Ichzerfall    Nepenthes gab Helena den Helden beim Mahl, sicher ein Opiumpräparat, wenn die Stimmung sank, oder den Kriegern vor der Schlacht - ah, auch meine Schlacht beginnt - erst kommen Felder, bunt wie Edelsteine, dann rote Vögel ~ eine Wirklichkeit rein aus Gehirnrinde -, Kreuzmuster sind besonders häüfig - "das müßten Juweliere und Künstler sehen, die könnten daraus Muster nehmen", die Farben werden feiner, von den Flächen hängen Schnüre, aus den Dingen blicken Wunder her. Das Ich zerfällt, die Zerfallstellen sind die frühen Anlagerungsflächen. Weltallhafte Kälte, erhaben und eisig, entsteht im Gefüge, bei Glut in der Mittelachse; Empfinden von Gliederverlängerung und -Verkürzung, Schwellungs-und Keulengefühle; gleichzeitig Schwellenverfeinerung: Eindrucksansturm, Fremdanregbarkeit, gerichtet auf etwas Universales, ein Allgefühl -: „Gefühl des Mittags". Die Sinne verwechseln ihre Kompetenzen; „mit dem Schlag der Uhr taucht purpurne Farbe auf" - abwechselnd Verschmelzungs- und Abstandserleben; Durchkreuzungen der Ichhaltung, affektfremdes Lächeln, objektlose Tränen. Fähigkeitsgefühle: „die Lösung unklar geahnter Problerne scheint bevorzustehen" - „überall der unerhörte Jubel einer starken Harmonie" - „Herr, laß mich blühen".

Ein anderer: „Eine große Spannung kam über mich. Es mußte sich mir Großes enthüllen. Ich würde das Wesen aller Dinge sehen, alle Probleme des Weltgeschehens würden sich enthüllen. Ich war entsinnlicht." Spaziergang eines Gottes am Po entlang. „Goldenes Spätnachmittagslicht." Dann: „Nur Schönheit im ewigen Umgestalten von Formen und Farben. Ein zunehmendes Gefühl der Befreiung kam über mich. Hierin mußte sich alles lösen, im Rhythmus lag letzten  Endes das   Weltgeschehen."  - Gottfried Benn, Provoziertes Leben (entst. 1943)

Ich Zerfall

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