eltbild   Von den Pythagoreern bis heute können wir eine Reihe von Paradigmen verfolgen, die zeitweise das Weltbild bestimmt haben. Für die alten Griechen, die mit ihren ersten geometrischen Entdeckungen und der systematischen Bewegung am Himmel beschäftigt waren, war die Welt geometrische Harmonie. Später sollte die Schule des Aristoteles mit ihrem großen Interesse an Lebewesen und ihrem anscheinend zweckmäßigen und zielgerichteten Verhalten das Universum als einen großen Organismus betrachten - ein Lebewesen mit Ziel und Zweck. Zwei Jahrtausende später war die Welt für Newton und Huygens, die in einer Zeit neuer mechanischer Geräte lebten, ein großer determinierter Mechanismus, bei dem die Zukunft gleichsam mit der Präzision eines Uhrwerks in der Gegenwart vorbestimmt ist. Nach der industriellen Revolution war man in der Gründerzeit fasziniert von der Antriebskraft und den Möglichkeiten der Maschinen und Dampfmaschinen und betrachtete das Weltall als eine große Wärmekraftmaschine, die nach den Gesetzen der Thermodynamik zum langsamen «Wärmetod» verdammt ist: zum alles beherrschenden thermischen Gleichgewicht. Es kommt heute also nicht völlig unerwartet, wenn bei unseren Versuchen, das Universum durch einfachere Begriffe zu beschreiben, der Vergleich mit dem «Computer» oder dem «Programm» als naheliegend empfunden wird. Das Wachstum der Elektronikindustrie und die Allgegenwart des Computers auf den Schreibtischen und im Kopf moderner Naturwissenschaftler hat unsere Betrachtungsweise in allen Bereichen beeinflußt, vom Wesen der menschlichen Intelligenz bis zu den Naturgesetzen. Allerdings ist mit dem gleichen Argument auch zu erwarten, daß diese kulturelle Resonanz im Hinblick auf den Computer vorübergeht.   - (bar)

Weltbild (2)  Die Erde sei flach und breit und treibe auf der Luft. In derselben Weise trieben auch Sonne, Mond und die übrigen Gestirne, die insgesamt feuriger Natur seien, wegen ihrer flachen und breiten Form auf der Luft. An dem Ort der Gestirne gebe es auch erdartige Klumpen, die mit diesen herumkreisten. Er sagt, die Gestirne bewegten sich nicht - wie andere angenommen haben - unter der Erde hindurch, sondern um die Erde herum, wie sich um unseren Kopf die Mütze dreht. Die Sonne verberge sich nicht dadurch, dass sie unter die Erde gelange, sondern weil sie von höheren Erdteilen verdeckt werde und sich überhaupt weiter von uns entferne. Die Sterne wärmten nicht wegen der Größe ihrer Entfernung. - Anaximenes, nach Hippolytos

Weltbild (3)

"View of the World from 9th Avenue"

- Saul Steinberg

Weltbild (4)

Weltbild, baylonisches

Babylonisches Weltbild. E — Erde; H1, H2, H3 = 1., 2. und 3. Himmel; HO = Himmlischer Ozean; O = Irdischer Ozean; T = Tiefe des Irdischen Ozeans; A = Abend (Westen), Berg des Sonnenuntergangs; M = Morgen (Osten), Berg des Sonnenaufgangs; TR = Die sieben Mauern und der Palast (P) des Totenreichs.

- C. W. Ceram, Götter Gräber und Gelehrte. Reinbek bei Hamburg 2000 (zuerst 1949)

Weltbild (5) Die Mandingo  stellen sich die Erde als eine große Ebene vor, deren Ende noch kein Auge gesehen hat, weil Wolken und Finsternis es immer umhüllen. Das Meer beschreiben sie als einen großen Strom von salzigem Wasser, an dessen entfernter Küste »Tabah-bodu« — »Das Land der Weißen« — liegt. Weit von Tabahbodu setzen sie noch ein anderes Land »Djong sang du« — »Das Land, wo die Sklaven verkauft werden« —, dessen Einwohner sie Kumi nennen und sie als Kannibalen von riesenhafter Größe beschreiben. Unter allen Ländern der Welt halten sie das ihre für das beste und sich für das glücklichste Volk, und sie bemitleiden das Schicksal anderer Nationen, welche die Vorsehung in weniger fruchtbare und beglückte Gegenden gesetzt hat. - Mungo Park, Reise in das Innere von Afrika. Leipzig 1984 (zuerst 1799)

Weltbild (6)

Weltbild (7)  Die Tiwi auf Bathurst- und Melville Island glauben, daß das Weltall aus vier übereinanderliegenden Welten besteht: der Unterwelt Ilara, der Erde, wo die Menschen leben, dem Himmel Juwuku und der Oberwelt Tuniruna. In der Unterwelt Ilara ist es stets finster, und die einzigen Wesen, die sie betreten, sind die Sonnenfrau Wuriupranala und der Mondmann Tjarapa. Ilara besteht aus zwei felsigen Bergketten, zwischen denen ein tiefes Tal liegt. Eine Quelle entspringt auf einem Berg, und die Sonnenfrau und der Mondmann können sich auf ihrem unterirdischen Rückweg nach Osten an ihrem Wasser erfrischen. Ansonsten aber ist Ilara eine öde finstere Welt, in der sich weder Pflanzen noch Tiere befinden. Die über Ilara liegende Erde ist flach und so schmal, daß jeder, der sich zu weit von den Ufern des Tiwilandes entfernt, über den Rand der Erdscheibe stürzt. - Märchen aus Australien. Traumzeitmythen der Aborigines. Hg. Anneliese Löffler. München 1992

Weltbild (8)  Zunächst muß ich eine durchaus bezaubernde, lang anhaltende, eigentümliche und unwiderstehliche Verlockung meines Geistes bekennen.

