erger Ich habe Paris und sogar Frankreich verlassen, weil der Eiffelturm mich schließlich zu sehr ärgerte.

Nicht genug, daß man ihn von überall sieht, nein, er ist auch überall und in jedem erdenklichen Material erhältlich, in jedem Schaufenster ausgestellt, ein unentrinnbares, ein quälendes Alpdrücken.

Es ist im übrigen nicht nur er selbst, der in mir den unwiderstehlichen Drang erregt hat, eine Zeitlang allein zu sein, sondern viel mehr noch alles, was man um ihn herum, innen drin, oben drauf und im weiteren Umkreis angestellt hat.

Wie konnten es die Zeitungen nur wagen, uns in Verbindung mit diesem metallenen Gerippe von neuer Architektur zu sprechen! Denn die Architektur, diese heute am wenigsten verstandene und bei den meisten in Vergessenheit geratene Kunst, ist doch nachgerade die ästhetischste, die geheimnisvollste und die am stärksten mit Ideen gesättigte aller Künste.

Durch den Lauf der Jahrhunderte hat sie den Vorzug gehabt, jede Epoche gleichsam zu symbolisieren, ihre Art zu denken, zu fühlen und zu träumen in einigen typischen Baudenkmälern resümierend zu überliefern.

Ein paar Tempel und Kirchen, ein paar Paläste und Schlösser enthalten annähernd die ganze Kunstgeschichte der Erde. Besser als Bücher, durch die Harmonie der Linien und den Zauber der Ornamente, sind sie unserem Auge lebendiger Ausdruck der ganzen Anmut und Größe einer Epoche.

Aber ich frage mich, was man von unserer Generation halten wird, wenn diese lange, magere Pyramide aus eisernen Leitern, dieses scheußliche Riesenskelett nicht in Kürze, gelegentlich einer Volkserhebung, wieder zerstört wird, dieses Monstrum, dessen Basis für ein Zyklopendenkmal gemacht zu sein scheint und zur lächerlichen, dünnen Silhouette eines Fabrikschlots verkümmert.

Man sagt, es handle sich um die Lösung einer Konstruktionsaufgabe. Schön — aber genützt hat sie niemandem! Ich jedenfalls ziehe diesem abwegigen, naiven Versuch, den Turmbau in Babel zu wiederholen, bei weitem jene Idee vor, die schon im 12. Jahrhundert die Erbauer des Turms von Pisa hatten.

Die Idee, diesen hübschen Turm zu bauen, mit seinen acht Stockwerken von Marmorsäulen, geneigt, als wollte er jeden Augenblick umfallen — der verblüfften Nachwelt zu beweisen, daß der Schwerpunkt nichts ist als ein unnützes Vorurteil der Ingenieure und daß die Baudenkmäler auch ohne ihn zurechtkommen, ohne ihn schön aussehen und noch nach siebenhundert Jahren mehr Besucher anziehen und überraschen können als der Eiffelturm nach sieben Monaten —, das alles stellt sicherlich ein Problem dar, da es ja unbedingt ein »Problem« sein muß, aber ein weit originelleres als das jenes riesenhaften eisernen Gespenstes, aufgeputzt für die Augen von Indianern.

Ich weiß, daß eine andere Version davon wissen will, daß sich der Turm von Pisa selbsttätig geneigt habe. Wer weiß es? Das hübsche Bauwerk hütet sein vielumstrittenes, undurchdringliches Geheimnis.

Was kümmert mich übrigens der Eiffelturm. Er war ja nur der Leuchtturm für eine internationale Kirchweih — so lautet der geheiligte Name —, deren Erinnerung mich verfolgen wird wie das Alpdrücken, wie die Wirklichkeit gewordene Vision des greulichen Schauspiels, das einem angeekelten Menschen die sich amüsierende Menge bieten kann.   - (err)

Ärger (2) Ich hatte Gelegenheit öfters einen Betteljungen zu sehen, der durch Gesichterschneiden und allerlei Gebärden Lachen zu erwecken suchte. Dieses war mir wirklich so unerträglich, daß ich das Gesicht des Jungens, auch selbst in der Ruhe, anfing abscheulich zu finden und den Knaben im eigentlichen Verstand zu hassen anfing, weil er sich gar nicht[s] wollte sagen lassen.

Eines Tages aber da ein sehr schönes und gutes Kind, ein Mädchen von 4 Jahren sehr herzlich und doch mit einem gewissen Anstand über des Knaben Possen lachte, machte dieses einen so angenehmen Eindruck auf mich, daß ich nun selbst des Knabens Gesichter erträglich fand, und zwar nicht bloß aus der zweiten Hand, wie man denken sollte, sondern wirklich in sich selbst. Ich lächelte nicht in meinem eigenen sondern in des Kindes Namen darüber. Auch habe ich bei andern Gelegenheiten bemerkt, daß man über gewisse unschädliche Ungezogenheiten sich erst ärgern muß, um sie hernach erträglich zu finden. Ich verstehe mich hier recht gut, und erkläre die Sache  weiter nicht. - (licht)

Ärger (3)  Nach einem anderen Bericht zog Herakles den mit diamantharten Ketten gefesselten Kerberos auf einem unterirdischen Pfad in die Höhe. Dieser führt zu der düsteren Höhle von Akone in der Nähe von Mariandyne am Schwarzen Meer. Als Kerberos Widerstand leistete, seine Augen vom Tageslicht abwandte und mit allen drei Mäulern wild bellte, sprühte sein Geifer über die grünen Felder und brachte die giftige Pflanze Eisenhut hervor, die auch Hekateis genannt wird, weil Hekate sie als erste verwendete. Nach einem anderen Bericht kam Herakles durch Tainaron in die Oberwelt zurück. Es ist für seinen höhlenähnlichen Tempel berühmt, vor dem eine Statue des Poseidon steht. Aber sollte eine Straße von dort in die Unterwelt geführt haben, so ist sie inzwischen verschüttet worden. Schließlich hört man noch, daß er auf dem Gebiet des Laphystischen Zeus auf dem Berg Laphystios nach oben kam; dort steht eine Statue des Strahläugigen Herakles.

 Doch stimmen alle darin überein, daß Eurystheus, als Herakles mit Kerberos nach Mykene kam, Opfer darbrachte und ihm nur den Anteil eines Sklaven anbot, während er die besten Stücke für seine Verwandten zurücklegte. Herakles zeigte seinen berechtigten Ärger, indem er drei der Söhne des Eurystheus tötete: Perimedes, Eurybios und Eurypylos. - (myth)

Ärger (4)  Bald ärgerte ich mich über alles, was mir bisher gleichgültig gewesen war. Der Verwalter, der Erzieher, der Fechtmeister, der Sprachlehrer, die Reitknechte - keiner von ihnen hatte Ritas Augen. Ich hätte sie erschlagen mögen, ihnen die Augen ausstechen, wenn sie mich ansahen; besonders die blutunterlaufenen Eunuchenaugen des Haushofmeisters und die teilnahmslosen Augen der Dienerschaft, in denen eine Spur Bosheit flackerte. Ich hatte oft Wutanfälle, mein Jähzorn jagte meiner Umgebung Angst ein. Ich teilte mir die Tage ein, wie es mir paßte. Am liebsten hätte ich mich selber umgebracht. Ich stach mir mit einem Messer in die Waden.  - (mora)

Wut
Oberbegriffe
zurück 

.. im Thesaurus ...

weiter im Text 
Unterbegriffe
Verwandte Begriffe
Synonyme