eihenfolge  Hatte ein Mensch mehrere, jedes für sich aber todeswürdige Verbrechen begangen, so enthielt das Urteil eine Aneinanderreihung (Kumulation) der für jedes einzelne Delikt verwirkten Strafen. In den vorangegangenen Abschnitten über die einzelnen  Strafen wurde von Fall zu Fall schon darauf hingewiesen.

 Für jedes einzelne Delikt wurde  dem Gesetz entsprechend die dafür bestimmte Todesstrafe ausgesprochen. Die Reihenfolge der Ausführung zu bestimmen war Sache des Gerichtes. Da jeder Mensch aber nur ein Leben hat, konnte letztlich auch nur eine der Strafen zum Tod führen. Die Schwere der begangenen Verbrechen mag für die Wahl der Reihenfolge der Strafen ausschlaggebend gewesen sein.

Zum Verständnis der Kumulation von Todesstrafen hier ein willkürliches Kombinationsbeispiel: Der Verbrecher wurde zur Richtstätte geschleift, unterwegs mit glühenden Zangen gezwickt (Strafverschärfung), dann gerädert (für Mord), noch lebend auf das Rad gelegt und an einem am Rad stehenden Galgen erhängt (für Diebstahl), anschließend mit Rad und Galgen verbrannt (für Sodomie) und schließlich die Asche in den Fluß geworfen. Was dieser arme Sünder bis zu seinem endgültigen Tod am Galgen an Qualen erlitten hat ist unvorstellbar. -  Gustav Radbruch, Heinrich Gwinner: Geschichte des Verbrechens. Frankfurt am Main 1990 (Die Andere Bibliothek 62, zuerst 1951)

Reihenfolge (2) Häufig regelt schon der Zeitpunkt des Eintreffens am Kadaver die Freßfolge, ohne daß es dabei zu Auseinandersetzungen kommen muß. Einige Geierarten wie der Truthahngeier verfügen über einen hervorragenden Geruchssinn und bemerken verendete Tiere eher als andere. Am Kadaver angekommen, fressen sie, so schnell sie können, alle für sie erreichbaren Teile. Lange sind sie nämlich nicht allein. Die etwa gleich größeren Rabengeier können zwar das Aas nicht riechen, bemerken aber die Truthahngeier und kommen zahlreich und aggressiv gestimmt dazu. Während die Rabengeier hektisch mit ihren Hälsen in Maul und After des Hirsches tauchen, um an die Eingeweide zu kommen, treten die Truthahngeier einige Meter zurück und warten. Rabengeier verschlingen in der kürzesten Zeit die größte Menge Nahrung. Das müssen sie auch, denn den nach ihnen eintreffenden Kondoren müssen auch sie weichen.

Die schreiten gelassen auf den Hirsch zu und beginnen mit dem, was nur sie können: Sie reißen die Haut auf und zerlegen den Hirsch. Haben sie genug gefressen - und auf die Menge müssen sie achten, weil sie sonst buchstäblich nicht mehr hochkommen -, kehren die anderen in umgekehrter Reihenfolge ans Futter zurück: die Ersten zuletzt. - Cord Riechelmann, Bestiarium. Der Zoo als Welt - die Welt als Zoo. Frankfurt am Main 2003

Reihenfolge (3)  Ein Mann stand im Dienst eines großen Herrn in hohem Ansehen. Er betrog den Herrn bis in den Schlaf hinein, wurde aber selbst von einem seiner Diener betrogen, dieser von einem seiner Burschen, dieser von einem Freund, der Freund von seiner Freundin und diese vom Teufel. Da schlug ihre Stunde, und derTeufel, der scheinbar so weit weg vom Herrn war, fuhr in die Hure, sie in den Freund, der in den Burschen, dieser in den Diener, der Diener in seinen Herrn und der in seinen Gebieter. Und da nun der Dämon zu ihm kam, destilliert durch Hure und Zuhälter, und von Burschen zu Burschen, vom Diener zum Herrn geschlüpft war, griff der Gebieter, auf Umwegen verteufelt und hitzig wie die Hölle, den Dienstmann an, dieser den Diener, der den Burschen, dieser den Freund, der Freund die Freundin; diese prügelte sich mit allen herum, die Leitungsrohre des Teufels krachten aufeinander und gingen in Stücke, die Kette des Betruges riß, und Satan, der in der Straßenhure wie in einer Flöte hin und her spaziert war, ohne gehört zu werden, schäumte nun offen von einem zum anderen und nahm sie alle sogleich in Besitz. - Francisco de Quevedo, Die Träume. Die Fortuna mit Hirn oder die Stunde aller. Frankfurt am Main 1966 (zuerst 1627)