Nämlich: der Welt, der Gesamtheit der Dinge, die ich sehe oder die ich durch den Blick begreife, nicht, wie es die meisten Philosophen tun und wie es vielleicht vernünftig ist, die Form einer großen Kugel, einer großen Perle zu geben, weich und undeutlich, wie umwölkt, oder im Gegenteil kristallinisch und klar, deren Mittelpunkt, wie einer von ihnen gesagt hat, überall ist und deren Oberfläche nirgends, noch die einer »Geometrie des Raumes«, eines riesigen Schachbretts oder eines Bienenstocks mit unzähligen Zellen abwechselnd lebendig und bewohnt oder tot und ihrer ursprünglichen Bestimmung entzogen, wie gewisse Kirchen Scheunen oder Stallungen geworden sind, wie gewisse Schneckengehäuse, die einst dem sich bewegenden und eigenwilligen Körper eines Weichtieres angehörten, vom Tod ausgehöhlt auf dem Meer treiben und nichts weiter als ein wenig Wasser und etwas feinen Kies beherbergen bis zu dem Augenblick, wo sie ein Einsiedlerkrebs zur Wohnung wählt und sich mit dem Schwanz an sie klebt, noch die eines unermeßlich großen, menschenähnlichen Körpers, so wie man ihn sich vorstellen könnte, wenn man in den Planetensystemen das Äquivalent der Molekularsysteme sehen wollte durch Vergleich des Teleskopischen mit dem Mikroskopischen.

Sondern vielmehr auf ganz willkürliche Weise abwechselnd die Form der merkwürdigsten Dinge, der asymmetrischsten und von bedingtem Wert (und nicht allein die Form sondern alle Merkmale, alle Einzelheiten der Farben, der Düfte), wie zum Beispiel ein Fliederzweig, eine Krabbe im natürlichen Felsenaquarium an der Molenspitze von Grau-du-Roi, ein Schwamm in meinem Badezimmer, ein Schlüsselloch mit einem Schlüssel darin.

Und vielleicht kann man sich mit gutem Recht darüber mokieren oder mich im Irrenhaus zur Rechenschaft ziehen, doch finde ich darin mein ganzes Glück.  - (lyr)

Weltbild (9)  René Descartes teilte die materielle Welt in drei Abteilungen. Dabei bildet die Erde die erste und gröbste Abteilung, danach folgt eine dunkle Abteilung aus feineren Teilchen. Die dritte Abteilung schließlich besteht aus feinsten „Himmelskügelchen“. Diese feinstofflichen Kügelchen können durch die Zwischenräume der gröberen Kugeln in den beiden anderen Abteilungen hindurch diffundieren. Aus diesen feinsten feinstofflichen Teilen können nach Descartes „alle Körper, welche uns hier umgeben, entstehen.“ Allerdings ist nach Descartes die materielle Welt scharf von dem immateriellen Bereich des Seelischen zu trennen, eine feinstoffliche Erklärung geistiger Phänomene ist bei ihm daher ausgeschlossen.

Die drei Abteilungen der Welt, Zeichnung von Descartes. I = gröbste innere Abteilung, M = mittlere Abteilung, Außen feinste Himmelkörperchen.

- Wikipedia

Weltbild (10)  Das All, dem wir - mag es sein, was es will - die Bezeichnung Himmel und Erde beigelegt haben, bildet eine einzige Einheit und umschließt sich und die Welt in ein und demselben Umkreis. ... Inmitten erhebt sich die Erde; allenthalben von Meer umgürtet, wird sie durch dieses in zwei Hälften, Hemisphären genannt, von Ost nach West geteilt und in fünf Zonen geschieden. In der mittleren droht uns Verderben durch Gluthitze, in den beiden äußersten durch Frost; die übrigen sind bewohnt, sie haben zwar die gleichen Jahreszeiten, doch machen sich diese nicht in gleicher Weise bemerkbar. Die eine Hemisphäre bewohnen die Antichthonen, die andere wir. Die Beschaffenheit jener ist wegen der dazwischen liegenden Zone nicht bekannt.   - Pomponius Mela, nach (meer)

