tillleben

 

- Antoine Wiertz

Stilleben  (2)  Auf einer dunklen Fläche steht ein wenig schräg, doch aufrecht im Zuschnitt seines Rahmens ein zerbrochener, beziehungsweise durchstoßener Spiegel, dem etwa die Hälfte seines Lichtes fehlt. Die angesplitterte Bruchlinie verläuft diagonal von der oberen linken zur unteren rechten Ecke. Der verblaßte Goldrahmen besteht aus stufenartig abfallenden Leistchen. Von dessen Basis ausgehend befindet sich im Vordergrund ein hingeworfener roter Lappen, dessen träge Drapierung sich dem Betrachter zuwendet. An den Seiten zwei kleine dunkelblaue Schalen, in der rechten eine einzige fast verwelkte Blume, die ihren Kopf über den Rahmen neigt, in der anderen ein trockenes, schütteres fahlrotes Kraut. Im Hintergrund erkennt man durch den Spiegel hindurch einen dämmerigen, stürmischen violetten Himmel, von dem eine Schar Raben herunterstößt, deren erste bereits in dem Rahmen gefangen zu sein scheinen.

Sinnlos, es zu kaschieren: der Spiegel ist eine Tür mit ihrer Schwelle und ihren Stufen, die Bruchlinie ein Blitz, der rote Lappen eine Blutlache, das getrocknete Kraut ein Totenfeuer, und die Raben eilen zum Tod der Blume. - Tommaso Landolfi, Ombre. Nachbemerkung zu  T.L., La biere du pecheur. Das Bier des Fischers oder Die Bahre des Sünders. Reinbek bei Hamburg 1994 (zuerst 1953)

Stilleben  (3)  
 

Mein Begräbnis
(Stilleben)

Nun als Krämer gekleidet
eines Kolonialwarenladens, beweinen
(es tanzt die Kichererbse in meinem Sarg,
die Linse in meiner Tasche.
Hundert Wagen abfahrtbereit in langer Reih.
In einem Taxi der Erzbischof.
Die Sprachakademie,
sprachlos auf ihrem Fahrrad),
beweinen mich die Trambahnschaffner
- Klingeln in der Schwebe
des Abends -, die Schornsteinfeger
und die Nachtwächter des Nachtfrosts.

In meinem Sarge gähn ich, ein toter
Karpfen, welch stumpfsinnige Reise
(sagt mir den Zusammenstoß
des Tages her, den letzten Schrei!),
Reise für einen Cherubin,
der Gewürzwaren Sonne
(meine Liebe den feinschmeckerischen
Jungfraun an den Herden!
Ihr Schmortöpfe voll glühenden Monds!
Pfannen gebratener Dämmerung! ),
von vier gesottenen Gänsen
gezogen zum Paradies!

 - Rafael Alberti, nach (mus)

Stilleben  (4)

- Clovis Trouille

Stilleben  (5)

- Gerhard Richter

Stilleben  (6)  Dick fuhr eine schwarze Chevrolet-Limousine, Baujahr 1949. Als Perry einstieg, suchte er auf dem Rücksitz nach seiner Gitarre. Am Abend vorher hatte er bei einer Party vor Dicks Freunden gespielt und sie dann im Wagen vergessen. Es war eine alte Gibson-Gitarre, mit Sandpapier glattgerieben und honiggelb gewachst. Daneben lag ein anderes Instrument - ein halbautomatisches Gewehr, Kaliber .12, nagelneu, mit blauem Lauf. In das Holz des Kolbens war eine Jagdszene gebrannt, Fasanen im Flug. Eine Taschenlampe, ein Jagdmesser, ein paar Lederhandschuhe und eine Jagdweste mit gefüllten Patronengurten vervollständigten das seltsame Stilleben.

«Die trägst du?» fragte Perry und zeigte auf die Weste.

Dick klopfte mit den Knöcheln gegen die Windschutzscheibe. «Tschuldigung, Sir. Wir waren auf der Jagd und haben uns verirrt. Könnten wir mal telefonieren..,»

«Si, señor. Yo comprendo.»

«Kleinigkeit», sagte Dick. «Ich sag dir, damit blasen wir denen die Grütze aus die Ohren, wie nix.»

«Aus den Ohren», sagte Perry. Er hatte es mit Wörterbüchern.  - (cap)

Stilleben  (7)

- John Bratby

Stilleben  (8)
 

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