ame, geheimer   Es gab  in Latium einen alten Glauben, demzufolge Rom mehrere Namen haben mußte.

Der profane Name, Roma, der auf Griechisch Kraft bedeutet, wie auch der Tiber auf Etruskisch Rumon hieß und jedes Jahr die Ficus Ruminalis wieder grün wurde, drückte beinahe aus, welchem Gott die Stadt geweiht war. Messalina hatte als Kind von den Vestalinnen die priesterliche Anrufung gelernt: Flora.

Doch es gab einen geheimen, schrecklichen Namen, den auszusprechen bei Todesstrafe verboten war (man machte dem Volk weis, daß es Valentia oder Angeroma sein könnte), der gleichzeitig der Name des Gottes der Stadt war. Und die Priester lehrten, der Tag, da der Name ausgesprochen werde, sei auch der Tag, wo die Schutzgottheit verschwinde und, dem sakralen Wortlaut zufolge, anderswo einen umfassenderen Kult suchen würde.

Deshalb hatte sich, obwohl niemand diesen Namen kannte, aus Furcht vor einem unglücklichen Zufall der Brauch eingebürgert, zu sagen: »Die Stadt.« Und das profane Wort Roma verhüllte wie eine Maske die Giebel der Denkmäler, wo eine Inschrift die Stadt beim Namen nennen mußte.

Nun hatte aber Messalina in ihrem goldenen Spiegel, dieser Stadtmünze, den kaum geahnten, als Namen der Stadt nie ausgesprochenen heiligen Namen des Gottes der Stadt, des geschiedenen Gottes, soeben als Inschrift gelesen (doch die Krise war so unvermittelt, daß ihre Lippen nicht buchstabierten): das letzte "Wort der Zueignung über der Säulenhalle der Lucullischen Bibliothek, das der Spiegel zurückwarf:

 

- (mes)

Name, geheimer (2)  Das ist der uralte Traum der Kabbalisten, nur durch unendliche Kombination einer endlichen Reihe von Buchstaben konnte man hoffen,den geheimen Namen Gottes auszudrücken. 1622 errechnete Pierre Guldin (Problema arithmeticum de rerum combinationibus), wie viele Wörter man mit den damals gebräuchlichen 23 Buchstaben des Alphabets bilden könnte, wenn man sie zu zwei und zwei, zu drei und drei und so weiter zusammenstellte bis hin zu Wörtern mit 23 Buchstaben. Er kümmerte sich nicht darum, ob die generierbaren Wörter einen Sinn hatten oder aussprechbar waren, und er kam auf eine Zahl von übersiebzigtausend Milliarden Milliarden (um die zu schreiben eine Million Milliarden von Milliarden Buchstaben erforderlich waren). Wollte man all diese Wörter in Hefte mit 1000 Seiten schreiben, die 100 Zeilen pro Seite und 60 Buchstaben pro Zeile haben, würde man 257 Millionen Milliarden Hefte dieses Umfangs benötigen; und wollte man sie unter Verwendung von Kuben von jeweils 133 Meter pro Seite in einer Bibliothek aufstellen, die 32 Millionen Bände fassen kann, so würde man 8 052 122 350 Bibliotheken benötigen. Aber welches Reich könnte so viele dieser Gebäude fassen? Auf der gesamten Erdoberfläche würden nur 7 757 213 799 Platz finden!  - (eco)

Name, geheimer (3) «Unsere wirklichen Namen sind ein Geheimnis, wir nennen sie unsere Kriegernamen. Ein naher Verwandter sucht diesen Namen aus, wenn man noch ganz klein ist. Einen Namen, der zur Persönlichkeit des Kindes paßt, soweit sich das schon erkennen läßt. Höchstens ein halbes Dutzend Leute erfährt jemals den Kriegernamen eines Navajos. Er wird nur bei bestimmten Zeremonien benutzt: Wenn ein Mädchen ihr kinaalda, ihr Pubertätszeremoniell, erhält oder wenn ein Gesang für jemanden abgehalten wird. Später verwenden die Leute einen Spitznamen, wenn sie von einem reden. Zum Beispiel ‹Schreihals-Baby› oder ‹Schneller Fuß› oder auch ‹Langhand› oder ‹Der Häßliche›.» Chee lachte. «Ich habe einen Onkel von der Vaterseite, der von allen nur ‹Der Lügner› genannt wird.»  - Tony Hillerman, Tod der Maulwürfe. Reinbek bei Hamburg 1997

 

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