amilienvater   Es war einmal ein Schlangenbeschwörer, der pflegte die Schlangen abzurichten, und solches war sein Gewerbe; und er hatte einen großen Korb, in dem drei Schlangen waren, ohne daß die Leute seines Hauses etwas davon wußten. Jeden Tag pflegte er fortzugehen und mit den Schlangen in der Stadt umherzuziehen, um dadurch den Unterhalt für sich und für die Seinen zu verdienen; wenn er des Abends nach Hause kam, so legte er die Schlangen heimlich in den Korb, und am nächsten Morgen nahm er sie wieder heraus und zog mit ihnen in der Stadt umher. Das tat er eine lange Weile, wie er es gewohnt war; und die Leute seines Hauses ahnten nicht, was in dem Korbe war. Einmal aber begab es sich, als der Schlangenbeschwörer wie gewöhnlich nach Hause kam, daß seine Frau ihn fragte: ,Was ist in diesem Korbe?' Er gab ihr zur Antwort: ,Was willst du denn damit? Habt ihr nicht genug und übergenug zu essen? Sei zufrieden mit dem, was Allah dir zuerteilt hat, und frage nicht nach anderen Dingen!' Da schwieg die Frau; aber sie sprach bei sich selber: ,Ich muß doch noch diesen Korb durchsuchen und erfahren, was darinnen ist.' Sie war fest dazu entschlossen und tat es auch ihren Kindern kund; denen schärfte sie zunächst ein, sie sollten ihren Vater nach jenem Korbe fragen und sollten ihn mit Fragen bedrängen, daß er es ihnen sagte. Den Kindern aber schwebte der Gedanke vor, in dem Korbe wäre etwas zu essen, und sie begannen ihren Vater tagtäglich zu bitten, er möchte ihnen zeigen, was darin sei. Der Vater wies sie in freundlicher Weise ab und verbot ihnen solches Fragen. Nun verging wiederum eine Zeit, während derer die Kinder so hingehalten wurden, ihre Mutter sie aber immer von neuem anreizte. Schließlich verabredeten sie mit ihr, sie wollten hinfort bei ihrem Vater keine Speise mehr kosten und keinen Trank mehr trinken, bis er ihnen ihre Bitte gewähre und ihnen den Korb öffne. Nachdem dies geschehen war, kam eines Abends der Schlangenbeschwörer heim mit einer großen Menge von Speise und Trank; er setzte sich nieder und rief sie, auf daß sie mit ihm äßen; sie aber weigerten sich, zu ihm zu kommen, und zeigten, daß sie ihm zürnten. Da begann er sie mit schönen Worten zu begütigen und sprach zu ihnen: .Schaut her und sagt, was ihr wünscht, damit ich es euch bringe, sei es Speise oder Trank oder Kleidung!' ,O unser Vater,' erwiderten sie ihm, ,wir wünschen nichts von dir, als daß du diesen Korb öffnest, damit wir sehen, was darinnen ist; sonst töten wir uns selbst.' Doch der Vater fuhr fort: ,Meine Söhne, nichts Gutes für euch ist darin; wenn er geöffnet wird, so ist es nur euer Schade!' Da wurden sie noch zorniger; und als er das sah, begann er sie einzuschüchtern und mit Schlägen zu bedrohen, wenn sie nicht von diesem Vorhaben abständen. Dennoch wurden sie immer zorniger und bestanden immer dringender auf ihrer Forderung. Wie sie das taten, ergrimmte er wider sie und ergriff einen Stock, um sie damit zu schlagen; sie aber flohen vor ihm ins Haus hinein. Der Korb nun stand da, ohne daß der Schlangenbeschwörer ihn irgendwo versteckt hätte; deshalb ließ die Frau ihren Mann sich mit den Kindern beschäftigen und öffnete rasch den Korb, um zu sehen, was darin war. Siehe, da kamen die Schlangen aus dem Korb heraus, und sie bissen zuerst die Frau tot, dann eilten sie im Hause umher und töteten groß und klein, mit Ausnahme des Beschwörers; der verließ das Haus und ging fort. - (1001)

Familienvater (2) - Bind nicht diesen Schlips um!

- Zieh die andre Jacke an!

