rief

Brief

MEinen zu Defendirung seiner Ehre scharff geschliffnesten und von Tag zu Tage bey nüchternem Morgen ausgeputzeten Degen zuvor: Ich befinde endlich / daß die Literatis sich den hochmüthigen Neid so tieff besitzen lassen / als iemahls wir / die wir unsere Lebentage Maestri delli Campi gewesen / uns unterstehen dürften / diesen lieblichen Furias Quartier zu geben. Ich habe nunmehr ein paar douzine Jahre unserm weyland bekanten Freunde vor zwey und dreysig tausend Millionen gute Worte gegeben und geben lassen: umb die Beschreibung unser Vortreffligkeit / So er vor längst / und zwar bloß von der Faust auff gesetzet / ad lucibus dies zu geben: aber bloß umbsonst! unangesehen er auch auff Ansinnen Illustribus Personibus darzu angehalten worden. Er hat aber alles / als wann er uns vor diesem nie durch ein zusprengtes Bolwerck angesehen / hochmüthig negligigeret: und ich weiß nicht was vor mirables excuses vorgewendet. Neulich aber habe ich meinen alten / nunmehr zimlich abgerissenen / und stets getreuen Major domo Signor Cacciadiavolo aus lauter impantienze zu ihm abgefertiget / und selbten mit instructiones genungsam habilibitiret: und durch selbten anhalten lassen / Er wolte nicht länger uns unser wol-meritiritires Lob mißgönnen: und die Totus mundus, welche längst die Zeitung unserer Wunderen Liebe / avanturados, und horribles choses zu wissen begehret / äffen und auffhalten: Hat sich ein unversehenes infortunium zu unserm besten erkläret. Sintemahl mein Signeur Magior Domo nach seiner hochdesiderablen Wiederkunfft / prelatio bey mir / nach gebührender Complimentirung / abgeleget / und mich berichtet: Er hätte unsern vorweilen guten Patronium nach den und den tito verwichenen Monden nach Mittage um 3. Uhr angetroffen: und zwar / nach dem etliche Gentil huomini von ihm geschieden / vor welchen Er sich zimlich alterniret: were aber gleichwohl zu ihm eingetreten / da Er ihn dann noch unter vier oder fünff / dem Ansehen nach / trefflichen Leuten gefunden: durch deren præsesentiam er so gleichsam chasmentiret, daß er nicht ein einiges Wort vorbringen können. So bald ihn aber aus dem accantien seiner Wolredenheit und der nunmehr langgetragenen leporie unser Freund erkennet; hätte er ihn Humblementissime angenommen / demüthig angehöret / und statt der Antwort mit einem grossen Bocale Wein / von Fino de Hungaria bewillkommet / ihn zu sitzen execriret, und / propter Seriam, ad cras beschieden; In dessen hätte er ihm nur müssen belieben lassen zu thun / was dem Wirthe gefallen. Mit welchem anwesende Chevalieers, dann er müste gestehen al fe de Gentil houmine, daß sie mehr denn diesen Tittulos verdienet / in unterschiedenen Redens Arten weitläufftig discourssiret: und seiner Opinationum nach sollen sie wunderlich geredet haben: bestund darauff / er hätte wohl etwas aber gar nicht multus nimios verstanden: glaubete doch / es müste von enportanze gewesen seyn / weil sie zuweilen Farouchè gesehen / zuweilen gelachet: Er hätte sich in fremde Händel nicht mischen wollen noch sollen / wie er dann von mir nicht apprendiret, weniger darzu instruxiret: Solte es aber zu Weitläufftigkeiten kommen seyn / solte ich mich versichern / daß er sich nicht wolte haben roubiginiren lassen: Indessen hätte er ihm angelegen gehalten / redlich bescheid zu thun / hätte auch iederzeit denselben / der am eiffrigsten geredet / mit einer brindisi besänfftiget / und also guten Frieden befördern und stifften helffen. Nach dem nun auch diese ihren Abschied höchstfreundlichst genommen / wäre er zwar zu der Abend-Mahlzeit / von weyland treuem Freunde / inficiret worden; derer er auch beygewohnet: Weil ihm aber bereits von der mühseligen Reise / und dem hochwichtigen vorgegangenen Discourssus das Haupt schwer gewesen / wüste er nicht eigentlich zu narriren, was bey gedachtem Souppe vorgegangen; ohne daß er ihm die eigentliche reflexion machete / es wäre ein grosser gebratener Hase auff getragen worden: welches zweiffels ohn nicht so sehr meinem Herren Ambassiadoren, als mir dem Primcali selbst gemeynet gewesen / bin aber mit dem Conspect vergnüget. Weiter wüste er nichts / als daß er vor zwey Stunden devant my die aus einem sanfften Schlaff auffgewecket / und alsobald zu unserm weyland lieben Patronium gefordert / welcher ihn avec une horrible caprice vermahnet / Er solte uns beyderseits in seinem Namen grüssen / uns ermahnen nunmehr klug zu werden: der bagatellen uns zu äussern; und wo nicht auff Gott / doch auff unser Fictafium bey Zeiten zu dencken: Ihn wunderte / daß wir die Thorheiten seiner Jugend von ihm begehrten / in welchen doch nichts / als unsere eigene Schande zu lesen seyn würde. Ho! ho! caspita! und weil mein lieber Getreuer vor Schrecken diese Worte nicht so bald reprehendiren können; hätt er sie ihm so gar en les tableltes, die er als gewesener Quartier-Meister / nach dem der Teuffel längst die rothen Scharlach Hosen mit den Silbernen Galaunen geholet / gedictioniret. Der Herr Bruder dencke / wie dem redlichen Kerlen bey solchem Respect zu muthe worden: Weil er aber genöthiget / biß zu der Frühmahlzeit zu verharren / auch ihm die Liefer-Gelder indessen zu manciniren begonnen: Hat er sich eilends aus dem Gemache / und zwar in respiration einen Stoicidalischen Mord an sich zu begehen retteriret; Voila, aber was geschiehet: weil ihn das Schrecken in den Affterdarm catologiret: eilet er nach dem Ort / welchen man non avec permission nennen darff: in welchem er denn / wegen vermeintlicher unglückseliger Ambassade, mehr durch die Nasibus und Oculis, als per derrire geweinet. In dem er sich aber etwas erholet / und nunmehr Stoff zu der Reinigung von ihm desseriret wurd; erblicket er einen Häuften deschirez collutulez & de gutte pampieres, schwinget sich derowegen mit Freuden auff dieselben: und in dem ersten Grieff erblicket er meinen erschrecklichen Namen:

