arallelwelt  Ein "seelenloser" Mensch ohne innere Erlebnisse — ein "Zombie" — wäre vor außen nicht von einem Individuum mit Bewußtsein zu unterscheiden. Dann könnte man sich sogar eine Parallelwelt der Zornbies vorstellen, die physikalisch völlig mit unserer identisch ist. Nur, daß den Hirnen ihrer Bewohner das "gewisse Etwas" fehlt. Sie vollführen die gleichen Handlungen, sprechen die gleichen Sätze, ihr Gesicht verrät die gleichen Gefühlsregungen, aber auf der Bühne ihres Geistes geht das Licht nie an. - Tagesspiegel, 10.07.99

Zombie ,  © Heyne-Verlag München

Zombies sind seelenlose Untote.
Sie
rasieren sich, ohne es zu merken.

Parallelwelt (2) Nach dem Vorschlag wieder anderer Physiker hätten alle diese verschiedenen Zustände, die je anderen Kombinationen von Vektoren im Hilbert-Raum entsprechen, alle eine reale, unabhängige Existenz. Aber jeder befände sich in seinem eigenen Universum. Es gäbe also eine unendliche Zahl von parallelen Universen, jedes völlig unabhängig von allen anderen. Darüber hinaus müßte jedesmal, wenn eine Quantenmessung vorgenommen wird, eine Vielzahl neuer Universen entstehen. - F. David Peat, Der Stein der Weisen. Chaos und verborgene Weltordnung. Hamburg 1992 (zuerst 1991)

Parallelwelt (3)  Sie wandte sich Larry zu und strahlte ihn begeistert an. »Aber das ist so eine besondere Zeit für mich. Es ist wichtig, daß alles klappt. Meine ganze Welt...«

»Ja. Deine ganze Welt. Nun, ich hoffe, dir gefällt das Haus, nachdem du es gesehen hast.«

Allison lachte. »Bestimmt. Schließlich existiert es meinetwegen; dazu ist es da.«

»Du hast das ausgearbeitet wie eine exakte Wissenschaft«, murmelte Larry. »Alles, was du erlebst, geschieht zu deinem Besten. Du bist mit allem zufrieden. Also muß es deine Welt sein. Vielleicht machst du nur das Beste aus den Dingen - indem du dir sagst, daß dir die Dinge, die du erlebst, wirklich gefallen.«

»Glaubst du das?«

Er runzelte nachdenklich die Stirn, während sie dahinglitten. »Erzähl mal«, sagte er schließlich, »wie hast du von diesen parallelen Welten erfahren? Warum bist du so sicher, daß das hier deine ist?«

Sie lächelte ihn an. »Das habe ich selbst herausgefunden«, sagte sie. »Ich habe Logik studiert, Philosophie und Geschichte - und da war immer etwas, was mich verblüffte. Warum gab es so viele entscheidende Veränderungen im Schicksal der Menschen und Völker, die anscheinend durch die Vorsehung bestimmt waren und genau im richtigen Moment stattfanden? Warum mußte meine Welt offenbar tatsächlich genau so sein, wie sie war, so daß im Lauf der Zeit immer wieder merkwürdige Dinge geschahen, die sie so vollkommen machten?

Ich hatte von der ›Das-ist-die-beste-aller-möglichen-Welten‹-Theorie gehört, aber das, was ich darüber las, ergab keinen Sinn. Ich beschäftigte mich mit den ReMgionen der Menschheit und wissenschaftlichen Betrachtungen über die Existenz eines Schöpfers - aber irgend etwas fehlte, irgend etwas, das man entweder nicht erklären konnte oder das einfach übersehen wurde.«

Larry nickte. »Nun, wirklich. Das ist einfach; wenn das die beste aller möglichen Welten ist, warum gibt es dann so viel Leiden - unnötiges Leiden; falls es einen gütigen und allmächtigen Schöpfer gibt, wie so viele Millionen geglaubt haben, glauben und zweifellos auch in Zukunft glauben werden, wie soll man dann die Existenz des Bösen erklären?« Er grinste sie an. »Und du hast die Antwort auf das alles gefunden, ha - sie einfach hergezaubert wie einen Martini?«

