andschuh

 Handschuh

- Max Klinger

Handschuh (2)  Um den Wunsch Eurer Herrlichkeit zu erfüllen, habe ich beschlossen, ein Stück Haut des empfindlichsten Teiles meines Körpers mir abzuziehen, um zu beweisen, daß die Liebe und Hinneigung, die ich für Eure Herrlichkeit empfinde, ins Unendliche geht. Für diejenige, die ich liebe, ist mir nichts zu teuer, weder mein Leben, meine Seele, noch mein Körper. Und könnten Sie diese Seele sehen, so würden Sie dieselbe vielfach zerrissen erblicken. Und warum soll dann mein Körper weniger zerrissen sein? Madame, die  Handschuhe werden von einem Hunde sein und dennoch von mir, denn ich halte mich für einen Hund und bitte Eure Herrlichkeit, mich gleichfalls für dasselbe zu halten, sowohl durch meinen Glauben als durch meine Leidenschaft, meine Begeisterung sowie meine Dienstfertigkeit für Sie. - Brief des spanischen Staatsmannes Don Antonio Perez an Lady Riche (16. Jahrhundert), nach (erot)

Handschuh (3)  

- Bernard Montorgueil

Handschuh (4)

- Leone Frollo

Handschuh (5) Lieutenant Dodds suchte auf der Kommode nach seinen Handschuhen. Er war in Eile. Für die ganze Einheit war eine Krisensitzung anberaumt worden.

»Wo hab ich denn nur - ?« murmelte er. »Ja, zum Teufel!«

Da auf dem Bett lagen, ordentlich nebeneinander, zwei Paar Handschuhe.

Dodd krauste die Stirn, er kratzte sich am Kopf. Wie konnte das angehen? Er besaß nur ein Paar. Das andere mußte jemand anders gehören. Bob Wesley war gestern abend dagewesen und hatte Karten mit ihm gespielt. Vielleicht hatte er sie vergessen.

Das Videofon leuchtete erneut auf. »Durchsage an alle. Durchsage an alle. Kommen Sie bitte unverzüglich m den Versammlungsraum.«

»Ist ja gut!« sagte Dodd ungeduldig. Er griff nach einem der zwei Paar Handschuhe und zog sie an.

Kaum hatte er sie übergestreift, zwangen sie seine Hände nach unten zu seiner Hüfte. Sie legten seine Finger um den Griff seiner Waffe und zogen sie aus dem Holster.

»Ja, verdammt!« rief Dodds. Die Handschuhe richteten die Sprengschußwaffe auf seine Brust.

Die Finger drückten ab. Ein Tosen erfüllte den Raum. Sein halber Brustkasten löste sich auf; was von Dodd übrigblieb, sackte langsam zu Boden. Und noch immer stand sein Mund offen vor Verblüffung.  - Philip K. Dick, Kolonie. In: Kolonie. Sämtliche Erzählungen Band 2. Zürich 1999 (zuerst 1953)

Handschuh (6)  Brurnmell trug Handschuhe, die die Form seiner Hände wie nasses Nesseltuch hervortreten ließen. Aber nicht in der Vollendung dieser Handschuhe, die die Umrisse der Nägel wie am nackten Finger wiesen, bestand das Dandytum, sondern darin, daß sie von vier besonderen Künstlern hergestellt wurden, dreien für die Hand, einem für den Daumen. - Barbey d'Aurevilly, Vom Dandytum und von G. Brummell. Nördlingen 1987 (zuerst ca. 1844)

Handschuh (7)  »Ja«, sagte sie, und diesmal lächelte sie ihn an. »Da ist ein Café, aber es ist ein mieses Café, und glauben Sie vielleicht, daß ich ...«

»Ich glaube gar nichts«, sagte er, und das war verdammt wahr.

»Danke«, sagte das Mädchen seltsamerweise. Sie atmete hörbar, als strengte das Treppensteigen sie an, und Lucho kam es so vor, als ob sie zitterte, aber wieder der schwarze Handschuh, ganz klein, herunterhängend, lässig, unschuldig, abwesend, wieder spürte er ihn unter seinen Fingern leben, sich krümmen, sich zusammenpressen, sich winden, kribbelig, wohlig, zufrieden, schmeichlerisch, kleiner schwarzer Handschuh, Finger, zwei, drei, vier, fünf, einer, Finger auf der Suche nach Fingern und Handschuh in Handschuh, schwarz in braun, Finger zwischen Fingern, einer zwischen einem und dreien, zwei zwischen zweien und vieren. Es passierte einfach, spielte sich da in der Nahe ihrer Knie ab, man konnte nichts dagegen machen, es war angenehm, und da war nichcs zu machen, oder es war unangenehm, aber da war auch nichts zu machen, es passierte einfach, und nicht Lucho war es, der mit der Hand spielte, die ihre Finger zwischen die seinen steckte, sich wand und krümmte, und schon gar nicht das Mädchen, das keuchte, als es oben auf der Treppe ankam und das Gesicht in den Nieselregen hielt, als wollte es sich die stickige warme Luft der Metroschächte abwaschen.

»Da wohne ich«, sagte das Mädchen und wies auf ein hohes Fenster zwischen vielen Fenstern vieler gleich hoher Häuser auf der gegenüberliegenden Seite. «Wir könnten uns einen Nescafe machen, das ist besser, als in ein Café zu gehen, finde ich.«

»O ja«, sagte Lucho, und jetzt waren seine Finger es, die sich langsam um den Handschuh schlossen, so wie jemand den Hals eines schwarzen Kätzchens umfaßt. - Julio Cortázar, Der Hals eines schwarzen Kätzchens. In: J. C. , Beleuchtungswechsel. Ertählungen Bd. 3.  Frankfurt am Main 1998
 

 

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