chöpfung  Die kabbalistische Überlieferung besagt, Gott habe das Gefäß der Schöpfung zunächst gesprengt, weil er zu viel göttliche Energie hineinfließen ließ. Beim zweiten Anlauf zog Gott sich hingegen zusammen, um Platz für die materielle Wirklichkeit zu schaffen (ein Vorgang, der zimzum genannt wird). Der Begriff des tikkun olam ( des »Wiederzusammenfügens der Welt«) ist heute ein Synonym für soziales Handeln geworden. Die jüdischen Mystiker hatten nämlich die Vorstellung, die Menschen müssten durch mizwas, also gute Taten (auch geistiger Art), die göttlichen Funken wieder einsammeln, die beim ersten Schöpfungsakt zerstreut worden waren. - (ji)

Schöpfung (2) Der Schöpfungsmythos aus dem Rigweda versichert, daß es am Anfang keine Luft, keinen Himmel und kein Wasser gab, und auch keinen Tod und keine Unsterblichkeit. Es gab keine Nacht und keinen Tag. Es gab nur das Atmen des Einen. Dann vollzog sich auf irgendeine Weise die Schöpfung. Niemand weiß, wie das geschah, und der Rigweda vermutet, daß nicht einmal der Eine dies gewußt haben dürfte. - KOMMENTAR ZUM RIGWEDA, nach John Briggs und F. David Peat, Die Entdeckung des Chaos. München 1990 (zuerst 1989)

Schöpfung (3) So nimmt die Schöpfung allmählich Gestalt an. Den Cahuilla und den Cupeño zufolge wird sie sehr rasch von zwei konkurrierenden, aber ungleich begabten Demiurgen in ihre Obhut genommen, Mukat und Temaïyauit. Ohne Unterlaß streiten sie sich, um zu entscheiden, wer der Ältere ist, wer mit größerer Tüchtigkeit arbeitet: der Prototyp der Zwistigkeiten zwischen den aufeinander eifersüchtigen Zwillingshelden in den bisher erwähnten Mythen. Die Demiurgen beschließen letztlich, sich zu trennen. Temaïyauit schlitzte die Erdoberfläche auf und durchwühlte sie, um die Wesen, die er geschaffen hatte, mit in die unterirdische Welt zu nehmen: »Er wollte sogar die Erde und den Himmel für sich behalten. Ein heftiger Sturm erhob sich, die ganze Erde erbebte, der Himmel wankte und schwankte. Mukat kniete mit einem Bein auf der Erde nieder; mit der einen Hand hielt er alle seine Geschöpfe zurück, mit der anderen brachte er den Himmel zur Ruhe. Er schrie: hi! hi! hi! hi!, wie man das jetzt bei einem Erdbeben tut. Im Laufe dieses Kampfes traten die Gebirge und die Canyons in Erscheinung, die Flußläufe krümmten sich, das Wasser schäumte auf und füllte sie. Temaïyauit verschwand in der unteren Welt, alles beruhigte sich, die Erde hörte auf zu beben, hat sich seither aber eine ungleichmäßige und verworfene Oberfläche bewahrt.« - (str)

Schöpfung (4) Die menschlichen Sinnen empfinden nur die Oberfläche der Dinge in Raum und Zeit, das ist, in der Ausdehnung und Aufeinanderfolge — in ihr inneres Wesen dringt kein erschaffener Geist, nur allein der Schöpfer der sie gemacht hat. Wir sind eingeschränkte Wesen, daher sind auch alle unsre Vorstellungen eingeschränkt: wir können uns keine zwey Dinge, geschweige mehrere zugleich vorstellen, daher musten wir so organisirt seyn, daß uns alle Dinge aussereinander, nämlich im Raum, und nacheinander das ist in der Zeit erscheinen. Der Raum und die Zeit entstehen also blos in unserer Seele; ausser uns im Wesen der Natur selbst, ist keins von Beyden. Da nun alle Bewegungen in der ganzen Schöpfung in Raum und Zeit geschehen, ohne beyde keine Bewegung möglich ist, so sind auch alle Bewegungen in der ganzen Schöpfung blos Vorstellungsformen in unserer Seelen, die aber in der Natur selbst nicht statt finden.

Folglich sind auch alle Weltsysteme, auch selbst das Copernikanische, blos Vorstellungsformen. In sich selbst aber ist die Schöpfung anders.  - (still)

Schöpfung (5)  Am Anfang, am ersten Tag, dem heiligen Sonntag, dem Erstgeborenen aller Tage, schuf Gott Himmel und Erde, das Wasser, die Luft und das Licht; denn er schuf die Engel und Erzengel, die Throne, Fürsten, Herrschaften, Machthaber, die Cherubim und Seraphim und alle Orden und Heere der Geister. Und er schuf die Finsternis und das Helle, den Tag und die Nacht, die Winde und Stürme. Sie alle wurden erschaffen am ersten Tag.