Allison rümpfte die Nase. »So brauchst du das nicht zu formulieren ... Nun, es ist einfach, und ich bin nicht die einzige, die das herausgefunden hat, obwohl es auf der Hand liegt, daß ich die einzige in dieser Welt bin ...«

»Okay«, unterbrach Larry, »ich werde meine Einwände zurückstellen, bis du mir gesagt hast, wie du vorgegangen bist.«

»Danke, Liebling«, sagte sie. »Siehst du, du verstehst doch - selbst wenn du nicht gleich auf Anhieb mit mir übereinstimmst ... Nun, das würde schnell ermüdend werden, dessen bin ich sicher. Es macht viel mehr Spaß, wenn ich mich anstrengen muß, um dich zu überzeugen ... Oh, werd nicht ungeduldig, ich komme gleich zur Sache.«

»Danke«, sagte er.

»Es ist ganz einfach, wie der Trick mit den Eiern, wenn man erst mal die Methode kennt. Der Grund, warum sowohl die Theorie vom gütigen Schöpfer als auch die von der besten aller möglichen Welten uns nicht weiterbringen, liegt darin, daß wir von einer ungerechtfertigten Annahme ausgehen - nämlich davon, daß das hier die einzige Welt ist. Aber stell dir vor, wir versuchen einen anderen Ansatz:

Nimm einen Schöpfer mit unendlicher Macht an; selbstverständlich wäre solch ein Wesen in der Lage, unendlich viele Welten zu erschaffen ... oder zumindest eine so große Anzahl von Welten, daß sie uns als unendlich erschiene.

Wenn du das annimmst, dann ergibt alles andere einen Sinn. Der Schöpfer setzte Kräfte in Gang; Er schuf für jeden lebenden Menschen eine eigene Welt; jede davon existiert nur für diesen einen Menschen. Er ist Künstler, doch Er geht sparsam mit seinen Mitteln um, so daß sich überall in diesen Welten Themen, Ereignisse und Motive häufig wiederholen.«  - Philip K. Dick, Die Welt, die sie wollte. In: P. K. D., Variante zwei. Sämtliche Erzählungen Band 3. Zürich 1995 (zuerst 1987)

Parallelwelt (4) Es gibt sie also, die Welt, in der die Verwendung des Genitivs im Grundgesetz festgeschrieben ist, in der wir am Sonntag in der Kirche zu Käptn Iglu beten, in der offene Schnürsenkel als sexy gelten und in der Siegfried und Roy gerade zu Päpsten geweiht werden. Das ist übrigens die gleiche Welt, in der Sie gerade vom Eis kaufen zurückkommen und die Lektüre dieses Artikels etwas weiter oben wieder aufnehmen.

Diese Paralleluniversen, wie wir sie beispielsweise auch aus der populären TV-Serie Sliders kennen und die im Grundsatz dem uns bekannten Universum entsprechen, nennt man 'Level 1 Universen'. Sie unterscheiden sich von unserer Welt durch mehr oder weniger große Abweichungen, sind in der Grundstruktur jedoch identisch.

Level 2-Universen hingegen sehen dem unsrigen schon nicht mehr so ähnlich. Sie können im Gegensatz zu obigen Blasen unterschiedliche physikalische Konstanten oder gar abweichende Raum-Zeit-Dimensionen besitzen. Die Existenz solcher Universen wird von Verfechtern der Theorie der anhaltenden 'chaotischen Inflation' propagiert, die in den achtziger Jahren von  Andrei Linde aufgebracht wurde. Die Raumzeit in einer Level 2-Welt, könnte beispielsweise problemlos neun oder aber auch nur zwei Dimensionen aufweisen. Ein Cartoon-Universum, in dem Linus und Charlie Brown nicht aneinander vorbeigehen könnten, da ihnen dazu die Tiefe des Raums fehlen würde.

Das dritte Level bringt uns nun endlich zu dem berühmten Ansatz der Parallelweltentheorie, der uns schon in den Jugendzentren der siebziger und achtziger Jahren von viertelgebildeten Esoterikern, meist nach dem Genuss von canabinolhaltigen Rauchwaren, um die Ohren gehauen wurde:  Quantenmechanik.

