eid   Das Geheimnis, die Neidischen zu quälen, ist - recht vergnügt zu sein. - Diogenes - (sap)

Neid (2)  König Friedrich von Neapel brachte einst das Gespräch auf Mittel, geeignet, das Auge zu schärfen. Da nannte Sannazar den Neid; denn er sehe schneller, besser als Andere, und vergrößere alles, was er sehe. - (sap)

Neid (3) Was da geschehen ist, ist - jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat. Dass Geister in einem Akt etwas vollbringen, was wir in der Musik nicht träumen könnten, dass Leute zehn Jahre üben wie verrückt, total fanatisch für ein Konzert und dann sterben. Das ist das größte Kunstwerk, das es überhaupt gibt für den ganzen Kosmos. Stellen Sie sich das doch vor, was da passiert ist. Da sind also Leute, die sind so konzentriert auf eine Aufführung, und dann werden 5000 Leute in die Auferstehung gejagt, in einem Moment. Das könnte ich nicht. Dagegen sind wir gar nichts, als Komponisten. Stellen Sie sich vor, ich könnte jetzt ein Kunstwerk schaffen und Sie wären alle nicht nur erstaunt, sondern Sie würden auf der Stelle umfallen, Sie wären tot und würden wiedergeboren, weil es einfach zu wahnsinnig ist. Manche Künstler versuchen doch auch über die Grenze des überhaupt Denkbaren und Möglichen zu gehen, damit wir wach werden, damit wir uns für eine andere Welt öffnen." - Karlheinz Stockhausen

Neid (4) Der Neid (livor), als Hang, das Wohl anderer mit Schmerz wahrzunehmen, ob zwar dem seinigen dadurch kein Abbruch geschieht, der, wenn er zur Tat (jenes Wohl zu schmälern) ausschlägt, qualifizierter Neid, sonst aber nurMißgunst (invidentia)heißt, ist doch nur eine indirekt-bösartige Gesinnung, nämlich ein Unwille, unser eigen Wohl durch das Wohl anderer in Schatten gestellt zu sehen, weil wir den Maßstab desselben nicht in dessen innerem Wert, sondern nur in der Vergleichung mit dem Wohl anderer, zu schätzen, und diese Schätzung zu versinnlichen wissen. — Daher spricht man auch wohl von einer beneidungswürdigen Eintracht und Glückseligkeit in einer Ehe, oder Familie u.s.w.; gleich als ob es in manchen Fällen erlaubt wäre, jemanden zu beneiden. Die Regungen des Neides liegen also in der Natur des Menschen, und nur der Ausbruch derselben macht sie zu dem scheußlichen Laster einer grämischen, sich selbst folternden und auf Zerstörung des Glücks anderer, wenigstens dem Wunsche nach, gerichteten Leidenschaft, ist mithin der Pflicht des Menschen gegen sich selbst so wohl, als gegen andere entgegengesetzt. -  Immanuel Kant, Metaphysik der Sitten (1797)

Neid (5)  Sir Walter Raleigh war einer der brillantesten Köpfe am Hofe Elisabeths I. von England. Er war ein begnadeter Wissenschaftler, schrieb Gedichte, die noch immer zu den schönsten literarischen Hervorbringungen jener Zeit gezählt werden, konnte erwiesenermaßen Menschen führen, war ein großer Seefahrer von wagemutigem Unternehmergeist, und um all dem die Krone aufzusetzen, war er auch noch ein umwerfend charmanter Höfling, der es mit diesen Gaben bis zum Favoriten der Königin brachte. Doch überall stellten sich die Menschen ihm in den Weg. Schließlich fiel er auf schreckliche Weise in Ungnade, wurde ins Gefängnis geworfen und am Ende hingerichtet.

