Hekate

ERSTE HEXE

Was gibt es, Hekate, warum so zornig?

HEKATE

Ihr garstgen Vetteln, hab ich denn nicht recht?
Da ihr euch, dreist und unverschämt, erfrecht
Und treibt mit Macbeth euren Spuk,
In Rätselkram, in Mord und Trug?
Und ich, die Meistrin eurer Kraft,
Die alles Unheil wirkt und schafft,
Mich bat man nicht um meine Gunst,
Zu Ehr und Vorteil unsrer Kunst?
Und, schlimmer noch: was ihr getan,
Nützt nur dem eigensinnigen Mann,
Voll Tück und Grimm. Wie alle Welt
Ers nur mit sich, mit euch nicht hält.
Das bessert nun! Macht euch davon,
Und an dem Pfuhl des Acheron
Trefft morgen früh mich! Er kommt hin,
Zu hören seines Schicksals Sinn.
Mit Hexenspuk und Sprüchen seid
Und jedem Zauberkram bereit.
Ich muß zur Luft hinauf; die Nacht
Wird auf ein Unheilswerk verbracht;
Groß Werk vor Mittag werden soll.
Ein Tropfen, giftger Dünste voll,
An einem Horn des Mondes blinkt,
Den fang ich, eh er niedersinkt;
Der, destilliert mit Zauberflüchen,
Ruft Geister, die mit listgen Sprüchen
Ihn mächtig täuschen, daß Betörung
Ihn treibt zu eigener Zerstörung.
Schicksal und Tod soll er verachten,
Nicht kennen Furcht, nach Gnad nicht trachten.
hr wißt es ja, daß Sicherheit
Des Menschen Erbfeind jederzeit.

Musik hinter der Szene.

Fort jetzt! Dort sitzt mein kleiner Geist, o schaut,
In einer dunkeln Wolk und ruft mich laut.

Gesang hinter der Szene:

Komm herbei, komm herbei!
Hekate, o komm herbei!

HEKATE

Ich komm, ich komm, ich komme!
So schnell ich immer kann!
So schnell ich immer kann!

- Shakespeare, Macbeth

Hekate (2)

Hekate (3) Königin Persephone kann, im Gegensatz zu ihrem Gemahl, gnadenreich und mitleidsvoll sein. Sie ist dem Hades treu, hat aber von ihm keine Kinder und zieht ihm die Gesellschaft Hekates, der Königin der Hexen, vor. Selbst Zeus respektiert Hekate so sehr, daß er ihr niemals ihr altes Vorrecht streitig macht: Sie kann Sterblichen jede Gunst gewähren oder verweigern. Drei Körper sind ihr gegeben: der eines Löwen, eines Hundes und eines Pferdes . ...

Schließlich wurde sie nur noch in verbotenen Riten der schwarzen Magie, besonders auf Plätzen, an denen sich drei Straßen trafen, angerufen. Daß Zeus ihr nicht die Gabe nahm, Wünsche der Sterblichen zu erfüllen, ist ein Tribut an die thessalischen Hexen, die jeder fürchtete. - (myth)

Hekate (4) hatte Anteil an Himmel, Erde und Meer, wurde aber nie zu einer olympischen Göttin. Sie war mit dem Leben unserer Frauen und dadurch auch mit uns Menschen derart verbunden, daß sie kleiner erschien als die Frauen und Töchter des Zeus. Andererseits war ihr Herrschaftsbereich - namentlich das Meer, wo ihre urzeitlichen Liebschaften sich abspielten - so groß, daß der Olymp ihn ohnehin nicht fassen konnte. Wenn sie nicht auf den Straßen umging, weilte sie in ihrer Höhle. Das tat auch ihre Tochter Skylla, ein. Schrecken des Meeres. So erscheint sie wenigstens in Erzählungen unserer Schiffer, die damit den Bewohnern des Festlandes Furcht einjagen wollten. Denn sie selbst kannten die natürliche Beschaffenheit auch der gefährlichsten Stellen gut, und sie verbanden die große Göttin, die unter vielen Gestalten erscheinen, konnte, nicht bloß mit einem Ort.

Sie erzählten - und diese Erzählung ist uns in der Odyssee erhalten geblieben, aber derart übertrieben, daß die ursprünglich wohl dreigestaltige Göttin darin noch verdoppelt wurde -: es gäbe zwei Klippen, die eine ein hoher, himmelragender Felsen aus glattem Gestein, mit unsichtbarem Gipfel, in der Mitte die Höhle der Skylla. Nach Westen, nach der undurchdringlichen Finsternis des Erebos hin, öffne sich diese Höhle. Darin wohne die Skylla, fürchterlich bellend wie eine junge Hündin. Ihre zwölf Füße - soviel mußte eine verdoppelte Hekate haben - blieben unentwickelt. Die sechs schrecklichen Köpfe sitzen auf je einem langen Hals. In den Mündern stehen die tödlichen Zähne in drei Reihen. So fische sie, die Köpfe aus dem Schlund der Höhle hin-ausreckend und den Felsen absuchend, nach Delphinen, Seehunden oder noch größeren Seeungeheuern. Aus dem Schiff des Odysseus habe sie unversehens sechs Männer hinweggerafft und verschlungen, da dieser Held, durch die Zauberin Kirke belehrt, eher die andere Klippe mied. Auch darüber müssen einige Worte gesagt werden.

Unter der anderen Klippe hauste die Ckarybdis. Diese gehört schon völlig in die Erzählungen der Schiffer und kaum noch in die Mythologie, obwohl Homer sie die »göttliche Charybdis« nennt, mit demselben Beiwort (dia), mit dem er etwa die schöne Höhlennymphe Kalypso versieht. Dreimal täglich schlürfte die Charybdis das Wasser des Meeres in sich hinein, und dreimal täglich spie sie es wieder aus. Oben auf der Klippe, die bei weitem nicht so hoch war wie die gegenüberliegende der Skylla, stand ein wilder Feigenbaum. Die Charybdis selbst blieb unsichtbar. Es wurde später von ihr erzählt, sie sei eine Tochter der Gaea und des Poseidon gewesen, ein alles verschlingendes Ungeheuer, das die Rinder des Herakles raubte und dafür durch die Blitze des Zeus in die Tiefe des Meeres gestürzt wurde.

Ähnliches wird auch von der Skylla berichtet. Auch sie, die wilde Hündin, habe die Stiere des Herakles geraubt und sei darum vom Helden erlegt worden. Ihr Vater Phorkys habe sie wieder hergestellt, indem er zuerst den Leichnam der Tochter mit Fackeln verbrannte und ihn dann aufkochte. Darum fürchte sich Skylla nicht einmal vor der Unterweltskönigin Persephone. Eine ähnliche große Göttin muß in ihr wiedererkannt werden, wie es ihre Mutter war, die in Gestalt einer Hündin sich umhertreibende oder vom Gebell der Hunde begleitete Göttin Hekate. Wahrscheinlich ist Skylla in jenen Darstellungen ihrer ganzen Natur gemäß treu wiedergegeben, die sie in schöner Frauengestalt zeigen, bei den Hüften in Hunde und von den Hüften abwärts in einen Fischleib übergehend. Ist sie außerdem noch beflügelt, so paßt auch dies zu ihrer Natur, mit der sie nicht nur die Tiefen wie die Charybdis beherrscht, sondern auch die Weiten, die sich nach unten und nach oben erstrecken. - (kere)

 

Hexe Göttin Titanin

 

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