andschaft  Vor meiner Tür : wir zogen uns an den Armtrossen zueinander; sie ergriff meinen Mund mit dem ihren; unsere Herzen polterten.

Die Schlangentochter : wir würgten unsere fleckigen Häute, hupten an schönen Beulen und langen Wülsten, überall : war sie starker Locken voll, schlitze-umgafft, die schnalzten. (Ich nahm eine Brust und küßte sie, bis die Spitze wie ein Fingerhut war).

Im Wassersturz ihrer Hände : sie rüttelte schaudernd einen rosavioletten Zapfen (während ich ihre weißbreite Verwirrung betastete) : »Ku‘mma der s-piegelt richtich« (and she had the finest fingers for the backlilt between Berwick and Carlisle).

Schnallten wir uns also mit Armen aneinander, setzten die Saugnäpfe fest (und ihre Beine langten gewaltig zu. Moi raste. : Auf ihr da hin).

Sonnebeschienen : die breite goldene Wüste ihres Bauches; über die meine Hand karawante (dann knöcheltief in der trockenen warmen Vegetation waten : Timbuktu. Sich wälzen: Bloemfontein). »Du, das iss schön: so in der Sonne ! « (murmelte sie eifrig, machte aus Knieen und Brüsten eine Sierra, tale of the ragged mountains; Arme und Beine flossen ab; um schwarze Waldkessel).

 Nackte Gymnastik : Buchstaben machen : sie machte ein T aus sich, ein X, ein Y; kniend ein Z (und auch ganz neue, cyrillische: die Füße bekamen jeder einen eigenen Namen zugeflüstert: ‹Übermut› und der rechte ‹Tunichtgut›; gemeinsam das mnemotechnische ‹ch› drin. Die Uhr unten begann tönend zu gähnen; 2 Schallschlieren schwebten maulend davon, hinter‘nander (dann, im Abfließen, glitschten sie schnell übereinander; so dünne Platten)).

Ihr moi kniete nackt auf dem Stuhl, und besah mich (und die Staatshandbücher) aus buntberingten Scheiben : weißer Torso, lappige Blätterhand. Sie rieb gespannt und jagdhunden den Daumennagel an den Oberzähnen: »Jeden Sonnabend krixu eins davon« entschied sie.

Dieses Abenteuer von einem Weibe ! ! : da stand sie; nackt; meine Staatshandbücher unter dem Arm (so daß die linke Brust zum Teil drauf lag: auf dem kalkblauen Jahrgang 1843 !) : oben ein kaltes Lächeln, unten Pantoffeln. Reichte mir auch vornehm die rechte Schulter zum Kuß vor: !. Ich zog diese Seite an mich (vorsichtig; um die Bücher nich zu beschädigen !); sie atmete zitternd hoch, so mächtig, daß ihr der Kopf zurückfiel: — — — Dann schlug sie die Stirn hingebend an mich: »Heut Abend komm ich : die ganze Nacht‘u !« (Und töffelte kräftig und glücklich von dannen).

 (Nachdenklich waschen). — - Arno Schmidt, Das Steinerne Herz. Historischer Roman aus dem Jahre 1954 nach Christi. Zürich 1986 (zuerst 1956)

Landschaft (3)

- Ren Hang

Landschaft (3) In diesen Landschaften wissen die Menschen, daß das Schicksal vorherbestimmt ist und Federn hat wie ein Huhn.

Dort habe ich schweinerüßlige Dunkelheit gesehen, die in den elenden Schuppen grunzte und in den Wurzeln wühlte. Sogar die Wolken sind wie verrückte knarrende Hütten, mit Leere angefüllt, und die Blätter haben eine Fleischigkeit ähnlich wie Tiere. Und hier, unter den haarigen und bestialischen Winterhimmeln, sind die Landjunker im Althergebrachten und ihrer Ackerkrume verwurzelt; und sie wissen, daß sich hinter dem haarigen und bestialischen Aussehen des Himmels (jenem schroffen und ziegengleich-wollüstigen Zelt) etwas verbirgt; haben aber vergessen, was es ist. So ziehen sie umher, zielen mit ihren Flinten auf spottende gefiederte Geschöpfe, die Wunder und Geheimnis der Bewegung gelernt haben, unter Wolken, die so niedrig hängen, daß sie nichts zu sein scheinen als hölzerne Geräteschuppen für die nicht sehnsuchtsvollen Unstern-Sterne (sie werden den Preis bei der Blumenparade am Ort gewinnen). Die Wasser des seichten Teichs gluckern wie ein Wiesel, mörderisch; die kleinen unflüggen Federn des Schaums haben das Fliegen verlernt, und die Landjunker ziehen umher, auf der Jagd nach etwas, auf der Jagd. - Edith Sitwell, Mein exzentrisches Leben. Frankfurt am Main 1994 (Fischer-Tb. 12126, zuerst 1965)