Weltbild (11)   Seine Lehre läuft auf folgende Sätze hinaus: Es gibt eine Mehrheit von Welten und nichts Leeres. Alles in der Natur ist aus Warmem und Kaltem, Trockenem und Feuchtem entstanden, die sich gegenseitig ineinander verwandeln. Die Menschen sind aus der Erde entstanden, und die Seele ist eine Mischung aus diesen Elementen, ohne daß eines von ihnen dabei im Übergewicht wäre. Gegen Schmähungen soll er sich aufgebäumt haben, und als ihm jemand darüber Vorwürfe machte, soll er erwidert haben: „Wenn ich bei Schmähungen gleichgültig bleibe, so werde ich auch bei Lob unempfindlich bleiben."  - Zenon, nach (diol)

Weltbild (12)  

Bild des Universums bei Aristoteles, den Stoikern und den Epikureern

 - (bar2)

Weltbild (13)  

Bild des Universums bei Isaac Newton

Als Newton im 17. Jahrhundert mit seinen Untersuchungen der Schwerkraft begann, nahm er tatsächlich ein endliches Universum aus Sternen und Planeten an, das von einem unendlichen, leeren Raum umgeben ist  Andere, wie Descartes, hatten dagegen argumentiert, dass es einen Raum nur geben kann, wo auch Materie ist, aber Newton glaubte, dass ein Raum ohne Materie vom Geist Gottes geschaffen wurde.   - (bar2)

Weltbild (14)  

Im Mittelpunkt von Thomas Digges' Welt  liegt die Sonne, umkreist von sechs Planeten (auf die Ringe von Merkur und Venus folgt der breite Ring von Erde und Mond, weiter außen folgen Mars, Jupiter und Saturn). Der Saturn war damals der am weitesten von der Sonne entfernte Planet, den man kannte. Jenseits des Saturn sehen wir einen weiten Ring mit der Bildinschrift, und außerhalb von diesem dann jenen sterngefüllten Raum, der ohne Grenzen zu sein scheint.

Digges' Universum ist auf dem Vorsatzblatt seiner Abhandlung wiedergegeben und trägt eine gewichtige Bildinschrift: »Diese Schale mit unendlich vielen Sternen dehnt sich sphärisch in die Weiten und ist daher unbeweglich. Sie ist der Palast des Glücks, geschmückt mit ewig leuchtenden, glanzvollen Lichtern, unendlich weit entfernt und an Zahl und Qualität unsere Sonne übertreffend, der wahre Hof der himmlischen Engel, frei von Schmerz und erfüllt mit perfekter, ewiger Freude: das Heim der Auserwählten.«   - (bar2)

Weltbild (15)  »Der Wind hat sich von der Kette losgerissen ...«, sagt Gussew und horcht hinaus.

Diesmal hustet Pawel Iwanytsch und antwortet gereizt:

»Bald stößt bei dir ein Schiff auf einen Fisch, bald reißt sich der Wind von der Kette los... Ist denn der Wind ein Tier, daß er sich von der Kette reißen kann?«

»Das sagen die Getauften dort.«

»Die Getauften sind genauso ungebildete Leute wie du ... Was die nicht alles sagen! Man muß den eigenen Kopf auf den Schultern tragen und überlegen. Du abgeschmackter Mensch.«

Pawel Iwanytsch leidet an der Seekrankheit. Wenn es schaukelt, ärgert er sich meist und läßt sich durch die geringste Bagatelle aufbringen. Nach Gussews Ansicht ist jedoch absolut kein Grund, sich zu ärgern. Was ist denn schon Sonderbares oder Unerhörtes an einem Fisch zum Beispiel oder am Wind, der sich von der Kette reißt? Angenommen, daß ein Fisch groß wie ein Berg ist und sein Rücken so hart wie der vom Stör, und ebenso angenommen, daß dort, wo das Ende der Welt ist, dicke Steinmauern ragen und böse Winde an diese Mauern gekettet sind. Wenn sie sich nicht von der Kette gerissen hätten, warum rasen sie dann wie verrückt über das ganze Meer und stoßen her wie Hunde? Wenn man sie nicht ankettet, wo stecken sie dann, wenn es still ist?

Lange denkt Gussew an Fische, groß wie Berge, und an dicke verrostete Ketten; dann aber wird es ihm langweilig, und er beginnt an die Heimat zu denken, in die er jetzt nach fünfjährigem Dienst im Fernen Osten heimkehrt. Er malt sich einen riesigen Teich aus, von Schnee verweht... Auf der einen Seite des Teiches liegt die ziegelfarbene Porzellanfabrik mit dem hohen Schornstein und den Wolken schwarzen Rauches; am anderen Ufer liegt das Dorf... Aus dem Hof, dem fünften vom Dorfrand, fährt sein Bruder Alexej auf einem Schlitten, hinter ihm sitzen sein Söhnchen Wanka, in großen Filzstiefeln, und das Mädelchen Akulka ebenfalls in Filzstiefeln. Alexej hat getrunken. Wankalacht, und Akulkas Gesicht ist nicht zu sehen, sie hat sich ganz eingemummt.

