hantom  Wasserjungfer, die du mich in meiner Einsamkeit erheiterst, sagt man nicht deinetwegen an gewissen Tagen voller Regen und Sonnenschein, der Teufel schlüge seine Frau? Hat der Teufel also auch Vorurteile und seine Frau keine Skrupel? O Libelle, deine Liebe, deine ganze Liebe wiegt wohl nicht viel schwerer als ein Skrupel, und doch liebt ihr euch, Wasserjungfer und Teufelin. Der Teufel selbst wird an gewissen Tagen so klein, daß er nicht einmal mehr so schwer wiegt wie ein Skrupel, wie deine Libellenliebe; und dieser kleine Teufel reitet dich an gewissen Tagen. Ich bin keine Teufelin, nicht einmal eine Zauberin, sondern eine Verzauberung, ich habe jede Mannesliebe zurückgewiesen, so wie du und die Teufelin auch, ich habe die Liebe des Zauberers getäuscht. Ich bin wie du und die Teufelin; ich finde, der Teufel, der Zauberer und alle Männer sind zu alt. Kein Mann vermag uns zu lieben, denn wir gehören alle einem anderen Zeitalter an, uralten Zeiten oder zukünftigen Zeiten. Die Männer halten uns alle für Phantome; was macht man mit Phantomen? Man verlangt, daß sie weissagen, man hat Angst vor ihnen, und nach einiger Zeit versucht man sich ihrer zu bemächtigen. Ach, wie kann man sich eines Phantoms bemächtigen. Und wenn es sechs Männer wären, könnten sie das Phantom nicht packen. Aus diesem Grunde, wegen dieses Mangels an Feingefühl, sind wir ohne Liebe, ohne Freundschaft. Was uns zermürbt, ist die Tatsache, daß wir als Phantome betrachtet werden, die höchstens zum Weissagen taugen. Das Gebären ist unsere beste Weissagung, die genaueste und unsere ureigenste. Das wissen die Männer. Das wahre Unrecht des Teufels, des Zauberers und aller Männer besteht darin, daß sie uns für Phantome halten, daß sie uns wie Phantome behandeln, obwohl wir doch nur fern sind, aber fern in die Zukunft hinein und in die Vergangenheit zurück, so daß der Mann das Zentrum unserer Entfernung ist; wie ein Kreis umgeben wir ihn. Man kann sich nicht des Frühlings bemächtigen, man lebt in ihm, im Zentrum seiner Entfernung, und man nennt den schönen blühenden Frühling nicht ein Phantom. Der Mann müßte in uns leben wie der Frühling. Den Frühling hat er nicht immer, aber uns hat er immer: eine Verzauberung, die Teufelin oder die Libelle. Statt dieses schöne Leben zu genießen im Zentrum unserer Entfernung, versucht er, sich unsrer zu bemächtigen für die Liebesumarmung. - (apol)

Phantom (2)

Phantom

"Ganzes Phantom mit unbekleidetem Medium"

 - Albert Freiherr von Schrenck-Notzing: Materialisationsphänomene. Ein Beitrag zur Erforschung der mediumistischen Teleplastie. München 1914

Phantom (3) Athamas der Aioler, der Bruder des Sisyphos und des Salmoneus, regierte über Boiotien. Auf Befehl Heras heiratete er Nephele, ein Phantom, das Zeus als ihr Abbild geschaffen hatte, als er Ixion, den Lapithen, täuschen wollte, und das nun trostlos durch die Hallen des Olympos wandelte. Nephele gebar Athamas zwei Söhne: Phrixos und Leukon, und eine Tochter, Helle. Aber Athamas war über die Verachtung, die Nephele ihm zeigte, verärgert und verliebte sich in Ino, die Tochter des Kadmos. Er brachte sie heimlich zu seinem Palaste am Fuße des Berges Laphystion, wo er mit ihr Learchos und Melikertes zeugte.

Als Nephele durch die Palastdiener von ihrer Nebenbuhlerin erfuhr, kehrte sie zornig zum Olymp zurück und klagte Hera diese Beleidigung. Hera nahm für sie Partei und schwur: «Meine ewige Rache soll auf Athamas und sein Haus fallen!»

