabiert wird.«

Schnelle Sprecher sind nicht immer schnelle Zuhörer. Manchmal bringt gerade ihre Brillanz eine Art von Dummheit hervor. Father Browns Freund und Begleiter war ein junger Mann, der von Ideen und Geschichten überströmte, ein enthusiastischer junger Mann namens Fiennes, mit eifrigen blauen Augen und blondem Haar, das nicht lediglich von einer Haarbürste zurückgebürstet erschien, sondern vielmehr von den Winden der Welt, wie er sie durchstürmte. Doch hielt er im Strom seiner Rede in einer augenblicklichen Verwirrung inne, ehe er des Priesters sehr einfache Meinung begriff.

»Sie meinen also, daß sich die Leute zu viel aus ihnen machen?« sagte er. »Nun, ich weiß nicht. Es sind wunderbare Geschöpfe. Manchmal glaube ich, daß sie sehr viel mehr wissen als wir.« - G. K. Chesterton, Das Orakel des Hundes. In: G.K.C.: Father Browns Ungläubigkeit. Zürich 1991 (zuerst 1926)

Hund (14)   Strenggenommen, war so gut wie alles gleichgültig. ›Die Menschen nur Hunde, die sich herumbeißen‹, stand bei Marc Aurel, und deshalb erschien es ihm wichtig, daß er an den Holunderbusch im Garten dachte und wie der bald wieder blühen würde.  - Hermann Lenz, Seltsamer Abschied. Frankfurt am Main 1990

Hund (15)  Schau, ein Hund. Schau: Hunti. Dort hinten. Robert, geh weg dort. Horst du nicht? Wo willst denn hingehn? Papa ist blöd, Papa ist blöd, bu! bu!

Hundige Familien.

Ein häßlicher grauweißer kleiner Wachthund bellt woch! woch!

Der beste Freund des Menschen ist der deutsche Schäferhund — Treu bis in den Tod. (Titel-Layout einer deutschen Illustrierten.)

Wen« ich ein bissei eine größere Wohnung hält, einen Hund möcht ich schon. Ein Hund ist so was Treues!

Ein Hund bellt wuwu!

Ein Hund bellt o-ut, o-ut!

Schlafende Hunde sind hautig. Ihr latentes Lachen. Unvermittelt fahren sie aus dem Schlaf und beißen das Kind, denn das Kind ist schlimm und will mit einem feuerstinkenden Eisenrohr gebrannt werden. Die Wunde klafft, der Hund kläfft. Seine Fangzähne trenzen.

Einem Hund die Schnauze abschneiden. Nun sieht er aus wie eine Gasmaske.

Der Durchschnitts-Hundefreund ist ein Durchschnitts-Pferdefreund, Durchschnitts-Katzenfeind und neigt zu Autorität und Standessymbolik. Katzenfreunde aber lieben Liberté, Egalité und nicht nur Fraternité sondern auch Sororité; unerzwungene Freundschaft, das Ungarantierte, das Fallweise, das Grazile.

Koeduzierte Hunde + Katzen + Ratten schonen einander, vielleicht gelingt es durch Koedukation, Hunde zu erzielen, die nichtunterwürfig und schön wie Katzen sind.

Ein Hund beutelt die Hundekäfer ab, schmückt sich mit Hundeblumen und hat Hundesehnsucht.  - (oko)

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VB

Synonyme