Jam Te - nos facimus Fortunus eam!

Er greiffet nach demselben / und findet das gantze Goncept unserer Liebe und Deversation: ausser daß es per curiam temporis durch die übermüthige non chalance, unsers vorweilen Freundes hin und wieder Schaden gelitten / und was zuvor hätte gesaget werden sollen / in so einen verächtlichen Ort verworffen: in welchem es freylich längst / seinem Belieben und Willen nach / in tausend mahl tausend / ich darff nicht schreiben was/ vergangen / wenn es nicht Tempum Genium und Fortunum, und die heilige Atropis, trotz aller Neid erhalten: Und dieses heist:

Qvàm sæpe summa medio in culo latent.

Nach gefundenem so grossen Schatz küsset mein Don Cacciadiavolo dreymahl den Grund / auff dem es gelegen / verbirget dieses längstgewündschte Kleinod zwischen Fell und Hembde: isset demnach frölich mit dem / der nicht weiß / was vor eine Helenam ihm entführet: und bringet auff gebogenen Knien zu mir / was ich dir hiermit mit entblossetem Haupte stehen condicire:

Ich muß cunfidiren, daß in dem Roriginal aus Unachtsamkeit / wo nicht Neid und Mißgunst des Autoribus die letzte zwey Seiten verfaulet / aus welchen unsers Gegenparts Sempromus Testament abgecopiret gewesen. Ich habe aber dieses nicht sonders geachtet / weil dieser unser steter Feind gewesen / und derowegen die Orte so confect itziger Methodibus nach mit ****** bezeichnet.

Gehabe dich wohl / unvergleichlicher Camerade / Stirbest du eher / als ich: so vermache mir doch deine Netze: Winde / und deine kurtze Wehre / zu stetswährendem Andencken: Gehe ich voran; so bleib Erbe ex massa von meiner Partisane / die ich von dem ererbet / der jenem Hertzog zu Eger den Rest gegeben. Hiermit verbleibe ich

Meines unvergleichlichen Camerades /
Bruders / Freundes / und
Gevattern

Gegeben dieses
Jahr / an dem Schalttage.

