at, guter

Heiratet nicht, Mädchen

Saht ihr schon mal eine splitternackte Pfeife
Aus dem Badezimmer treten in der Früh
Triefend naß und voller Seife
Und ein Schnauzbart voller Apathie?
Saht ihr schon mal einen solchen Fratz
Sich bemühn um die Spaghetti-Nudel
In der Hand die Gabel, ein begoßner Pudel
Mit Tomatensaucenflecken auf dem Latz?
Sind sie schön, sind sie obszön
Sind sie alt, sind sie kalt
Sind sie lang, sind sie krank
Sind sie klein, sind sie gemein
Saht ihr schon mal schwitzend einen Fetten
Seine Beine schieben aus den Federbetten
Wie er seine Haare kratzt, den Wanst massiert
Tiefsinnig sich auf die Füße stiert?

Heiratet nicht, Mädchen, nein, laßt es sein
Steigt ins große Filmgeschäft ein
Bleibt beim Papa, jungfräulich rein
Serviert in Kneipen Schnaps oder Wein
Dressiert Affen und Katzen im Tierschutzverein
Hebt in der Oper Rock oder Bein
Stript für die Böcke im Scheinwerferschein
Geht auf den Strich allesamt im Verein
Nur, heiratet nicht, Mädchen, nein, laßt es sein.

Saht ihr schon mal einen Mann beklommen
Viel zu spät zum Abendessen kommen
Lippenstiftbeschmiertes Hemd
Weiche Knie und sehr verklemmt?
Saht ihr schon mal nachts in einer Bar
Einen Herrn mit angegrautem Haar
Sich mit Nachdruck wie besessen
An ein zartes Mädchen pressen?
Sind sie dumm, sind sie stumm
Sind sie stark, reden sie Quark
Sind sie reich, wer'n sie nicht weich
Sind sie weich, wer'n sie nicht reich
Saht ihr je im Leben euch am Arm
Einer dürren Ratte ohne Charme
Die sich Locken in den Schnurrbart dreht
Und blasiert die Nasenlöcher bläht?

Heiratet nicht, Mädchen, nein, laßt es sein
Kleidet euch extravagant, extrafein
Tanzt im »Olympia« im Scheinwerferschein
Laßt euch im Monat mit vier Männern ein
Verlangt statt des Kleingelds den großen Schein
Näht die Kohle ins Kopfkissen ein
Werdet ihr einst fünfzig sein
Werden euch hübsche Knaben das Alter verzeihn
Nichts im Kopf, aber Kraft in Arm und Bein
Das wird ein Leben, das wird fein
Wenn ihr nicht heiratet, nein
Mädchen, heiratet nicht, laßt es sein.

- Boris Vian, Heiratet nicht: Laßt es sein! Berlin 1987

Rat, guter (2) Mein lieber Freund, Sie kommen mir recht angegriffen vor, und Ihr Verdruß bekümmert mich, denn Sie könnten Ihre Zeit besser nutzen. Man muß, hören Sie, junger Mann, man muß mehr arbeiten. Ich habe inzwischen den Verdacht, daß Sie etwas faul sind. Zu viele Nutten! zuviel Rudern! zuviel Training! ja, Monsieur! Der zivilisierte Mensch braucht nicht soviel Bewegung, wie die Mediziner behaupten. Sie sind dazu geboren zu schreiben, also schreiben Sie! - Flaubert an Maupassant, 1878

Rat, guter (3) Wer um Rat gefragt wird, tut gut, zuerst des Fragenden eigene Meinung zu ermitteln, um sie sodann ihm zu bekräftigen. Von eines anderen größerer Klugheit ist keiner so leicht überzeugt, und wenige würden daher um Rat fragen, geschähe es mit dem Vorsatz, einem fremden zu folgen. Es ist vielmehr ihr eigener Entschluß, im Stillen schon gefaßt, den sie noch einmal, von der Kehrseite gleichsam, als »Rat« des anderen kennen lernen wollen. Diese Vergegenwärtigung erbitten sie von ihm, und sie haben recht. Denn das Gefährlichste ist, was man »bei sich« beschloß, ins Werk zu setzen, ohne es Rede und Gegenrede wie einen Filter passieren zu lassen. Darum ist dem, der Rat sucht, schon halb geholfen, und wenn er Verkehrtes vorhat, so ist, ihn skeptisch zu bestärken, besser, als ihm überzeugt zu widersprechen.  - (ben3)

Rat, guter (4)  Ein Bettler in der Umgebung von Madrid bat würdevoll um Almosen. Ein Passant sagte zu ihm: »Schämen Sie sich nicht, diesem schmachvollen Gewerbe nachzugehen, wo Sie doch arbeiten können?« - »Mein Herr«, erwiderte der Bettler, »ich bitte Sie um Geld und nicht um Ratschläge.« - Voltaire, Philosophisches Wörterbuch, nach (vol)

Rat, guter (5)  

EIN GUTER RATSCHLAG,
DEN VILLON DEN JUNGEN DINGERN GIBT

Ihr jungen Dinger, eben aus dem Ei heraus
und noch nicht ganz vollkommen dort,
wo sich die Menschheit fort und fort
versammeln muß zu jenem Schmaus,
der dafür sorgt, daß wir nicht alle werden.
Ich rate euch, geht nicht gleich allzuwild drauflos,
das hinterläßt Beschwerden,
und solch ein Erbstück kostet nicht bloß Moos,
oft auch den graden Weg ins Leben,
der krumme wird uns ohnedies gegeben.

