Negerstadt  Laut dem alten Ebo, der in seiner Jugend zweimal dort war, ist es eine weltoffene Stadt: Palmwein, Fleisch und sulu-Bier in Hülle und Fülle, überall erklingt lüsternes Lachen, Fetzen von Liedern, das Kreischen von Hahnenkämpfen, in den Gassen drängen sich Huren, die Halsreifen aus Messing tragen und deren Haut sich anfühlt wie ein Brunnengrund. Es gibt Jongleure und Zwerge und Akrobaten, Männer, die Hühnern den Kopf abbeißen, unbeschreibliche Wunder. In Segou fließt das Wasser bergauf. Die Menschen dort sprechen rückwärts. Unzucht herrscht in den Straßen, in den Gassen, in den Höhlen des Lasters. Juwelen liegen, wie Kiesel herum. Man pflastert die Straßen mit Marmor, die Händler speisen von vergoldeten Tellern, essen kann man, was das Herz begehrt: Geflügel und pochierter Fisch, Eier, Hammel, Reis. Und dann der Bazar - der Bazar ist unwahrscheinlich, grenzenlos, ein Katalog menschlicher Begierden, menschlicher Träume, unmenschlicher Wünsche. „Da gibt's alles, was man will", krächzt der Alte und leckt sich die Lippen. „Dolche, Sklavenmädchen, sprechende Affen, Haschisch."  - T. Coraghessan Boyle, Wassermusik. Reinbek bei Hamburg 1990
 
 

Neger Stadt

 

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