- Das ist ein Vater, denkt Jäcki. Einer, der nach Lux oder Palmolive riecht und nach Danziger Goldwasser. Der schlägt. Mit der Hand oder mit der Peitsche. Jäcki sieht seine Väter.

Der erste war sein Opa. Der schlug seine Töchter mit dem Ledergürtel. Polizist erst. Zuletzt Zollinspektor. Er bedrohte seine eine Tochter, Jäckis Mutter, mit dem Beil. Er war cholerisch und hatte Coronarsklerose. Kein richtiger Vater.

Der zweite war Gottvater. Aber nur wegen des Wortes und weil er auf einigen Abbildungen so vaterig aussah. Auch mochte Jäcki den weißen Bart seines alten Gottvaters nicht und den Korkenzieherbart nicht von Gottvater in jüngeren Jahren.

Ludwig den zweiten aus dem Stollwerckalbum von Herrn Lau hätte Jäcki gerne zum Vater gehabt und auch Friedrich Schiller. Adolf Hitler war sein Vater, der Führer, und Horst Wessel, bis sich alles als Schummel herausstellte, weil er das deutsche Volk ins Unglück gestürzt hat.

Herr Müller wäre beinahe ein richtiger Stiefvater geworden. Er sägte 1947 in einem fremden Vorgarten einen Baum ab und brachte ihn zum Verheizen im Trudelwagen nachhause. Da war er mit Jäckis Mutter schon verlobt. Er hatte Opas Trudelwagen genommen, war die Julius-Vosselerstraße hinuntergefahren, die damals noch Graf-Gertstraße hieß, am Schloß vorbeigefahren, wo heute das Fernsehen ist, noch weiter geradeaus. Er war mit Jäcki über einen Gartenzaun gestiegen, hatte gesägt, bis die Kirsche oder Magnolie umfiel. Die Äste abgehackt. Alles auf den Trudelwagen geladen und wieder weg. Auf dem Rückweg sagte Guschi Müller, Dostojewski gehört ins Irrenhaus. Das fand Jäcki nicht richtig, denn er wußte, daß seine Mutter Dostojewski sehr gerne las. Müller wollte Jäcki später jeden Sonntagmorgen an die Ecke zum Bierholen schicken, anschließend hätte Jäcki ins Kino gedurft. Was für ein Vater! Aber daraus wurde nichts. Sie hatten sich im Kino verlobt. Olga Tschechowa oder Heli Finkenzeller sagte zu Hans Söhnker: -Was Gott zusammengefügt, das soll der Mensch nicht scheiden. Es ging wieder auseinander wegen eines Weckers, den Jäckis Mutter August Müller geliehen hatte und den er ihr wieder zurückschickte mit dem Verlobungsauflösungsbrief zusammen.

Außerdem hatte er ihr auch nicht beigestanden, als sie die handgenähten Puppen ablieferte und von der Besitzerin des Kunstgewerbegeschäftes angeschnauzt wurde. Der Opa war wieder eine Art Vater.

Dann Liana Pozzis Mann, der wollte Jäcki auch adoptieren und in die Schweiz für vierzehn Tage mitnehmen. Aber er hatte sein Versprechen gebrochen und seitdem glaubte Jäcki ihm nichts mehr und adoptieren lassen wollte er sich auch nicht mehr. - (fich)

Familienvater (3) Schusch macht sich an Jäcki ran und Jäcki weiß:

- Das ist einer von den nach einundzwanzig Uhr Schwulen à la Familienvater, der sich am Baumwall einmal die Woche verholen läßt. Einer von den Feuerwehrballschwulen, den Bürovorstehern, die nach zwei Flaschen Apfelsekt den Büstenhalter der Auslandskorrespondentin anlegen, den Putzen, die kurz nach ihrer Runde sich im Gebüsch bücken, dabei nach rechts sehen und nach links, am liebsten Augen auch noch hinten hätten, einer von den Abteilungsleitern, die beim Geschäftsjubiläum den Kassierer küssen, einer von den Herzensgrundschwulen, die den linken blasen und den rechten verpfeifen. - (fich)

Familienvater (4)