Reihenfolge (4)  Es näherten sich ihr:

1. Ein Zahnarzt (intimer Freund von Whisky). Lokale und totale Anästhesie. Aber obschon er die Zähne schmerzlos auszog, fand er doch Gelegenheit, ihr Schmerzen zu bereiten, am Tag, da er sie verließ. Da ging sie hin und ließ sich die Tränen von einem Installateur für Zentralheizungen trocknen.

2.. Installateur für Zentralheizungen (Ratenzahlung: besondere Vergünstigungen für Krankenhäuser, Erziehungsanstalten, Klöster, Tanzcafes). Dieser war verheiratet, und trotz seiner Heizungsanlagen ließ seine Gattin sich von einem anderen wärmen.

3. Ein Bläser des Englischen Horns, intimer Freund von Whisky. Von ihm sagte man, daß er Geld von den Frauen annähme. Aber er gab es nicht leichtsinnig aus; er bewahrte es auf für den Tag, wo sie ihm keins mehr geben, sondern er sie darum bitten würde. Man denkt nie früh genug an das Alter. Die Musiker nahmen einen ersten Platz in Sodas erotischem Leben ein. Als ihre Mutter Zimmervermieterin war, hatte sie auch einen Trommel-, Becken- und Triangelschläger beherbergt, der sich in das Mädchen verliebte und sie geheiratet hätte, wenn sie ihn nicht, sich zu etwas Höherem berufen fühlend, abgewiesen hätte, indem sie zu ihm sagte: entweder einen Geiger oder keinen. Ihr, Meister der Trommel, des Beckens und des Triangels, Ihr seid die Enterbten der Harmonie.

Der Bläser des Englischen Horns war ganz nach ihrem Geschmack; auch weil er, aus Berufsgewohnheit, ihr manchmal beim Küssen in den Mund blies.  - Pitigrilli, Whisky und Soda. In: P., Luxusweibchen. Reinbek bei Hamburg 1988  (rororo 12201, zuerst 1922)

Reihenfolge (5)

Falsche Reihenfolge

- "Tom"

Reihenfolge (6)

Reihenfolge (7)

- Nicole Claveloux

Reihenfolge (8)  Bei der Arbeit stand ich oft von meinem Schreibtischsessel auf, setzte mich in den Korbstuhl auf der Veranda, verfiel in vages Sinnieren, das mit meiner Arbeit nicht das geringste zu tun hatte, und da fiel mein Blick oft auf ein paar Zelkovenbäume, die ihre alten Zweige nach allen Richtungen streckten. Wie oft hatte ich in dieser beobachtenden Haltung meinen Vater gesehen. Wenn er auf der Veranda des Heimathauses im Korbstuhl saß, schaute er auch immer auf den Wipfel eines Baumes. Mir war plötzlich, als starrte ich in einen Abgrund, der sich zu meinen Füßen aufgetan hatte. War meinem Vater damals nicht vielleicht ähnlich zumute gewesen? Dadurch, daß ich fühlte, wie mein Vater gewissermaßen in mir war, und ich wohl dachte wie er, erinnerte ich mich sehr oft an jenen Mann, der einmal mein Vater war. Ich saß ihm häufig gegenüber und unterhielt mich mit ihm. Nach seinem Tode erkannte ich plötzlich, daß er mich, solange er lebte, vor dem Tod geschützt hatte. Dies war mir bis dahin, eben weil er noch am Leben war, natürlich nicht bewußt gewesen, doch irgendwo in meinem Herzen empfand ich so und hatte daher nie an meinen Tod gedacht. Doch nun, da mein Vater tot war, eröffnete sich ein weiter Ausblick auf ihn wie auf ein Meer, und ich mußte, ob ich wollte oder nicht, den Tod näher ins Auge fassen. Ich begriff, daß ich als nächster an die Reihe kam. All dies aber erkannte ich erst, nachdem mein Vater gestorben war. Durch sein Leben war ich als Kind vor dem Tod geschützt gewesen. Doch war dies nicht etwa eine Gabe, ein Geschenk von ihm, und es hatte nichts mit Eltern- und Kindesliebe zu tun. Es entstand ganz natürlich aus den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, rührte daher, daß ich sein Kind und er mein Vater war.   - Yasushi Inoue, Unter den Blüten. Nach: Friedrich Dürrenmatt, Einführung Yasushi Inoue. In: F. D., Versuche. Zürich 1991

