Halsband  

 
 

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Halsband (2) Mit Giften aller Art wußte sie umzugehen, mit wundertätigen Tränken, heilenden Wassern, sie kannte alle Pflanzen und konnte außerdem wie keine andere Zauber-priesterin Beschwörungen leiten, Verhexte heilen, ja Sonne, Mond und Sterne, Regen und Wind beeinflussen, so daß der Häuptling selbst seine Frauen und Kinder von ihr behandeln ließ mit der Zeit. Er hegte kein Mißtrauen, er ahnte nicht, daß sie seinen Weibern langsam Gift beibrachte, um ihre Tochter als erste, als Lieblingsfrau zu sehen, um sich vollkommene Freiheit zu sichern. Ihr Haß konnte nicht einschlafen. Neben vergifteten Pfeilen stellte sie Liebestränke her; sie verjagte den bösen Huekufü oder dessen Gehilfen, den hämischen Gualichu, aus den befallenen Körpern der Kranken und verhexte die, die sie vom Gifte der Feinde zu befreien vorgab. Mit pflanzlichen und tierischen Giften zerrüttete sie das Gehirn der ihr verfallenen Menschen und blies ihnen mit dem hohlen Stein, der aus verfeinertem Gehirn besteht und innen scharfe, spitze, durchsichtige, weiße Zähne hat, Unheil an aus der Ferne, so wie sie es bei ihren Lehrmeistern, den zauberkundigen Salamankeros gelernt hatte, die unterm Lanin arbeiten. Nun hatte das betrügerische Zauberweib eine besondere Art der ›Heilung‹, wenn der Tod eines Menschen schnell zu erfolgen hatte: sie nannte es das ›lebendige Halsband‹, das aus aneinandergereihten kleinen Eidechsen, Raupen, Käfern und verschiedenerlei kleinen Kerbtieren bestand, die zappelten. Der dicke Strang, der den Kranken um den Hals gelegt wurde, sollte angeblich durch das unruhige Krabbeln der Tiere neues Leben hervorrufen. Sie nannte es das kostbarste Allheilmittel, das aber nur in seltenen Fällen angewendet werden durfte als ›letzter Versuch‹ einer Heilung, die unter geheimnisvollen Zaubersprüchen und reichen Opfergaben vor sich ging ohne Zeugen, eine Heilung, die nie erfolgte: in Wirklichkeit führte sie unterm dicken Fellumhang stets eine äußerst giftige Eidechse oder Viper bei sich, die sie den ausersehenen ›Opfern‹ um den Hals warf, so daß sie schon vor Entsetzen starben. - (arauk)

Halsband (3)  Plötzlich tauchte wie aus dem Nichts ein Mann in einem langen, weißen Kittel auf. Was mich so heftig erschreckte, war aber nicht sein abruptes Erscheinen. Als er den Kopf in meine Richtung drehte, sah ich, daß er kein Gesicht hatte.

In der einen Hand hielt er etwas, das wie eine Leine oder Halskette aussah und noch intensivere Lichtblitze aussandte als die funkelnden Sterne ringsum. Fasziniert von der Bizarrheit meines eigenen Traums, näherte ich mich langsam dem Mann ohne Gesicht, der jetzt das glitzernde Band wie ein Pendel hin- und herzuschwingen begann. Und mit einer sanften Stimme, die ich ohne weiteres dem süßesten aller Engel zugetraut hätte, fing er an zu sprechen. Eine im wahrsten Sinne des Wortes zauberhafte Männerstimme, so geschmeidig wie der feinste Samt und so wohlklingend wie der Schlußakkord einer Harfe. Obwohl mein tiefstes Innerstes mich vor dieser irrealen Stimme warnte, ließ ich mich doch von ihr nur allzu bereitwillig einlullen und tat alles wie befohlen.

»Komm her, mein Kleiner«, sagte der Mann ohne Gesicht verführerisch. »Komm nur her zu mir und schau dir an, was ich hier Hübsches für dich habe.«

Ich blieb vor ihm stehen und blickte wie hypnotisiert zu ihm auf. In seiner Hand funkelte ein silbernes Halsband, das mit Tausenden von glitzernden Diamanten bestückt war. So etwas Schönes und Kostbares hatte ich noch nie gesehen. Normalerweise sind mir Halsbänder ein Greuel, und ich weigere mich strikt, eins zu tragen. Doch dieses Collier war geradezu eine Offenbarung. Die Reflexe der Diamanten blendeten meine Augen, so daß sie zu schmerzen begannen. Der Mann ohne Gesicht beugte sich sachte zu mir hinunter und hielt das Halsband vor meine Nase.

»Na, wie findest du das?« redete er sanft auf mich ein. »Es ist wirklich ein schönes Stück, nicht wahr? Würde es dir gefallen, es zu tragen? Schau, ich schenke es dir! Einfach so...«

Und bevor ich einen Ton herausbringen konnte, hatte er schwuppdiwupp die Kostbarkeit um meinen Hals gelegt und ließ das Schloß einschnappen. Aber während ich noch damit beschäftigt war, mein ungeheures Glück zu fassen, begann sich alles um mich herum zu verfinstern. Zunächst wurde das Weiß grau und dann ganz allmählich schwarz. Jetzt erst bemerkte ich, daß aus dem Halsband eine rostige Kette herauswuchs, deren Ende der Mann ohne Gesicht in der Hand hielt. Während sich um uns diese deprimierende Dunkelheit ausbreitete und all die glitzernden Sternlein starben, zerrte er fest an der Kette. Das Halsband, das sich jetzt in eine Schlinge verwandelt hatte, zog sich um meinen Hals zusammen und drückte mir die Luftröhre ab.

Ich wehrte mich, schrie, versuchte, dem Mann ohne Gesicht zu entfliehen. Doch das machte alles viel schlimmer, weil die Schlinge sich dadurch noch enger zusammenzog. Innerhalb weniger Sekunden bekam ich überhaupt keine Luft mehr und begann vor Panik wild zu zappeln. Der Mann ohne Gesicht riß die Kette noch fester an sich und zog mich schließlich daran hoch, so daß ich mit einem stechenden Schmerz an der Gurgel den Boden unter den Füßen verlor. - Akif Pirinçci, Felidae. München 1990 (zuerst 1989)

Halsband (3)

- Paul Laurenzi

Halsband (4)

- Loic Dubigeon

Halsband (5) Wie soll ich den Dingen - oder doch wenigstens in paar von denen, mit welchen ich in Berührung komme - das Band um den Hals legen, das sie mir wie allen, denen ich davon spreche, so gegenwärtig, so zudringend macht wie die Olympia von Manet mit ihrem schwarz durchstrichenen Hals? Ein unersetzliches Band, dessen Realität als bloßes Schmuckelement, verziert mit einem Knoten nach Art einer Schuhschlaufe, ich ganz vergesse, ein Band, das ich nach Belieben gebrauche und - als Rettung vor dem Ertrinken - zu dem leichten, aber hilfreichen Rockreifen machen möchte, an den seine kreisrunde Umarmung erinnert ... Ein Band allerdings, das ich bei näherer Betrachtung seines gemalten Abbildes - die schmale Strippe, die einen fest auf den Schultern sitzenden Hals zuschnürt - eher in dieselbe zwielichtige Familie einordnen müßte wie den Knebel des Hingerichteten oder den Strick, mit dem man sich aufhängt!  - (leiris2)

Halsband (6)

 

Hals Halsschmuck Hund

 

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