bjekt   Neulich träumte mir schrecklicherweise, ich habe eine Frau, ich lachte sie aus, daß sie die Zeitung unaufgeschnitten lese und Jahrelang eine Schublade dulde, die nicht geht. Hierauf hielt sie mir eine Geduldpredigt und verlangte, ich solle zur Übung dieser Tugend an meinem Rock statt Knopflöcher und Knöpfe Schrauben und Schraubenmutter tragen, die sich ja ganz elegant von blau angelaufenem Metall herstellen ließen, oder auch Pfropfe, und ich konnte jedes mal, wenn ich den Rock offnen wolle, jene mit einem Schraubenschlüssel, diese mit einem Pfropfzieher aufmachen - O was! ein Weib ist fähig, über einen Schrank einen Teppich so zu legen, daß er über die oberste Schublade überhangt und, sooft diese gezogen und geschlossen wird, sich einklemmt! Mein Herr, das Weib hat Zeit für den Kampf mit dem Racker Objekt, sie lebt in diesem Kampf, er ist ihr Element, ein Mann darf und soll keine Zeit hierfür haben, er braucht seine Geduld auf für das, was der Geduld wert ist Über die Zumutung, beides zu verwenden an das Unwerte, kann, darf, soll er wüten! Sie können doch wissen, daß die elenden Objekte, diese Igel, diese Nickel, sich nie lieber einhaken, als wenn wir die höchste Eile haben, etwas fertigzubringen, was notig und vernünftig ist! Elender Bettel, mchtswurdiger Knopf oder Knäuel eines Bandeis, Lorgnettenschnur, die sich um meinen Westenknopf wickelt, just, wenn es auf der Eisenbahn aufs äußerste eilt, einen klein gedruckten Fahrplan nachzusehen, ich hab ja keine Zeit, keine Zeit für euch! Und wenn ich tausend Blutigel an die Ewigkeit setze, sie ziehen mir nicht eine Sekunde Zeit für euch heraus! - Friedrich Theodor Vischer, nach: Vom Geheimnis der alltäglichen Dinge. Hg. Johannes Werner. Frankfurt am Main 1998

Objekt (2)   Hall legte vier Gegenstände auf Commander Morrisons Schreibtisch: ein Mikroskop, ein Handtuch, einen Metallgürtel und einen rot-weißen Läufer.

Nervös wich sie zurück. »Major, sind Sie sicher?«

»Sie sind ungefährlich, jedenfalls jetzt. Das ist das Sonderbarste an der Sache. Dieses Handtuch. Vor ein paar Stunden wollte es mich umbringen. Ich konnte mich nur retten, indem ich es mit meiner Sprengschußwaffe in alle Einzelteile auflöste. Und jetzt ist es wieder da. So wie es vorher war. Völlig harmlos.«

Captain Taylor berührte mißtrauisch den rot-weißen Teppich. »Das ist mein Teppich. Ich hab ihn von Terra mitgebracht. Ein Geschenk meiner Frau. So etwas - so etwas hätte ich ihm nie zugetraut.«

Sie sahen einander an.

»Den Teppich haben wir auch vernichtet«, bemerkte Hall.

Es herrschte Schweigen.

»Aber was hat mich dann angegriffen«, fragte Captain Taylor, »wenn nicht der Teppich?«

»Es sah aus wie dieser Teppich«, sagte Hall langsam. »Und was mich angegriffen hat, sah aus wie dieses Handtuch.«

Commander Morrison hielt das Handtuch ins Licht. »Ein ganz gewöhnliches Handtuch! Das kann Sie unmöglich angegriffen haben.«

»Natürlich nicht«, stimmte Hall zu. »Wir haben diese Gegenstände allen erdenklichen Tests unterzogen. Sie sind wirklich das, was sie zu sein scheinen, alles ist unverändert. In sich völlig stabile anorganische Objekte. Es ist absolut ausgeschlossen, daß irgendeins dieser Objekte zum Leben erwacht ist und uns angegriffen hat.«

»Aber irgend etwas hat mich angegriffen«, sagte Taylor, »daran gibt es keinen Zweifel. Und wenn es nicht der Teppich war, was dann?«  - Philip K. Dick, Kolonie. In: P.K.D., Kolonie. Sämtliche Erzählungen Band 2. Zürich 1999

 

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