Und der Heilige Geist schwebte über dem Wasser.  Und durch sein Schweben ward das Wasser gesegnet und ward schöpferisch.  

Da kam die Kraft in das Wasser und es ward heiß und kochend, und ward gleich einem Sauerteig.

Der Vogel brütet seine Eier durch seines Leibes Hitze aus und wärmt seine Jungen, indem er die schützenden Flügel ausbreitet. Also wurde durch die Wirkung des Heiligen Geistes der Sauerteig der Schöpfung an das Wasser gebunden, als er, der Paraklet darüber schwebte.

Und am zweiten Tag schuf Gott den unteren Himmel und nannte ihn Firmament; denn das Firmament ist anders beschaffen, als der obere Himmel und ähnelt dem oberen feurigen Himmel keineswegs.  

Der zweite Himmel ist nämlich aus reinem Licht, doch der erste ist von fester Substanz und hoher Feuchtigkeit.

Und Gott schied am zweiten Tag die Wasser voneinander in ein oberes und ein unteres. Und dieses stieg am zweiten Tag über den Himmel empor gleich einem dichten Nebel und lagerte sich oberhalb des Firmaments in der Luft und liegt nun unbeweglich dort und ergießt sich nach keiner Seite.

Und am dritten Tag befahl Gott dem Wasser unterhalb des Firmaments, es solle sich an einem Orte sammeln und das Trockene solle sichtbar werden.

Da nun die Wasserdecke von der Erdoberfläche hinweggezogen wurde, zeigte sich, wie beweglich sie war. Und das Wasser sammelte sich in den Meeren unterhalb und oberhalb der Erde.

Und Gott schuf dem Wasser in der Erde Höhlen und Gänge und  machte Raum für die Dünste, die da aufsteigen aus dem Inneren der Erde und für die Wärme und Kälte, die sie antreiben.

Denn es ist die Erde einem Schwamm gleich, der auf dem Wasser ruht.

Und am selbigen Tage befahl Gott der Erde, sie solle von unten allerlei Kraut aufkeimen lassen.

Und die Erde ward in ihrem Innern schwanger mit Samen, Pflanzen, Wurzeln und Bäumen.

Am vierten Tag aber schuf Gott Sonne, Mond und Sterne.

Und da sich die Wärme der Sonne über die Erdoberfläche ausbreitete und das Wasser verdunstete, verlor sie ihre Schlaffheit und wurde fest.

Und die Wärme ließ alle Samen, Pflanzen, Wurzeln und Bäume keimen, welche die Erde am dritten Tag empfangen hatte.

Am fünften Tage schuf Gott auf der Erde allerlei Getier, wilde Tiere und solche, die auf der Erde herumkrochen, jedes nach seiner Art.

Am sechsten Tage aber, dem Freitag, formte Gott den Adam aus Staub und die Eva aus seiner Rippe.

Am siebenten Tage aber ruhte Gott von allen seinen Werken und darum wurde dieser Tag Sabbat genannt. - Das Buch Ephraim, nach: Die andere Bibel. Hg. Alfred Pfabigan. Frankfurt am Main 1990

Schöpfung (6) Die Erde wurde folgendermaßen geschaffen: zwei Götter, Quetzalcouatl und Tezcatlipoca, brachten die Erdgöttin vom Himmel herab. Sie hatte an allen Gelenken Augen und Mäuler, mit denen sie wie ein Raubtier biß. Bevor die beiden Götter die Erdgöttin vom Himmel herunterbrachten, gab es schon das Wasser, von dem niemand weiß, wer es schuf. Auf diesem Wasser bewegte sich die Göttin, und als die Götter das sahen, sprachen sie zueinander: »Es ist nötig, daß wir die Erde schaffen.« Dann verwandelten sich beide in große Schlangen, deren eine die Göttin an der rechten Hand und dem linken Fuß packte, die andre an der linken Hand und dem rechten Fuß; sie zerrten sie derart, daß sie mittendurch riß. Aus der Hälfte hinter den Schultern machten sie die Erde; die andere Hälfte brachten sie zum Himmel hinauf.  - (azt)

Schöpfung (7)  Wie kann man denn sagen: aus Nichts hat Gott die Welt gemacht. Gott hat nicht aus dem Nichts, sondern aus dem Absoluten die Welt erschaffen. Er selber ist ja ein Etwas, woraus ers gemacht. Aus Nichts wird Nichts — gälte, wenn ihr eben Gott und alles wegnähmet; aus ewig Nichts (von dem aber nicht einmal ewig zu prädizieren wäre) kann nichts werden, nicht einmal ein Nichts, denn das wäre ja schon da, und keine Verdopplung des Nichts ist möglich.  - (idg)

Schöpfung (8)  Die Schöpfung, deren Ergebnis wir vor unseren Augen haben, ist die erste von achtzehn, die im Lauf der gesellschaftlichen Entwicklung des Menschengeschlechts aufeinander folgen.

