erdauung  Captain Unger empfing das Alarmsignal über seinen Kopfhörer. Sofort stellte er die Arbeit ein, schnappte sich mit beiden Armen die Proben, die er gesammelt hatte, und eilte zurück zu seinem Fahrzeug.

Es war viel näher geparkt, als er das in Erinnerung hatte. Er blieb verwundert stehen. Aber da stand er, der glänzende kleine kegelförmige Wagen; die Bereifung war tief in den weichen Boden eingesunken. Die Wagentür stand noch offen.

Unger lief hin, so schnell er konnte, mit seinen Proben im Arm. Er öffnete hinten den Laderaum und lud seine Fracht ab. Dann ging er um den Wagen herum nach vorne und glitt hinter die Armaturen.

Er drehte den Anlasser. Aber der Motor sprang nicht an. Das war äußerst merkwürdig. Während er noch überlegte, woran das liegen konnte, sah er etwas, was ihn zusammenzucken ließ.

Knapp hundert Meter entfernt, zwischen den Bäumen, stand ein zweiter Wagen, der gleiche Wagen wie der, in dem er saß. Und dort meinte er seinen Wagen ja auch abgestellt zu haben. Er saß im falschen Wagen! Es mußte sonst noch Jemand in der Nähe sein und Proben sammeln. Und diesem Jemand gehörte dieser Wagen hier.

Unger wollte wieder aussteigen. Die Tür kam ihm entgegen. Der Sitz faltete sich um seinen Kopf. Das Armaturenbrett wurde weich und quoll auf.

Er keuchte - er bekam keine Luft mehr. Er wollte sich hinauskämpfen, wand sich, schlug wild um sich. Alles um ihn her war feucht, blubbernd und glitschig, und warm wie lebendes Fleisch.

»Ahh.« Sein Kopf war umhüllt und bald sein ganzer Körper. Der Wagen war ein einziger dickflüssiger Brei. Er versuchte, seine Hände freizubekommen, aber er schaffte es nicht mehr.

Und dann kamen die Schmerzen. Sein Körper begann sich aufzulösen. Und plötzlich wußte er, was das für eine Flüssigkeit war.

Säure. Magensäure. Er befand sich in einem Magen. - Philip K. Dick, Kolonie. In: Kolonie. Sämtliche Erzählungen Band2. Zürich 1999 (zuerst 1953)

Verdauung (2)   Gemütszustände, welche die Organe der Verdauung lähmen, sind die nachfolgenden:

Zuerst: die Schläfrigkeit. Diese gefährliche Stimmung wird teils durch eigene Gedankenlosigkeit herbeigeführt, teils und vornehmlich, indem ein und der andere Tischfreund das Gespräch an sich reißt, um unbedeutende Gedanken in einem schleppenden Tone vorzutragen.

Zweitens: die Betäubung; sie ist die Folge eines zu lauten Geräusches oder sinnlosen Durcheinanderredens, heftigen Lachens und ähnlicher Ausschweifungen. Auch die Tafelmusik pflegt zu betäuben und ist daher verwerflich. Schon Shakespeare wirft den Deutschen vor, bei Tische überlaut zu sein. Dieser Vorwurf trifft gegenwärtig mehr die Gastzimmer der deutschen Wirtshäuser oder die bürgerlichen Gelage mancher Landstriche, als das Allgemeine der Nation.  - Karl Friedrich von Rumohr, Geist der Kochkunst. Frankfurt am Main 1978 (zuerst 1822)

Verdauung (3) Wenn die Speise zum Magen gelangt ist, so ist die erste Kraft, die auf sie einwirkt, die Verdauungstätigkeit. Sie reinigt die Speise. Dann werden ihre reinen Teile zur Leber hingezogen, und sie werden in der Leber ein weiteres Mal gekocht. Dann verteilt diese Verdauungskraft die Speise auf die Gefäße und die Organe, die bereit sind, sie aufzunehmen. Jeder Körperteil bekommt nun von ihr, was ihm ähnlich ist, damit sich dadurch Wachstum ergeben kann, das heißt eine Zunahme an allen Enden, an Länge, Breite und Tiefe. Was nun bei der letzten Verdauung übrigbleibt, wird in das Rückenmark geschickt und vom Rückenmark in die Hoden. Dort wird es dann in den Samen verwandelt, und nun kitzelt es und erregt es, wie es beim erregten Deckhengst ist. Es kommt dann nicht zur Ruhe, bis diese Substanz vermindert ist, und das ist die Ursache für die Vereinigung von Mann und Frau.  - Al-Qazwíní, nach: Der Rabe, Magazin für jede Art Literatur Nr. 35, Zürich 1993

Verdauung (4) Dies stellt die organische Assimilation dar. Das Nahrungsmittel, das in die Sphäre des organischen Lebens tritt, wird in diese Flüssigkeit getaucht und wird selbst diese aufgelöste Flüssigkeit. Wie ein Ding zum Geruche wird, zum Aufgelösten, zu einer einfachen Atmosphäre, so wird es dort einfache organische Flüssigkeit, worin dann nichts mehr von ihm oder seinen Bestandteilen zu entdecken ist. Diese sich selbst gleichbleibende organische Flüssigkeit ist das Feuerwesen des Unorganischen, das darin unmittelbar in seinen Begriff zurückkehrt; denn Essen und Trinken macht die unorganischen Dinge zu dem, was sie an sich sind. Es ist das bewußtlose Begreifen derselben, und sie werden darum so Aufgehobene, weil sie es an sich sind. Dieser Übergang muß sich gleichfalls als vermittelter Prozeß darstellen und die Gliederung seines Gegensatzes entfalten. Aber die Grundlage ist, daß das Organische das Unorganische unmittelbar in seine organische Materie reißt, weil es die Gattung als einfaches Selbst und damit die Kraft des Unorganischen ist. Wenn das Organische durch die einzelnen Momente hindurch das Unorganische allmählich zur Identität mit sich bringt, so sind diese weitläufigen Anstalten der Verdauung durch Vermittlung mehrerer Organe zwar für das Unorganische überflüssig, aber doch der Verlauf des Organischen in sich selbst, der um seiner selbst willen geschieht, um die Bewegung und somit die Wirklichkeit zu sein; wie der Geist nur um so stärker ist, je größer der Gegensatz war, den er überwunden hat. Das Grundverhältnis des Organismus aber ist diese einfache Berührung, worin unmittelbar das Andere auf einmal verwandelt wird.  - Hegel, nach (lte)
 
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