pfel  Der A. gilt seit alters her als Symbol der Fruchtbarkeit (viel Kerne, viel Kinder), doch auch wegen der runden Gestalt als Symbol der weiblichen Brust. Den Aepfeln der Iduna z. B. lag die Vorstellung von der Mutterbrust der Natur zugrunde, denn wer von ihnen aß, den verjüngten sie. Im griechischen Altertum war der Apfel der Aphrodite, im römischen der Venus, im germanischen der Freia, der Göttin der Liebe, heilig als Symbol der Liebe und des Liebesgenusses und darum wurde der Apfel als solches Symbol gerne in der Hand der Liebesgöttin dargestellt.

Im Sündenfall des Alten Testaments bietet Eva dem Adam mit dem Apfel das Weib an oder das spezifisch Weibliche, d. i. den weiblichen Geschlechtsteil. Der Hinweis der Bibel, daß die Aepfel, das Bild der jungfräulichen Weiblichkeit, ängstlich zu hüten seien, findet man auch bei anderen Gelegenheiten. Z. B. bei den von einem Drachen gehüteten Aepfeln der Hesperiden, den goldenen Aepfeln, die Gäa für Hera als Brautgeschenk wachsen ließ usw. Und auch am Weihnachtsbaum beziehen sich die Aepfel auf die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Maria. In derben Volkssängen findet man auch heute noch mitunter den Vergleich des Apfels mit dem weiblichen Geschlechtsteile. So heißt auch im Südslawischen das »Aepfelchen anbeißen« ein Mädchen entjungfern.

Eng mit der erotischen Symbolisierung des A. hängt seine Verwendung beim Liebeszauber und Liebesorakel (z. B. Liebesapfel) zusammen. So steckt heute noch das Wendenmädchen dem heimlich geliebten Jüngling als stummes Bekenntnis seiner Neigung einen Apfel zu, und in Slawonien überreicht der Bräutigam nach dem Ringwechsel der Braut einen Apfel. - (erot)

Apfel (2)

Auge im Apfel

Bernd Höppner
In: Robert Shea, Robert Anton Wilson, Illuminatus! (Das Auge in der Pyramide).
Reinbek bei Hamburg 1980 (rororo 4577, zuerst 1975)

Apfel (3) Nereus hatte Herakles den Rat gegeben, die Äpfel nicht selbst zu pflücken, sondern dies Atlas tun zu lassen, während er ihn von seiner phantastischen Last befreite. Als er beim Garten der Hesperiden ankam, bat er daher Atlas, ihm einen Gefallen zu tun. Atlas würde jede Aufgabe auf sich genommen haben, um eine Stunde Rast zu gewinnen, doch fürchtete er Ladon. Da tötete Herakles diesen mit einem Pfeilschuß über die Gartenmauer. Nun beugte sich Herakles nieder, um die Last der himmlischen Wölbung auf seine Schultern zu nehmen, und Atlas ging fort. Bald kehrte er mit drei Äpfeln zurück, die seine Töchter gepflückt hatten. Er fand das Gefühl der Freiheit berauschend. «Du kannst dich darauf verlassen, daß ich diese Äpfel selbst zu Eurystheus bringen werde», sagte er, «wenn du den Himmel noch einige Monate länger tragen willst.» Herakles gab vor, zuzustimmen, doch da ihn Nereus davor gewarnt hatte, ein solches Angebot anzunehmen, bat er Atlas, den Himmel nur noch für eine Minute zu tragen, damit er sich ein Kissen auf den Kopf legen könne. Atlas, leicht getäuscht, legte die Äpfel auf den Boden und nahm seine Last wieder auf. Herakles hob sie auf und zog mit einem ironischen Lebewohl von dannen. - (myth)

Apfel (4)  »Schlafe nur nicht ein«, sagt sie, »sonst wirst du sterben. Wir müssen fliehen, schnell, schnell, oder mein Vater wird dich ganz gewiß töten.«

Schon waren sie hinaus, und setzten sich auf das blaugraue Füllen im Stall, »warte einen Augenblick«, sagte sie, »ich will dem Alten einen Streich spielen.« Sie schlüpfte wieder hinein und schnitt einen Apfel in neun Teile, und sie legte zwei Teile an das Kopfende des Bettes, zwei Teile an das Fußende, zwei an die Küchentür, zwei an die Haustür und einen draußen vor das Haus.