Obliganter biß in das Grab

Daradiridatumtarides Windbrecher / von Tausend Mord / auff N. N. N. Erbherr / in und zu Windloch. - Andreas Gryphius, Horribilicribifax (1650 / 1663)

Brief  (2) Nun muß ich ihnen doch noch bevor ich schliesse, denn ich muß bald endigen, weil ich Eile habe, denn ich habe izt just gar nichts zu thun; und dann auch, weil ich keinen Plaz mehr habe, wie sie sehen; das Papier ist schon bald gar; und müd bin ich auch schon; die finger brennen mich ganz vor lauterschreiben; und endlich auch wüst ich nicht, wenn auch wircklich noch Plaz wäre, was ich noch schreiben sollte, als die historie, die ich ihnen zu erzählen in sinn habe. hören sie also. es ist noch nicht lange, das es sich zugetragen hat; es ist hier im land geschehen. es hat auch hier viell aufsehens gemacht, denn es scheint ohnmöglich; man weis auch, unter uns gesagt, den ausgang von der sache noch nicht. also, kurz zu sagen, es war, etwa 4 stunde von hier, das ort weis ich nicht mehr -- es war halt ein dorf oder so etwas; Nu, das ist endlich ein ding, ob es tribsterill wo der dreck ins meer rinnt, oder burmesquick wo man die krummen arschlöcher dräht, war; mit einem wort, es war halt ein ort. da war ein hirt oder schäfer, der schon ziemlich alt war, aber doch noch robust und kräftig dabey aussah der war ledig, und gut bemittelt, und lebte recht vergnügt. ja, das muß ich ihnen noch vorher sagen, ehe ich die geschichte auserzähle, er hatte einen erschröcklichen ton, wen er sprach, man muste sich allzeit fürchten, wenn man ihn reden hörte. Nu, um kurz von der sache zu reden, so müssen sie wissen - er hatte auch einen hund den er Bellot nannte, einen sehr schönen grossen hund weis mit schwarzen fleckem Nu, eines tages, gieng er mit seinen schaafen daher, deren er 11 tausend unter sich hatte; da hatte er einen stock in der hand, mit einem schönen rosenfarben stockband. denn er gieng niemahlen ohne stock. das war schon so ein gebrauch; nun weiter. da er so eine gute stunde gieng, so war er müde, und sezte sich bey einen fluß nieder. Endlich schlief er ein, und da traumte ihm er habe seine schaaf verlohren, und in diesen schrocken erwachte er, und sahe aber zu seiner grösten freüde alle seine schaafe wieder. endlich stund er auf, und gieng wieder weiter, aber nicht lang; denn es wird kaum eine halbe stunde vorbeygegangen seyn, so kamm er zu einer brücke, die sehr lang war, aber auf beyden seiten gut geschützt war, damit man nicht hinab fallen könne nu da betrachtete er seine heerde; und weil er dann hinüber muste, so fieng er an seine 11 tausend schaaf hinüber zu treiben.

Nun haben sie nur die gewogenheit, und warten bis die 11 tausend schaaf drüben sind, dann will ich ihnen die ganze histori auserzählen. ich habe ihnen vorher schon gesagt, daß man den ausgang noch nicht weis. ich hoffe aber, daß, bis ich ihnen schreibe, sie gewis darüber sind; wo nicht, so liegt mir auch nichts daran; wegen meiner hätten sie herüben bleiben können. sie müssen sich schon unterdessen so weit begnügen; was ich davon gewust habe, das hab ich geschrieben. und es ist besser, daß ich aufgebört habe, als wenn ich etwas dazugelogen hätte. da hätten sie mir etwa die ganze schistori nicht geglaubt aber so -- glauben sie mir doch - die halbe nicht. nun muß ich schliessen, ob es mich schon thut verdriessen wer anfängt muß auch aufhören, Sonst thut man die leute stöhren, an alle meine freünde mein Compliment, und wers nicht glaubt, der soll mich lecken ohne End, von nunan bis in Ewickeit, bis ich einmahl werd wieder gescheid. da hat er gwis zu lecken lang, mir wird dabey schier selbsten bang, ich fürcht der dreck der geht mir aus, und er bekommt nicht gnug zum schmaus. Adieu bääsle. ich bin, ich war, ich wär, ich bin gewesen, ich war gewesen, ich wär gewesen, o wenn ich wäre, o daß ich wäre, wollte gott ich wäre, ich wurde seyn, ich werde seyn, wenn ich seyn würde, o das ich seyn würde, ich wurde gewesen, ich werde gewesen seyn, o wenn ich gewesen wäre, o daß ich gewesen wäre, wolltegott ich wäre gewesen, was? - ein stockfisch. - Wolfgang Amadeus Mozart

