Glocke »Ich machte mich also schnell auf die Hacken, um fortzukommen, solange der da unten noch mit seiner sauberen Arbeit beschäftigt war. Ich schob den Riegel wieder vorsichtig vor und kletterte hinunter. Es war aber so stockdunkel, daß ich meine Taschenlampe anknipste. Ich wollte, ich hätte das nicht getan! Da stand ich auf der Leiter, und direkt unter mir hingen die Glocken - du Himmlischer, das kalte Grausen kam mich an! Mir wurde heiß und kalt, und der Schweiß brach mir aus allen Poren, und zu allem Unglück rutschte mir auch noch die Lampe aus der Hand und fiel hinunter, direkt auf eine Glocke. Das gab einen Ton - meinen Lebtag werde ich diesen Ton nicht mehr vergessen! Nicht laut, sondern so schaurig-süß und drohend, und er hörte gar nicht mehr auf- es wurden immer mehr Töne und sie kamen alle zu mir rauf, direkt in meine Ohren. Sie werden mich sicher für übergeschnappt halten, aber ich kann Ihnen sagen, die Glocke wurde richtig lebendig. Ich mußte meine Augen zumachen und mich fest an die Leiter klammern - ich wünschte bloß, ich hätte mir einen andern Berut ausgesucht. Danach können Sie sich ungefähr vorstellen, wie mir zumute war.«

»Sie haben eine zu lebhafte Phantasie, Nobby«, ermähnte Mr. Parker.

»Na, warten Sie, Parker«, fiel Lord Peter ein, »bis Sie selber mal mitten in der Nacht an einer Leiter in der Glockenstube hängen.«   - Dorothy Sayers, Die neun Schneider. Frankfurt am Main 1966

Glocke (2)
 

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