Raleigh begriff nicht, warum ihm die anderen Höflinge so erbittert Widerstand leisteten. Er hatte nicht nur das wahre Ausmaß seiner Talente und Qualitäten nicht vor den anderen verborgen, nein, er hatte sie ihnen regelrecht aufgedrängt und seine Vielseitigkeit zur Schau gestellt, weil er glaubte, damit Menschen beeindrucken und Freunde gewinnen zu können. In Wirklichkeit machte er sich damit heimliche Feinde: Menschen, die sich ihm unterlegen fühlten und in dem Moment, da er den kleinsten Fehler beging, alles daransetzen würden, ihn zu ruinieren. Hingerichtet wurde er zwar wegen Hochverrats, doch der Neid findet viele Mittel und Wege, seine zerstörerische Kraft zu maskieren. - (macht)

Neid (6) Daß Claggarts Gestalt nicht übel und sein Gesicht bis auf das Kinn wohlgeformt war, ist schon gesagt worden. Diese Vorzüge schienen ihm nicht gleichgültig zu sein, denn er war nicht nur stets sauber, sondern auch sorgfältig gekleidet. Billy Budds Gestalt hingegen war heldenhaft, und obgleich seinem Gesicht die intelligenteren Züge Claggarts fehlten, so war es doch ebenso wie das seine, wenn auch auf eine andere Weise, von innen her beseelt. Die warme Glut seines Herzens durchleuchtete das Rotbraun seiner Wangen.

Im Hinblick auf den ausgeprägten Unterschied zwischen den beiden Persönlichkeiten ist es mehr als wahrscheinlich, daß der Waffenmeister, wenn er in der oben geschilderten Szene dem Matrosen gegenüber die Worte "Feiner Junge, fein gemacht!" gebrauchte, damit eine ironische Anspielung verlauten ließ, die von dem jungen Seemann wohl gehört, aber nicht verstanden wurde und die sich auf das bezog, was Claggart von Anfang an gegen Billy eingenommen hatte, nämlich dessen auffallende Wohlgestalt.

Nun können Neid und Abneigung, Leidenschaften, die vernünftigerweise unvereinbar miteinander sind, in Wirklichkeit wie Chang und Eng in einer Geburt vereint entstehen. Ist Neid denn ein solches Ungeheuer? Hat sich etwa je ein Mensch ernstlich dazu bekannt, neidisch gewesen zu sein, obwohl doch mancher Sterbliche sich vor Gericht in der Hoffnung auf eine mildere Strafe gräßlicher Taten schuldig bekannt hat? Es liegt etwas darin, das nach allgemeinem Empfinden beschämender ist als das gemeinste Verbrechen. Und nicht nur, daß jeder ihn leugnet, sondern der bessere Teil der Gesellschaft neigt dazu, es nicht zu glauben, wenn er einem intelligenten Menschen nachgesagt wird. Aber da er im Herzen sitzt und nicht im Gehirn, so bietet kein Grad von Intelligenz einen Schutz dagegen. Claggarts Leidenschaft war nicht von der landläufigen Art, noch glich sie, die sich gegen Billy richtete, jener Anwandlung empfindlicher Eifersucht, die Sauls Gesicht verzerrte, wenn er, verwirrt durch den wohlgestalten David, in Grübeln versank. Beobachtete Claggart scheelen Blicks das gute Aussehen, die muntere Gesundheit und die unbekümmerte jugendliche Lebensfreude Billys, so geschah dies, weil sie, wie er im Unterbewußtsein empfand, einer Natur entsprachen, die in ihrer Einfalt weder den Willen zur Bosheit besaß noch den vergeltenden Biß dieser Schlange erfahren hatte. Für ihn war es der Geist, der in Billy wohnte und aus seinen blauen Augen wie aus Fenstern schaute, das Unnennbare, das die Grübchen in seinen gebräunten Wangen hervorrief, das seine Gelenke geschmeidig machte, in seinen blonden Haaren wehte und ihn in hervorragender Weise zum "schmucken Matrosen" machte. Mit Ausnahme einer Person an Bord war der Waffenmeister vielleicht der einzige, der Verstand genug besaß, das Phänomen, das sich in Billy Budd darbot, annähernd zu begreifen. Und diese Erkenntnis vertiefte nur noch seine Leidenschaft, die in seinem Innern verschiedene geheime Formen annahm, so zuzeiten die einer zynischen Verachtung, der Verachtung der Unschuld. Wie konnte man auch ganz einfach unschuldig sein! Aber sein ästhetisches Gefühl vermittelte ihm den Zauber dieser Unschuld, ihr unbeschwert mutiges Wesen, an dem er von Herzen gern teilgehabt hätte, an dem er jedoch verzweifelte.

