eptil

Kriechtiere und Lurche

Die auf dem Bauche kriechen, sind mir freund:
Den breiten Leib mit winzigen Gliedern schleppen,
Durch Sümpfe züngeln und auf Felsentreppen
Nackt in der Sonne brüten, erdgebräunt.

Die Ringelnattern haben mich bekrochen,
Vom Unken meines Herzens angelockt,
Und Krötenaugen ganz von Gold durchbrockt
In Kerkernächten stumm mit mir gesprochen.

Weißt du, daß manche Kröten nachts wie Weiber singen?
Kennst du den bleichen Axolotl, der in Höhlen lebt?
Sahst du den Kamm des Molches, der vor Liebe bebt,
Und wie die Frösche sich in Brunst und Not bespringen?

Ein grüner Pfeil aus Kupfer, schnellt der Echsen Leib
Durch braune Brombeerstauden, die vor Hitze knistern -
Ich will dem Sumpf und Staube mich verschwistern -
Ein kühler Leib in Erde unter vielem Leib -

Ein Laich in Tümpeln, draus die Quappen schlüpfen,
Ein Larventier mit Kiemenbündeln zart —:
Ich weiß die Sterne, wo ihr große Götter wart
Und wo die Seelen eurer aufgefreßnen Väter hüpfen -

Wo Schlangen lautlos wie Geflecht vom Astwerk hingen,
Durch ihre Zungen geht ein dunkler Riß,
Selbst wenn sie ihre Opfer lebend schlingen,
Ist nur der Schmerz von einem Liebesbiß.

Einst stand ein Kind am Brunnen stumm gebückt,
Die Nacht mag seiner Glieder Schmäle saugen.
Das Tier am Boden, qualvoll totgedrückt,
Schwimmt selig durch den Tau aus seinen Augen.

- Carl Zuckmayer, nach: Das ABC der Tiere. Gedichte. Hg. Evelyne Polt-Heinz und Christine Schmidjell. Stuttgart 2003 (Reclam 18275)

Reptil (2) Da ging die Tür auf, und vor mir stand Professor Moriarty.

Meine Nerven sind in ganz ordentlicher Verfassung, Watson, aber ich muß bekennen, daß ich einen Schock bekam, als ich den Mann auf der Schwelle stehen sah, dem alle meine Gedanken galten. Sein Aussehen war mir geläufig. Er ist aufs fallend groß und schlank, seine Stirn wölbt sich weit und weiß vor, und seine Augen liegen tief in den Höhlen. Er ist glatt rasiert und blaß und wirkt asketisch; der ehemalige Professor ist unverkennbar. Seine Schultern hat das viele Studieren gebeugt, den Kopf streckt er weit vor und bewegt ihn ständig hin und her wie ein Reptil. Er sah mich an; in seinen Augen lag große Neugier.

›Ihr Gehirn ist weniger entwickelt, als ich dachte‹, sagte er endlich. ›Es ist eine gefährliche Angewohnheit, mit geladenen Feuerwaffen in der Tasche des Schlafrocks zu spielen.‹

Bei seinem Eintreten hatte ich sofort die große Gefahr erkannt. Sein einziger Ausweg war, mich zum Schweigen zu bringen. Ich hatte die Pistole aus der Schublade geholt und in die Tasche gesteckt und hielt sie durch den Stoff auf den Professor gerichtet. Bei seinen Worten nahm ich sie heraus und legte sie auf den Tisch.  - Arthur Conan Doyle, Sherlock Holmes' Untergang. In: A.C.D., Sherlock Holmes und der verschwundene Bräutigam. Berlin u.a. 1987 (Ullstein Tb. 20012, zuerst 1891)

Reptil (3)  Francie war ein gutes Stück, das muß ich schon sagen. Sie war bestimmt keine Katholikin, und wenn sie Moral hatte, dann die eines Reptils. Sie gehörte zu den Mädchen, die zum Ficken geboren sind. Sie hatte keinen Ehrgeiz, keine großen Wünsche, zeigte keine Eifersucht, machte sich keine Sorgen, war immer gutgelaunt und durchaus nicht unintelligent. Häufig, wenn wir abends im Dunkeln auf der Veranda saßen und uns mit den Gästen unterhielten, setzte sie sich, nackt unter ihrem Kleid, auf meine Knie, und ich steckte ihn ihr hinein, während sie mit den anderen lachte und plauderte. Ich glaube, sie hätte die Stirn gehabt, es in Gegenwart des Papstes zu treiben, wenn sie dazu Gelegenheit gehabt hätte. Nach ihrer Rückkehr in die Stadt, wo ich sie zu Hause aufsuchte, führte sie dasselbe Kunststück vor ihrer Mutter auf, deren Augen zum Glück schlecht waren.    - (wendek)

Reptil (4)  Die süchtigen Kunden der Mugwumps werden als ›Reptilien‹ bezeichnet. Einige von ihnen haben sich im Lokal mit ihren elastischen Knochen und ihrem schwarz-rosa gesprenkelten Fleisch über die Stühle drapiert. Hinter jedem Ohr wächst ihnen ein fächerförmiger Fühler aus grünem Knorpel heraus, bedeckt von erogenen Strudelhärchen, mit denen sie die Flüssigkeit aufnehmen. Diese Fühler ermöglichen ihnen zugleich auch eine Art Kommunikation — sie werden von unsichtbaren Strömungen gesteuert und senden Signale aus, die nur Reptilien verständlich sind.   - (lun)

Reptil (5)  Wie die übrigen Tiere zum Dienste des Menschen erschaffen sind, so dienen die Reptilien der Erde und unterstützen sie, indem sie sie durchbohren, so daß das Wasser und der Regen sie befeuchten kann. Deshalb liegen sie auch immer an feuchten Orten in der Erde und erwärmen sie mit ihrem Atem und befeuchten sie mit ihrem Schaum und Schweiß, so daß die Erde davon ein wenig gekräftigt und zusammengehalten wird. Daß aber giftige Würmer darunter sind, kommt von dem üblen Geruch und der Fäulnis der Erde ... Denn der Schmutz und die Fäulnis fließen in ihr Inneres, und davon entstehen in ihr die giftigen Würmer, wie auch vom Eiter des Menschen Würmer wachsen, die ihn schädigen. Diese Würmer haben fast gar keine Knochen, denn das Gift vertritt in ihnen die Stelle der Knochen und des Blutes und stärkt sie. Verschiedene von ihnen sind unbehaart, weil sie aus der Feuchtigkeit der Erde geboren werden, in der Erde sind und ihre Oberfläche meiden.  - (bin)

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