Landschaft (4) Ich habe die schönste Landschaft der Welt gesehen. Von Rouen bis hier sind es elf Meilen. Ich habe alle Schönheiten und Windungen der Seine gesehen und die herrlichsten Wiesen der Welt. Die Ufer, an denen ich während vier oder fünf Meilen entlanggefahren bin, stehen denen der Loire nicht nach; sie sind lieblich mit Häusern, Bäumen und niederen Weiden geschmückt und mit kleinen Kanälen, die man aus diesem großen Fluß auslaufen läßt; es ist wirklich schön. Ich kannte die Normandie nicht, war zu jung, als ich sie gesehen hatte; ach, vielleicht lebt niemand mehr von all denen, die damals da gewesen sind; ein trauriger Gedanke. Nicht einmal den Rahm von Sotteville habe ich in den selben Schalen aus Fayence, die mir damals so gut gefallen hatten, wiedergefunden; jetzt sind es Schüsseln aus Zinn, die will ich nicht.  - (sev)

Landschaft (5, als Akt)

Sie liegt auf ihrer linken Seite, ihre Flanke glänzt golden:
ihr Haar ist schwarz von der Sonne verbrannt:
der Duft ihres Haares kommt von dem Regen im Staub ihrer Schultern: ihre Brust ist braun und ihr Mund nicht von anderem Land:

ah, sie ist schön, wie sie dort in der Sonne liegt:
sie ist nicht wie die schmiegsamen nackten Mädchen im Weinberg,
nicht weich wie die nackten Mädchen der Englischen Inseln,
wo der Ostwind den Regen über die Brandung hereinträgt:

ihr Wind ist der Westwind und Sonne: der Westwind,
das weite und klare Wehen der Kontinente -
der Wind, der sich dreht mit der Erde, der Wind, der dem Abend
unaufhaltsam entfällt und ihr folgt: der Wind,

wo sie liegt, ist der Westwind: die Wälder: Hickory, Eiche,
Pappel, Hartholz: sie stehen in großen Gruppen
und rollen im Wind wie von der See bewegt:
die Gräser von lowa Illinois Indiana

branden im Sturz des Windes wie Wogen.

Unter den Knien dehnt sich kein Florentiner Rasen:
unter den staubigen Knien sind Stoppeln vom Korn:
ihr Bauch ist gefleckt vom flirrenden Licht in den Halmen.

Sie liegt auf ihrer linken Seite, ihre Flanke glänzt golden:
ihr Haar ist schwarz von der Sonne verbrannt: der Duft
ihres Haares kommt von Regen und Staub um ihre Schultern:
ihre Brust ist braun und ihr Mund nicht von anderem Land.

- Archibald McLeish, nach (mus)

Landschaft (6)  Dichter Regen trübt mir den Blick. Ich stapfe in ganz veränderter Landschaft über lehmglitschigen Boden voller Pfützen; gänzlich nackt — der hochbepackte Tornister und ein ungewöhnlich großer Stahlhelm, der mich vorm Regen schützt, sind meine einzige Kleidung. Der Regen ist von Schrapnellkugeln durchsetzt, die mit zynischem Ton in den Lehm klatschen. Ich fühle mich unter dem Stahlhelm vor den Kugeln sicher. Nur die Möglichkeit, im aufgeweichten Boden auszurutschen, beunruhigt mich, denn ich habe es — warum, weiß ich nicht — sehr eilig.