Die Liebe ist bei Gott kein Kartenspiel,
der man zur Not mit einer falschen Zehn
nachhelfen kann, um nicht belämmert heimzugehn.
Die Reue nach der Freude wiegt nicht viel,
man muß die bittren Tropfen bis zur Neige trinken
und mit gelähmten Flügeln aus dem Fenster sehn,
wie jetzt den anderen die schönsten Freuden winken
und eure Augen sich vor Neid nach innen drehn.

Ihr wißt, daß selbst ein Fuder Wein
sich trinken läßt in einem Jahr,
und dann ist er mit einem Mal so rar,
als wäre das Vergangne nur ein Irrlichtschein
in einem schönen Traum gewesen.
Nicht anders ist es um das Glück bestellt,
wers halten will, wie gutes Geld,
der fahre auch mal mit dem Besen
dazwischen und erlöse sich von jenem Dreck,
der wie die Made in dem fettsten Speck
herumschmarotzt mit Wohlbehagen.
Ihr aber habt die Pein zu tragen.

- François Villon M.A. (Übersetzung von Paul Zech, nach: Die lasterhaften Balladen des François Villon. München 1962, dtv 43, zuerst ca. 1460)

Rat, guter (6)  Zeus, in der Gestalt eines Sterblichen, hatte eine geheime Liebschaft mit Semele, Tochter des Königs Kadmos von Theben. Die eifersüchtige Hera, die sich als alte Nachbarin verstellte, gab Semele, die damals schon im sechsten Monat ihrer Schwangerschaft war, den Rat, von ihrem geheimnisvollen Liebhaber zu verlangen, daß er sie nicht länger täuschen und sich ihr in seiner wahren Natur und Gestalt zeigen sollte. Wie könnte sie denn sonst wissen, daß er nicht ein Ungeheuer sei? Semele folgte diesem Rat. Als Zeus ihr die Bitte abschlug, versagte sie ihm ihr Lager. Da erschien er ihr voller Zorn als Donner und Blitz, und sie ward verzehrt. - (myth)

Rat, guter (7) Als man den Plato fragte, wie er in dieser Welt gelebt habe, antwortete er: ,Mit Schmerzen bin ich hereingekommen, mein Leben war ein anhaltendes Erstaunen, und ungern geh ich hinaus, und ich habe nichts gelernt, als daß ich nichts weiß.' Bleibe fern von dem, der etwas unternimmt und unwissend ist, von einem Frommen, der nicht unterrichtet ist; man könnte sie beide einem Esel vergleichen, der die Mühle dreht, ohne zu wissen, warum. Der Säbel ist gut anzusehen, aber seine Wirkungen sind unangenehm. Ein wohldenkender Mann verbindet sich Fremden, aber der Bösartige entfremdet sich seinem Nächsten. Ein König sagte zu einem, der Behlul hieß: ,Gib mir einen Rat! Dieser versetzte: 'Beneide keinen Geizigen, keinen ungerechten Richter, keinen Reichen, der sich nicht aufs Haushalten versteht, keinen Freigebigen, der sein Geld unnütz verschwendet, keinen Gelehrten, dem das Urteil fehlt.' Man erwirbt in der Welt entweder einen guten oder einen bösen Namen, da kann man nun zwischen beiden wählen, und da nun ein jeder sterben muß, gut oder bös, glücklich der, welcher den Ruhm eines Tugendhaften vorzog. -   Mirza Abul Hassan Khan, von Schiras,  nach: Goethe, Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans (zuerst 1819)

Rat, guter (8)  Soll ich Dir eine kleine Abhandlung über die Bedeutung des Sujets schreiben? Also, der Grund, warum Du so sauer darauf bist, den Krieg versäumt zu haben, ist der, daß der Krieg das beste Sujet von allen ist. Er bietet ein Maximum an Material, beschleunigt die Handlung und bringt alles mögliche hervor, auf das man normalerweise ein Leben lang wartet, um es zu bekommen. Liebe ist auch ein guter Gegenstand, von dem man sagen könnte, Du hättest ihn entdeckt. Ein anderer bedeutender Gegenstand ist das Geld, das uns die Reichen und die Armen beschert. Ferner Habgier. Impotenz wäre, würde ich sagen, ein fader Gegenstand. Mord ist ein guter, also bau in Dein nächstes Buch einen ordentlichen Mord ein, und dann ruh Dich aus. - Ernest Hemingway an F. Scott Fitzgerald, nach  (enc)

Rat, guter (9) «Geschäft ist Geschäft, und mit diesem Beil werde ich eine Auflösung unserer Partnerschaft herbeiführen, wenn du nicht zustimmen wirst, bei allen zukünftigen Einbrüchen einen Glockenschwengel zu tragen.»

«Nein», sagte mein Vater nach einigem Nachdenken, «nein, das könnte ich nicht tun; es würde wie das Eingeständnis der Unehrenhaftigkeit aussehen. Die Leute würden sagen, daß du mir mißtraust.»

Ich konnte nicht anders, ich mußte seinen Geist und seine Empfindsamkeit bewundern; einen Augenblick lang war ich stolz auf ihn und geneigt, seinen Fehler zu übersehen, aber sein Blick auf die reich mit Juwelen verzierte Spieldose bestärkte meinen Entschluß, und, wie ich bereits sagte, ich entfernte den alten Mann aus diesem Jammertal. Nachdem ich das getan hatte, war mir etwas unbehaglich zumute. Nicht nur war er mein Vater - der Urheber meines Daseins - sondern sein Leichnam würde sicher auch entdeckt werden. Es war jetzt heller Tag, und meine Mutter mußte jeden Augenblick die Bibliothek betreten. Unter diesen Umständen hielt ich es für zweckmäßig, auch sie zu beseitigen, was ich tat. Dann zahlte ich die Dienerschaft aus und entließ sie.

