esterreicher   Schurig [1725] erklärt den Ziegenmist für ein hautrötendes, d.h. blutziehendes Mittel; man gebrauchte ihn daher zur Milderung rheumatischer Schmerzen, bei Kopfweh, bei Schwindelanfällen, bei Seitenstechen, bei Schmerzen in den Schultern, im Gehirn und in den Lenden, bei Koliken, bei Schlaganfällen, bei Schlafsucht; man glaubte auch, daß Ziegenmist imstande sei, skrofulöse und alle anderen Geschwülste aufzulösen; er galt auch als wirksam bei der Behandlung der Gicht. Bei innerlichem Gebrauch trieb er bei Wassersüchtigen das Wasser durch den Harn ab und löste auch Steine auf. Als Pflaster gebrauchte man ihn bei der Behandlung der Bisse toller Hunde; ebenso bei Kopfgrind. Innerlich verordneten ihn die österreichischen Hebammen bei der Behandlung der Hysterie, während man ihn in ganz Deutschland beim Ausbleiben des Monatsflusses gebrauchte.

Löwenkot zeigte seine besondere Kraft bei schweren Entbindungen, und er war das Allheilmittel bei fallender Sucht und Schlaganfällen. Einer der Erzherzöge von Österreich wurde durch seinen Gebrauch von der fallenden Sucht geheilt. Man bevorzugte den Kot von Löwinnen, ausgenommen wenn sie eben erst Junge zur Welt gebracht hatten. Ein sehr hoch angesehenes Heilmittel für die fallende Sucht setzte sich zusammen aus gebranntem Krähennest, gebrannter Schildkröte, gebranntem Menschenschädel, Lindenbaumrinde und Löwenkot; aus alledem stellte man einen Aufguß her, den man möglichst lange mit Weingeist ausziehen ließ.

Der Streit zwischen Richard Löwenherz und dem Herzog von Österreich, der später zu der Einkerkerung des englischen Königs in einem Burgverließ führte, verdankt seine Entstehung der schweren Beleidigung, daß man die österreichische Fahne in einen Abort warf. Matthäus von Paris sagt ausdrücklich, Richard selber habe es getan. »Nun wurde er, da er der Sache der Normannen sehr zugetan war, zornig über den Zug des Herzogs und gab den starrköpfigen, unziemlichen Befehl, das Banner des Herzogs in eine Abtrittgrube zu werfen« [Archer, 1889]  - (bou)

Österreicher (2)   Dieser feiste und hochmütige Österreicher mit harten und mißtrauischen Augen ..., mit zähen Ambitionen und zynischen Plänen, mag eine gewisse Vorliebe für die Herren des alten Rom haben ... Sein idealer Held ist ein Cäsar in Tirolertracht... Hitler ist ein Zerrbild Mussolinis ... Hitler hat in Wirklichkeit einen sehr weiblichen Charakter: seine Intelligenz, seine Ambitionen, selbst sein Wille haben nichts Männliches an sich ... Diktatur ist... die vollendetste Form der Eifersucht in ihren politischen, moralischen und verstandesmäßigen Aspekten ... Hitler ist der Diktator, die Frau, die Deutschland verdient. - Curzio Malaparte, Technik des Staatsstreichs (1931). Nach: Bruce Chatwin, Der Traum des Ruhelosen. Frankfurt am Main 1998 (Fischer-Tb. 13729, zuerst 1996)

Österreicher (3)   «Seine Majestät der Kaiser muß ganz blöd sein», erklärte Schwejk, «er war nie gescheit, aber dieser Krieg gibt ihm den Rest.»

«Er is blöd», erklärte der Soldat aus der Kaserne mit Bestimmtheit, «ganz blöd. Er weiß vielleicht gar nicht, daß Krieg is. Kann sein, daß sie sich geschämt ham, ihms zu sagen. Wenn er auf dem Manifest an seine Völker unterschrieben is, so is das Lug und Trug. Man hats ohne sein Wissen in Druck gegeben, er kann schon überhaupt an nichts denken.»

«Er ist fertig», fügte Schwejk mit Kennermiene hinzu, «er macht unter sich, und man muß ihn füttern wie ein kleines Kind. Neulich hat ein Herr im Wirtshaus erzählt, daß er zwei Ammen hat und daß Seine Majestät der Kaiser dreimal täglich an der Brust is.»

