Mikroskop  »Ach, Gott steckt oft das Allergrößte ins Allerkleinste! sozusagen die größte Weisheit in die größte Dummheit. Pedell, packe Er mein Microscopium aus, und bring' Ers hieher.«

Denn anfangs vorigen Jahrhunderts waren mehr Größen gemein als Vergrößerungsgläser und Größenlehren. Es war freilich nur ein bloßes einfaches Mikroskop, etwas das man jetzt Kindern beschert; aber der Rektor magnifikus machte viel daraus — und viel damit.

Je mehr er Flaschen auf das Faß seines Leibes abzog, desto mehr erhob er Gott verstärkter, indem er die verschiednen Nichtswürdigkeiten vorbrachte, womit wie mit eingeschnitztem oder untergestelltem Thronvieh bisher die Büchermacher Gottes Thron verzierten und hoben. Da er noch nicht Derhams Astrotheologie lesen können: so könnt' er nicht auf die gemeinern Beweise und Verherrlichungen und Wappenhalter des göttlichen Throns verfallen und nicht wie etwan mit Menzius auf den Frosch - mit Meier auf die Spinne — mit Sloane auf den Magen - mit Stengel auf die Mißgeburt - mit Schwarz auf den Teufel. --Er verfiel auf etwas anderes, auf ein dem viergehäusigen Menschen-Ich nächstes Ich - auf die Laus.

Als ihm das einfache Vergrößerungsglas gebracht worden: sah er sich - wie ein Dedikator — nach dem Gegenstande zum Vergrößern um. »Mein Söhnchen,« sagt' er, »ein Pediculus, den du uns abgeben wolltest, würde für uns alle ein Lehrer sein, oder auch einige Pediculi.« Gotthelf guckte ihm ohne die geringste Anstalt zu einer Antwort ins Gesicht. »Söhnchen,« fuhr er fort, »zeige deinen Kopf!« Dieses hielt ihn vor ihm unter. »Sehr scharmant« — rief der Teleolog - »ich halte etwas fest, gleichsam die Petit Schwabacher von Gottes Schrift im Buche der Natur, einen homunculum auf dem homine, einen winzigen Fingerkalender der großen Ewigkeit.« Nun steckte er den homunculus auf eine feine Nadel vor dem Vergrößerungsglase und bat die Gesellschaft, sowohl das Tier zu betrachten als die Schlußketten, die sich aus demselben ziehen ließen - ferner ließ er bemerken, wie eben das Kleinste gleich dem Zwergbaum das größte Obst abwerfe - dann wollt' er bemerkt wissen, daß der homunculus, die Laus, durchsichtig sei und nichts Festes zeige als den Magen, der sich bald größer, bald kleiner ziehe - und endlich bat er, noch einen göttlichen Fingerzeig oder Zeigefinger nicht zu übersehen, den nämlich, daß Mohren schwarze Läuse besäßen, Brünetten brünette, Blondinen blonde; denn so sehr auch erstlich der Schöpfer durch gleichartige Farbe des Gewildes und des Bodens, z. B. bei Hasen, Raupen, Rebhühnern, für die Sicherheit durch ihre Verwechslung mit der Farbe des Bodens sorge und folglich hier auch, so sei doch, da das Wesen auf dem Menschen selber sitze, noch mehr darüber auszudenken; denn sobald man betrachte, daß dem Menschen (wie dem Deutschen) nichts ekelhafter und abscheulicher vorkomme, als was ihm gerade am nächsten und ähnlichsten liege — (hier berief er sich auf Gerüche, Läuse, Verwandten, Affen u. s. f.) - und zwar darum, weil uns der Schöpfer auf unsere Erbärmlichkeit hinführen wollte, so sei es Wohltat des Schöpfers, daß er uns den Anblick solcher Spiegel-Dinge durch ähnliche Farbe mit unserem Kopfe erspare, und so habe Gott auch an dem vorstehenden blonden Kindeskopfe seine Güte dadurch bewiesen, daß keine brünetten Läuse darauf zu sehen, sondern leicht verwechselbare blonde.   - (fibel)

 

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