Daraufhin kehrte Nephele zum Berge Laphystion zurück, wo sie öffentlich Heras Eid verkündete und Athamas' Tod verlangte. Aber die Männer Boiotiens, die Athamas mehr als Hera fürchteten, wollten nicht auf Nephele hören. Die Frauen Boiotiens waren Ino ergeben, von der sie nun überredet wurden, das Saatgut ohne Wissen ihrer Männer zu versengen, auf daß die Ernte mißlingen sollte. Ino sah voraus, daß Athamas, wenn die Zeit zum Keimen des Korns gekommen war, aber keine Pflanze erschiene, das Delphische Orakel befragen würde, um den Grund dafür zu erfahren. Sie hatte bereits die Boten des Athamas bestochen, eine falsche Antwort zurückzubringen. Sie sollten berichten, daß das Land wieder fruchtbar werden würde, wenn Phrixos, der Sohn Nepheles, Zeus auf dem Berge Laphystion geopfert werde.

Phrixos war ein schöner Jüngling, in den sich seine Tante Biadike, die Gemahlin des Kretheus, verliebt hatte. Als er ihre Annäherungen zurückwies, klagte sie ihn der versuchten Vergewaltigung an. Die Männer Boiotiens glaubten der Geschichte Biadikes und priesen Apollons weise Wahl eines Sühneopfers. Sie verlangten, daß Phrixos sterben sollte; woraufhin Athamas laut weinend Phrixos auf den Berggipfel führte. Er wollte gerade seine Kehle durchschneiden, als Herakles, der zufällig in der Nähe war, heraneilte und das Opfermesser seiner Hand entwand. «Mein Vater Zeus», rief Herakles aus, «verabscheut Menschenopfer!» Trotzdem hätte Phrixos sterben müssen, wäre nicht ein geflügelter goldener Widder, den Hermes auf Befehl Heras — oder wie manche sagen, auf Befehl des Zeus selbst — gesandt hatte, plötzlich vom Olymp zu seiner Rettung niedergeflogen.

«Steige auf meinen Rücken!» rief der Widder, und Phrixos gehorchte.

«Nimm auch mich!» bat Helle. «Laß mich nicht zurück in den Händen meines Vaters.»

Da zog Phrixos sie auf den Widder, und dieser floh nach Osten, zum Lande Kolchis, wo Helios seine Pferde hält. Doch dauerte es nicht lange, und Helle wurde schwindlig. Sie verlor den Halt und stürzte in die Meeresenge zwischen Europa und Asien, die ihr zu Ehren Hellespont genannt wird. Phrixos kam sicher in Kolchis an und opferte den Widder Zeus, dem Retter. Das goldene Widderfell wurde berühmt, als eine Generation später die Argonauten kamen, es zu suchen.

Überwältigt von dem Wunder auf dem Berge Laphystion gestanden die Boten des Athamas, daß sie von Ino bestochen worden wären, eine falsche Antwort von Delphi zu bringen. So kamen all ihre Schlauheit und die Verderbtheit der Biadike zutage. Wieder verlangte Nephele, daß Athamas sterben sollte, und das Opferband, das Phrixos getragen hatte, wurde auf sein Haupt gesetzt. Nur das erneute Eingreifen des Herakles rettete ihn vor dem Tode.

Hera war über Athamas erzürnt und trieb ihn zum Wahnsinn. Es war nicht nur Nepheles wegen, sondern auch, weil er Ino geholfen hatte, das Kind Dionysos zu verstecken, den Bastardsohn des Zeus mit ihrer Schwester Semele, das als Mädchen verkleidet in dem Palaste lebte. Athamas ergriff in seinem Wahn einen Bogen und rief aus: «Siehe, ein weißer Hirsch! Tritt zurück, während ich schieße!» Er sprach dies aus und durchbohrte Learchos mit einem Pfeil. Dann machte er sich daran, den noch zitternden Körper in Stücke zu reißen.

Ino riß ihren jüngeren Sohn Melikertes an sich und floh. Aber sie wäre der Rache des Athamas kaum entkommen, hätte das Kind Dionysos ihn nicht geblendet, so daß er irrtümlich eine Ziege an ihrer Stelle zu peitschen begann. Ino rannte zum Molurischen Felsen, von dem sie in das Meer sprang und ertrank. Dieser Felsen wurde später ein Platz üblen Rufes, denn der wilde Skiron pflegte von ihm Fremdlinge ins Meer zu stürzen ... - (myth)

 

Erscheinung Gespenst

 

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Trugbild