Reihenfolge (9)  Die Tat wird durch die Imagination derselben aufgedeckt. Dock von größter Bedeutung ist, zu begreifen, daß die Imagination führt und die Tat folgt. Erst Don Quichotte, dann Sancho Pansa. So daß die Tat, um Lob zu verdienen, es auf verschiedene Weise verdienen muß, je nach dem Weg, den die Imagination genommen hat. So findet eine unschöne Tat mitunter ihr Lob in Gelächter und mitunter in wildem Spott und eine einfache Wohltat ihre Belohnung in sarkastischem Kommentar. Jedes Ding ruht in seinen Vollkommenheiten.  - (kore)

Reihenfolge (10) Im Schlafzimmer drängten sich bereits die Verwandten, und es blieb nicht mehr viel Platz. Ich war gerade hereingekommen (die Acetylenlampe stand jetzt neben dem Bett auf dem Boden, aber die Deckenbeleuchtung hatte man angelassen), als Severo sich aufrichtete, die Hände in die Taschen seines Pyjamas steckte, seinen ältesten Sohn ansah und »6« sagte, seine Frau ansah und »20« sagte, Ignacio ansah und »23« sagte, mit ruhiger, tiefer Stimme, ganz bedächtig. Zu seiner Schwester sagte er 16, zu seinem jüngsten Sohn 28, zu anderen Verwandten sagte er fast immer hohe Zahlen, bis dann ich drankam, er 2 sagte und ich spürte, wie der Bebe mich verstohlen ansah und die Lippen zusammenpreßte, in Erwartung, daß er an die Reihe komme. Aber Severo begann anderen Verwandten und Freunden Zahlen zu sagen, meistens hoher als fünf, und nie sagte er eine Zahl zweimal. Fast zum Schluß sagte er zum Bebe 14, und der Bebe Öffnete den Mund und erschauerte, so als wehte ihn ein eisiger Wind an, er blies sich sogar in die Hände, schämte sich dessen aber dann und steckte sie in die Hosentaschen, gerade als Severo zu einer Frau mit hochrotem Gesicht 1 sagte, wahrscheinlich eine entfernte Verwandte, die allein gekommen war und während der ganzen Nacht mit kaum jemandem gesprochen hatte, und Ignacio und der Bebe sahen einander kurz an, Manuelita lehnte sich gegen den Türrahmen, und mir schien, daß sie zitterte, daß sie an sich halten mußte, um nicht zu schreien. Die übrigen warteten ihre Zahlen nicht mehr ab, Severo sagte sie ihnen trotzdem, doch alle begannen zu reden, selbst Manuelita,  die sich wieder gefangen hatte  und zwei Schritte nach vorn tat und die 9 bekam, aber niemand achtete mehr darauf, und die letzten Zahlen waren eine 24 und eine 12, die einem Verwandten und meinem Bruder Carlos galten; selbst Severo schien weniger konzentriert, und nach der letzten Zahl warf er sich nach hinten und ließ sich von seiner Frau zudecken, wobei er die Augen schloß, als ginge ihn all das nichts mehr an oder hätte er alles vergessen.

»Das ist natürlich eine Frage der Zeit«, sagte Ignacio zu mir, als wir das Schlafzimmer verließen. »Die Zahlen an sich besagen gar nichts, Julio.«

»Meinst du?« fragte ich ihn, und stürzte das Glas hinunter, das der Bebe mir gebracht hatte.

»Aber sicher, Mann«, sagte Ignacio. »Stell dir vor, zwischen der 1 und der 2 können Jahre vergehen, zehn oder zwanzig, vielleicht noch mehr.«

»Sicher«, bekräftigte der Bebe. »Ich an deiner Stelle würde mir nichts draus machen.«

Ich sagte mir, daß er sich immerhin die Mühe gemacht hatte, sich durch die Leute zu drängen und mir aus der Küche ein Glas Grappa zu holen, worum ihn niemand gebeten hatte. Und ihm war die 14 zugefallen und Ignacio die 23.  - Julio Cortázar, Die Phasen von Severo. In: J. C. , Beleuchtungswechsel. Ertählungen Bd. 3  Frankfurt am Main 1998

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