raumjäger  - Sekte chasarischer Priester, deren Schutzherrin Prinzessin Ateh war. Sie verstanden sich darauf, fremde Träume zu lesen, in ihnen zu wohnen wie im eigenen Haus und, während sie durch sie hindurcheilten, auf Wild Jagd zu machen, das ihnen aufgegeben war — auf einen Menschen, eine Sache oder ein Tier.

Die Aufzeichnung eines der ältesten Traumjäger blieb erhalten, sie lautet: »Im Traum fühlen wir uns wie ein Fisch im Wasser. Von Zeit zu Zeit tauchen wir aus dem Traum auf, streifen mit dem Auge die Welt am Ufer, doch dann wieder sinken wir mit Eile und begierig, denn wohl fühlen wir uns nur in den Tiefen. Während dieses kurzfristigen Auftauchens gewahren wir ein seltsames Geschöpf auf dem Festland, das, träger als wir, gewohnt ist, auf andere Art zu atmen, und mit all seiner Schwere festgeleimt ist an sein Land, dabei der Lust beraubt, in der wir wie im eigenen Körper leben. Denn hier unten sind Lust und Körper unzertrennlich und ein und dasselbe. Jenes Geschöpf da droben, auch das sind wir, doch wir in einer Million von Jahren, auch liegt zwischen uns und ihm neben den Jahren ein furchtbares Unheil, das über jenes droben hereinbrach, als es seinen Körper von der Lust trennte...«  - (pav)

Traumjäger (2)  Der Kagan verachtete diese Sekte, die der Partei der chasarischen Prinzessin Ateh angehörte, und er verglich die armselige Arbeit der Traumjäger mit der griechischen Geschichte von der mageren Maus, die wohl behend durch das Loch des Kornspeichers schlüpfte, die jedoch, nachdem sie sich sattgefressen hatte, vollen Bauches nicht wieder hinausgelangte: »Aus dem Kornspeicher hinaus gelangst du nicht, wenn du satt bist. Nur hungrig gelingt es dir, dergestalt, wie du hineingelangtest. So auch jener Traumschlucker; hungrig schlüpft er leicht durch den engen Spalt zwischen Traum und Wirklichkeit, hat er sich dort aber sattgejagt an Beute und sattgepflückt an Früchten, so vermag er, gesättigt an Träumen, nicht zurückzukehren, denn hinaus gelangst du nur als der, als der du auch hineingelangtest. So muß er seine Beute zurücklassen oder für immer in den Träumen verweilen. Weder in dem einen noch in dem anderen Fall ist er für uns von irgendeinem Nutzen...«  - (pav)
 
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