ummkopf  Angehöriger der herrschenden Dynastie in Kunst und Leben. Die Dummköpfe kamen mit Adam an die Macht, und da sie sowohl zahlreich als auch robust sind, haben sie die gesamte bewohnbare Welt überrannt.

Das Geheimnis ihrer Macht ist ihre Unempfindlichkeit Schlägen gegenüber; wenn man sie mit einer Keule kitzelt, kichern sie eine Platitüde aus.

Ursprünglich kamen die Dummköpfe aus Böotien, von wo sie durch Hungersnot vertrieben wurden, da ihre Öde das Ackerland angesteckt hatte. Einige Jahrhunderte lang verseuchten sie Philistien, und bis zum heutigen Tage heißen viele von ihnen Philister. In den wirren Zeiten der Kreuzzüge verzogen sie sich von dort und breiteten sich nach und nach über ganz Europa aus, wo sie die meisten wichtigen Posten in Politik, Kunst, Literatur, Wissenschaft und Theologie einnehmen. Eine Abteilung von Dummköpfen befand sich an Bord der Mayflower; dank ihrer günstigen Berichterstattung über das Land hat sich seither ihre Zahl durch Geburt, Einwanderung und Übertritt schnell und ständig erhöht.

Vertrauenswürdigen Statistiken zufolge liegt die Anzahl erwachsener Dummköpfe in den Vereinigten Staaten bei etwa einhundertfünfzig Millionen, einschließlich der Statistiker. Das intellektuelle Zentrum der Rasse liegt irgendwo nahe Peoria, Illinois; der Dummkopf aus den Neu-England-Staaten ist jedoch in seiner moralischen Festigkeit der unerträglichste.- (bi)

Dummkopf (2) Der Klappsmann, der Nebbich, der Potsdamer. - (pu)

Dummkopf (3) Voltaire sagte, das größte Unglück für einen Schriftsteller liege weder darin, von seinen Kollegen beneidet zu werden, noch Opfer von Intrigen oder von den Mächtigen verachtet zu sein, sondern darin, von Dummköpfen beurteilt zu werden, die es bisweilen bis zum Äußersten treiben, »surtout quand le fanatisme se joint à l'ineptie«. Doch dabei muß man bedenken, daß Voltaire in einer Epoche lebte, in der nicht alle Dummköpfe Fanatiker und nicht alle Fanatiker Dummköpfe waren. Heute sind Dummheit und Fanatismus untrennbar und nicht zu unterscheiden; es gibt keinen Fanatiker, der kein Dummkopf, und keinen Dummkopf, der kein Fanatiker wäre. - (scia)

Dummkopf (4) Herr *** sagte von einem Dummkopf, den er nicht in seiner Gewalt hat: »Das ist ein Krug ohne Henkel«. - (Chamfort)

Dummkopf (5)  Eines Tages, als man von den berüchtigten »harten« Verhören und den bei der amerikanischen Polizei gewöhnlich angewandten Verhören dritten Grades sprach, hatte Maigret gemeint, die Verdächtigen, die die größte Chance hätten, sich aus der Schlinge zu ziehen, seien die Dummköpfe. Diese Bemerkung war einem Journalisten zu Ohren gekommen, und sie war dann zu einer Art geflügeltem Wort geworden, das die Zeitungen immer wieder in dieser oder jener Form brachten.

In Wirklichkeit hatte er damit sagen wollen - er dachte übrigens immer noch so -, daß ein geistig etwas beschränkter Mensdh sozusagen von Natur mißtrauisch und immer in Abwehrstellung ist, daß er möglichst karge Antworten gibt, ohne sich um die Glaubwürdigkeit seiner Aussage zu kümmern, und daß er, wenn man ihm Widersprüche nachweist, sich dadurch nicht aus der Fassung bringen läßt, sondern beharrlich an seinen Worten festhält.

Der intelligente Mensch dagegen hat das Bedürfnis, sich auszusprechen, die Zweifel im Kopf seines Gesprächspartners zu zerstreuen. Weil er überzeugen will, kommt er Fragen, die er voraussieht, zuvor, ergeht sich in zu vielen Einzelheiten, und in seinem hartnäckigen Bemühen, einen logischen Zusammenhang herzustellen, verrät er sich schließlich.