Um es knapp zu machen: Diese Idee besagt, dass jede getroffene Entscheidung zwischen A und B, unsere Welt in zwei nahezu identische Kopien aufteilt. Der einzige Unterschied: in der einen Welt ist A-Realität geworden, in der anderen B. Somit splittet sich unsere Welt ständig und unaufhörlich in alle nur irgend möglichen Universen und unser Bewusstsein ist pausenlos auf der Durchreise, von Welt zu Welt.

Hier finden wir auch unsere Sigfried-und-Roy-Päpste aus Level 1 wieder, mit dem einzigen Unterschied, dass sie diesmal nicht räumlich unfassbar weit von uns entfernt sind, sondern sich lediglich einige Quantensprünge entfernt, in einem multidimensionalen Hilbert-Raum aufhalten.

Interessant ist die Frage, ob die Anzahl der Universen, die durch ständige Selbstteilung entsteht, ins Unendliche geht. Max Tegmark kommt zu dem Schluss, dass dem nicht so ist, und präsentiert uns - Überraschung - die Zahl 10 mal 10118, die uns bereits auf unserem Ausflug zu Level 1 begegnet ist.

Level 4 schließlich können wir uns auf unserem gedanklichen Kurztrip zu den Multiversen-Theorien eigentlich gleich sparen, da hier eigentlich nur noch ein Adjektiv greift: unvorstellbar. Hier könnte die Zeit ruckartig vorangehen, 2 + 2 könnte problemlos 4,1 oder auch ein Schmalzbrot ergeben, und Dimensionen könnten kommen und gehen wie Postboten und Zeitschriftendrücker, während die Lichtgeschwindigkeit dort das langsamtsmögliche Tempo sein könnte.

Nun, als Laie mag man von der Idee der parallelen Universen halten was man will. Da sich ihre Existenz lediglich durch Wahrscheinlichkeitsrechnungen belegen lässt, ist ein entschiedenes 'Glaub ich nicht' durchaus legitim.

Wenn man aber nur ein paar hundert Jahre zurückschaut, wird man feststellen, wie schwer es den Menschen schon immer Mal gefallen ist, die Idee der Sonderstellung im Universum aufzugeben. Die Erde dreht sich um eine Sonne, die an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist und die sich am Rande einer Galaxie befindet, die wiederum nur eine unter Milliarden ist. Diese Fakten sind mittlerweile allgemein anerkannt. Aber der Weg zu diesen Erkenntnissen war bekanntlich nicht einfach, da wir salamischeibchenweise unseren Solitair-Anspruch zurechtstutzen mussten.

Vielleicht stört uns an der Vorstellung der Multiversen auch nur die simple Tatsache, dass unser aller Einzigartigkeit damit radikal in Frage gestellt wird. Gift für die Eitelkeit ist das.

Aber auch tröstlich. Gibt es doch irgendwo da draußen einen Doppelgänger von Ihnen, der bereits all das geschafft hat, was Sie sich jemals vorgenommen haben, der alle Ihre Träume stellvertretend für Sie verwirklicht hat und der in dieser Sekunde nun unendlich glücklich ist. Gönnen Sie es ihm, er ist Ihnen sehr ähnlich. - telepolis

Parallelwelt (5)

Parallelwelt (6)   Auch alle Länder, die Kontinente und die Meere mit ihren Staaten, ihren politischen und wirtschaftlichen Institutionen, ihren Städten und sonstigen Errungenschaften finden sich an der Innenseite der Erdkugel wieder. Deshalb sind auch ältere Schilderungen der Hölle von Augenzeugen ungültig, überholt, man ist dort unten mit unserer Kultur fortgeschritten, ja ihr voraus. Denn in allem, was hier oben geschieht, in meiner Rede, in Ihrer Anwesenheit haben die Geister des Urbösen ihre Kraft im Spiele. Die Menschheit würde ein Entsetzen packen, könnte sie nur einmal einen Blick in die Pläne unterirdischer Munitionsfabriken tun, in die Lager neuer Giftgase, Drahtverhaue, Torpedos, Stahlhelmformen. Und wenn wir uns auch alles dies, das auf Erden erst irdische Gestalt annimmt, nicht materiell zu denken haben, so war es doch ein höllischer Spaß der dort tätigen Teufel, daß sie gewisse Menschen nach ihrem Ebenbilde formten, indem sie sie die Gasmasken erfinden ließen. Und überhaupt wird jedes Land und jede Nation dort ganz individuell verwaltet. Unter Frankreich z. B. wurde die Liebe mit all ihren Verrücktheiten, Perversitäten, Melancholien, Lustmorden ausgeheckt; unter Deutschland die Massensuggestion, der Kasernendienst, der hereditäre Masochismus. In Riesenlaboratorien arbeitet man ständigan Krankheitserregern, die dann von scheinbar glücklichen, zu Menschheitserrettern erhobenen Professoren entdeckt werden und sich aus ihren Reinkulturen über die ganze Erde verbreiten. Technische Fabriken konstruieren nicht nur neue Verkehrsmittel, sondern gleich auch die Möglichkeiten ihrer Unfälle, während Gelehrte über Erlösertheorien, Gesetzbüchern, Verfassungen, Patriotismen grübeln, die alle scheinbar zu unserem Heile  erdacht,  ihr Teilchen  Fegfeuer  in sich tragen und eines Tages verheerend auflodern.   - Walter Mehring, In Menschenhaut Aus Menschenhaut Um Menschenhaut herum. Phantastika. Mit Zeichnungen von Rudolf Schlichter. Potsdam 1924