Am gleichen Nachmittag noch ging ich zum Polizeichef, erzählte ihm, was ich getan hatte, und erbat seinen Rat. Es müßte doch sehr unangenehm für mich werden, wenn die Tatsachen öffentlich bekannt würden. Man würde meine Handlung allgemein verdammen, und die Zeitungen könnten sie immer gegen mich anführen, falls ich mich einmal um ein öffentliches Amt bewerben wollte. Der Polizeichef sah das Zwingende dieser Überlegung ein; er war selbst ein Mörder von großer Erfahrung. Nachdem er sich mit dem versitzenden Richter des Hofes für variable Rechtsprechung besprochen hatte, gab er mir den Rat, die Leichen in einem Bücherschrank zu verbergen, eine hohe Versicherung auf das Haus abzuschließen und es dann abzubrennen.   - Ambrose Bierce, Eine unvollkommene Feuersbrunst. In: A.B., Der Gnadenstoß. Reinbek bei Hamburg 1965 (rk 184)

Rat, guter (10)   Es gibt Wendungen und Würfe des Geistes, es gibt Sentenzen, eine kleine Handvoll Worte, in denen eine ganze Kultur, eine ganze Gesellschaft sich plötzlich kristallisiert. Dahin gehört jenes gelegentliche Wort der Madame de Lambert an ihren Sohn: "mon ami, ne vous permettez jamais que de folies, qui vous feront grand plaisir!" — beiläufig das mütterlichste und klügste Wort, das je an einen Sohn gerichtet worden ist. - Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse (zuerst 1886)

Rat, guter (11)  

tus mit Gift Junge!
tus mit der Spritze Süßer!
tus mit dem Messer besser!
geh nur ins Wasser!
bade mit Gas!
stürz dich in den Kugelregen!
warte auf den nächsten Zug!
vergiß die Schlinge nicht!
gutes gelingen!
ruf mal die einundsechzig heiligen an!

- Aus: Friederike Mayröcker, Fantom Fan. In: F. M., Gesammelte Prosa 1949 bis 1975. Frankfurt am Main 1989 (zuerst 1971)

Rat, guter (12)   Du sollst dich nie deiner Tugenden rühmen.

Wer den Leuten klug und schweigsam kommt, geht selten fehl.

Auf das Wort dessen, der zuviel redet, ist kein Verlaß. Wer seine Zunge nicht im Zaum hält, kräht sich oft ins Unglück.

Sag, was nötig ist, oder schweige.

Solange du deinen Mund hältst, merkt niemand, daß du nichts weißt.

Wenn der Tor zu Gast ist, sitzt er und glotzt und murmelt vor sich hin. Kaum hat er den ersten Schluck genommen, beginnt er zu faseln.

Im Trinken halte Maß. Der Vogel des Vergessens kreist über dem Gelage. Je mehr du trinkst, desto rascher schwindet dein Verstand.

Das Vieh weiß, wann Zeit ist, von der Weide heimzukehren, aber der Törichte merkt nicht, wann er satt ist.

Auch den willkommenen Gast wird man leid, wenn er zu gehen vergißt.

Niemand wird dich schelten, wenn du zeitig zu Bett gehst.

Halte immer deine Waffen bereit, wenn du auf dem freien Platz bist, denn du kannst nicht wissen, wann du sie brauchst.

Der Mutlose denkt, wenn er den Kampf scheut, wird er ewig leben. Doch das Alter gibt auch dem keinen Frieden, den der Speer verschont hat.

Der Unkluge liegt immer wach und denkt an vieles. Wenn der Tag anbricht, ist er müde, und alles ist so wirr wie zuvor.

Der Gemeine sieht überall Gefahr, und den Geizigen graut vor jedem Geschenk.

Froh und freundlich soll ein jeder leben.

Das Vieh verendet, und die Freunde sterben. So stirbst auch du. Aber ein ehrenvolles Andenken kann dich überleben.

Guten Freunden sollst du Freude machen und lernen, für andre zu sorgen.

Nie sollst du es sein, der mit einer festen Freundschaft bricht. Die Reue nagt an deinem Herzen, wenn du keinen hast, mit dem du deine Gedanken teilen kannst.

Hast du einen vertrauten Freund, so such ihn auf, so oft du kannst; denn das Unkraut wuchert schnell auf dem überwachsenen Pfad.

Sei Freund dem Freund und seinen Freunden. Doch nie sollst du dich mit des Freundes Feind befreunden.

Unter Ungetreuen flammt die Freundschaft fünf Tage lang auf wie ein Feuer, doch der sechste Tag löscht alles wieder aus.

Der Unkluge traut jedem Gutes zu, der ihm mit einem Lächeln begegnet. Er weiß nicht, daß hinter dem freundlichen Wort die Arglist lauert.

Merkst du, daß einer dir Böses antun will, so bring es ans Licht und gib deinem Feind keinen Frieden.

Einen so freigebigen Mann traf ich nie, daß er nicht selber beschenkt werden wollte.

Was die Alten sagen, darüber sollst du nie lachen, denn oft ist es gut und verständig.

Auf die frühe Saat ist kein Verlaß. Auch deinem Sohn sollst du nicht zu früh vertrauen. Das Wetter herrscht über den Acker, und die Seele über den Sohn. In beiden kannst du dich täuschen.

Es kennt keiner den Tag, ehe die Sonne untergeht. Dein Schwert sollst du nicht loben, ehe du es gebraucht hast, das Eis nicht, bevor du das Ufer erreichst, das Bier erst, wenn es getrunken ist.