Ohne die Kraft, das elementare Böse in seinem Innern zu ersticken, obwohl gewandt genug, es zu verstecken, das Gute zu begreifen, aber unfähig, es selbst zu sein, mit Energie überladen wie fast alle Naturen von der Art Claggarts — was blieb ihm anderes übrig, als auf sich selbst zurückzuweichen und wie der Skorpion, für den der Schöpfer allein verantwortlich ist, seine ihm zugewiesene Rolle bis zum Ende zu spielen. - Herman Melville: Billy Budd, Vortoppmann

Neid (7) Der Neid martert die Seele, läßt den Körper verdorren, macht hohläugig, blaß, dürr und verleiht ein gespenstisches Aussehen. Wie die Motte ein Kleidungsstück zerfrißt, so verzehrt der Neid nach Chrysostomos den Menschen. Nach Hall verwandelt er sich in ein lebendiges Skelett, einen bleichen und ausgezehrten Leichnam, den ein Dämon beseelt. - (bur)

Neid (8) Der Haß kann manchmal gerecht sein, der Neid nie, daher wir auch erstem wohl eingestehen, nie aber letzteren. Die Franzosen nennen ihn le vice de trois M1. Der Neid ist die Grundlage des Sprichworts: "Kein Prophet gilt in seinem Vaterlande" (nur allenfalls nach seinem Tode), desto mehr aber der Groschen und Kreuzer; unbesehen gehen sie von Hand zu Hand, während der Rubel und Piaster, der Dukate und Louis sich von allen Seiten müssen herumdrehen lassen. Wenn Damen recht viel Lächerliches von einer Neuangekommenen zu erzählen wissen, darf man immer annehmen, daß diese - jünger, artiger, witziger und schöner ist.

Wenn dich die Lästerzunge sticht,
So laß dir dies zum Troste sagen:
Die schlechtsten Früchte sind es nicht,
Woran die Wespen nagen.

Man wirft keine Prügel und Steine nach Bäumen, die keine Früchte tragen, und Hunde bellen auch nicht den Neumond an, wohl aber den Vollmond.

Alle Neidhammel verdrehen die Worte des Apostels Paulus; "Und ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, das des andern ist." Und ein Kirchenpapa meint, Gott könne einen Neidhammel nicht besser strafen als mit dem Paradiese, weil ihm dann die Freuden der Seligen solches zur Hölle machen würden.

Villars, als er sich von Ludwig XIV. beurlaubte, sagte: "Sire, ich werde Sie gegen Ihre Feinde im Felde verteidigen, geruhen Sie, mich hier zu verteidigen gegen den Feind, der um Sie ist." Gerade die freundlichsten Gesichter sind oft die gröbsten Neidhammel, und wenn sie lächelnd fragen: "Was werden Ihre Neider sagen?", darf man antworten: "Ich wollte eben Sie darum fragen."

Immer besser Neider als Mitleider, denn wenn die Menschlein so recht giftig werden, pflegen sie zu sagen: "Mit dem muß man Mitleid haben."  

1 Laster der 3 M: malice, médisance, méchanceté - Bosheit, Schmähsucht, Bösartigkeit

- (kjw)

Neid (9) und Missgunst ist auch unter Vögeln ein verbreiteter Wesenszug. Den Beweis traten Emery und seine Kollegin Nicola Clayton mit Hilfe des Buschhähers an, eines nur etwa 90 Gramm schweren Rabenvogels. Für ihre Experimente nutzten die Forscher die Eigenart des Tieres, Nahrung zu vergraben. Gleichzeitig räubern Buschhäher gern die Futterspeicher ihrer Artgenossen aus. Beim Vergraben achten die Vögel daher peinlich genau darauf, dass ihnen niemand zuschaut.

Im Versuch jedoch ließen die Forscher den Tieren keine Chance auf Heimlichkeit. Immer war auch ein Artgenosse anwesend. Das Ergebnis: Die Vögel gruben ihr Futter später wieder aus und verlegten den Futterspeicher - indes nur dann, wenn sie zuvor selbst gestohlen hatten. Ehrliche Vögel dagegen, die sich noch nie an fremder Nahrung vergriffen hatten, vertrauten dem Zuschauer.