Der Riese erwachte und rief: »Schlaft ihr?« - »Nein, noch nicht«, sagte der Apfel, der am Kopfende des Bettes war. Nach einiger Zeit rief er wieder. »Nein, noch nicht«, sagte der Apfel, der am Fußende des Bettes war. Nach einer Weile rief er wieder. »Nein, noch nicht«, sagte der Apfel an der Küchentür. Der Riese rief wieder. Nun antwortete der Apfel an der Haustür. »Ich glaube fast, ihr macht euch davon«, sagt der Riese. »Noch nicht«, sagt der Apfel draußen vor dem Hause. »Ihr wollt wohl fliehen«, sagt der Riese. Damit sprang er auf die Füße und lief zu ihrem Bett hin, aber es war kalt und leer.

»Ich bin auf die Schliche meiner eigenen Tochter hereingefallen«, sagte der Riese. »Geschwind ihnen nach«. - (schot)

Apfel (5)   Eines Tages kam das Fräulein vom See, die Nimue hieß und mit dem wackeren Ritter Sir Pelleas verheiratet war, an den Hof. Sie hatte König Artus und allen seinen Rittern durch ihre Magie und Zauberkunst immer große Dienste erwiesen. Als sie hörte, daß die Königin wegen des Todes von Sir Patrise in Bedrängnis war, eröffnete sie allen, daß sie keine Schuld daran trug. Sie nannte als Täter Sir Pinel und erklärte, aus welchem Grunde er es getan hatte. So war die Königin von dem Verdacht befreit, und der Ritter Pinel floh in sein Land. Da wußten alle, daß Sir Pinel bei dem Festmahl die Äpfel vergiftet hatte, um Sir Gawein zu töten, weil Sir Gawein und seine Brüder Sir Lamorak von Wales erschlagen hatten, der ein Vetter Sir Pinels war. Sir Patrise wurde in derWestminster-Abtei bestattet, und auf seinem Grabmal stand: Hier liegt Sir Patrise von Irland, umgebracht von Sir Pinel le Savage, der Äpfel vergiftete, um Sir Gawein zu töten. Durch unglücklichen Zufall aß Sir Patrise einen von diesen Äpfeln und barst danach auseinander.  - (artus)

Apfel (6)   Greiftst du nach einem Apfel. wirst du in Liebe schwelgen. - (byz)

Apfel (7)   Bekommt oder verzehrt einer einen Apfel, werden Mißmut und Krankheit über ihn kommen. - (byz)

Apfel (8)   Äpfel zu essen oder zu besitzen, verspricht Liebesfreuden mit einer Frau.  - (byz)

Apfel (9)  Nun, es war kein Unglück, ganz im Gegenteil. Unversehens eine Bodenkammer voll Äpfeln, noch dazu herrlichen Äpfeln vorzufinden, hätte mir eigentlich Freude machen müssen, ganz gleich, woher sie kamen. Und dennoch hatte diese Entdeckung, die mir zu Beginn einen geradezu humoristischen Eindruck gemacht hatte, auch eine geheimnisvolle Seite, welche durch die Beschaffenheit der Stätte, die Einsamkeit und die lähmende Atmosphäre der Tagesstunde noch verstärkt wurde.

Während ich dieses seltsame Problem erwog, beugte ich mich fast gedankenlos zu Boden, nahm einen Apfel in die Hand, wischte ihn ein wenig mit dem Taschentuch ab und wollte ihn kosten. Aber kaum hatte ich hineingebissen, als mir ein kalter Schauer über den Rücken rann. Ich stand wie versteinert da, mit halbgeschlossenem Mund, die Zähne noch in dem weichen Fleisch des Apfels. Mein Herz begann heftig zu pochen. Das war kein Apfel! Oder besser gesagt: Er hatte zwar die Form eines Apfels, das Gewicht, das Aussehen; aber was den Geschmack anbelangte, so erinnerte nur ein geringfügiger Teil an die Äpfel, die ich in meinem bisherigen Leben gekostet hatte. Niemals hätte ich mir vorstellen können, daß ein so wunderbarer Geschmack auf der Welt existiere. Beim ersten Safttropfen, der meine Lippen berührte, hatte ich ein solches Gefühl der Beunruhigung und der Schärfe empfunden, daß es mir den Atem verschlug. Dann jedoch preßte ich langsam die Zähne aufeinander, biß ab und begann gierig zu kauen, wobei sich die Lust daran erneuerte und verstärkte. So heftig war jene Lust, daß ich in eine Art Glücksrausch verfiel, und dabei hatte ich doch kaum einen halben Apfel gegessen. Statt über dieses regelwidrige Phänomen zu erschrecken, wie es der gesunde Menschenverstand verlangt hätte, fing ich ohne jeden Grund zu lachen an und betrachtete mit einem geradezu tierischen Wohlgefallen die übrigen vor mir.

