onnengott   IM JAHRE 218 wurde der vierzehnjährige Heliogabalus zum römischen Kaiser ausgerufen, der sich unter diesem syrischen Namen als Sonnengott anbeten ließ. Bei Aelius Lampridius erfahren wir: »Er kannte keinen anderen Lebenszweck als die Erfindung neuer Genüsse.« Die Tischpolster waren mit Hasenhaar ausgestopft oder mit den feinen Federn, die unter den Flügeln der Rebhühner sitzen. Heliogabalus aß Kamelfersen, Pfauen- und Nachtigallenzungen, Flamingohirne, Meerbarbenbärte.

»Seine Parasiten ließ er mit Veilchen und andern Blumen dergestalt überschütten, daß einige, die sich darunter nicht emporarbeiten konnten, den Geist aufgaben.«

Schiffsgefechte auf weingefüllten Zirkuskanälen. Eine Abendmahlzeit kostete nie weniger als 100 000 Sesterzen.

»Seine Parasiten ließ er an ein Wasserrad binden und während des Umschwungs desselben bald unter das Wasser tauchen bald wieder in die Höhe heben, daher er sie seine ixionischen Freunde nannte.«

Hofschauspieler, welche die Rolle der Ehebrecher spielten, ließ er die gewöhnliche Strafe nicht dem Scheine nach, sondern wirklich erdulden.

»Seinen Parasiten ließ er Mahlzeiten aus Glasspeisen hinstellen, und ihnen zuweilen ebenso viele Handtücher geben, als Gerichte kommen sollten, worein die auf die Tafel zu stellenden Speisen entweder gestickt oder gewoben waren. Zuweilen jedoch wurden ihnen auch Gemälde von Speisen gezeigt, als wenn diese alle für sie auf die Tafel kommen sollten, während sie doch vor Hunger verschmachteten.«

Er meinte es wirklich nicht gut mit uns. Als Jahresgeschenke ließ er uns in Gläsern Skorpione, Frösche und Fliegen überreichen.

Schließlich ließ er sich einen hohen Turm errichten und an dessen Fuß mit Gold und Edelsteinen reich besetzte Bretter ausbreiten, um sich zu Tode zu stürzen. Aber soweit kam es nicht mehr. Er wurde von seinen Prätorianern ermordet, an einem Haken durch Rom geschleift und in den Tiber geworfen. - (para)

Sonnengott  (2) Wer  in Apollon den Sonnengott sieht, der soll ihn wegen seiner herrlichen Schönheit lieben und verehren; er stellt sich den Gott ja gerade unter der Gestalt vor, die er unter allen, die er kennt und ersehnt, am innigsten verehrt. So wollen wir uns denn aus dem schönsten aller Träume, in dem wir den Gott träumten, wecken und einander begeistern, um uns emporzuschwingen und ihn in seinem wahren Sein und Wesen zu betrachten. Ehren und verehren sollen wir aber auch sein Abbild und dessen Schöpferkraft, die durch die Wahrnehmung das Denken und durch die Bewegung das Bleibende schafft; auch Vorstellungen und Bilder von der Güte und Seligkeit des Gottes strahlt sein Abbild uns entgegen.

Wollte man aber die Schauergeschichten anhören von den Änderungen und Wandlungen seines Wesens, wenn er mit dem Weltall zusammen, wie erzählt wird, im Feuer aufflammt, dann wieder sich hinabstürzt und sich ergießt in Länder und Meere, in Stürme und Lebewesen und in die Leiden der Tiere und Pflanzen, so wäre es Sünde. Oder Gottes Werk wäre nicht besser als Kindesspiel, von dem der Dichter erzählt, wie es den Sand auftürmt und ihn in fröhlicher Lust selbst wieder auseinanderwirft. Triebe nicht auch der Gott solches Spiel mit dem Weltall, wenn er die Welt aus dem Nichts heraus erschaffen und die gewordene immer wieder zerstören wollte? Es ist doch im Gegenteil so, daß das Göttliche, das irgendwie der Welt innewohnt, das Wesen der Welt zusammenhält und die Schwäche des Weltkörpers, die der Auflösung entgegeneilt, meistert. - (plu)

Sonnengott  (3)  Eines Tages, Anfang 1965, saß ich in Liverpool in einem Pub, ganz in der Nähe des Odeon-Kinos, und ich hörte einen Lärm wie Donner.

Ich ging hinaus und blickte mich um, aber ich konnte nichts sehen. Ich hörte nur Donnergetöse, das langsam näher kam, und dann noch, entfernter, ein anderes Geräusch wie eine wimmernde Sirene. Also wartete ich, aber nichts geschah. Die Straße blieb leer.

Schließlich, nach vielleicht fünf Minuten, kam ein Auto um die Ecke, eine große, protzige Limousine, und ihr folgten Polizeiwagen, Polizisten zu Fuß und Polizisten auf Motorrädern, und ihnen wiederum folgten mehrere Hundert weibliche Teenager. Und diese Mädchen machten einen nicht abbrechenden, schrillen und durchdringenden Lärm, und ihre Schuhe klapperten auf den Steinen. Sie rannten wie wahnsinnig, die Haare fielen ihnen über die Augen, und sie streckten flehentlich die Arme aus beim Laufen. Sie waren verzweifelt.

Die Limousine kam die Straße hinauf auf mich zu und hielt direkt vor dem Bühneneingang des Odeon. Die Polizei sperrte alles ab. Dann öffnete sich der Wagenschlag, und die Rolling Stones stiegen aus, alle fünf, und Andrew Loog Oldham, ihr Manager, und sie waren einfach nicht wahr. Sie hatten Haare bis weit über die Schultern, und sie trugen Sachen in allen vorstellbaren Farben, und sie sahen gemein aus, sie sahen einfach unwahrscheinlich böse aus.

In dieser grauen Straße strahlten sie wie die Sonnengötter. Sie schienen nicht menschlich, sie waren wie Geschöpfe von einem anderen Stern, unmöglich zu erreichen oder zu verstehen, unglaublich exotisch, ungeheuer schön in ihrer Häßlichkeit.

Sie gingen hinüber zu der Bühnentür, und das war der Augenblick, auf den die Mädchen gewartet hatten, das war ihre Chance. Also begannen sie zu drängen und zu kreischen und zu zerren. Aber dann hielten sie inne, sie schienen wie erstarrt. Die Stones starrten nur geradeaus, zeigten keine Regung, und die Mädchen starrten nur mit offenem Mund. Fast, als seien die Stones unberührbar, als seien sie geschützt von einem unsichtbaren Metallring. Sie gingen weiter und verschwanden. Und die Mädchen hinter ihnen ließen die Köpfe hängen und waren still. Nach ein paar Augenblicken fingen manche an zu weinen.  - (awop)

Sonne Gott
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