Landru  Die Psychologie, diese Faselliese1, die sich bei den Friseuren gerade nur durch die Namen der Parfüms, die Haarfärbemittel und die Vorliebe für romantische Frisuren verrät (ich kenne in der Rue du Debarcadère einen von diesen Geschäftemachern, der einem die Frisur Albert L, König der Belgier, die Frisur Joffre usw. empfiehlt), hat für die Schneider schon seit langem nichts Geheimnisvolles mehr. Ganz am Ende der Galerie des Thermometers finden wir einen solchen: Vodale, der Kunden anlockt, indem er sich Schneider der eleganten Welt tituliert. Er verkauft auch Koffer und, wie er sagt: All travelling requisites. Ich werde den Gedanken nicht los, daß Landru, der gefühlvolle Experimentator,

just hier für sich arbeiten ließ und seine Anzüge inmitten der ausgestellten Reiseutensilien, die für geheimnisvolle Symbole seines Schicksals gelten dürften, anprobte. Von diesem Mann, den man geköpft hat, ist mir noch in Erinnerung, daß er in seiner Wohnung die Totenmaske Beethovens und die gesammelten Werke Alfred de Mussets stehen hatte, daß er seinen gelegentlichen Freundinnen einen Keks und ein Gläschen Madeira anbot und daß er die akademischen Palmen trug. Merkwürdiges Produkt einer ganzen Welt. Mir ist, als ob gerade diese Stelle der Passage, an der ich jetzt stehe, und jener Mann und seine Requisiten eng zusammengehören. Und mit Bedauern denke ich daran, daß es im Schwurgericht keine Tafel gibt, auf die man in Schönschrift schreiben könnte:

Im Gericht wie in der Stadt
ist Monsieur LANDRU gekleidet vom
SCHNEIDER DER ELEGANTEN WELT

1 In anderer Lesart: Angeberin (Anm. d. Autors).   - (ara)

 

Franzosen Frauenmörder

 

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