Zwei Dinge schließen die Biologen aus diesem Experiment: Aus Erfahrung wird auch der Buschhäher klug. Und, weit faszinierender: Ein Vogel, der klaut, traut auch einem Artgenossen die Missetat zu. "Die Vögel können sich offenbar in ihre Artgenossen hineinversetzen und daraus Schlüsse für ihr eigenes Handeln ziehen", sagt Emery. Voraussetzung sei eine Art Theorie darüber, wie der Verstand des Gegenübers funktioniert - eine Fähigkeit, die bislang allenfalls Primaten zugeschrieben wurde. - DER SPIEGEL 3/2004

Neid (10) Der Neid ist die Seele des überall florirenden, stillschweigend und ohne Verabredung zusammenkommenden Bundes aller Mittelmäßigen, gegen den einzelnen Ausgezeichneten, in jeder Gattung. Einen solchen nämlich will Keiner in seinem Wirkungskreise wissen, in seinem Bereiche dulden: sondern si quelqu'un excelle parmi nous, qu'il aille exceller ailleurs [Tut einer sich bei uns hervor, so soll er doch fortgehen und sich anderswo hervortun! Helvetius], ist die einmüthige Losung der Mittelmäßigkeit allüberall. Zur Seltenheit des Vortrefflichen und zur Schwierigkeit, die es findet, verstanden und erkannt zu werden, kommt also noch jenes übereinstimmende Wirken des Neides Unzähliger, es zu unterdrücken, ja, wo möglich, es ganz zu ersticken. - (schop)

Neid (11) Der Tugend fremde Mißgeburt. Deß Teufels erste Sündenbrut/ der blasse/ feuerbrennende/ fressige/ abgegrämte/ Hertzquelende/ gifftige/ Schlangenartige Neid/ die böse Höllenzucht/ mit Drachenblut durchgallt/ knirscht mit den Zähnen ob seines Nächsten Glück. Der Eckelhaffte Neid, das scheele Neidhart Aug/ voll Basilisken Gifft. Die Gedancken des Neidischen sind Rach / alles was in der Welt Gutes geschihet, beduncket ihn böß. Er ist die Pestilenz jedoch nur mit dem Willen/ den er nicht kann erfüllen/ an aller Welte Grentz. Deß Neidlings Bett ist voller Dörner Spitzen/ er kan niemals in Ruhe sitzen/ und pfleget jedermann zu ritzen/ mit seiner Lesterung. Ihm wird der Tag zur finstren Nacht/ des Bruders Freud sein eignes Leid/ sein' eisgen Henkersplag etc. Neid ist nur bey hohen Sachen/ und die nicht gemeine sind : Hierein setzt er seine Rachen/ alles Glücks gefert und Kind etc.
Leid ich von der Tugend wegen/ so wird mir der Fluch zu Segen.

Der Neid wird gebildet in Gestalt einer alten ungestalten Weibsperson/ blass in dem Angesicht/ mit langabhangenden Brüsten/ darzwischen Schlangen das Hertz nagen/ nechst ihr eine Wasserschlange mit vielen Köpfen. Oder man mahlet sie mit einem SchlangenHaare/ und daß sie das Hertz / in der Hand hält/ welches ein Wurm naget. Ihre Kleidung ist rot/ wie der Rost am Eisen.  

Ich werde wolgemut/ wann andre sich beklagen;
Ich traure/ wannn das Glück den andern giebt Behagen.
Ich sorg um meine Qual/ und nimm an Kräfften ab/ doch grab' ich noch so stark/ mein eignes Schmertzen Grab

- (hrs)

Neid (12)isches über einen Klo-Mann
 

Anfangs hat er kläglich gestöhnt,
Denn er war zuvor in der Küche
Kartoffelschäler, und andre Gerüche
Von daher gewöhnt.

Er ist ebenso dumm wie faul.
Er öffnet die Türen zu den Aborten
Und nach kurzen, blödsinnigen Worten
Über das Wetter, hält er das Maul.

Nie ist er freundlich. Dennoch verehren
Ihn manche sehr;
Besonders die, die ihm hinterher
Handtücher stehlen und Nagelscheren.

Ich weiß nicht, warum ich mich vor ihm geniere.
Er läßt mir niemals zum Waschen Zeit,
Und durch seinen Geiz in bezug auf Papiere
Geriet ich schon oft in Verlegenheit.

Im Grunde ärgert's ihn, wenn man seine
Geräte benutzt.
Obwohl er niemals, auch nicht mal zum Scheine,
Daran etwas putzt.

