chwester  Die Lesben ließen sie einfach nicht in Ruhe. Sie kritzelten Kassiber an Yolanda. Sie schmuggelten Schokoriegel in ihre Zelle. Sie luden sie zum großen Tanz ein. Sie nannten sich die Hell Sisters, und das ganze Gefängnis tickte nach ihrer speziellen Uhr. Ohne diese Sisters hätte es im Kasino kein Kartoffelpüree und mittwochabends keinen Film gegeben, weder Kunstkurse noch Dichterlesungen. Die Gefängnisdirektorin zitterte in ihrer Nähe, schienen sie doch über ausgezeichnete Verbindungen zu schrecklich hoch gestellten Persönlichkeiten zu verfügen. Sie erhielten Briefe von Senatoren, literarischen Gesellschaften und dem Gouverneur höchstpersönlich. Und Gefängnisdirektorin Kaplan hatte nur noch drei Jahre bis zur Pensionierung. Sie wollte sich die Sisters nicht zum Feind machen. Also ließ sie ihnen ihren Willen. Und deshalb litt Yolanda. Ihre Anführerin hieß Marcelline O‘Roarke, eine veröffentlichte Dichterin, die gern Schecks fälschte. Marcelline war eine Puertorriqueña mit französisch-irischem Stammbaum, und sie leitete die Gefängnisfarm mit all dem Ungestüm ihrer Intelligenz und ihres Verstandes. Sie war einen Kopf kleiner als Yolanda, und das kurz geschnittene Haar verlieh ihr das Aussehen eines flaumigen Eis mit Wimpern. - Jerome Charyn, Der Tod des Tango-Königs. Zürich 2000 (ut metro 180, zuerst 1998)

Schwester (2) Robespierre, Charlotte, die Schwester des blutbefleckten Revolutionsmannes, über dessen Grab sich die Verwünschungen zweier Generationen gehäuft und zu dessen Verteidigung sich erst in neuerer Zeit einige Stimmen erhoben haben. Seine Schwester hat keineswegs, gleich der Mad. Roland, tätlich in den Gang der franz. Revolution eingegriffen; sie war sanft, tugendhaft, anspruchslos, aber sie teilte die republikanischen Grundsätze ihres Bruders und in dieser Überzeugung offenbarte sie eine konsequente männliche Seele. — Nach dem Sturze des Blutrichters, den 9. Thermidor, wurde sie verhaftet, aber keiner Mitschuld angeklagt und als Waise und Verstoßene wieder in Freiheit gesetzt. — Napoleon, nach ihm Ludwig XVIII. und Karl X. bis auf Louis Philipp gaben ihr ein Jahresgehalt. — 40 Jahre lebte sie in Paris fast vergessen; erst ihr Tod, den 5. Aug. 1834, lenkte wieder die Aufmerksamkeit der Zeitgenossen auf die Ruine einer Periode, die man in ihren furchtbaren Namen und Persönlichkeiten schon ausgestorben glaubte. — So versammelten sich dann viele an ihrem einsamen Grabe auf dem Kirchhof Père La Chaise, wo ein Priester der neu-katholischen Kirche die Worte: «Citoyens, la sœur du grand Robespierre a cessé de vivre!» sprach. Ihr geringes Mobiliar, das sie von ihrem Bruder geerbt (er selbst hinterließ nur 50 Frcs. Vermögen), vermachte sie, laut Testament, der Dem. Regina Luise Mathon. — An ihrem Namen haftet kein Makel, will man ihre Liebe zu dem Bruder nicht als einen solchen gelten lassen. - (conv)

Schwester (3) Die ›Sister‹ im ›Ladies Almanach‹ ist LAURA DREYFUS BARNEY, die drei Jahre jüngere und treu ergebene Schwester der Amazone. Laura Barney hatte - wie ihre Mutter - nichts gegen die ›Besonderheiten‹ ihrer Schwester, deren sapphische Sonette sie bereits in den Washingtoner Jugendjahren auf Galafesten rezitierte. Natalie hingegen scheint ihrer Schwester nicht besonders zugetan gewesen zu sein.