Früh aufstehen muß, wer Leben und Reichtum gewinnen will. Selten reißt der ruhende Wolf ein Lamm, selten wird dem Schlafenden der Sieg zuteil.

Dumm ist es, mit dem Dummen zu streiten. Verschwende keine drei Worte an nutzlosen Zwist. Der Kluge gibt nach, wo der Törichte zuschlägt.

Vertraust du dich einem andern an, so vergiß nicht: Was einer weiß, bleibt zweien nicht verborgen, und was drei wissen, wissen alle.

Sei klug genug, doch nicht allzu klug. Am leichtesten lebt, wer nur weiß, was ihm guttut. Wer aber allzu gescheit ist, dessen Herz ist selten von Sorgen frei. Am fröhlichsten ist einer, der sein Schicksal nicht im voraus kennt.

Niemand soll auf das Wort eines Mädchens bauen. Eine Frau ändert leicht ihren Sinn. Doch Wankelmut ist auch Männern nicht fremd. Keiner redet so falsch wie der Schönredner. Die nüchternsten Mädchen lassen sich durch süße Worte betören.

Willst du die Liebe einer Frau gewinnen, gib ihr Geschenke und schöne Worte und sage, wie schön du sie findest. Mit Schmeichelei haben schon viele gewonnen.

Eines anderen Frau sollst du nicht verlocken und heimlich zu deiner Freundin machen.

Ruhe nie im Schoß einer Trollfrau.

Keiner soll einen andern tadeln, wenn ihm zustößt, was so manchem widerfährt. Leicht macht sich auch der Klügste zum Narren, wenn die Liebe ihn überfällt. - Havamal, nach: Tor Åge Bringsværd, Die wilden Götter. Dt. von Tanaquil u. Hans Magnus Enzensberger. Zeichnungen von Johannes Grützke. Frankfurt am Main 2001

Rat, guter (13)   Du mußt acht geben, Coridon, ein Narr muß klug sein; alles was du sagst und tust, muß ohne Vernunft und doch wohl durchdacht sein, denn meiner Meinung nach muß ein Narr mehr gesunden Verstand als drei Gescheite besitzen, da die Narren die Wahrheit sagen. Sprich wenig, sage die Wahrheit, lächle dabei und laß stets einen Furz. Läßt du zwei, so ist es ein Zeichen der Gesundheit, drei ein Zeichen von Eselei.  - Francisco Delicado, Lozana die Andalusierin. Nördlingen 1989 (zuerst 1528)

Rat, guter (14)   ´Ich mußte nochmals alles hersagen, was man mich auswendig zu lernen gezwungen hatte, alles, was man mir seit acht Tagen eintrichterte... «Putz dir jeden Morgen die Zähne... Wasch dir jeden Samstag die Füße... Nimm Sitzbäder... Du hast zwölf Paar Socken... Drei Nachthemden... Wisch dich ordentlich ab im Klosett ... Iß und kau langsam... du wirst dir den Magen ruinieren... Nimm deinen Sirup gegen Würmer... Gewöhn dir das Wichsen ab...»  - (tod)

Rat, guter (14)

An mich

 Wenn dir ein Schaden am Leibe frißt,
Jammre nicht, sondern handle;
Und wenn du glücklich gewesen bist,
Nimm dein Bett und wandle.

Ärgert dein Aug dich, so reiß es aus,
Sonst ärgert es dich an beiden;
Und keift dir ein schlimmes Weib zu Haus,
So geh und lasse dich scheiden.

Und wird dir das Beten und Fasten zu dumm,
Richte, schlichte, verzichte;
Und haranguiere das Publikum
Nicht erst durch Weltschmerzgedichte.

- Frank Wedekind

Rat, guter (15)

Aus einem Brief von Lesbia

. . . Catull ist abgereist, ihr Götter, seid gepriesen!
Und, Liebes, diesem Rat verschließ dich nicht:
Nimm jeden Mann, und magst du es genießen,
Bloß keinen Dichter. Die sind alle nicht ganz dicht.

Ihm ist's egal - ein Streit oder ein Kuß —
Er dichtet traurige wie frohe Weisen,
Glaubt ständig, daß er was besingen muß.
Ach, ich bevorzuge Geschäftsmänner auf Reisen.

- Dorothy Parker, nach: Der Rabe. Magazin für jede Art von Literatur 25. Zürich 1989

Rat, guter (16)  Die Öffentlichkeit ist der Gestank einer Senkgrube und die Politik das Gebiet von Reduzierten. Halten Sie sich heraus. Blicken Sie die Leute langsam und schweigsam an - das genügt! Aber Ihren Broterwerb erhalten Sie sich.  - Gottfried Benn an Thilo Koch, 11. Oktober 1950. In: G.B., Das gezeichnete Ich. Briefe aus den Jahren 1900-1956.  München 1962 (dtv 89)

Rat, guter (17)   Ganz früh am Morgen, noch bevor du etwas gegessen hast, trinke möglichst einen Eimer voll Wasser — lauwarm, mit Salz. Trinke es in einem Zug, und zwar schnell, denn sonst kannst du nicht viel trinken. Dann beuge dich vor und gurgle, so daß das Wasser wieder herausfließt. Du erbrichst also das Wasser wieder - und dies reinigt Speiseröhre und Magen. Sonst ist nichts nötig. Du hast dort einen Block, der dich am Lachen hindert.  - Bhagwan Shree Rajneesh, nach: Tintenfass 11. Zürich 1984

Rat, guter (18)  Gleitet, Ihr Sterblichen, lastet nicht. - Nach: Jean-Paul Sartre, Die Wörter. Reinbek bei Hamburg  1968