Keine Stunde ist wie die andere, die Kinder könnten im Frost frieren ..., denkt Gussew. »Gott möge ihnen«, flüstert er, »Verstand verleihen, auf daß sie die Eltern ehren und nicht gescheiter werden als Vater und Mutter...«

»Hier braucht's neue Sohlen«, phantasiert der kranke Matrose im Baß. »Ja, ja!«

Gussews Gedanken reißen ab, und statt des Teiches steigt vor ihm aus unerfindlichen Gründen ein großer Ochsenkopf ohne Augen auf, Pferd und Schlitten dagegen fahren nicht mehr, sondern wirbeln in schwarzem Rauch. Doch er ist immerhin froh, daß er die Verwandten gesehen hat. Die Freude verschlägt ihm den Atem, sie kriecht wie Ameisen über seinen Körper und zittert in seinen Fingerspitzen.

»Gott hat sie mich sehen lassen!« phantasiert er, doch sogleich öffnet er die Augen und sucht im Dunkeln nach Wasser. Er trinkt und legt sich zurück, und wieder fährt der Schlitten, und wieder der Ochsenkopf ohne Augen, der Rauch und die Wolken ... Und so bis zur Morgendämmerung.  - Anton Tschechow, Gussew.  Nach (tsch)

Weltbild (16)  

Weltbild (17)  Leukippos'  Lehre ging dahin: Die Gesamtheit der Dinge sei unendlich, und alles verändere sich durch Übergang ineinander, das All sei leer und voll [von Körpern]. Die Welten bilden sich dadurch, daß die Körper in den leeren Raum hineinsinken und sich miteinander verflechten. Bei sich steigernder Anhäufung der Körper entsteht aus ihrer Bewegung die Sternenwelt. Die Sonne bewegt sich in einem größeren Kreis um den Mond. Die Erde wird in ihrer Lage festgehalten durch den Schwung um die Mitte; ihre Gestalt ist paukenförmig. Er hat zuerst Atome als das Ursprüngliche hingestellt. Dies sind die Hauptpunkte.

Im einzelnen steht es folgendermaßen: Das Ganze nennt er unendlich, wie bereits bemerkt. Dieses ist teils voll, teils leer, mit welchen Ausdrücken er die Elemente bezeichnet. Daraus entstehen unzählige Welten und lösen sich auch wieder in die Elemente auf. Die Welten aber entstehen auf folgende Weise: Nach Maßgabe der Ablösung von dem Unendlichen bewegen sich zahlreiche Körper von mannigfachster Gestaltung in den großen leeren Raum hinein, die zusammengeballt einen einzigen großen Wirbel ausmachen, durch den sie, gegeneinander stoßend und mannigfach im Kreise sich umschwingend, in der Weise gesondert werden, daß sich das Gleiche zum Gleichen gesellt. Wenn sie nun nach hergestelltem Gleichgewicht sich wegen der Menge nicht mehr im Kreise umschwingen können, entweichen die feineren (leichteren) in der Richtung nach dem äußeren Leeren, als wären sie durchgesiebt, die übrigen bleiben beisammen, halten, sich miteinander verflechtend, die gleiche Bahn ein und bilden so die erste kugelförmige Massengestaltung. Diese sondert von sich gleichsam eine Haut aus, die in sich Körper mannigfacher Art einschließt; wenn diese vermöge des Gegendruckes der Mitte in Umschwung gesetzt werden, verdünnt sich die umhüllende Haut, indem immer die weiter sich anschließenden Teile gemäß der Berührung mit dem Wirbel zusammenfließen. Und so ist die Erde entstanden, indem die nach der Mitte geführten Teile beisammen blieben. Die hautartige Umhüllung selbst hinwiederum verstärkt sich durch den Hinzutritt der ausgesonderten Körper, und im Wirbel sich umdrehend nimmt sie alles, womit sie in Berührung kommt, für sich in Beschlag. Von diesen verflechten sich einige untereinander und bilden ein zusammengehöriges Ganzes, das, anfangs feucht und lehmartig, allmählich abtrocknend und durch die Drehung des Ganzen in Umschwung gehalten, sich schließlich entzündet und die Sternenwelt bildet. Der Sonnenkreis ist der äußerste, der Mondkreis der der Erde nächste, die übrigen Sternenbahnen liegen zwischen diesen beiden. Alle Sterne entzünden sich infolge der Schnelligkeit der Bewegung, die Sonne gewinnt aber auch noch durch die Sterne an Feuerglanz. Der Mond gewinnt nur wenig Licht. Das Eintreten von Sonnen- und Mondfinsternissen erklärt sich durch die Neigung der Erde nach Süden. Die Polargegenden sind immer von Schnee bedeckt, erstarrt in Kälte und Eis. Die Sonne verfinstert sich selten, der Mond oft, wegen der Ungleichheit ihrer Bahnen. Wie es Weltentstehungen gibt, so auch Mehrung und Minderung und Untergang nach Maßgabe einer Notwendigkeit, über deren Beschaffenheit er keine nähere Auskunft gibt.  - (diol)