Hans Eysenbeis sein Weib vnd Kind /
Mit einer Axt erwürgt geschwind /
Drey in der Stubn / eins vndr der Trepp /
Eins in der Wiegn bey seinem Bett /
Eines im Gartn / darzu das Weib
Im freyen Feld mit schwangerm Leib /
Auch seine Magd: drumb er gefangn /
Sein Recht auch bald drauff hat empfangn /
Geschleifft / Neunmal mit Zangn gerissn /
Beid Händ abgehawn / beid Bein zerstossen /
Der Leib zertheilt / Eingeweid verbrennt /
Die viertl an vier Strassen gehenckt.
Der Kopff / die Händ genaglt ans Rad /
Welchs / da die Fraw gelegen / staht /
Liedts alls mit gdult / rufft Jesum an /
Da man den Leib sah offen stahn /
Sein Haus / vns alln zur Warnung sein /
Von grund ist gantz gerissen ein /
Vnd an des Stet dieß Seul gemacht /
Wie Vrtheil vnd Recht mit sich bracht.

- Wikipedia

Familienvater (5) Mufoafoa  war blind. Er hatte viele Söhne. Er sagte zu seinen Söhnen.:»Ich bin blind, baut mir ein Haus.« Die Söhne sagten: »Bau dir dein Haus selbst.« Mufoafoa tastete sich in den Wald. Er tastete sich im Busch hin, bis ein Rotang (Palmenzweig) ihn schlug. Da wußte er, wo er war, und er schnitt den Rotang und brachte ihn in das Dorf. Dann tastete er sich wieder in den Wald und schlug Holzstämme. Mufoafoa schichtete die Holzstämme auf.

Es lag da ein totes Schwein. Mufoafoa wußte es nicht. Es kamen gerade Söhne Mufoafoas des Weges. Mufoafoa sagte: »Hebt mir das, was ich da auf die Erde legte, auf den Kopf.« Die Söhne sahen das Schwein. Sie hoben das Schwein auf und dem Vater auf den Kopf. Mufoafoa fühlte, daß es ein Schwein war. Er sagte: »Dies Schwein zerlegt.« Die Söhne zerschnitten das Schwein. Einige trugen das Schwein. Andere trugen die Holzstangen. Einige führten den Vater an der Hand in das Dorf. Mufoafoa gab den Söhnen die Hälfte des Schweins. Die Söhne sagten (unter sich): »Der Vater ist blind, aber er kann noch Schweine erlegen.«

Mufoafoa gab die andere Hälfte des Schweines seiner Frau, damit sie es ihm zubereite. Alle Söhne kamen dazu. Sie sahen die Schüssel mit dem Fleisch. Der Vater sagte: »Kommt, eßt mit mir.« Der älteste Sohn sagte: »Gib her, ich will teilen.« Der Sohn verteilte alles unter die Söhne und stellte dem Vater die leere Schüssel hin. Der Vater tastete nach dem Fleisch. Er fand nichts darin. Er merkte, daß die Söhne ihm alles genommen hatten. Eine große Wut kam über sein Herz. Er ergriff die Schüssel und schlug mit der Schüssel um sich. Er erschlug mit der Schüssel die eigene Frau. Die Söhne sprangen auf. Die Söhne riefen: »Du hast unsere Mutter erschlagen.«

Die beiden jüngsten Söhne Mufoafoas versteckten den Vater in dem Loch Kapulukussus, der Fledermaus, und deckten Kapulukussus Flügel darüber. Die andern Söhne aber sagten: »Wir wollen den Vater finden und wollen ihn essen, denn er hat unsere Mutter erschlagen.« Golongonje, das Chamäleon, sagte zu dem ältesten Sohn: »Leck mir Augen und After aus, so will ich dir das Loch zeigen, wo dein Vater versteckt ist.«

Der älteste Sohn tat es. Da zeigte Golongonie ihm das Loch. Die Söhne fanden den Vater. Sie töteten ihn. Sie begannen ihn zu essen. Nur die beiden jüngsten Söhne sagten: »Wenn Vater auch unsere Mutter getötet hat, so essen wir ihn doch nicht.«

Die andern aßen vom Fleisch des Vaters. Das Fleisch blieb ihnen im Hals stecken. Sie starben. Die beiden jüngsten Söhne wurden große Häuptlinge. Aber keine Frau wollte mit ihnen leben, und sie starben kinderlos.  - Leo Frobenius, Schwarze Sonne Afrika. München 1996

Vater
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