Ich spreche hier nur von der Erschaffung der Substanz der drei Reiche und nicht von der der Erde selbst.

Die Erde brauchte ungefähr vierhundertundfünfzig Jahre, um die Produkte aus den drei Reichen auf dem alten Kontinent zu erzeugen. Amerika wurde später und nach einem anderen Plan geschaffen. In beiden Kontinenten erzeugten diese Schöpfungen große Umwälzungen (die Schöpfungen in der Harmonie gehen ohne Erschütterungen vonstatten).

Gott hat Freude am Schaffen, und es liegt in seinem Interesse, es möglichst lange zu genießen. Wie es beim Menschen von der Zeugung bis zur Geburt neun Monate braucht, so mußte Gott an die Erschaffung der drei Reiche eine entsprechende Zeit wenden: der Theorie nach beträgt diese Zeit ein Einhundertzweiundneunzigstel der sozialen Menschheitsgeschichte, was ungefähr vierhundertundfünfzig Jahre für die Dauer der ersten Schöpfung ergibt.

Jede Schöpfung vollzieht sich durch die Verbindung eines borealen Fluidums, das männlich ist, mit einem australen Fluidum, das weiblich ist. Ein Planet ist ein Wesen mit zwei Seelen und zwei Geschlechtern und zeugt wie das Tier oder die Pflanze durch Vereinigung der lebenspendenden Substanzen. Dieser Vorgang ist in der ganzen Natur, mit einigen Ausnahmen, der gleiche, denn die Gestirne vereinigen wie die Pflanzen beide Geschlechter in einem Individuum.

Zu glauben, die Erde werde nichts Neues hervorbringen und sich auf das beschränken, was wir sehen, hieße glauben, daß eine Frau, die ein Kind geboren hat, nicht noch ein zweites, drittes und zehntes bekommen könne. Auch die Erde wird fortfahren, Neues zu erschaffen, aber die sechzehn harmonischen Schöpfungen werden so leicht vonstatten gehen, wie die beiden umstürzenden der ersten und achtzehnten Periode Mühe gekostet haben und kosten werden.

Auf allen Gestirnen folgen die erste und die letzte JChöpfung einem anderen Plan als die mittleren und zeitigen ein Übermaß an Schädlichem neben wenig Nützlichem. Das Gegenteil ist bei allen mittleren oder harmonischen Schöpfungen der Fall, sie erzeugen einen glanzvollen und nützlichen Überfluß, wenig Unnötiges, nämlich nur ein Achtel, und nichts Schädliches.

So hat die erste Schöpfung, deren Erzeugnisse wir sehen eine Unzahl schädlicher Tiere auf dem Land und noch mehr im Wasser hervorgebracht. Muß nicht jeder, der an Dämonen glaubt, meinen, der Teufel habe bei dieser Schöpfung Pate gestanden, wenn er Moloch und Belial14 in der Gestalt eines Tigers oder Affen sieht? Was könnte die Hölle in ihrer Bosheit Schlimmeres ersinnen als die Klapperschlange, die Bettwanze, die Millionen Insekten und Reptilien die Seeungeheuer, Gifte, Pest, Tollwut, Lepra, Geschlechtskrankheiten, Gicht und so viele krankmachende Gifte, ersonnen, um den Menschen zu quälen und aus der Erde eine vorweggenommene Hölle zu machen?