Rat, guter (für den Morgen) Spring aus dem Bett, züchte Pusteln, laß Seifenblasen steigen. Steh auf und fang Feuer, flieg los. Ein Kran, eine Rakete schon seit Kindstagen, der Anfang eines Satzes, dem gewöhnlichen Volk entsprungen, zum Aufstand sich erhebend. Mit einem Ziel vor Augen wähl dir einen persönlichen Namen. Schüttle dich in epileptischen Krämpfen, fließe wie Ebbe und Flut. Ziere dich wie ein schüchternes Kind, hänge einem Gedanken nach, hecke eine verruchte Idee aus, säe Zwietracht und mach Skandale, addier das alles auf, krempel dir die Ärmel hoch, stolpere und fall hin. Ein bloßes Nachahmen kannst du dir nicht leisten.  - (liu)

Rat, guter (20)

Rat, guter (21)  Es war einmal eine winzige Frau, die hatte ein winziges Hühnchen, das Hühnchen hat ein winziges Ei gelegt und die Frau hat daraus einen winzigen Eierkuchen gemacht. Sie hat ihn aufs Fensterbrett gelegt und die Fliegen haben ihn gefressen. Die Frau ist zum Kommissar gegangen und hat ihm die ganze Geschichte erzählt. Der Kommissar hat gesagt: »Was kann man da wohl machen, gute Frau. Wenn Ihr eine Fliege seht, nehmt den Holzschuh und tötet sie!«

Die Frau hat auf der Nase des Kommissars eine Fliege gesehen. Sie hat den Holzschuh ausgezogen und hat auf die Nase eingeschlagen. Da ist das ganze Blut herausgetropft.  - Märchen aus dem Tessin. Hg. und Übs. Pia Todorovic-Strähl und Ottavio Lurati. Köln 1982 (Diederichs, Märchen der Weltliteratur)

Rat, guter (22)  

Rat, guter (23)  Sey vorsichtig gegen jede Leisesprecher und Scharfschreiber; gegen Wenigsprecher und Vielschreiber; gegen jeden Wenigsprecher und Viellächler, dessen Viellächeln nicht rein von Hohn und Verachtung ist. – Kurze Stirnen, stumpfe Nasen, sehr kleine Lippen, oder dann vorstehende Unterlippen – und große Augen, die dich nie direkt anschauen dürfen – und besonders breite, rohe Kinnladen; ein aufstehendes, unten fest-fettes Kinn, zeichnen sie aus.

Wer, ohne zu schielen, zugleich auf zwo Seiten zu schauen sich gewöhnt hat; kleine, helle Aeuglein nach ungleichen Direktionen gucken läßt, und obendrein allenfalls noch schwarze Zähne, und bey einer hohen oder kleinen Statur einen gebognen Rücken hat, und mitunter schief hohnlächelt – den fliehe, alles seines Scharfsinns, Vielwissens und Witzes ungeachtet, als einen falschen, ehrlosen, unverschämten, arglistigen, eigennützigen und niedrigen Menschen.

Fliehe große Augen in kleinen Gesichtern, bey kleinen Näschen, kleinen Figürchen, welche mitten im Lachen dich fühlen lassen, daß sie nicht froh sind – und mitten in der Freudenbezeugung über deine Nähe, ein schalkhaftes Lächeln nicht verbergen können.

Große, massive Körper, mit kleinen Augen, runden Wangen, vollen, niederhängenden Backen, wurstigen Lippen, sackähnlichem Kinne; die immer mit ihrer eigenen Körperlichkeit beschäftigst sind, immer räuspern, spucken, Taback nehmen, kauen, schneutzen; auch wohl gar alles, wovon sie sich entladen, dem freyen Boden anvertrauen – sind im Grund eitele, fade, kraftlose, ehrsüchtige, lenksame, vielwissende, unsichere, leichtsinnige, wollüstige, schwer-zubehandelnde, vielgierige, wenig-geniessende Charakter – und wer wenig genießt, der giebt wenig.

Wer schleicht, sich vorwärts neiget, zurück geht im Entgegen-kommen, leise-schüchtern Grobheiten sagt, dich scharf fixiert, sobald du dich wendest, und dir nie gelassen in's Gesicht sehen darf; der von keinem Menschen Gutes spricht, als von Bösen; wider jeden Beruf Exceptionen, wider jede Behauptung Widersprüche in Bereitschaft hat – o, könntest du seinen Schädel befühlen – welche versteckte Mißform! Welche irreguläre Knotten! Welche pergamentne Weichheit und eiserne Härte zugleich! Fliehe! Du verlierst in seiner Atmosphäre, auch wenn du zu gewinnen scheinst. – Betrachte, sag' ich auch hier wieder, die Falten seiner Stirn – wenn er einen geraden, unschuldigen, religiösen Mann ekrassiert, und einem harten Schalk das Wort redet. – Die Verworrenheit derselben wird dir das Verworrene des Charakters klarer als klar zeigen.

Wie klug, wie gelehrt, wie scharfsinnig, wie gewandt, wie brauchbar und nützlich immer ein Mensch sey, wenn er sich immer mißt, oder zu messen scheint; wenn er Gravität affektiert, um den Mangel innerer lebendiger Kraft zu bedecken; wenn er gemessenen Schrittes, seines Ich keinen Augenblick vergessend, sich im Kopfe, sich im Halse, sich im Schulterblatt tragend einher geht; und dennoch im Grunde leichten Sinnes und schalkhaften Humors ist, und, sobald er allein ist, alle Würde, Gravität und Selbstaushängung, sein Ich aber nie vergißt – er werde nie dein Freund.

