espensterkunde  Sollte ein bescheidener Gelehrter nicht auch hieraus Anlaß nehmen, dem Eigensinne Einhalt zu tun und, so er je vor seine Person selbsten niemals einige überzeugende Erfahrung von Gespenstern gehabt hätte, fremden Erfahrungen aber schlechterdings keinen Glauben beimessen wollte, diesem wahrscheinlichen Vernunftschlusse statt zu gönnen, nämlich:

So ein mit einem groben Körper verbundener Geist (verstehe ein Mensch) vermittelst körperlicher Dinge (als des Hohlspiegels und der Lichts-Strahlen, welche letztern einstimmig von allen Lehrern der Naturkunde nicht zur Geisterklasse, sonder wie billig, zu denen körperlichen Dingen noch mitgezählet werden), ein solch gespensterisches Schattenbild, wie zum Exempel obangeführte Blumen etc., kann vor Augen stellen; sollte denn wohl ein in seiner Art vollkommener und mächtigerer Geist (verstehe gute und böse Engel, wo nicht auch eine von ihrem Körper entbundene menschliche Seele), nicht ebensowohl eine gleiche, ja auch noch ungleich weit seltsamere, wichtigere und nicht nur unsere Augen, sondern auch unsere übrige Sinnen affizierende Würkung können werkstellig machen, ohne daß er sollte an die uns Menschen bekannte, grobkörperliche Mittel und Werkzeuge (wie dergleichen einige unserer heutigen HHrn. Gelehrten in ihren bekanntgemachten Gedanken von Gespenstern wollen erzwingen, mithin sowohlen hierdurch, als auch durch zugleich geschehende Beziehung auf alberne Gespenster-Märgen, denen ein vernünftiger Mann ohnehin keinen Beifall gibet, deutlich genug zu erkennen geben, was vor einen niederträchtigen, nur allzu körperlichen und tierischen, auch zum Teil lächerlichen Begriff sie von solchen, von ihnen in Zweifel gezogenen, geistlichen Kraftwesen sich machen müssen) schlechterdings gebunden sein, sondern wohl durch andere, uns verborgene und über die Sphaera des Begriffs unserer Vernunft weit erhabene Mittel und Kräften?

Oder sollte wohl ein vollkommener Geist ohnvermögender sein als ein Mensch? Doch das wäre widersprechend. Gleich-wohlen müßte solches notwendig folgen, wenn die Verrichtungen, ja selbst das ganze Wesen derer gut~ und bösen Engel bloß allein im Gedenken bestehen und selbige nicht auch zugleich einiges Vermögen sollten haben, ihre Willenskraft auszuüben und mit denen Geistern der Menschen, entweder unmittelbar und innerlich, durch die Gedanken, oder auch mittelbar und äußerlich, durch die Sinnen und sinnliche Vorstellungen, als womit die Menschen zum größten Teile sich beschäftigen oder (wie es andere, nicht ohne würkliche Erfahrung, auszudrücken pflegen), durch magische (worvon das lateinische imaginari entsprungen), Kräfte zu kommunizieren.

Hiernächst möchte man fragen: Ob es denn eine vollkommene richtig gemachte Sache seie, daß solche Geister nicht können mit unzerstörlichen und zugleich unsichtbaren Körpern versehen sein? Denn ich sehe keine notwendige Folge, warum außer unserer sichtbaren Sphäre nicht sollten unzerstörliche Körper möglich sein, immaßen unser allgemeiner Begriff von Körpern nur von denen in unserer Sphäre sich befindlichen Körpern hergenommen ist. Jedoch nehmet auch unter diesen zu einem Beispiele den noch zu unserer Sphäre der sichtbaren Natur gezogenen Sonnenkörper, von dessen unveränderlicher Daur, bei so vieltausendjährigem Brennen, noch kein scharfsinniger Naturforscher einigen zu sattsamer Überzeugung zureichenden Grund hat anzugeben gewußt; immaßen unser bekanntes Feuer die zu seiner frischen Nahrung, Versus centrum, wieder zurückfallen sollende Dünste, nebst der selbige tragende Luft, vielmehr von sich stößt als zulasset. Und was sind nicht noch, in ebendem Reiche unserer sonsten genugsam sichtbaren Natur, Luft, Licht und Feuer (verstehe nicht das Flammen-Feuer) vor subtile und öfters ganz unsichtbare, gleichwohlen zum Teil sehr mächtige Körper?

