apoleon  Er erzählte mir, was für ein Stück Arbeit es für die Generäle Napoleons beim Rückzug aus Rußland war, ihn davon abzuhalten, nach Warschau zu fahren, um sich bei seiner polnischen Geliebten noch einmal auszutoben. Echt Napoleon, selbst in seinen schlimmsten Niederlagen und Enttäuschungen. Er war leichtsinnig, dieser Adler Josephinens! Die Leidenschaft, die in ihm brannte, hat ihn schrankenlos fortgerissen. Nichts mit einem anzufangen, den die Lust ankommt, sich zu amüsieren. Eine Lust, die in uns allen steckt. Das ist das Tragischste. Man hat keinen anderen Gedanken. Weder in der Wiege noch im Café noch auf dem Thron noch im Klosett. Wo immer man ist. Überall! Unterleib! Napoleon oder nicht. Hahnrei oder nicht. Zuerst das Pläsier. Sollen die vierhunderttausend Irren von ihm aus in der Beresina ersaufen! Wenn Napoleon nur noch einmal einen spritzt. - (reise)

Napoleon (2)  Kein Volk ist auf der ganzen großen Erde so edel und tapfer wie wir, die Leute von Tonga. Andere Völker mögen wohl mehr Menschen zählen, wohlhabender, reicher sein, vielleicht sind sie auch stärker; mannhafte Tüchtigkeit und Tapferkeit sind allein bei uns zu Hause und entstanden bei uns. Aus unserem Volke sind die großen Krieger hervorgegangen, deren Namen jeder mit Bewunderung nennt, denn ihre Taten erfüllen die Welt mit Ruhm. Die Taten verrichteten sie nicht allein bei uns, nein, auch fremde Völker lernten sie schätzen.

Auch Napoleoni ist ein Sohn Tongas gewesen. Seine Mutter kam aus dem Lande Merikei zu uns auf einem Schiffe, das viele Tage hier blieb, um Walfische zu jagen. Sie war eine schöne, große, schlanke Frau. Dann fuhr sie wieder in ihre Heimat zurück und bekam dort einen Sohn, den sie Napoleoni nannte.

Der Junge wuchs heran und wurde groß. Eines Tages schickten die Leute von Faranise Gesandte nach Merikei, die sollten dort um Hilfe gegen Uelingtoni bitten, der ihr Volk in vielen Schlachten geschlagen, ihren König und alle seine Söhne getötet hatte. Ihr Oberpriester hatte ihnen prophezeit, daß sie in Merikei den Sohn eines braunen Vaters finden würden, dem niemand widerstehen könnte, und der sie zu Kampf und Sieg führen sollte. So segelten sie über das große Wasser nach Merikei, um sich ihren künftigen Führer zu holen. Das war eine beschwerliche Sucherei. Überall, wo sie hinkamen und nach dem Sohn eines braunen Vaters fragten, wurden sie von den Leuten verspottet. Die Straßenjungen liefen hinter ihnen her und riefen: »Wir sind Söhne brauner Väter, nehmt uns mit, dann werden wir euch schon Siege erringen!« In einem Dorf, dessen Name nicht mehr bekannt ist, wurden sie schmählich angeführt. Die Jungen versprachen ihnen, sie zu dem Befreier ihres Volkes zu führen.

»Endlich haben wir Erfolg«, sagte einer zum andern. »Nun hat alle Mühe ein Ende und wehe, wehe dir jetzt, Uelingtoni!« »Ihr habt recht«, antworteten die Jungen, »eure Mühen haben jetzt ein Ende, wehe dir, Uelingtoni! Aber kommt nur und haltet euch nicht auf.« Dann führten sie die Gesandten zum Dorf hinaus zum Hause eines Bauern, der im Wald lebte, und zeigten den Leuten aus Faranise ein - Kalb. »Hier ist der Gesuchte«, sagten sie, »sein Vater ist braun.«

Die Gesandten aus Faranise wandten sich ab und gingen traurig weiter, während das schallende Spottgelächter der Jungen ihnen in den Ohren dröhnte.

Spät am Tag kamen sie an ein kleines Haus, das einsam und allein mitten im Wald stand; in ihm wohnte die Mutter von Napoleoni. »Laßt uns hier einmal anfragen«, sprach der Führer. »Vielleicht finden wir ihn, denn der Oberpriester log uns nichts vor und er sagte uns doch, daß wir in diesem Lande unseren Befreier finden würden. Deshalb wollen wir auch hier nachfragen.«

Sie taten es. Die Mutter von Napoleoni schrie vor Verwunderung laut auf, als sie die Worte vernahm. »Wer seid ihr?« rief sie. »Woher wißt ihr, daß der Vater meines Sohnes braun war?« - »Wir sind Häuptlinge«, antworteten sie, »und kommen aus Faranise. Wir suchen den Sohn eines braunen Vaters, der uns von unserm Feinde Uelingtoni befreien und all das Leid rächen soll, was er über unser Land brachte. Unser Oberpriester schickte uns hierher. Er sagte, wir würden hier den Befreier des Landes in dem Sohne eines Vaters finden, dessen Haut braun ist.«

Die Frau wußte zunächst nicht, was sie vor lauter Verwunderung sagen sollte. »Euch sandten wirklich die Götter«, rief sie, »ich habe einen Sohn, und sein Vater ist ein mächtiger Häuptling in Tonga. Aber mein Sohn ist taub. Er sitzt hier neben mir auf der Matte; wie kann er denn euer Führer sein?«

Napoleoni hatte vordem nie ein Wort gesprochen, denn seit der Geburt war er taub und stumm gewesen. Nun stand er auf und redete, denn seine Zeit war gekommen. Als er sich von der Matte erhob, war er größer und stärker als die Fremden. »Ich bin der Gesuchte«, sagte er, »kommt! Laßt uns zum Boot gehen und fortsegeln, damit ich euch zum Sieg führen kann. Lebe wohl, liebe Mutter! Bleibe gesund!«  - Südsee-Märchen. Hg. Paul Hambruch. Köln Düsseldorf 1979 (Diederichs: Märchen der Weltliteratur)

Napoleon (3) Jean Richepin hatte kurz vor seinem Tod im Sanatorium einen Vortrag gehalten hatte; das Thema war die Napoleonlegende. Richepin erzählte, dass in seiner Jugend das Grab einmal im Jahr geöffnet und den Invaliden, die im Zug vorübergeführt wurden, das einbalsamierte Gesicht gezeigt wurde, mehr ein Anblick des Schreckens als der Bewunderung, weil das Gesicht aufgedunsen und grünlich war; man schaffte daher dieses Graböffnen ab. Richepin sah das Gesicht aber noch auf dem Arm seines Großonkels, der in Afrika gedient hatte und für den der Kommandant das Grab eigens öffnen ließ.  - (rec)
 
 

Franzose

 

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