Wenn ein rascher, roher Mensch bey dir allein sanft, gelassen, höflich ist, und immer zu lächeln oder Lächeln zu machen sucht, so wende dich – »mir nichts, dir nichts« – und schnell kehre dich zurück, ehe er seine Falten dir wieder gefällig machen kann; die Falte in der Stirn, die in den Wangen, die seiner künstlichen Bemühung unmittelbar vorgeht, und die sich in diesem Momente fast immer stark zeigt, ist die wahre; – diese beyden zeichne dir – und sie heissen warnend in deinem Alphabete der Physiognomik.  - Lavater

Rat, guter (24)   Robin Hanson: »Falls Sie in einer Simulation leben sollten, lassen Sie alles beim Alten. Außer dass Sie sich weniger um die anderen kümmern und ganz dem Heute leben.« Wir sind es gewöhnt, dass in einem Film oder auf der Bühne der Star von anderen guten Schauspielern umgeben ist, die mit ihm zusammen die Handlung voranbringen. Aber wenn man etwas weiter vom Star entfernt ist, werden die Massenszenen mehr und mehr von billigen Nebendarstellern und Komparsen gefüllt, die keine Sprechrollen haben. So ist es auch in einer simulierten Welt: Alle Darsteller, die weit von Ihnen entfernt sind, sind möglicherweise nicht perfekt simuliert, Sie sollten sich also nicht zu sehr um sie kümmern. Darüber hinaus rät Hanson, unterhaltsam zu sein, wenn Sie Teil der Simulation von irgendwem sind. Geben Sie sich Mühe! Sorgen Sie für Stimmung! Spielen Sie die entscheidende Rolle! Das alles erhöht die Chance, dass Ihre simulierte Existenz noch ein wenig andauert und andere Simulatoren Sie in der Zukunft re-simulieren wollen. Fehlen Ihnen diese Eigenschaften, geht es Ihnen wie einem Darsteller in der Vorabendserie, den keiner mehr sehen will: Sie werden >hinausgeschrieben< und auf Nimmerwiedersehen nach Wladiwostok in Ferien geschickt.  -(bar2)

Rat, guter (25)   Suche allen Bürgern zu gefallen, in welcher Stadt du auch weilst, denn das bringt reichen Dank. Selbstgefälligkeit aber und Stolz führt meist zu schwerem Schaden. Körperstärke ist das Werk der Natur, aber die Kraft zu raten, was dem i Vaterlande nützt, ist das Werk der Seele und der Einsicht. Überfluß an Geld und Gut kann vielen auch durch das Glück beschert werden, Unglücklich, sagte er, sei der, der das Unglück nicht zu tragen wisse. Eine Krankheit der Seele sei es, sich in das Unmögliche zu verlieben und fremder Leiden nicht zu gedenken.  

Hast du ein Unternehmen vor, so gehe mit Bedacht ans Werk; was du aber erwählt hast, dabei bleibe auch fest bestehen. Rede nicht voreilig, denn das verrät Torheit. Liebe die Einsicht. Von den Göttern behaupte ihr Dasein. Einen Unwürdigen lobe niemals seines Reichtums wegen. Um etwas zu empfangen, bediene dich der Überredung, nicht der Gewalt. Was dir auch Gutes gelingen mag, setze es auf Rechnung der Götter. Als Wegzehrung von der Jugend bis zum Alter laß dir die Weisheit dienen, denn diese ist sicherer als aller andere Besitz.  - Bias, nach (diol)

Rat, guter (26)  

Rat, guter (27)  »Vor einem Jahre hätten Sie noch die Esther sehen sollen, da war sie schön; da kam der Sohn eines Regimentskameraden vom Lande hieher unter die Dragoner. Er war das einzige Gut der Mutter, seitdem der Vater in einem Scharmützel geblieben; denn die sind oft gefährlicher, als die großen Schlachten. Ich sah es, wie sie ihm das letzte Hemde zu seiner Equipierung nähte; sie dachte nicht, daß es sein Sterbehemde werden sollte. Aber der Mensch war unbesonnen; ich sah es ihm gleich beim Reiten an: er wollte immer Kunststücke auf den Straßen machen, und dachte nicht daran, daß da Leute neben ihm gingen. Genug, der verliebt sich in die schöne Esther, und sie in ihn und mein junger Herr will Abends zu ihr schleichen, und wie die armen Juden außer ihrer Gasse mißhandelt werden, so meinen sie die Christen drinnen auch mißhandeln zu können, und fallen über ihn her, - besonders die alte Vasthi, die hätte ihn fast erwürgt. Die Sache ward laut, die Offiziere wollten nicht mit dem jungen Fähndrich weiter dienen. Er kam zu mir: was er tun sollte? Ich sagte ihm: ›schießt Euch tot, weiter ist nichts zu tun.‹ Und der Mensch nimmt das Wort buchstäblich, und schießt sich tot. Da hatte ich Mühe, es der Mutter auf gute Art beizubringen.«  - Achim von Arnim, Die Majoratsherren

Rat, guter (28)  - Alabama Shakes, Hold on! (2014)

Rat, guter (29)  - Beach Boys, Do it again! (1968)

Rat, guter (30)  »Du wirst einen Antiquar treffen, der dir wahrhaftige Bücher anbieten wird.«

»Natürlich gefälschte?«

»Du hast noch immer nicht begriffen, daß hier im Druntoben alles wahrhaftig ist. An diesem Ort ist es überflüssig zu lügen. Auch die Bücher sind rettungsvoll; lehne sie ab.«