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, daß die große Frauenliebhaberin ausgerechnet mit dieser ungeliebten Schwester - von der sie sich nach eigenem Bekenntnis »angeödet« fühlte - und nicht, wie ursprünglich gewünscht, mit Romaine Brooks auf dem Pariser Friedhof Passy ein Grab teilen muß. - (ladies2)

Schwestern (4) VND DES HERRN WORT GESCHACH zu MIR / VND sprach / Du menschenkind / Es waren zwey Weiber / einer Mutter töchtere / Die trieben Hurerey in Egypten in jrer Jugent / Daselbst liessen sie jre Brüste begreiffen / vnd die Zitzen jrer Jungfrawschafft betasten. Die grosse heisst Ahala / vnd jre Schwester Ahaliba. Vnd ich nam sie zur Ehe / vnd sie zeugeten mir Söne vnd Töchtere / Vnd Ahala heisst Samaria / vnd Ahaliba Jerusalem.

AHala treib Hurerey / da ich sie genomen hatte / vnd brandte gegen jre Bulen / gegen die assyrer / die zu jr kamen /  gegen den Fürsten vnd Herrn / die mit seiden gekleidet waren / vnd alle junge liebliche Gesellen / nemlich / gegen den Reutern vnd wagen, vnd bulet mit allen schönen Gesellen in Assyria / vnd verunreinigt sich mit alle jren Götzen / wo sie auff einen entbrand, da zu verlies sie auch nicht jre Hurerey mit Egypten / die bey jr gelegen waren / von jrer Jugent auff / vnd die Brüste jrer Jungfrawschafft betastet / vnd grosse Hurerey mit jr getrieben hatten, Da vbergab ich sie in die hand jrer Bulen / den kindern Assur / gegen welche sie brandten für lust. Die deckten jre Scham auff / vnd namen jre Söne vnd Töchtere weg / Sie aber tödten sie mit dem schwert. Vnd es kam aus / das diese Weiber gestrafft weren.

DA aber jre Schwester Ahaliba sahe / entbrand sie noch viel erger / denn jene / vnd treib der Hurerey mehr / denn jre Schwester / vnd entbrand gegen den kindern Assur / nemlich / den Fürsten vnd Herrn (die zu jr kamen wol gekleidet) Reutern vnd wagen / vnd alle jungen lieblichen Gesellen. Da sahe ich / das sie alle beide gleicher weise verunreinigt waren. Aber diese treib jre Hurerey mehr / Denn da sie sahe / gemalete Menner an der wand in roter färbe / die Bilder der Chaldeer / vmb jre Lenden gegürtet / vnd bundte kogel auff jren köpften / vnd alle gleich anzusehen / wie gewaltige Leute / Wie denn die Kinder Babel vnd die Chaldeer tragen / in jrem Vaterlande /  Entbrand sie gegen jnen / so bald sie jr gewar ward / vnd schickte Botschafft zu jnen in Chaldea.

ALs nu die kinder Babel zu jr kamen bey jr zuschlaffen / nach der liebe / verunreinigte sie dieselbe mit jrer Hurerey / vnd sie verunreinigte sich mit jnen / das sie jr müde ward. Vnd da beide jre Hurerey vnd Scham / so gar offenbar war / ward ich jr auch vberdrüssig / wie ich jrer Schwester auch war müde worden. Sie aber treib jre Hurerey jmer mehr / vnd gedacht an die zeit jrer Jugent / da sie in Egyptenland Hurerey getrieben hatte.  Vnd entbrand gegen jre Bulen / welcher brunst war / wie der Esel vnd der Hengste brunst. Vnd bestelletestu deine vnzucht / wie in deiner Jugent / da die in Egypten deine Brüste begriffen / vnd deine Zitzen betastet wurden. - Hesekiel 23