Weltbild (18)  Demokrits Lehre faßt sich in folgende Sätze zusammen: Urgründe des Alls sind die Atome und das Leere, alles andere ist nur schwankende Meinung. Es gibt unendlich viele Welten, entstanden und vergänglich. Nichts wird aus dem Nicht-Seienden, und nichts vergeht in das Nicht-Seiende. Auch die Atome sind unendlich an Größe und Menge; sie bewegen sich im All wirbelartig und erzeugen so alle Zusammensetzungen, Feuer, Wasser, Luft, Erde; denn auch diese sind Verbindungen bestimmter Atome; die Atome aber sind frei von Leiden (Beeinflussungen) und unveränderlich infolge ihrer Starrheit. Sonne und Mond haben sich aus solchen glatten und runden Atomenhaufen gebildet und die Seele gleicherweise; sie und die Vernunft sind eins. Unser Sehen ist eine Folge des Eindringens von Bildern. Alles geschieht gemäß der Notwendigkeit, denn die Wirbelbewegung ist die Ursache von allem Geschehen, und diese heißt eben Notwendigkeit. Endziel ist die Seelenheiterkeit, die keineswegs zusammenfällt mit der Lust, wie einige mißverständlich es auffaßten, sondern ein Zustand, in welchem die Seele ein friedliches und gleichmäßiges Dasein führt, von keiner Furcht, von keinem Aberglauben oder sonst welcher Störung aus dem Gleichgewicht gebracht. Er nennt das auch Wohlbefinden und hat noch viele andere Namen dafür. Beschaffenheiten sind nur gesetzartige Bestimmungen, von Natur gibt es nur Atome und Leeres. Das waren seine Lehren. - (diol)

Weltbild (19)  Körper ist, sagt Apollodor in der Physik, was dreifache Dimension hat, in die Länge, in die Breite, in die Tiefe. Ein solches Gebilde heißt auch fester Körper. Oberfläche ist die Begrenzung des Körpers oder das, was nur Länge und Breite hat, aber keine Tiefe. Ihr spricht Poseidonios im dritten Buch über Meteorologie eine Gültigkeit nicht nur der Vorstellung nach, sondern auch der Substanz nach zu. Linie ist die Grenze der Oberfläche oder Länge ohne Breite oder das, was nur Länge hat. Punkt aber ist die Grenze der Linie; er ist das kleinste Zeichen.

Gott sei ein einiges Wesen, sei Vernunft und Schicksal und werde Zeus genannt, werde aber auch noch mit vielen anderen Namen bezeichnet. Zu Anbeginn in seinem Sein auf sich selbst beschränkt, lasse er die gesamte Substanz vermittelst der Luft sich in Wasser verwandeln. Und wie im Samen der Keim enthalten ist, so behalte auch er als erzeugende Weltvernunft bei solcher Beschaffenheit seinen Sitz im Feuchten bei, indem er durch sich selbst die Materie fähig mache zu den weiteren schöpferischen Leistungen; dann erzeuge er zuerst die vier Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde. Darüber gibt Zenon Auskunft in seiner Schrift über das Weltganze und Chrysipp im ersten Buch der Physik und Archedemos in einem der Bücher über die Elemente. Element aber sei dasjenige, aus dem als dem ersten alles Entstehende wird und in das als letztes es sich auflöst. Die vier Elemente also seien zugleich die qualitätslose Substanz, d. i. die Materie. Es sei aber das Feuer das Warme, das Wasser das Feuchte, die Luft das Kalte und die Erde das Trockene. Doch sei auch noch in der Luft der nämliche (ursprüngliche) Teil. Zuoberst habe das Feuer seinen Platz, das Äther genannt werde; in ihm bilde sich zuerst die Sphäre der Fixsterne, sodann die der Planeten; darauf folge die Luft, dann das Wasser; die Unterlage aber für alles sei die Erde, der Mittelpunkt des Weltalls.

Welt nehmen sie in dreifacher Bedeutung: erstens als Gott selbst als den Träger der eigenartigen Qualität der gesamten Substanz; er ist demnach unvergänglich und unerschafFen, der Schöpfer der Weltordnung, der nach bestimmten Zeitabschnitten die gesamte Substanz für seinen eigenen Bestand in sich aufzehrt und dann wieder aus sich selbst erzeugt. Zweitens verstehen sie unter Welt die Gesamtordnung der Sterne und drittens das aus beiden Zusammengesetzte. Und die Welt ist der Träger der eigentümlichen Qualität der gesamten Substanz oder, wie Poseidonios in der meteorologischen Elementarlehre sagt, der Gesamtaufbau von Himmel und Erde mitsamt den in ihnen befindlichen Wesen oder der Inbegriff von Göttern und Menschen und allem, was ihretwegen erschaffen worden ist.