»Was bedeutet eigentlich ›ablehnen‹?«

»Rennen; die Abgründe riskieren; dir sagen und hinausschreien: ich fürchte das, was mich rettet. ›Sei gegrüßt, guter Mann, ich hasse dein ehrliches Gesicht.‹ Wenn du aber einer Höhle begegnest, die von Insekten und Würmern wimmelt, die weich ist von Moos und triefend von regellosen Rinnsalen ..., ich sage, wenn du einer solchen Höhle begegnest, dann mußt du hineingehen. Vielleicht bist du dann verloren, vielleicht auch nicht. Was dir in der Höhle geschehen wird, kann ich dir nicht sagen.«

»Aber ich kann es«, schaltet sich der Gott wieder ein, »denn ich habe die Höhle entworfen. Wenn du hineingehst, dann wird es schmerzvoll für dich sein, wieder hinauszugehen. Vielleicht wirst du auch darauf verzichten, wieder hinauszugehen.«

»Sie ist ein Gefängnis«, raunt mir der Scharlatan zu, so als verriete er mir ein Geheimnis. »Sie ist ein Körper, ein Labyrinth, ein Bauch, ein Mosaik, ein Schlangenknäuel von Haaren, aber du wirst an diesem Ort sieben Hexen und eine Fledermaus als Fremdenführer haben.«  - (hoelle)

Rat, guter (31)  Sich nichts unterwerfen, keinem Menschen, keiner Liebe, keiner Idee, jene distanzierte Unabhängigkeit wahren, die darin besteht, weder an die Wahrheit zu glauben, falls es sie denn gäbe, noch an den Nutzen, sie zu kennen - dies, scheint mir, ist die rechte Befindlichkeit für das geistige, innere Leben von Menschen, die nicht gedankenlos leben können.   - Fernando Pessoa, Das Buch der Unruhe

Rat, guter (32)  

- Sean Hart

Rat, guter (33) „Benimm dich, als hattest du das Erlebnis deines Lebens. Stöhne und winde dich, flehe um Gnade vor so viel Männlichkeit. Am Ende sei begeistert von der Größe seines Werkzeugs, seinem Gewicht und wie stark es ihm kommt. Stoß kleine Schreie aus, wenn du vorgibst, daß es dir gleichzeitig mit ihm kommt. Für dich ist es besser, wenn du In Wirklichkeit nicht kommst, spiel es ihm jedoch vor. Du wirst auf einige Freier stoßen, die es gern haben, wenn du schüchtern bist, so daß sie dich zwingen müssen. Einige hören gern schmutzige Worte. Kennst du welche?" „Ja", sagte ich und hoffte, meine bisherige Erfahrung würde genügen. Emma nannte einige, und sie unterschieden sich kaum von jenen, die Ich auf der Farm gehört oder bei diesem Bastard Charlie Owens gelernt hatte.  - Nell Kimball, Madame - Meine Mädchen, meine Häuser. Hg. Stephen Longstreet. Frankfurt am Main, Wien und Berlin 1982 (entst. ca. 1917-1932)

Rat, guter (34)  Machen Sie sich von allem frei! Sagen Sie sich von Dada los! Lassen Sie Ihre Frau sitzen! Geben Sie Ihrer Geliebten den Laufpaß! Geben Sie Ihre Hoffnungen auf, aber überwinden Sie auch Ihre Ängste! Machen Sie Kinder an einer Waldecke und setzen Sie sie auch dort aus! Lassen Sie die Beute fahren und jagen Sie lieber ihrem Schatten nach! Entsagen Sie notfalls einem satten, allzu komfortablen Leben und dem, was man Ihnen als todsichere, zukunftsträchtige Lebensstellung aufnötigt! Brechen Sie auf! Verlassen Sie Ihr Heim! Wandern Sie auf allen Wegen!  - André Breton 1924, nach: Maurice Nadeau, Geschichte des Surrealismus, Reinbek bei Hamburg 1986 (zuerst 1945, re 437)

Rat, guter (35)   Es IST ein kurtz vnd müheselig ding vmb vnser Leben / Vnd wenn ein Mensch dahin ist / so ists gar aus mit jm / So weis man keinen nicht / der aus der Helle widerkomen sey. 2 On gefehr sind wir geboren / vnd faren wider dahin / als weren wir nie gewest. Denn das schnauben in vnser Nasen ist ein rauch / Vnd vnser Rede ist ein füncklin / das sich aus vnserm hertzen regt. 3 Wenn dasselbige verlosschen ist / so ist der Leib dahin / wie ein Loderassche / Vnd der Geist zufladdert / wie eine dünne lufft. 4 Vnd vnsers namens wird mit der zeit vergessen / das freilich niemand vnsers Thuns gedencken wird. Vnser Leben feret dahin / als were ein Wolcke da gewest / vnd zergehet wie ein Nebel / von der Sonnen glantz zutrieben / vnd von jrer hitze verzeret. 5 Vnser zeit ist / wie ein Schatte dahin feret / Vnd wenn wir weg sind / ist kein widerkeren / Denn es ist fest versiegelt / das niemand widerkompt.

WOL her nu / vnd lasset vns wolleben / weils da ist / vnd vnsers Leibs brauchen / weil er jung ist. 7 Wir wollen vns mit dem besten Wein vnd Salben füllen / Lasst vns die Meyenblumen nicht verseumen. 8 Lasst vns Krentze tragen von jungen Rosen / ehe sie welck werden. 9 Vnser keiner las jm feilen mit brangen / Das man allenthalben spüren müge / wo wir frölich gewesen sind / Wir haben doch nicht mehr dauon / denn das.