Nichts mag ich hier mit weitläufigen Umständen aufwärmen von denen aus gegenseitiger, die Würkung der Geister in Körper, mithin auch die Gespenster verneinenden Meinung notwendig zu ziehenden, giftigen und dem geoffenbarten Worte GOttes freventlich Hohn sprechenden, spinosistischen und naturalistischen Schlüssen: denn so es ohne allen Widerspruch seine Richtigkeit hätte, daß ein erschaffener Geist (ob ihr Widersprecher nicht ebensowohl die Existenz derselben in eurem Verborgenen möget in gänzlichen Zweifel ziehen, mag der Herzenskündiger zu seiner Zeit offenbar machen), in einen Körper zu würken nicht vermögend wäre; wie hat denn der unerschaffene, allerhöchste Geist alle körperliche Dinge, und zwar aus einem Nichts, erschaffen können? Man antwortet: (zwar nur zum Scheine, aber nicht mit aufrichtigem Herzen, alldieweilen solche nichts, was der Vernunft nicht begreiflich ist, annehmende Widersprecher von einem allmächtigen Geist viel weniger können einen deutlichen Begriff haben, als von einem in die Körper nur würksamen Geiste) dieser ist ein allmächtiges Wesen, jene aber nicht. Ich setze dargegen: woher folget es denn, daß ein erschaffener Geist, um in die Körper würken oder solche in Bewegung setzen zu können, muß allmächtig sein? Kann nicht der Schöpfer zu solchem Ende selbigem ein gewisses Maß des Vermögens zugeteilet haben?

Gebet doch, ihr sämtlichen Herrn Naturforscher, einst einen richtigen oder zureichenden Grund an von dem Ursprunge der Bewegung der Materie und aller natürlichen Körper, ohne einigem Widerspruch oder Zweifel dabei Raum zu lassen. Insbesondere dürftet ihr Herrn Mechanisten wohl letztlich noch euch gedrungen sehen, einem mächtigen Geist gute Worte zu geben, daß er sich eurer Ohnmacht möge erbarmen und eurer toten Welt Maschine die erste Bewegung mitteilen, auch unterweilen darzu sehen, damit sie, bei ihrer Zerstörlichkeit, sich nicht abnütze, noch daher vor der Zeit ins Stecken gerate oder gar zusammenbreche.

Wenn wollt ihr Sterblichen doch einmal anfangen, klug zu werden, um eure Schwäche und des Nichts eures Wissens zu erkennen und aurhören, der unendlichen Weisheit und Allmacht Grenzen zu setzen? Vermag auch ein unmündiges Kind die Staatsverfassung und Geheimnisse großer Monarchen einzusehen und ein richtiges Urteil davon zu fällen? Ziehet doch, zu einem Exempel, nur in Betrachtung den unermeßlichen, sichtbaren Himmel mit seinen allerprächtigsten Sonnen-Körpern (verstehe die Fixsterne) und deren unzählbare, unserm Gesichtskreise zwar allzuweit entlegene, vermutlich aber nicht öde, noch ohnbewohnte Planetenkugeln. Seid ihr unvermögend, hiervon etwas Überzeugend~ und Gewisses zu bestimmen, was wollt ihr euch denn anmaßen der unsichtbaren Geisterwelt? Könnt ihr euch wohl lassen einbilden, daß in derselbigen eine geringere Menge, auch wenigeres Vermögen, Kraft, Stärke, Macht, Schönheit, Pracht und Herrlichkeit sollte anzutreffen sein als in der sichtbaren Welt?

Ich ziehe zum Beschluß nochmals auch hieher die untrüglichen Worte der H. Schrift: 1. Cor. 2.14. Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste GOttes, es ist ihm eine Torheit und kann es nicht erkennen etc. Denn nichts sein und der menschlichen Vernunft nicht begreiflich sein sind sehr unterschiedene Dinge; Exempel hiervon zu geben wäre nur überflüssig. - (zauber)

Wissenschaft Gespenster
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