Ich habe in einer vorhergehenden Bemerkung die Ursachen des bösartigen Prinzips angegeben, das über die erste Schöpfung herrscht Ich hatte gesagt: daß die Wirkung der drei Bewegungen, der animalischen, organischen und materiellen, das Wechselspiel der Leidenschaften in der sozialen Ordnung darstellen müssen. Da die erste Schöpfung die Summe aus den sieben Perioden der Kindheit des Menschengeschlechts ausmacht, mußte Gott in dieser Schöpfung durch furchtbare Gebilde auf die unheilvolle Wirkung unserer Leidenschaften während dieser sieben Perioden hinweisen; da während der ersten und siebenten Periode auch die Tugend einigen Einfluß haben sollte, so mußte Gott durch einige nützliche und anmutige Formen ein Bild von ihr geben, das in den drei Reichen dieser wahrhaft dämonischen Schöpfung allerdings nur selten anzutreffen ist. Man wird im weiteren Verlauf sehen, was für Produkte die zukünftigen Schöpfungen auf dem Land und in den Meeren hervorbringen werden. Heute verstehen wir nicht einmal, aus dem wenigen Guten, das wir der ersten Schöpfung verdanken, Nutzen zu ziehen. Zum Beweis zitiere ich vier Vierfüßler, das Vicunja, das Rentier, das Zebra und den Biber. Wir sind zu ungeschickt, böse und schurkisch, um uns die beiden ersteren dienstbar zu machen. Wegen dieser Eigenschaften ist es uns unmöglich, auf allen hohen Bergketten Herden von Vicunjas und Rentieren zu züchten, die sich dort akklimatisieren könnten. Andere soziale Laster berauben uns des Bibers, der durch sein Fell nicht weniger wertvoll ist als das Vicunj4 und des Zebras, das dem Pferde an Stärke, Schnelligkeit und Schönheit ebenbürtig ist. In unseren Stallungen herrscht, ebenso wie in unseren sozialen Gewohnheiten, eine Roheit, ein Unverstand, die es unmöglich machen, diese Tiere zu zähmen. Von der achten, ja schon von der siebenten Periode an werden das Zebra und das Quagga als Haustiere leben, wie heute Pferd und Esel. Man wird in den bevölkertsten Kantonen den Biber antreffen, der seine Bauten errichtet. In den Bergen werden Herden von Vicunjas ebenso häufig sein wie Schafherden. Viele andere Tiere, wie der Strauß, das Damwild, das Kaninchen etc., werden sich dem Menschen anschließen, sobald sie bei ihm den Anreiz finden, sich niederzulassen, Anreize, die die Zivilisation ihnen zu bieten nicht erlaubt! So ist diese Schöpfung, die schon armselig und bösartig genug ist, für uns doppelt armselig, da wir uns aus sozialem Unverstand selbst des größten Teils der Güter berauben, den die drei Reiche uns bieten könnten.

Die neuen Schöpfungen können nicht eintreten, bevor die Menschheit nicht die achte soziale Periode organisiert hat. Solange die ersten sieben Perioden auch dauern mögen, die zweite Schöpfung kann doch erst nach ihrem Abschluß beginnen.

Die Erde jedoch wird von dem Wunsch, Neues hervorzubringen, heftig erschüttert, was sich durch das häufig auftretende Nordlicht anzeigt, das ein Symptom der Brunft des Planeten ist, eine unnütze Ausschüttung seines Zeugungsstoffes. Dieser kann sich mit dem Fluidum »der anderen Planeten« nicht vereinen, solange die Mensdiheit nicht die vorbereitenden Arbeiten geleistet hat. Solche Arbeiten können erst in der achten Periode, die sich organisieren wird, ausgeführt werden. Zuerst muß die Menschheit die Zwei-^lilliardengrenze erreichen, was mindestens ein Jahrhundert braucht, weil die Frauen in der neuen Gesellschaftsordnung weniger fruchtbar sind als in der Zivilisation, in der das Leben im Haushalt sie Legionen Kinder gebären lä'ßt. Das Elend rafft ein Drittel hin, ein anderes Drittel erliegt den Krankheiten, die die unverbundene Ordnung unter ihnen hervorbringt. Es wäre besser, weniger Kinder zu -produzieren und sie am Leben zu erhalten. Das aber ist den Zivilisierten nicht möglich, und so können sie auch nicht die ganze Erde bebauen und beschränken sich, trotz des gräßlichen Gewimmels, auf das Gebiet, in dem sie leben.

Wenn die zwei Milliarden Menschen die Erde erst einmal bis zum fünfundsechzigsten Breitengrad urbar gemacht haben, wird man die boreale Krone entstehen sehen, von der ich weiter unten spreche. Sie wird den arktischen Polarregionen Licht und Wärme geben. Diese neuen Gebiete, die der menschlichen Tätigkeit dann offen stehen, ermöglichen es, die Dreirnilliardengrenze zu erreichen. Dann werden die beiden Kontinente bebaut, und der harmonischen Schöpfung, deren erste ungefähr vierhundert Jahre nach der Errichtung der harmonischen Ordnung beginnen wird, wird sich nichts mehr in den Weg stellen.- Charles Fourier, Theorie der vier Bewegungen und der allgemeinen Bestimmungen. Frankfurt am Main 1966  (zuerst 1806)

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