«Wenn nur schon Schluß war», seufzte der Soldat aus der Kaserne, «und sie uns verdreschen möchten, damit Österreich schon mal a Ruh hat.»   - Jaroslav Hašek, Die Abenteuer des braven Soldaten Schweijk. Reinbek bei 1969 (zuerst 1920 - 1923)

Österreicher (4) Ja, ich hatte Angst, und zwar zunehmend, während ich mich oberflächlich wie auf Schlittschuhen am Gespräch beteiligte. Mit diesem Leibarzt war etwas los. Woran merkt man denn, daß bei einem etwas los ist? Man merkt es halt.

Dabei war er wie die meisten Österreicher von liebenswürdiger Gewandtheit, aber er hatte auch, wie deren viele, seinen Untergrund, und das in besonderem Maß.

Während er mich freundlich anblickte und beinahe duzte, wuchs meine Angst. Ich spürte, der will etwas von dir. Und er verlangte nicht dieses oder jenes, sondern er wollte aufs Ganze gehen. Er wollte mir die Persönlichkeit rauben. Wollte er sie ganz oder nur zum Teil gegen die seine austauschen? Sklaverei gibt es in jedem Jahrhundert, wenngleich unter verschiedenen Namen — in dem unseren, seit den Transplantaten, ist sie besonders schlimm. Vielleicht begehrte er mein Herz. Doch was er wollte, überstieg die ärztliche Kunst. Da war etwas wie Schattenraub im Spiel. Vielleicht träumte ich das nur - doch gibt es Träume, an denen man zugrunde geht. Vorhin im Theater hatte er mich berührt. Was mochte er mit mir im Sinn haben? Schließlich war seine Position weit günstiger als die meine - mit mir machte er insofern einen schlechten Tausch. Vielleicht hatte er ein geheimes Leiden, einen bösartigen Krebs, und seine Uhr war abgelaufen - dann wechselt man gern die Lebenslichter aus.

Bald wurde sein Blick unerträglich; er hatte sowohl eine saugende wie eine hypnotische Kraft. Ich war verloren, wenn ich mich ihm noch länger aussetzte; er ging durch mich hindurch. Ohne mich zu entschuldigen, machte ich mich aus dem Staub. - Ernst Jünger, Siebzig verweht V. Stuttgart 1997, Notat vom 14. Februar 1992

Österreicher (5)  Der österreichische Extremsportler Felix Baumgartner ist ein Mann, wie es nur noch wenige gibt. Wenn überhaupt. Der 42-jährige ehemalige Fallschirmjäger hat den Ärmelkanal mit einer Rakete auf dem Rücken überflogen und ist mit gefesselten Armen zurückgeschwommen. Den Mount Everest hat er auf einem gewöhnlichen Rollstuhl erklommen und rückwärtslaufend den Südpol erreicht.

Nachdem er zuletzt einem Pottwal ins Maul geschnorchelt und sich durch den Verdauungstrakt wieder ins Freie gekämpft hat, plant er nun ein wirklich waghalsiges, wenn nicht historisches Abenteuer. Baumgartner will mit einem Spezialballon bis zur Schwelle des Weltenraums vordringen, in einer Höhe von 37 Kilometern aus der Gondel springen, die Schallmauer durchbrechen und nach etwa fünf Minuten sicher am Fallschirm zu Boden gleiten. - Arno Frank, Die Wahrheit

Österreicher (6)  

Österreicher (7)  

Österreicher (8)  Fürst Kaunitz, der, ohne Engländer zu sein (freilich war er ein Österreicher), sich den Dandys am meisten nähert durch die Ruhe, die Gleichgültigkeit, die majestätische Bosheit und den grausamen Egoismus (er pflegte zu sagen: Ich habe keinen Freund, und er war stolz darauf: weder der Todeskampf noch das Ableben Maria Theresias konnten ihn dazu bringen, die Aufstehstunde früher anzusetzen oder die Zeit, die er seinem unbeschreiblichen Anzug widmete, auch nur um eine Minute zu kürzen), Fürst Kaunitz war keineswegs ein Dandy, wenn er ein seidenes Mieder anlegte wie die Andalusierin Alfred de Mussets, aber er war es, wenn er, um seinem Haar genau den »richtigen Ton« zu verschaffen, durch eine Reihe Von Gemächern schritt, deren Zahl und Größe er berechnet hatte und Lakaien ihm, indem er hindurch schritt, nur während dieses Hindurchschreitens mit Puderquasten die Perücke puderten.   - Anm. zu: Barbey d'Aurevilly, Vom Dandytum und von G. Brummell. Nördlingen 1987 (zuerst ca. 1844)
 
Menschengruppen (physisch)
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