LAsst vns den armen Gerechten vberweldigen / vnd keiner Widwen noch alten Mans schonen. Lasst vns der alten Greisen straffe nicht achten. 11 Was wir nur thun können / das sol recht sein / Denn wer nicht thun kan was jn gelüst / der gilt nichts. - Weisheit Salomonis, nach (lut)

Rat, guter (36)  

- N. N.

Rat, guter (37)  «Wie komme ich an den Leichnam

«Das hängt davon ab, wann die Autopsie abgeschlossen ist. Aber Sie können jeden beliebigen Bestattungsunternehmer beauftragen, das für Sie zu übernehmen. Wenn Sie eine Feuerbestattung wünschen, besorgt die <Neptune Society> das, und sie verstreut die Asche dann auf dem Meer.»

«Kann ich die Asche nicht kriegen? Ich würde sie gern bei uns in den See streuen. Als Kind hatte Martin den See immer so gern, und deshalb wäre er dort sicher gern verstreut.»

«Sie können tun, was Sie wollen. Übrigens zwingt Sie kein Gesetz, den Leichnam einbalsamieren zu lassen. Also lassen Sie sich von niemandem dazu überreden, Mr. Waggoner. Danke, daß Sie gekommen sind.»   - Charles Willeford, Miami Blues. Reinbek bei Hamburg 1994

Rat, guter (38)  «Eines Tages wird es soweit sein. Die Situation ist kurz vor dem Siedepunkt. Ich habe ein paar Berechnungen angestellt, und falls die Bombe weniger als zwei Seemeilen von uns entfernt niedergeht, bleibt von uns nicht einmal für die Fische etwas übrig. Zwischen zwei und vier Seemeilen sieht es ganz schlecht aus für uns, und wir müssen zusehen, was von uns übrigbleibt. Vergessen Sie nicht, was ich Ihnen sage, ich habe es Germán schon mitgeteilt und teile es jetzt Ihnen mit, denn wenn mir und Germán etwas zustößt, dann fällt die Verantwortung für das Schiff an Sie, vergessen Sie das nicht! Falls die Bombe in einer nicht von vornherein katastrophalen Entfernung fallen sollte, wobei dann natürlich der Hitzeblitz eine enorme Druck- und Flutwelle erzeugt, muß das Heck auf den Punkt Null ausgerichtet werden, also auf den Punkt der Explosion. Bei einer Bombe von zehn Kilotonnen erreicht die erste Flutwelle nach zwölf Sekunden in sechshundert Metern Entfernung eine Höhe von dreiundfünfzig Metern, und nach dieser Welle kommen andere, jedesmal kleinere, aber Vorsicht! Denn wer weiß, wie das Schiff nach der ersten zugerichtet ist. Zweieinhalb Minuten nach der Explosion beträgt die mittlere Höhe der Wellen noch sechs Meter. Vergessen Sie das nicht, Larios, sobald Sie mitgekriegt haben, daß die Bombe niedergegangen ist, Heck zur Einschlagstelle ausrichten und dann den Wellen ins Auge sehen!»   - Manuel Vázquez Montalbán, Die Rose von Alexandria. Reinbek bei Hamburg 1995 (zuerst 1984)

Rat, guter (39)  

Rat, guter (40)   Jemand fragte Sokrates, ob er heiraten solle oder nicht.

»Was du auch tust«, erwiderte jener, »du wirst es bereuen.« - Nach (diol)

Rat, guter (41) In einer Folge der Fernsehserie „Die Simpsons“ fragt der Nachrichtensprecher Kent Brockman einen Experten: „Würden Sie empfehlen, dass alle in Panik geraten?“ - „Allerdings, Kent.“  - TAZ vom 15. November 2015

Rat, guter (42)

Rat, guter (43)  und zu den andren sagt brian jones:
SPRINGT AUS DEM FENSTER ES ZIEHT IN DIESEM HAUS GEWALTIG!  - (loc)

Rat, guter (44)  Man muß immer trunken sein. Darin liegt alles: das ist die einzige Frage. Um nicht die fürchterliche Bürde der Zeit zu spüren, die eure Schultern zerbricht und euch zu Boden drückt, müßt ihr euch trunken machen ohn Unterlaß.

Doch womit? Mit Wein, Poesie oder mit Tugend, wie es euch gefällt. Doch macht euch trunken.

Und wenn ihr manchmal auf den Stufen eines Palastes, auf dem grünen Gras eines Grabens, in der trübseligen Einsamkeit eurer Kammer aufwacht und die Trunkenheit schon schwächer geworden oder verschwunden ist, dann fragt den Wind, die Welle, den Stern, den Vogel, die Uhr, alles, was flieht, alles, was seufzt, alles, was rollt, alles, was singt, alles, was spricht, welche Stunde es geschlagen hat; und der Wind, die Welle, der Stern, der Vogel, die Uhr werden euch antworten: »Es ist die Stunde, sich trunken zu machen! Wenn ihr nicht die gequälten Sklaven der Zeit sein wollt, macht euch trunken, ohn Unterlaß! Mit Wein, mit Poesie, mit Tugend, wie es euch gefällt.« - Charles Baudelaire, Der Spleen von Paris. Zürich 1977 (Übs. Walther Küchler)

Rat, guter (44)  

Rat, guter (45)  

Rat, guter (46)  

- N. N.

Rat, guter (47)  

Diese Lebenskarawane ist ein seltsamer Zug,
Drum hasche die flüchtige Freude im Flug!
Mach Dir um künftigen Gram keine Sorgen,
Fülle das Glas, bald ruht wieder der Morgen!

- Omar Khayyám, nach (zeit)

Rat, guter (48)  

- Jean-Marc Reiser

Rat, guter (49)  

  Klugheit Beratung Hilfsbereitschaft
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