Brief  (3)  Er blätterte durch seine Mappe mit gefälschten Briefköpfen, auf der Suche nach etwas Passendem für die Korrespondenz mit der Orgasmusforschungsstelle.

THUG-GESELLSCHAFT, ABTEILUNG FÜR HASCHISCHIMPORT UND AFROGENEALOGIE - das war der hübscheste Briefkopf, mit einer dreiköpfigen Kali illustriert. Aber der war schon für seine Korrespondenz mit weißen Rassisten reserviert. Damit informierte Chaney sie, daß die Afrogenealogische Abteilung (Chefforscher: Alex Haley) entdeckt hatte, daß ihre Ur-Ur-Großmutter eine Farbige gewesen war. Chaney pflegte die Empfänger zur nächsten Thug-Sitzung einzuladen, mit Frau und Kindern selbstverständlich.

FREUNDE DER AUSSTERBENDEN MALARIAMOSQUITOS (KOMITEE ZUR ABSCHAFFUNG VON DDT) war auch nicht schlecht, aber nicht gut genug für Dr. Dashwood. Außerdem war es für die Korrespondenz mit Präsident Lousewart bestimmt.

PARATHEOANAMETAMYSTIKERSCHAFT DER ERIS-ESOTERIK - später vielleicht.

Schließlich entschied sich der Midget für VEREINTE CHRISTEN UND ATHEISTEN GEGEN DEN SCHLEICHENDEN AGNOSTIZISMUS, eine nonprophetische Organisation;

Präsident: Billy Graham, erster Vorsitzender: Madalyn Murray O'Hair.

In wenigen Sekunden hatte Chaney einen Brief entworfen, der garantiert ein paar Sicherungen in Dr. Dashwoods Computer-Kortex durchbrennen lassen würde:

Lieber Dr. Dashwood,

wenn man bis zum Hals in Alligatoren steckt, wird's schwer, sich daran zu erinnern, daß man auszog, um den Sumpf trockenzulegen.

        Herzlichst,

                Ezra Pound

                        Hoher Rat der Bewaffneten Rabbis

P. S. Entropie erfordert keine Wartung.

Das sollte dem Kerl auf die Sprünge helfen, dachte Chaney zufrieden, als er die geheimnisvolle Epistel in einen Umschlag steckte und ihn adressierte. - Robert Anton Wilson, Schrödingers Katze - Das Universum nebenan. Reinbek bei Hamburg 1987 (zuerst 1979)

Brief  (4)  Tom Parker, in dem augenblick, da Sie diesen brief lesen, sind Sie bereits ein toter mann! Ah, Sie lächeln? Gewiß, ich vermag Ihren spöttischen zug um den mund ohne viel mühe zu erkennen, obgleich ich mich zur stunde eine ganze menge meilen von dem ort entfernt befinde, wo Sie in den nächsten zehn minuten unter, milde gesagt, konvulsivischen zuckungen Ihr zeitliches segnen werden. Das schreiben, das Sie in händen halten, ist mit xurire präpariert, und ich brauche Ihnen, dem berühmtesten menschenjäger aller zeiten, wohl nicht zu sagen, was dies bedeutet. Meinen namen, wenn es Ihnen spaß machen sollte, können Sie noch schnell zu erraten trachten, aber beeilen Sie sich gefälligst, denn in fünf minuten sind Sie, wie bereits erwähnt, ein toter mann. Sterben Sie wohl, Tom Parker! Mit den ergebensten grüßen Ihr. . - H.C. Artmann, Tom Parker, der Weltdetektiv, in: Detective Magazine der 13, Hg. H.C. Artmann Esq. Residenz Verlag Salzburg 1971

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