Ja, ich schloß die Tür, und sogleich fragte ich mich, warum ich das getan hätte. Es schüttelte mich, und da erst überkam mich Furcht. ›Warum habe ich die Tür geschlossen?‹ fragte ich mich.  - Dino Buzzati, Die Maschine des Aldo Christofari. Frankfurt am Main 1985

Apfel (10)  

- Jan Frans de Boever

Apfel (11)  

-  Marcel Swann

Apfel (12)  1952 wurde in Turings Haus eingebrochen, und es war ihm rasch klar, daß einer seiner gelegentlichen Liebhaber irgendwie in die Sache verwickelt war. Während seiner Aussage bei der Polizei gab Turing indirekt zu verstehen, daß er homosexuell war, und von diesem Moment an nahm sein Leben unwiderruflich einen anderen Verlauf. Nun war er nicht länger einfach ein Opfer, sondern ein Krimineller, obwohl er im Recht war - und statt zu protestieren und seine Unschuld an dem „Verbrechen" der Homosexualität zu beteuern, sprach er freimütig über seine „kriminelle Gepflogenheit".

Zu jener Zeit gab es in England eine Bewegung, Homosexualität als eine Krankheit zu betrachten, die durch ein hormonales Ungleichgewicht verursacht wurde, und verschiedene Ärzte hatten verschiedene „Heilmethoden" parat. In Amerika war die Kastration eine sehr populäre „Kur" für Männer (Hodges zitiert diesbezüglich Zahlen, die darauf hinauslaufen, daß bis etwa 1950 mindestens 50 000 Kastrationen vorgenommen worden waren). In England nahm man davon allerdings Abstand, wenngleich die Behandlungsform dort nicht weniger brutal und barbarisch war. Turing wurde für schuldig befunden und verurteilt, sich einer „Behandlung" zu unterziehen: regelmäßige Injektionen mit weiblichen Geschlechtshormonen, die seinen Geschlechtstrieb  unterdrücken sollten. So also bedankte sich die englische Gesellschaft bei der Person, die für die Sicherheit ihrer Schiffe während des Zweiten Weltkriegs die größte Verantwortung getragen hatte. Natürlich konnte man unmöglich wissen, welche Rolle Turing während des Kriegs innegehabt hatte, denn das war streng geheim und sollte es auch noch für viele weitere Jahre bleiben. Und Turings Rolle während der Kriegsjahre sollte keineswegs als ein mildernder Urnstand bei seinem „Verbrechen" angesehen werden, denn das hätte dann bedeutet, daß die Millionen anderen englischen Homosexuellen, die eher im gewöhnlichen Leben standen, immer noch des gleichen „Verbrechens" schuldig gewesen wären. Turing sah das und wollte jeden Versuch unterlassen, seine Beziehungen zur Regierung oder zur akademischen Welt in Anspruch zu nehmen, um sein Urteil abzumildern, und so stand er es einfach durch, daß er Brüste bekam und impotent gemacht wurde.

Nach einem Jahr durfte er zurück in normalere „Verhältnisse". Das Urteil war vorüber und er frei. Aber eine Quälerei wie jene hinterläßt permanente Narben, und tief in A!an Turings Innerem hatte sich etwas gewandelt. In den nächsten paar Jahren erschien er seinen Freunden die meiste Zeit ganz glücklich, und er scherzte und plauderte über seine Zukunft. Aber eines Tages, 1954, präparierte er einen Apfel mit Zyanid, so wie er es einst bei der bösen Hexe in dem Walt-Disney-Film Schneewittchen und die sieben Zwerge gesehen hatte. Im Gegensatz zu ihr biß er in seinen eigenen Apfel. „Der Apfel ins Gebräu getaucht, der Tod im Schlaf eintaucht." Und am nächsten Tag fand man ihn tot. Er hatte es so geplant, daß seine Mutter es als einen „Unfall durch Chemikalien" interpretieren würde, aber andere wußten es besser. Obwohl heute alles stark darauf hindeutet, daß die als Alan Mathison Turing bekannte Maschine sich aus freiem Willen heraus selbst anhielt, bleibt es für uns ein Änigma, ein Rätsel, eine unentscheidbare Frage, warum er es letztlich getan hat.  - Douglas R. Hofstadter, Metamagicum. Stuttgart 1991

Apfel (13)

- Reinhard Doehl

Apfel (14)

Apfel (15)

Vollkommenheit

       O lieblicher Apfel!
herrlich und völlig
       verfault,
kaum versehrte Gestalt -

      höchstens am Stiel
ein wenig geschrumpft doch sonst
       bis ins Kleinste
vollkommen! O lieblicher

       Apfel! wie satt
und feucht der Mantel aus Braun
      auf jenem un-
angetasteten Fleisch! Niemand

       hat dich geholt
seit ich dich auf das Geländer setzte
       vor einem Monat, damit
du reif werdest.

       Niemand. Niemand!

- (wort)

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