Die Landschaft ähnelt der von Ypern. Völlig zerschossenes, ein wenig welliges Gelände, zuweilen Telegraphenstangenstummel, Gebüsch mit zu früh gewelktem Laub. Dann links von mir ein ehemaliger Wald. Jetzt starren ausnahmslos — völlig ineinander verstrickt — die Wurzeln seiner Bäume aus dem Grund, der einem Morast gleicht, da die Granattrichter voll Wasser stehen und nur schmale Bodenstreifen sie voneinander trennen. Einige Schritt von meinem Wege ab sehe ich bereits nichts mehr als ein dichtes Gestrüpp von Wurzeln und gänzlich zersplitterten Baumstammresten, durch das das Wasser ein wenig blinkt. Ich denke wörtlich: ,Wie indisches Dschungel.'  - Wieland Herzfelde, nach (je)

Landschaft (7)  Alles war so schaurig. Nirgends ein Himmel, und die Erde war naß. Ich ging, und indem ich ging, legte ich mir die Frage vor, ob es nicht besser sei, mich umzudrehen und wieder heimzugehen. Aber ein unbestimmtes Etwas zog mich an, und ich verfolgte meinen Weg durch all die düstere Verhängtheit weiter. Ich fand an der unendlichen Trauer, die hier ringsum herrschte, Gefallen. Herz und Phantasie gingen mir auf m dem Nebel, in dem Grau. Es war alles so grau. Ich blieb stehen, gebannt vom Schönen in diesem Unschönen, bezaubert von den Hoffnungen inmitten dieser Hoffnungslosigkeiten. Es schien mir, als sei es mir fortan unmöglich, noch irgend etwas zu hoffen. Dann schien es mir wieder, als schlängle sich ein süßes, unsagbar reizendes Glück durch die trauervolle Landschaft, und ich glaubte Töne zu hören, aber es war alles still. Noch ein anderer Mensch schritt durch das Gehölz, durch all dieses schwermütige Schwarz. Seme vermummte Gestalt war noch um etwas schwärzer als das Schwarz der Landschaft. Wer war er, und was wollte er? Und nun tauchten bald noch andere schwarze Gestalten auf, aber keine der Gestalten kümmerte sich um die andere, jede schien genug mit sich selbst zu tun zu haben. Auch ich kümmerte mich nicht mehr, was diese Leute wollten und wohin sie gehen mochten in der Finsteres, sondern ich kümmerte mich um mich selbst und zog hinaus in die eigene Unklarheit hinein, die mich mit nassen, kalten Armen rasch umarmte und an sich riß. - Robert Walser, nach: Deutsche Parabeln. Hg. Josef Billen. Stuttgart 2001 (Reclam 7761)

Landschaft (8) Entschieden das Wichtigste auf dieser Reise war die flüchtige Vision von der Landschaft der Provence, an dem Ort, der »Les Trois Pigeons« (Die Drei Tauben) oder »La Mounine« heißt, während der Busfahrt von Marseille hinauf nach Aix, zwischen acht Uhr dreißig und neun Uhr am Morgen (sieben Uhr dreißig bis acht Uhr südlicher Zeit).

Eine Landschaft mit grauer Vegetation, wobei ein grüngelber Schmelz dennoch durchkommt, unter einem Himmel von bleiigem Blau (etwas zwischen dem Immergrün und einer Bleistiftmine), von einer furchtbaren Unbewegtheit und Übermacht, und dazu die Urnen, die Bambinistatuen, die Brunnen mit Voluten an den Wegkreuzungen, eine Ansammlung von Werken, Zeichen, Spuren, Beweisen, Registern, Testamenten, Vermächtnissen, Hinterlassenschaften, Marken des Menschen — und ein Anflehen des Himmels.  - Francis Ponge, Das Notizbuch vom Kiefernwald und La Mounine. Frankfurt am Main  1982 (zuerst 1952)

Landschaft (9)  Was ich da auf einmal anschauen mußte, machte meine Haare zu Berge stehen . . . Wälder, Flüsse, Meere mit allen schrecklichen Tier- und Menschengestalten, die noch kein Menschenauge je gesehen, schwirrten unaufhörlich vorüber, abwechselnd mit Werkstätten aller Professionen, darinnen arbeitende, schreckliche Geistergestaltcn . . . Die Wände zu beiden Seiten waren alles nur ein Meer, mit Tausenden von kleinen Schiffen darin; die Insassen waren alles nackte Männer und Weiber, die ihrer Lust nach dem Takte der Musik frönten, wobei jedesmal nach deren Befriedigung eine Gestalt hintennach das Paar mit einem langen Spieß erdolchte, daß das Meer sich blutrot färbte. - Schizophrenen-Delirium nach Bleuler, nach (cane)

Landschaft (10)  

 - N.N.

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