Parallelwelt (7)   Ganz allgemein gesprochen: Menschen und Götter begegnen einander nicht direkt. Sie sind Gegenwelten, die aufeinander reagieren, und insofern hängen sie voneinander ab. Ob sie das auch glauben, tut nichts zur Sache. So sprach der Ataman von Nowosibirsk. Er stützte sich auf den Episkopat von Alexandria, später verbracht an den Bosporus, von dort nach Kiew ausgelagert und jetzt in Sibirien deponiert. Einmal, in der Antike, wäre es um Haaresbreite zur Katastrophe gekommen. Wenn die Parallelwelten einander berühren, löschen sie einander nämlich aus.

Der Berserker Diornedes stürmte vor Troja in die Schlacht. Sein Streitwagen ächzte unter der Last, als die Göttin Athene sich zu ihrem Schützling aufschwang. In ihrer leidenschaftlichen Aufwallung (»Kopf der Leidenschaft« = Athene) ertastete sie die Augen des Diomedes, die Rosse stürmten augengelenkt voran, sie öffnete dem Berserker den Blick auf die Götter (also die Möglichkeiten}, der dem menschlichen Blick an sich verschlossen ist (wer die Möglichkeiten sieht, wird sogleich zugrunde gehen, aber eine Verschlüsselung verhindert diesen Blick bis zum Tode). Der wütende Diomedes sieht die Trojaner-Freundin Aphrodite. Er verletzt die Funkeläugige am Schenkel. Der Gott des Kriegs, Ares, ebenfalls Trojaner-Freund, tritt heran. Diomedes verletzt den Gott mit seiner Lanze. Athene, auf der Deichsel des Streitwagens hockend, peitscht den verrückten Helden vorwärts. Bürgerkrieg unter den Göttern ? So wie positive und negative Materie einander vernichten ?

Der Rat der Götter berät schneller als das Licht. Ihr Ratschluß ist tatsächlich das einzige Moment, das schneller als das Licht funktioniert. So beschlossen sie: Diomedes hat zu büßen, daß er die Götter »sah«. Und daß er einen Gott »angriff«. Die Götter trösteten die verwundete Aphrodite, den schwerverletzten Ares (ohne den kein »Krieg«, keine »Hegung der Gewalt«, sondern nur vollständiger »ungehemmter« Ausbruch des Vernichtungsprinzips real wäre, das vor Göttern so wenig haltmacht wie vor den Antikörpern, in denen wir hausen). So wurde der ketzerische Diomedes - ketzerisch war jedoch nur der Einfluß der Athene auf ihn - mit wenigen Blitzen vernichtet. Nicht einmal Asche blieb von ihm übrig. Es war, als hätte es den Berserker nie gegeben. Seine Eltern und Ahnen, nach Halb-Göttern und Rebellen sortiert, zerfielen in nichts. Die intrigante Göttin Athene, tatkräftig, fraktionsbildend, entkam. Niemand erfuhr, daß sie beinahe ein Fiasko angerichtet hätte: die gleichzeitige Verheerung und Vernichtung der Menschen- und der Götterwelt.  - (klu)

Welt Parallele
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