Himmel ist der äußerste Umschwung, in dem alles, was göttlich ist, seinen Sitz hat. Die Welt also werde geleitet und geordnet nach Maßgabe der Vernunft und der Vorsehung, wie Chrysipp sagt in dem Buch über die Vorsehung und Poseidonios im dreizehnten Buch von den Göttern, indem die Vernunft jeden Teil derselben durchdringt, so wie es bei uns mit der Seele der Fall ist; doch trifft das für manches in höherem, für manches in geringerem Maße zu. Manches nämlich durchdringt sie als wirkendes Vermögen, wie die Knochen und die Sehnen, manches als eigentliche Vernunft, wie den obersten leitenden Teil. So habe auch das Weltall als beseeltes und vernünftiges Lebewesen zum leitenden Teil den Äther, wie Antipater aus Tyros in dem achten Buch von der Welt sagt. Chrysipp dagegen im ersten Buch von der Vorsehung und Poseidonios in der Schrift über die Götter bezeichnen den Himmel als die eigentlich leitende Macht der Welt, Kleanthes aber die Sonne. Doch gerät Chrysipp wieder mit sich selbst in Widerspruch, indem er in dem nämlichen Buch den reineren Teil des Äthers als leitendes Prinzip bezeichnet, von dem sie auch als dem ersten, als dem Gott, sagen, daß er gleichsam sinnfällig alle Teile der Luft sowie alle lebenden Wesen und die Pflanzen durchdringe und durchdrungen habe; die Erde selbst aber als wirkendes Vermögen.

Die Welt sei eine und begrenzt, der Gestalt nach kugelförmig, denn für die Bewegung sei dies die geeignetste Form, wie Poseidonios sagt im fünfzehnten Buch der Physik und Antipater in den Büchern über die Welt. Von außen aber sei sie rings umgeben von dem unendlichen Leeren, welches unkörperlich sei. Unkörperlich aber sei, was von Körpern eingenommen werden könne, ohne doch davon eingenommen zu sein. In der Welt aber gebe es nichts Leeres, vielmehr bilde sie eine in sich fest zusammenhängende Einheit.  - Stoiker, nach (diol)

Weltbild (20)  

In ihrer Polemik sind sich sowohl Celsus als auch Origenes über die Hauptelemente des Ophitendiagramms einig: "Zehn Kreise, zusammengehalten von einem Kreis", und: "Die sieben archontischen Kreise würden von einem Kreis umschlossen, von dem sie behaupten, er sei die Seele des Alls und heiße Leviathan". In einigen Zusätzen, etwa bei den Namen für tiergestaltige Untergötter, die sogenannten "Archonten", oder deren "Engelnamen" gibt es Abweichungen, ebenso bei hinzugefügten Formeln. Daraus lässt sich schließen, dass entweder die Exemplare des Ophitendiagramms bei Celsus und Origenes leicht voneinander abwichen oder dass das Exemplar des Origenes bereits stark beschädigt war. Durch die Wiedergabe von Beschwörungsformeln wird ein Abstieg durch die einzelnen mit Hilfe der Kreise dargestellten Sphären beschrieben. Daher ist es heute wissenschaftliche Opinio communis, dass es sich um konzentrische Kreise handelt. Es existieren aber auch abweichende Rekonstruktionsversuche.  - Wikipedia

Weltbild (21)

Weltbild (22)  DIE WELT ist eine Tablette, die in ein Glas Wasser gefallen ist.
 DIE LUFT UND DAS WASSER sind identisch in bezug auf die Erde, der Äther und das Wasser in Bezug auf die Welt; die Berge sind das Ergebnis des Zerfalls der Erde unter der Wirkung der Luft.
DIE PLANETEN sind das Ergebnis des Zerfalls der Sonne unter der Wirkung des Wassers (Äther). DIE TRABANTEN sind in der Tablette enthaltene Luftblasen, die im Augenblick ihres Zerfalls entweichen und gewisse feste Teilchen mit sich ziehen. Die Meteore und die Kometen scheinen allein fest und explosiv zu sein. Daher ist DER MOND hohl.
Auf dem Grunde der Welt liegt eine Tablette, die im Zerfall Sterne in den Himmel schleudert.
ALEXANDRINER: Im Grunde ist der Stern verloren und die Himmel / sind Wasser.
DIE ERDE liegt auf dem Grunde; sie hat - wenn man will - die Sterne erzeugt.
DIE TEILCHEN, die hochgeschleudert wurden, fallen zurück an ihren alten Platz. Dies ist der Ursprung der Inseln und Kontinente. Die Erde ist ein gesunkenes Schiff, der Mond ist ein Ertrunkener, die Kometen Strandgut.
DIE TABLETTE ist ein Vulkan, ihr eigener Zerfall die Lava, die Teilchen A der Rauch, die Teilchen B der Bimsstein.
Sie ist auch der Tote, der in die städtische Erde der Friedhöfe fällt, die Teilchen A sind die Verzweiflungsschreie des Begrabenen, der atmet, die Teilchen B sind die am schnellsten gesättigten Würmer, die an die Oberfläche galoppieren, um am Fuße der so nahen Zypressen frische Luft zu schöpfen. Das Männchen steckt ab mit seinem Stock, und das Weibchen stickt Kissen in Fächerform.
DIE ASTRONOMIE ist eine verfehlte Wissenschaft, und die Sonne dreht sich weiter um die Erde. Die Vorurteile hinsichtlich der Lichtjahre haben stets nur die Populärwissenschaftler interessiert und die, wie es scheint, unberechenbare Zahl der Sterne hat nichts mit der Unendlichkeit zu schaffen. Die Astronomie, schwank und schwächlich, zieht sich in Entablissements von obszöner Form zurück, Observatorien genannt: eine geschützte Kuppel, in der ein Teleskop steckt. DIE IDEE des MONDES ist ein Begriff in Birnenform. Ebenso hat DER BEGRIFF SONNE die Form eines Eies.
Louis-Philippe ist der Mondkönig. Louis XIV der Eierkönig. BIRNENform haben: das Königtum, die S.D.N., das Bürgertum, das Bürgerliche Gesetzbuch, die Unverletzlichkeit der Staatsgebiete, die Fahne.
EIform haben: der Papst, der Christ, der Unbekannte Soldat, die Taufe, die Beschneidung, der Vatikan. Der Krieg ist ein Begriff in Form eines Zigarrenabschneiders; der Frühmorgen in Form eines Totenkopfes (der Wecker zum Beispiel steht auf zwei Schienbeinknochen); der Regenschirm in Form einer Schreibmaschine. Es gibt auch Ideen in Form von Sardinenbüchsen.  - Raymond Queneau, nach (jar)

