ykanthropie  Ein Fall von Lykanthropie Das verströmende blut hatte bereits den bach erreicht und fiel nun in einer überaus müden kaskade über dessen rand in das wasser..

Die männer nehmen ihre verwitterten hüte und mützen ab, sie umstehen andächtig den erlegten wolf, der jetzt allmählich in menschliche formen übergeht — so früh hat man noch in keinem herbst die jährliche summe gezogen. Ein herr aus Nantes ist es, dem diesmal seltenstes waidmannsheil zuteil wird.

Der weite himmel ist ziemlich bedeckt, nur hier und dort zeigt sich ein stückchen blau, da aber noch früher vormittag herrscht, besteht immerhin die möglichkeit für freundlicheres wetter. Durch das quäkende halali des herrn aus Nantes alarmiert, eilen nun auch die damen herbei, um das geschossene freak zu bestaunen. Je mehr ihr huch und hach durch den wald klingt, desto stiller wird das gekläff der hundemeute — der kleinste unter ihnen ist der letzte, er winselt eine weile vor sich hin, gradeso, als hätte er mit dem ungeheuer erbarmen, das doch so viele seiner brüder und schwestern gerissen hat und darüber hinaus die gezählten und ungezählten schafe seines herrn, abgesehen von dessen jüngster nichte, die eines schönen abends den weg von Kerlinnion zum sägewerk einschlug und nicht mehr zurückkehrte.

»Clélie hustete damals so stark . . « sagt fräulein Sandra Moncrieff, die auf herrn de F. 's gut zu besuch ist.

Aber nun, da die arme Clélie tot war und der werwolf tot war, hustete Clélie nicht mehr, und auch LeRoux, der werwolf, jaulte nicht mehr in warmen durchmondeten spätsommernächten, und die kleinen hasen trugen ihre velourhüte nicht mehr auf dem kopf zwischen den langen ohren, sondern in der rechten pfote, in trauer gesenkt, denn ihnen hatte LeRoux niemals etwas zuleide getan, und das farnkraut rötete sich in den zwölf mulden, und die verborgenen tollkirschen mußten von selbst abfallen, da kein wolf mehr da war, sie zu sammeln, sich zur freude und entspannung nach schwerem nachtdunklen werk, in jenen körbchen, die seine frau nichtsahnend geflochten und ihm aufs feld mitgegeben oder in den wald.

»Clélie hustete damals so stark«, sagt herr de F., »weil sie von ihrer krankheit, an der sie vergangenen winter gelitten hatte, noch nicht halb so hergestellt war, wie das einem so schönen jungen geschöpf von rechtens zusteht.

Die vögel beginnen plötzlich wieder zu singen, lange genug haben sie geschwiegen, aus der ferne, wahrscheinlich vom dorfe her, es ist sonntag, hört man die klänge einer bagad — biniou braz und bombard —, die über die abgeernteten felder bis hierher in den wald und auf jene bewußte lichtung dringen.

»Jetzt spielen sie zu allem überfluß ›kaloun al kaloun‹«, sagt herr C., der melodie und titel zu kennen scheint. »Allein, er kann ja nicht wissen, was dieses ›herz zu herz‹ bedeuten soll. «

»Ja«, sagt fräulein Moncrieff aus Ventnor, »Clélie wollte ihren husten mittels eines spazierganges durch den wald kurieren und lief sich dabei zu tode. Wäre ihr dieser abscheuliche herr LeRoux nicht in die quere gekommen, sie könnte heute noch leben, und ihr husten würde wahrscheinlich längst verheilt sein.«

Sie stößt dem erlegten werwolf, der bereits von den zehen bis zum nabel wieder mensch geworden ist, mit der spitze ihres jagdstiefels in die lenden, so haßt sie ihn. »Wir werden frische kiefernzweige in den schweiß des untieres tauchen und sie als trophäen an die hüte stecken, das ist eine alte sitte und jägerbrauch. sagt herr de F. nach einem gehörigen räuspern »Ausgezeichnet«, sagt herr von Frese, ein gast aus Deutschland, und bedient sich vom blut der erlegten bestie. »Ich bin sicher, unsere altvorderen hielten‘s nicht anders.«

Ich zögere einige kurze herzschläge, als die reihe an mich kommt, dann aber nehme ich den zweig, was soll‘s, und tauche ihn ebenfalls in das blut des sonderbaren wesens, das zu diesem punkt der stunde schon ein dreiviertel zu dem geworden ist, was herr LeRoux in seinem zivilen leben war. Man will eben vor den anderen nicht als außenseiter dastehen.

Und dann sagte der mann:
» Cælte, meine seele, weißt du auch, welches die zweite gefahr in diesem lande ist, die mich von allen ecken und enden her bedroht?«
» Was für eine zweite gefahr ist es, meine seele?« sagte Cælte.
»Es sind drei weibliche werwölfe, die jahr um jahr aus der höhle des Cruachu hervorkommen, um unsere widder und schafe zu fressen, aber es ist uns nicht möglich, sie zu stellen, bevor sie sich wieder in ihre höhle verkrochen haben. Glaube mir, wir würden den, der uns von ihnen befreit, als hochwillkommenen freund betrachten. «
» Cas Corach, meine seele«, sagte Cælte, » weißt du auch, wer diese drei wölfinnen in wirklichkeit sind?«
» Und ob ich das weiß«, sagte Cas Corach. »Es sind die drei töchter des Airitech, dem letzten der bande des schreckens, der in dieser verfluchten höhle des Cruachu seinen unterschlupf hatte. Und diese mädchen ziehen es verständlicherweise vor, lieber in wolfs- als in frauengestalt zu rauben und reißen. «
- (IRISCHER ANONYMUS, 12. JAHRHUNDERT), nach (dru)

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