Aus dem Fenster werfen   Nach dem Waschbecken und dem Hahn begann Mozziconi den Fliesenboden zu zerschlagen. Die ganze Nacht warf er Fliesen und Pflastersteine und viel Mörtel auf die Straße. Dann warf er auch die Ziegel und die Dachbalken hinaus. Am anderen Morgen kam ein Polizist und wollte ihm eine Strafe geben, weil er all das Zeug auf die Straße geschmissen hatte, und Mozziconi sagte, schreib nur.

- Nachname und Vorname, sagte der Polizist mit dem Bleistift in der Hand,

- Mozziconi.

- Und weiter?

- Das ist alles.

- Du hast doch einen Vornamen?

- Nein.

Mozziconi erklärte dem Polizisten, daß er keinen Vornamen und deshalb auch keine Freunde habe und den Entschluß gefaßt habe, das Haus abzubrechen und irgendwohin weit weg zu gehen. Es fehlte nicht viel, und dem Polizisten wären die Tränen gekommen, und dabei war er einer der strengsten des Quartiers.

In der Nacht darauf gelang es Mozziconi, sein Werk zu vollenden, das heißt die vier Mauern seines Hauses, Stück für Stück, aus dem Fenster zu werfen. Es blieb nur das Fenster mit dem Fensterbrett, das Fensterkreuz und die Fensterumrandung übrig. Mozziconi machte das hölzerne Fensterkreuz los und warf es hinaus. Dann demontierte er, Pflasterstein um Pflasterstein, auch die Umrandung und warf sie auf die Straße. Am Schluß warf er das Fenster mit den Scheiben und den Läden hinaus. Das Fensterbrett aus Travertinstein war zu schwer und er ließ sich von zwei Jungen helfen, die zufällig vorbeikamen.

Jetzt gab es kein Haus mehr und sogar das Fenster war verschwunden. Es gab nur noch ein Stück Mauer unter dem Fensterbrett. Mozziconi machte es kaputt, stapfte durch den Schutt und ging mit den Händen in der Tasche weg. - Luigi Malerba, Geschichten vom Tiber. Frankfurt am Main 1997

Aus dem Fenster werfen (2)
 

Werfen Fenster Loswerden

 

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