Weltbild (23)  Das Denkerische und die Serenade! Während der Verführer tätig war, errechnete ein Vierziger das Quantengesetz, eine der großen Theoriengruppen der modernen Physik. Die Welt der Töne und die Welt der Atome, wo durchkreuzen sie sich? Litten Sie persönlich an der klassischen Kausalität, bedurften Sie einer Verknüpfung des diskontinuierlichen Energiequants mit der kontinuierlichen Welle, verlangte es Sie überhaupt nach einer Veränderung des physikalischen Weltbildes, in dem nicht mehr die Auffassung von einer stetigen Energieverteilung galt? Weltbild! Immer dies Wort! Es sind doch alles nur Märchen. Augenblick an Augenblick - das ist die Welt. Dort ein Schluck Kaffee, dort eine rote Weste, dort ein sinkendes Gefühl und dort ein Honigopfer - Reminiszenzen, Prophetien und Präludien und dann löst sich alles auf in einer Augustnacht, in der es nach Kränzen und Stoppeln riecht.  - Gottfried Benn, Drei alte Männer. In: G. B., Prosa und Szenen. Ges. Werke Bd. 2. Wiesbaden 1962

Weltbild (24)  Mit elfhundert Tanzbons in der Tasche und einem Rolls-Royce, der unten auf mich wartet, hätte ich mich aufs herrlichste martern können, alle und jede ohne Ansehen von Alter, Geschlecht, Rasse, Religion, Nationalität, Geburt oder Herkunft ficken können. Es gibt keine Lösung für jemand wie mich, da ich bin, wie ich bin, und die Welt ist, wie sie ist. Die Welt ist in drei Teile gespalten, zwei Teile Fleischklöße und Spaghetti, der dritte ein riesiges syphilitisches Geschwür. Ein Fick mit der hochnäsigen Juno ist vermutlich wie ein Stück abgestandener Truthahn, eine Art von con anonyme, mit Blattgold und Silberpapier ausgeschlagen. Hinter Verzweiflung und Enttäuschung stehen immer das Fehlen schlimmerer Dinge und der Lohn der Langeweile. Nichts ist lausiger und leerer als die vom mechanischen Auge unserer mechanischen Epoche aufgenommene laute Lustigkeit, dieses in einem schwarzen Kasten gärende Leben, ein mit Säure hochgekitzeltes Negativ, das ein flüchtiges Scheinbild des Nichts wiedergibt. - Henry Miller, Wendekreis des Steinbocks, Reinbek bei Hamburg  1972 (zuerst 1939)

Weltbild (25)

- G. Schulz, Personenkonstellation in Klingsors Märchen (Novalis, Heinrich von Ofterdingen). Nach: Novalis, Werke Tagebücher und Briefe, Bd. 3 Kommentar, Hg. Hans Jürgen Balmes. München Wien 1987

Weltbild (26)  In seinem Layman's Atlas befaßt de Selby sich ausführlich mit den Einschränkungen, die Alter, Liebe, Sünde, Tod und andere hervorstechende Merkmale der Existenz darstellen. Zwar ist es zutreffend, daß er ihnen nur sechs Zeilen widmet, doch dies infolge seiner vernichtenden Aussage, sie seien sämtlich »unnötig«. So erstaunlich es klingen mag, leitet er diese Behauptung als direkte Folge aus seiner Entdeckung ab, daß die Erde, weit davon entfernt, sphä-rtsche Gestalt zu besitzen, »wurstförmig« sei. Nicht wenige kritische Kommentatoren bekennen offen, daß der Anflug ungewöhnlicher Leichtfertigkeit, die de Selby sich in Verbindung mit dieser Theorie zu gestatten scheint, für einige Zweifel Raum läßt, andererseits scheint de Selby aber die Materie durchaus ernsthaft und nicht ohne Überzeugungskraft abzuhandeln.

Er schlägt den bewährten Weg ein, Trugschlüsse in bereits existierenden Konzeptionen aufzuzeigen und in aller Stille anstelle des Systems, das er zerstört zu haben vorgibt, sein eigenes zu errichten.

