oète maudit  Hygiene, Lebensführung, Methode. — Ich schwöre es mir zu, daß ich künftig die folgenden Regeln zu meinen ewigen Lebensregeln machen will:

Jeden Morgen mein Gebet zu Gott verrichten, dem Gefäß aller Kraft und aller Gerechtigkeit, zu meinem Vater, zu Mariette und zu Poe, als Fürsprechern; sie bitten, daß mir die nötige Kraft verliehen, alle meine Pflichten zu erfüllen, und meiner Mutter ein genügend langes Leben gewährt werde, auf daß sie sich über meine Wandlung freuen könne; den ganzen Tag arbeiten, zum mindesten aber so viel es meine Kräfte zulassen; auf Gott vertrauen, das heißt auf die Gerechtigkeit in Person, wegen des Gelingens meiner Vorsätze; jeden Tag ein neues Gebet verrichten, um Gott um Leben und Kraft für meine Mutter und mich zu bitten; aus allem, was ich verdienen sollte, vier Teile machen, — einen für den Lebensunterhalt, einen für meine Gläubiger, einen für meine Freunde und einen für meine Mutter; - den Grundsätzen der striktesten Nüchternheit gehorchen, deren erster in der Abschaffung aller wie immer gearteten Reizmittel besteht.  - (cb)

Poète maudit (2)  AN HERRN DE GASPARY, FRANZÖSISCHER VIZE-KONSUL in ADEN.

Aden, den 28. Januar 1883

Mein Herr,

Erlauben Sie mir, die folgende Angelegenheit Ihrem Urteil zu unterbreiten.

Heutigen Tages, um 11 Uhr morgens, da der pp. Ali Chemmak, Magazinverwalter bei dem Handelshaus, wo ich angestellt bin, sich sehr unverschämt gegen mich aufführte, habe ich mir gestattet, ihm eine leichte Ohrfeige zu geben.

Da die Kulis vom Dienst und verschiedene arabische Augenzeugen mich daraufhin packten, um ihm die Möglichkeit zu geben, zurückzuschlagen, hat der besagte Ali Chemmak mich ins Gesicht geschlagen, mir die Kleider zerrissen und sich dann mit einem Stock bewaffnet und mir damit gedroht.

Da die Anwesenden dazwischentraten, zog Ali sich zurück, und kurz darauf ging er fort, um bei der städtischen Polizei Klage gegen mich einzureichen wegen Schlägen und Verletzungen und stellte mehrere falsche Zeugen für die Erklärung, daß ich gedroht hätte, ihn zu erdolchen, usw., usw., und andere Lügen, die dazu bestimmt sind, die Sache zu meinem Nachteil aufzublähen und den Haß der Eingeborenen gegen mich aufzuregen.

Da ich wegen dieser Angelegenheit mit den andern vor das Gericht der städtischen Polizei komme, habe ich mir erlaubt, den Herrn Französischen Konsul von den Gewalttaten und Drohungen zu unterrichten, deren Zielscheibe ich von Seiten der Eingeborenen war, und ersuche um seine Unterstützung in dem Fall, daß der Verlauf der Sache es ihm angeraten erscheinen ließe.

Ich habe die Ehre, Herr Konsul, zu sein

Ihr Diener

Rimbaud

Angestellter des Hauses Mazeran, Viannay und Bardey, in Aden.

-  Aus: Arthur Rimbaud, Briefe Dokumente. Hg. Curd Ochwadt. Reinbek b. Hamburg 1964 (Rowohlts Klassiker 155/156)

Poète maudit (3)  Die Einsamkeit ist ein böses Ding hienieden. Für mich bedaure ich es, daß ich nicht verheiratet bin und keine Familie habe. Aber vorerst bin ich dazu verurteilt, herumzuirren, an ein weit in die Ferne gehendes Unternehmen gebunden, und täglich verliere ich mehr den Geschmack für das Klima und die Lebensweise und sogar für die Sprache Europas. Ach! was soll dieses Hin und Her, diese Anstrengungen und Abenteuer bei fremden Rassen, und diese Sprachen, mit denen man sich das Gedächtnis vollstopft, und die unbeschreiblichen Plackereien, wenn ich nicht nach ein paar Jahren mich eines Tages an einem Ort, der mir einigermaßen gefällt, niederlassen und eine Familie gründen und wenigstens einen Sohn haben kann, mit dessen Erziehung nach meinen Gedanken ich den Rest meines Lebens hinbringen würde, um ihn mit der vollkommensten Ausbildung auszustatten und zu rüsten, die in unserer Zeit zu erlangen wäre, und den ich einen berühmten Ingenieur werden sähe, einen Mann, den sein Wissen reich und mächtig machte? Aber wer weiß, wie lange ich in den Bergen hier ausharren soll? Und ich kann mitten unter diesen Völkerschaften verschwinden, ohne daß die Nachricht davon jemals nach außen dränge. - Rimbaud an die Familie, nach: Arthur Rimbaud, Briefe Dokumente. Hg. Curd Ochwadt. Reinbek b. Hamburg 1964 (Rowohlts Klassiker 155/156)
 
 

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