Es passiert selten, daß er nicht verlegen wird und, beschämt über sich selbst, lieber ein offenes Geständnis ablegt. - Georges Simenon, Maigret und der Fall Josset. München 1977 (Heyne Simenon-Kriminalromane 41, zuerst 1959)

Dummkopf (6)  Ich sehe, wenn ich über die Straße gehe, viele Dummköpfe, bleibe aber ernst: Ja, ja werde immer ernster, je mehr Dummköpfe ich sehe. Dagegen lächeln die Dummköpfe, die mich sehen, wenn sie über die Straße gehen, und da mich ebensoviele Dummköpfe sehen, als ich Dummköpfe sehe, so lächeln viele Dummköpfe, wenn ich über die Straße gehe. Sie bleiben stehen, rufen meinen Namen, zeigen auf mich, damit ich nicht nur sie bemerke, sondern auch wisse, wie ich heiße, und daß ich es bin. Ich kann mich dagegen nicht schützen, weil dieser Vorgang sich in einem Staate abspielt, der der Meinung ist, daß nur die Ehre beleidigt werden könne, und der einen Dummkopf ungestraft läßt, aber mich straft, wenn ich ihn Dummkopf nenne, damit er wisse, wie er heißt und daß er es ist. - Karl Kraus, nach (bes)

Dummkopf  (7)

Dummkopf (8)

 

Silhouette eines Dummkopfs

 - Lavater, Physiognomische Fragmente, nach: Matthijs van Boxsel, Enzyklopädie der Dummheit. Berlin 2001

Dummkopf (9)  Der Jüngling saß traurig am Fenster seiner Kammer und dachte nach - denk auch du nach und hol einen, der's kann! -, da sah er ein Vöglein vorbeifliegen. Da rief es der Jüngling zu sich und sprach:

»Weißt du wohl, welches Ding auf Erden das süßeste, das stärkste und das schwächste ist?«

»Da könnte man sich viele Antworten einfallen lassen. Wer hat dir denn diese Frage gestellt?«

Da berichtete der Jüngling alles, und das Vöglein versprach ihm zu helfen. Es flog ans Fenster des königlichen Schlafzimmers, und da hörte es, wie der König zu seiner Frau sagte: »Da hast du aber ein schweres Rätsel aufgegeben. Ich könnte es wenigstens nicht lösen.«

»Es ist nicht so schwer, wie du meinst: das süßeste Ding auf Erden ist die Liebe, das stärkste ist der Haß und das schwächste ist die Verschwiegenheit

»Darauf wäre ich nie gekommen«, sagte der König, »denn ich hätte gedacht, daß das süßeste Ding Honig oder Zucker sein müsse.«

»Ja, so seid ihr Dummköpfe von Männern.«  - Italienische Volksmärchen. Hg. und Übs. Felix Karlinger. Düsseldorf u. Köln 1980  (Diederichs, Märchen der Weltliteratur)

Dummkopf (10)  

Dummkopf (11)  Man darf nicht zu früh dumm sein. Mit ungefähr Dreißig, nach Abschluß des Studiums, ist es erlaubt, da darf man wieder einfach werden und dadurch Entdeckungen machen. Ich habe oft festgestellt, daß im höheren Unterricht die »dummen« Schüler mit großer Wahrscheinlichkeit über das Zufällige, das Spekulative und den Kern der vorgetragenen Theorie stolperten. Sie richteten Fragen an den Lehrer, der ihnen die Sache noch einmal erklärte. Sie aber sahen gedankenvoll drein, während der Pöbel der Klassenbesten lachte und spottete. In der Folge habe ich festgestellt, daß diese Theorien von späteren Wissenschaftlern genau an der wunden Stelle umgestoßen wurden, die der fünfzehnjährige Dummkopf aufgezeigt hatte. Die Klassen-letzten brauchten bloß eine andere, eine genialische Bildung ... Den Irren zu vertrauen ist beinahe eine geistige Tradition. Ich aber halte vor allem sehr viel von Dummköpfen. - Henri Michaux, Ecuador. Nach (enc)

Dummheit Morologie
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VB
Lachen, schallendes NarrenLachen
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