»Gedenket des Alten
Denn er muß alles reine halten!«
Schreibt er mit Seife, Frechheit und Ruhe
Jeden Morgen groß an den Spiegel.
Und dabei hat dieser Schweinigel
So ein vornehm nervöses Getue,
Das jeden zwingt, ihm viel Trinkgeld zu geben,
Und er zählt immer gleich nach, wieviel. - -

- Joachim Ringelnatz

Neid (13) »Das himmlische Reich beruht auf Grundmauern von Lügen«, redet Simon Magus, der unbarmherzigen Sonne einen Blick zuwerfend,  »sein Dach hat zwei Flächen, Lug und Trug. Auch ihre Schriften bestehen aus lügenhaften Worten und verlogenen Gesetzen, ein jedes ihrer Gesetze ist je eine Lüge: die zehn Gebote, zehn Lügen... Sie begnügen sich nicht damit, daß dieser ihr Elohim ein Tyrann ist, rachsüchtig und böse, wie ein böser Greis, ihr müßt ihn sogar noch bewundern, auf die Erde fallen vor ihm, an nichts anderes dürft ihr denken, nur an ihn! An ihn, diesen Tyrannen, ihn müßt ihr auch den Einzigen, den Allmächtigen, den Gerechten nennen! Und nur ihm gehorchen. Ach, du Volk von Samaria, was sind das für Schwindler, die dich besuchen, deine Ohren anfüllen mit Lügen und verlogenen Versprechungen? Die haben sich alle seine Gnade angeeignet, von dir aber fordern sie, du mögest dich ohne zu murren fügen, alle Not des Lebens ertragen, Wunden, Krankheiten, Erdbeben, Überschwemmungen, die Pest, und nicht einmal verfluchen darfst du ihn dafür. Warum sonst wäre es dir verboten, seinen Namen zu nennen? Eine Lüge ist alles, so sage ich dir, Volk von Samaria, alles, was dir Petrus und Paulus predigen, alles ist nur Lug und Trug seiner Schüler, alles nur ein schrecklicher und gewaltiger Schwindel. Deshalb heißt es: du sollst nicht töten! Denn das Töten ist seine Sache, die Sache ihres Einzigen und Allmächtigen und Gerechten! Nur seine Sache ist es zu schlachten und Kinder in der Wiege zu ermorden, die Mütter im Verlauf der Geburt und die zahnlosen Greise! Das ist nur sein Handwerk; deshalb heißt es: du sollst nicht töten! Nur sie sind dazu berufen! Er und seine Diener haben das Vorrecht zu töten! Deshalb, Volk von Samaria, befolge nur seine Gesetze!... Und deshalb heißt es auch: du sollst keine Unzucht treiben, damit sie für sich die Blüte deiner Mädchen genießen können.«  - (kis)

Neid (14) Sich irren wollen. — Neidische Menschen mit feinerer Witterung suchen ihren Rivalen nicht genauer kennen zu lernen, um sich ihm überlegen fühlen zu können. - (mo)

Neid (15)  Der nid des Neidings ist für die Germanen das wahrscheinlichste Motiv zur Anwendung des bösen Schadenszaubers namens Seidr. Aufgrund seines grundsätzlich unbegrenzten nid (Neid, Bosheit, Heimtücke) in Bezug auf den ihm überlegenen Menschen und seine Fähigkeiten bedient sich der Neiding seines Seidrs, um dem Menschen zu schaden und schlussendlich die Menschheit mitsamt Midgard, der Menschenwelt, zu vernichten.

Infolgedessen wird der Neiding als mythologischer, nichtmenschlicher Unhold aufgefasst, „der jedenfalls nur Schaden stiftet und andere in das sichere Verderben hineinreißen kann“. Wer nid in sich trägt und sich daran verzehrt, den trifft die Auflösung der „inneren Eigenschaften, die das Individuum gleichzeitig zum Mann und zum Verwandten macht“, was unweigerlich Abartigkeit, Unzüchtigkeit und Krankheit nach sich zieht, so dass das gesamte Wesen des Unholds nicht nur das direkte Gegenteil von kriegerischer Männlichkeit darstellt, sondern sein nid auch hochgradig ansteckend ist. - wikipedia

