ehmut  Er dachte mit tiefer Wehmut an alle die jungen Männer, die im Laufe der Zeiten an Schönheit und Kraft vollkommen gewesen waren, junge Pharaonen mit scharfgeschnittenen Zügen auf der Jagd am Nil entlang auf ihren zweirädrigen Wagen, junge, anmutige chinesische Weise, in Seide gekleidet, in den lebendigen Schatten der Trauerweiden in ihre Bücher vertieft - und sie alle waren gegen ihren Willen in Stützen der Gesellschaft umgewandelt worden, Schwiegerväter, Autoritäten in allem, was die Freuden der Tafel und moralische Probleme anbetraf. Es war betrüblich, an dies alles zu denken.  - (blix)

Wehmut (2) Dymow stützte seine Backe in die Hand und stimmte leise ein wehmütiges Lied an. Konstantin lächelte verträumt und fiel mit feinem Stimmchen ein. So sangen sie eine halbe Minute und verstummten dann. Jemeljan fuhr auf, bewegte die Ellenbogen und spielte mit den Fingern.

»Brüder«, sagte er flehend, »wie wäre es - laßt uns etwas Göttliches singen!« Tränen traten in seine Augen. »Brüder«, wiederholte er, die Hand ans Herz pressend, »kommt, laßt uns etwas Göttliches singen!«

»Kann ich nicht«, meinte Konstantin.

Alle versagten sich ihm, so sang Jemeljan allein. Er dirigierte mit beiden Armen, er nickte mit dem Kopf, er öffnete den Mund, aus seiner Gurgel aber drang nur der Laut eines heiseren tonlosen Atems. Er sang mit den Händen, er sang mit Kopf und Augen und sogar mit seiner Beule, er sang leidenschaftlich und voller Weh, und je mehr er seine Brust anspannte, um ihr wenigstens einen Gesangston zu entreißen, um so tonloser wurde sein Atem... Gleich den anderen wurde auch Jegoruschka von Wehmut ergriffen. Er begab sich zu seiner Fuhre, kletterte auf die Ballen hinauf und legte sich nieder.   - Anton Tschechow, Die Steppe. Nach (tsch)

 

Schmerz

 

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