rauenlob   »Diese Rosalinde ist eine Frau nach des Dichters Herzen. Sie ist Dame und Naturkind, sie weiß, was sich schickt, und schlägt aller Schicklichkeit ein Schnippchen, sie ist nicht gelehrt und weiß die gescheitesten Dinge zu sagen, sie ist voller Übermut und voller Bescheidenheit. Sie kann das alles sein, weil sie sichere Instinkte hat und im Vertrauen auf ihre gesunden Instinkte durch die Welt tänzelt, springt und schreitet, als könnte ihr ernstlich nie eine Gefahr drohen. Es ist nicht etwa hier das einzige Mal, daß Shakespeare ein solches in sich sicheres Mädchen zeichnet: in seinen Werken trifft man mehrere der Art. Wir wissen nicht, ob er je einer Frau begegnet, die so wie Rosalinde, wie Beatrice, wie Porzia war, ob er nach Modellen arbeiten konnte oder Bilder der Sehnsucht schuf, aber das wissen wir bestimmt: Aus diesen Gestalten spricht sein Glaube an die Frau. So herrlich, ist seine Überzeugung, kann das Weib sein kraft seiner besonderen Natur. Er war — wenigstens eine Zeit seines Lebens — ein Frauenlob wie nur je ein Dichter. In der Frau sah er eine Naturkraft wirksam, der alle Kultur nichts anhaben kann: Sie nimmt alles auf, was die Kultur bietet, verarbeitet es, aber läßt sich nicht in dem Wege beirren, den ihr die Natur vorschreibt.«

Ist das nicht eine feine Analyse? Wenn Sie wüßten, was dieser Dr. Morgenstern im Privatverkehr für ein abgeschmackter trockener Kauz ist! - Theaterkritiker der »Leipziger Volkszeitung«, nach: Rosa Luxemburg, Gesammelte Briefe Bd. 5 (16. April 1917, an Hans Diefenbach). Berlin 1987

Frauenlob (2) Wie schön sagt doch der Dichter:

Wen die dreisten Dirnen fingen,
Der sieht keine Rettung mehr,
Baut er sich auch tausend Burgen
Bleiumgossen ringsumher.
Ja, ihr Bau ist ganz vergeblich, .
Unnütz stehn die Festen da;
Denn die Frauen überlisten
Jeden Mann, ob fern, ob nah —
Sie, die ihre Finger färben,
Die das Haar in Zöpfe drehn,
Sie, die ihre Wimpern schminken,
Die auf Gifttrank sich verstehn!

Wie vortrefflich sagt auch ein anderer:

Die Frauen sind, wenngleich man sie ob Keuschheit rühmt,
Nur Kehricht, bei dem die Geier schweben, um zu wühlen.
Zwar gestern galt noch dir allein ihr lispelnd Wort;
Doch morgen wird ihre Wade und Hand ein andrer fühlen -
Ein Gasthaus, in dem du wohnst, von dem du dich morgens trennst.
In dem nach dir ein andrer wohnt, den du nicht kennst.

- (1001)
 

Mann

 

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