Neid (16)  Ein Mann namens Äsius Proculus, Sohn eines Primipilaren, hieß wegen seiner auffallenden Größe und Schönheit "Kolosseros". Ihn ließ Caligula plötzlich von seinem Sitz im Zuschauerraum wegschleppen und in die Arena führen. Dort stellte er ihn erst einem thrazischen Fechter, dann einem Hoplomachos zum Kampfe gegenüber. Als Kolosseros beide Male Sieger blieb, ließ er ihn auf der Stelle binden und mit Lumpen bekleidet durch die Straßen führen, in diesem Aufzug den Weibern zeigen und dann erdrosseln.   - (sue)

Neid (17)  In der Sprache der Kirche könnte man sagen, daß Hoffart und Neid seine schlimmsten Sünden sind, und zwar mischen sie sich in seinem rätselhaften Wesen oft zur Einheit. Ja, vielleicht liegt in dieser Verbindung überhaupt der Schlüssel zum Geheimnis seines Lebens: er verachtet die Sünde wegen ihrer Schande, aber er beneidet sie wegen ihrer Lust. Niemand sitzt selbstgerechter als er über die Schwächen der Menschen zu Gericht, aber er würde vielleicht weniger hart sein, wenn er in diesen Schwächen nicht auch das Vergnügen sähe, das die Menschen von ihnen haben. Da er neidisch auf das Glück der anderen ist, so bricht er den Stab über das Menschliche an ihm. Unfähig, sich gehenzulassen, richtet er jene, die dazu aufgelegt sind. Das Laster nicht nur fliehend, sondern auch fürchtend, versucht er, sich über jene zu erheben, die nicht bloß die sträfliche Neigung, sondern auch den Mut zum Laster haben. - Friedrich Sieburg, Robespierre. München 1965 (zuerst 1958)

Neid   (18)

Neid

- Charles M. Schulz, You're not for real, Snoopy! Greenwich, Conn. 1971 ( Fawcett Crest Books, zuerst ca. 1964)

Neid   (19)   Der gewöhnliche Neid pflegt zu gackern, sobald das beneidete Huhn ein Ei gelegt hat: er erleichtert sich dabei und wird milder. Es gibt aber einen noch tieferen Neid: der wird in solchem Falle totenstill, und wünschend, daß jetzt jeder Mund versiegelt würde, immer wütender darüber, daß dies gerade nicht geschieht. Der schweigende Neid wächst im Schweigen.  - Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches (zuerst 1878)

Neid   (20)  Meine Damen und Herren, ich  stellte die These auf, daß es die Entdeckung des Primitiven unter der Schicht des Sachlich-Nüchternen sei, durch die der Mord für uns interessant werde. Doch ist das wirklich schon alles?

Wenn ich die vor mir liegende Liste berühmter Mörder  noch einmal durchsehe, dann scheint mir, als hätten jene, die sich unseres Interesses - und, wenn ich so sagen darf, unserer Sympathie - erfreuen, zwei Dinge gemeinsam: sie töteten aus entschieden praktischen Erwägungen - Profit, Sicherheit, Freiheit — und ohne sich schuldig zu fühlen.

Vielleicht beneiden wir sie ja. Die Morde, die wir in unseren Herzen begehen, können nie so einfach sein.  - (beg)

Neid   (21)  Willst du an Herz und Verstand ein Riese sein und scheinen, suche deinen Platz immer in einem großen Kreis (Zeit, Ort, Menschen und Dinge). Trotz des Neides, der an den Menschen nagt, wollen sie nichts mehr, als in anderen die Größe finden, die sie bei sich selbst nicht spüren. - (hds)

Neid   (22)  Was zuerst einmal und überall auffällt, ist die Furcht vor den Toten. Sie sind unzufrieden und voll von Neid auf die Angehörigen, die sie zurückgelassen haben. Sie versuchen, sich an ihnen zu rächen, manchmal für Beleidigungen, die man ihnen noch zu Lebzeiten zugefügt hat, oft aber auch für die bloße Tatsache, daß sie nicht mehr am Leben sind. Der Neid der Toten ist es, den die Lebenden am meisten fürchten. Sie suchen sie zu beschwichtigen, indem sie ihnen schmeicheln und Nahrung anbieten. Sie geben ihnen alles mit, was sie für den Weg ins Land der Toten brauchen, nur damit sie weit fort sind und nicht mehr zurückkommen.  - (cane)

Neid   (23)  

Neid   (24)  

- Giotto

Neid   (25)

- Charles Lebrun

Gefühle, unfreundliche Unterlegenheit

 

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