Schwester (5) In Ägypten ist es Isis, die Osiris, ihren Gatten, verloren hat. Sie sucht ihn, ohne zu ermüden, kummervoll durchzieht sie das Land und laßt sich nicht nieder, ehe sie ihn gefunden hat. »Komm zu deinem Hause«, klagt sie, »komm zu deinem Hause, ... ich sehe dich nicht, und doch bangt mein Herz nach dir und meine Augen begehren dich. Komm zu der, die dich liebt, die dich liebt, du Seliger! Komm zu deiner Schwester, komm zu deinem Weibe, zu deinem Weibe, du, dessen Herz stille steht. Komm zu deiner Hausfrau. Ich bin deine Schwester von der gleichen Mutter, du sollst nicht fern von mir sein. Die Götter und die Menschen haben ihr Gesicht zu dir gewandt und beweinen dich zusammen . . . Ich rufe nach dir und weine, daß man es bis zum Himmel hört, aber du hörst meine Stimme nicht, und ich bin doch deine Schwester, die du auf Erden liebtest, du liebtest keine außer mir, mein Bruder!« - (cane)

Schwestern  (6) Ebenfalls zur Familie gehören die ledigen Schwestern: Fleischeslast, wohnhaft im Zentrum, Fleischeslist hingegen in Britz. Beide sind schwierig. Sie leiden gemeinsam an Eigenschaften, die keine bei der anderen vermutet. Fleischeslast etwa tendiert zur Transzendenz ihres Zentrums, eine Unrast des Herzens, ein schwer bezähmbares Heimweh, welches ihr eine leicht zentrifugale Schlagseite, die objektiv auf Schlagsahne beruht, verleiht. Sie steht auf Pfundsachen, die sie verschmäht. Anders Schwester Fleischeslist in Britz. Die findet Pfandsuchen süß. Ihr naschhafter Überdruß an Randgruppengeplänkel treibt sie zentripetal in die Arme eines Schmollwinkels mit Wankelmotor, wo sie elffingrig die Preludes klimpert. So überlistet sie das Fleisch und bleibt im Gegensatz zu ihrer Freundin Esther vom Gegensatz zu ihrer Zentrumsschwester etwas weniger belästigt. Freilich, einmal im Monat treffen sich die beiden in Dahlem. Sie besichtigen den Faulbaumrindenbaum und die wilde Aloe, finden einander toll und stecken sich wehmütig und spielend in die Tasche. Dann gehn sie gegenseitig nach Hause. - (pas)

Schwestern  (7)  Da begriff Lena. Eine Sekunde lang stand sie wie erstarrt. Plötzlich packte sie das Brotmesser und schrie im Vorwärtstaumeln: »Du nimmst mir mein Land weg -«

Una sprang zur Seite, packte die Hand mit dem Messer, zwang sie nach unten und nahm es ihr gleichmütig weg, stieß Lena von sich und wiederholte: »Du arbeitest jetzt genauso wie vorher, aber für mich - weshalb wirst du denn so böse?«

Keine Tränen kamen Lena zu Hilfe. Und hätten sie es getan, sie wären am flammenden Stahl ihrer Augen verzischt. Mit gefaßter Stimme, die gleichwohl halb erstickt war von einem furchtbaren, plötzlichen Haß, sagte sie: »Du weißt, was du getan hast - wie? Ja, du hast mir die Obstbäume weggenommen, du hast mir den Ort weggenommen, wo ich jahrelang gearbeitet habe, du hast mir meine Obsternten geraubt, du hast die Heuernte gestohlen - nun gut, doch du hast mir auch mein Grab gestohlen. Den Ort, wo ich lebe, hast du mir geraubt und den Ort, wohin ich gehe, wenn ich sterbe. Mag sein, daß ich für dich gearbeitet hätte -doch«, sie schlug sich an die Brust, »wenn ich sterbe, dann sterbe ich für mich.« Dann machte sie kehrt und verließ das Haus. - Djuna Barnes, Die Erde. In: D.B., Die Nacht in den Wäldern. Short Stories. Berlin 1982 (Quartheft 133)

Schwestern  (8) Ich bemerkte, daß die zwei Schwestern in der Haustür standen und sich ein wenig in den Hüften wiegten. Auch ihre Köpfe schienen zu wackeln. Wahrscheinlich erzählte ihnen der Brunnen etwas. Die eine sagte, wir sollten jetzt gehen, denn das Wasser fange an zu brodeln, und das hörten sie nicht gern.

Ich habe erfahren, daß sie mit dem Nachnamen Carboni heißen, die Schwestern Carboni. Sie waren beide ledig, aber sie seien mit dem Brunnen verheiratet, sagten alle Leute.   - (mond)

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