Wickelstrang  Cullen saß, die Arme auf die Knie gestützt, Harby Soulé gegenüber. »So oft treffen Sie bei Ihrer Arbeit wohl nicht auf den Wickelstrang, oder?«

Harby sagte: »Auf den was?«

»Den Wickelstrang. Das ist, wenn einem der Schwanz aufgerollt ist, in einen Knoten. Es heißt, daß es nur eine Methode gibt, ihn wieder locker zu kriegen. Hat mir ein Bursche erzählt, der ihn mal gehabt hatte. Er sagte, das Beste, was du tun kannst, ist, deinen Schwanz auf eine Fensterbank zu legen, die Augen zu schließen und das gottverdammte Schiebefenster draufknallen zu lassen. Der Bursche sagte, es tut abscheulich weh, aber es ist die einzige Methode, ihn wieder aufzuknacken, wenn man den Wickelstrang erst mal hat.«

Harby sagte: »Von so etwas habe ich noch nie ein Wort gehört.«

Cullen sagte: »Nein, aber es ist eine Tatsache, wenn man auch nicht gerade oft mehr davon hört. Der Bursche, der mir das erzählt hat, also das war bei der Army im Zweiten Weltkrieg. Aber ich weiß nicht genau, im Angola hatte es irgendwer. Da waren ja eine Menge Leute. Ich glaube, sie behandeln das jetzt mit Medikamenten. Es gibt heutzutage schließlich für fast alles ein Medikament, sie müssen also auch eines für den Wickelstrang haben. Ich frage mich, ob - nein, das geht nicht. Also, mir ist durch den Kopf gegangen, ob Frauen so etwas auch in irgendeiner Form haben. Sie behandeln doch auch Frauen, nicht wahr?«

Harby sagte: »Ja, natürlich.«

»Junge, da müssen Sie ja jede Menge Pussys sehen, wie? Sie werden es mir nicht glauben, aber ich habe dieses Haargewuschel seit siebenundzwanzig Jahren nicht mehr gesehen, Ich wäre ja bereit, nur - ich denke mir, Sie kennen den Spruch, wer rastet, der rostet?«

Harby kam Jack vor wie einer, den sie einbalsamiert und dabei vergessen hatten, ihm die Augen zuzudrücken und den Mund zu schließen und zu fixieren.   - Elmore Leonard, Banditen. München 1989

 

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