Wenn man sich an einem Punkt der vorgeblich sphärischen Erde befindet, so sagt er, bieten sich einem vier Richtungen an, nämlich der Norden, der Süden, der Osten und der Westen. Es erfordert jedoch nicht viel Überlegung, um einzusehen, daß es nur zwei geben kann, da Norden und Süden im Zusammenhang mit einem sphärischen Körper ohnehin bedeutungslose Begriffe sind und nur die Bewegung in einer Richtung beschreiben können; dasselbe gilt für Osten und Westen. Man kann jeden beliebigen Punkt auf der Nord-Süd-Linie erreichen, indem man die eine oder auch die andere »Richtung« einschlägt, wobei der einzige Unterschied zwischen beiden »Routen« nur auf äußere Einflüsse wie Zeit und Raum zurückzuführen ist, beides, wie wir gesehen haben, illusorische Begriffe. Demnach gibt es eine Nord-Süd-Richtung sowie eine Ost-West-Richtung. Anstelle von vier Himmelsrichtungen gibt es also nur zwei. Man kann demnach getrost folgern*, sagt de Selby, daß hier ein weiterer Trugschluß vorliegt und daß es in Wirklichkeit nur eine einzige Richtung gibt, die diesen Namen verdient, denn wenn man irgendeinen Punkt des Globus verläßt, sich bewegt und fortfährt, sich in welcher »Richtung« auch immer zu bewegen, dann erreicht man unweigerlich wieder den Ausgangspunkt. Die Lehre, die aus der Schlußfolgerung dieser Theorie gezogen wird, »die Erde« sei »eine Wurst«, ist nicht ohne Reiz. Die Vorstellung, die Erde sei sphärisch, schreibt er der Tatsache zu, daß der Mensch sich kontinuierlich nur m einer bekannten Richtung bewegt (obwohl er davon überzeugt ist, sich in einer Richtung seiner freien Wahl zu bewegen) und daß diese eine Richtung der kreisförmigen Zirkumferenz einer Erde entspricht, die nur wurstförmig sein kann. Man kann kaum bestreiten, daß, wenn die Multidlrektionalität der Erde als Trugschluß entlarvt worden ist, die sphärische Gestalt der Erde ein weiterer Trugschluß ist, der sich zwingend aus dem ersten ableitet. De Selby vergleicht die Lage eines Menschen, der sich auf der Erde befindet, mit der Situation eines Seiltänzers, der auf dem Drahtseil weitergehen muß, um nicht abzustürzen, ansonsten aber Herr seiner Entsdieidungen Ist. Aus der Bewegung in diesem begrenzten Spielraum resultiert jene permanente Halluzination, die uns unter dem Begriff »Leben« mit seinen zahllosen Einschränkungen, Betrübnissen und Anomalien bekannt ist. Neue und unvorstellbare Dimensionen werden die gegenwärtige Ordnung verdrängen, und die mannigfaltigen »Unnötigkeiten« der »ein-direktionalen« Existenz werden verschwinden. Zwar stimmt es, daß de Selby uns darüber, wie diese Richtung zu finden wäre, ein wenig im unklaren läßt. Sie laßt sich nicht, so warnt er uns, anhand einer mikroskopisch kleinen Unterteilung der Windrose feststellen, und ebensowenig sollte man sich von plötzlichen Sprüngen hierhin und dorthin erhoffen, die man in der Hoffnung ausführt, es werde ein Glücksfall eintreten. Er bezweifelt, daß menschliche Beine »geeignet« seien, das »Längen-Zelestium« zu durchwandeln, und er scheint anzudeuten, daß die Entdeckung der neuen Richtung fast immer den Tod nach sich zieht. - (obr)

Weltbild (27)

Weltbild (28)   Des Herakleitos' Lehre läuft im ganzen auf folgende Punkte hinaus: alles entsteht aus dem Feuer und löst sich wieder in dieses auf. Alles geschieht nach unverbrüchlicher Schicksalsfügung, und durch Lauf und Gegenlauf wird alles in Einklang erhalten. Alles ist voll von Seelen und Dämonen. Auch über alle kosmischen Erscheinungen hat er seine Meinung geäußert und daß die Größe der Sonne sich danach bestimmt, wie sie einem erscheint. Auch geht der Spruch von ihm um : „Der Seele Grenzen kannst du nicht ausfinden, und ob du jegliche Straße abschrittest; so tiefen Grund hat sie." Eigendünkel nannte er eine fallende Sucht und trügerisch das Auge. Zuweilen ist die Ausdrucksweise in seiner Schrift klar und verständlich, so daß sie auch der Stumpfsinnigste leicht versteht und sich geistig gehoben fühlt. Die Kürze und die Wucht seines Ausdrucks sind unvergleichlich.  - Heraklit, nach (diol)

Weltbild (29)  Des Melissos philosophischer Standpunkt war folgender: Die Welt sei unendlich und unveränderlich und unbeweglich, eine sich selbst gleiche Einheit und durchaus gefüllt; Bewegung gebe es nicht, wohl aber den Schein derselben. Aber auch über die Götter, sagte er, dürfe man sich nicht auf Erörterungen einlassen, denn es gebe keine strenge Erkenntnis derselben.  - Melissos, nach (diol)

 

Bild Welt

 

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