augenichts   Das Rad an meines Vaters Mühle brauste und rauschte schon wieder recht lustig, der Schnee tröpfelte emsig vom Dache, die Sperlinge zwitscherten und tummelten sich dazwischen; ich saß auf der Türschwelle und wischte mir den Schlaf aus den Augen; mir war so recht wohl in dem warmen Sonnenscheine. Da trat der Vater aus dem Hause; er hatte schon seit Tagesanbruch in der Mühle rumort und die Schlafmütze schief auf dem Kopfe, der sagte zu mir: Du Taugenichts! da sonnst du dich schon wieder und dehnst und reckst dir die Knochen müde und läßt mich alle Arbeit allein tun. Ich kann dich hier nicht länger füttern. Der Frühling ist vor der Tür, geh auch einmal hinaus in die Welt und erwirb dir selber dein Brot. - Nun, sagte ich, wenn ich ein Taugenichts bin, so ists gut, so will ich in die Welt gehn und mein Glück machen. Und eigentlich war mir das recht lieb, denn es war mir kurz vorher selber eingefallen, auf Reisen zu gehn, da ich die Goldammer, welche im Herbst und Winter immer betrübt an unserm Fenster sang: Bauer, miet mich, Bauer, miet mich! nun in der schönen Frühlingszeit wieder ganz stolz und lustig vom Baume rufen hörte: Bauer, behalt deinen Dienst! - Ich ging also in das Haus hinein und holte meine Geige, die ich recht artig spielte, von der Wand, mem Vater gab mir noch einige Groschen Geld mit auf den Weg, und so schlenderte ich durch das lange Dorf hinaus. Ich hatte recht meine heimliche Freude, als ich da alle meine alten Bekannten und Kameraden rechts und links, wie gestern und vorgestern und immerdar, zur Arbeit hinausziehen, graben und pflügen sah, während ich so in die freie Welt hinausstrich. Ich rief den armen Leuten nach allen Seiten recht stolz und zufrieden Adjes zu, aber es kümmerte sich eben deiner sehr darum. Mir war es wie ein ewiger Sonntag im Gemüte. Und  als ich endlich ins freie Feld hinauskam, da nahm ich meine Geige vor und spielte und sang, auf der Landstraße fortgehend:
 

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

Die Trägen, die zu Hause liegen,
Erquicket nicht das Morgenrot,
Sie wissen nur vom Kinderwiegen,
Von Sorgen, Last und Not um Brot.

Die Bächlein von den Bergen springen,
Die Lerchen schwirren hoch vor Lust,
Was sollt ich nicht mit ihnen singen
Aus voller Kehl und frischer Brust?

Den lieben Gott laß ich nur walten;
Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld
Und Erd und Himmel will erhalten,
Hat auch mein Sach aufs best bestellt!

- Joseph von Eichendorff

Taugenichts (2) Aufgedunsene, welke Backen; großes, schwammiges Maul; mittlere, eher kleine Figur; Sommerflecken im Gesichte; flaches, unlocksames Haar; widersprechende, gebrochene Falten in der Stirnhaut; schnell gegen die Stirn sich senkender Schädel; Augen, die nie natürlich ruhig auf einen Fleck hinschauen, und abwärts gewinkelt sind sind - zusammen das Rezept zu einem Taugenichts.- Lavater

Taugenichts (3) Mama und Afa sahen die Reiter in der Ferne kommen. Es war da ein Baum. Mama und Afa stiegen auf den Baum. Sie versteckten sich in den Zweigen. Nach einiger Zeit kam der Anführer mit den 200 Reitern an. Der Anführer stieg mit den 200 Reitern ab. Sie ruhten unter dem Baume aus. Der Anführer setzte sich im Schatten nieder. Der Anführer nahm seine Mütze ab. Er war ein alter Mann. Er hatte keine Haare auf dem Kopf. Mama war gerade über dem Kopf des Anführers. Mama sah den kahlen Kopf des Anführers. Mama sagte zu dem Afa: »Sieh den nackten Kopf des Anführers! Ich sitze gerade über ihm. Ich möchte ihm auf den Kopf kacken. Ich würde ihn treffen.« Der Afa erschrack. Der Afa sagte: »Wenn du das tust, werden sie uns sehen. Dann werden sie uns totschlagen.« Der Mama sagte: »Ich werde es nicht tun.« Einige Zeit nachher kackte Mama aber trotzdem. Er traf den nackten Kopf des Anführers. Der Anführer blickte empor und sagte: »Welche Art von Vögeln kackt denn auf meinen Kopf?« Alle Leute begannen aufzublicken. Sie sahen Mama und den Afa. Die Leute begannen den Baum umzuhauen. Der Baum begann zu wanken.

Oben flog der Vogel Lao (eine große weiße Adlerart mit roten Fängen und rotem Schnabel) vorüber. Der Vogel Lao sagte zu Mama und dem Afa: »Versteckt euch in meinen Federn. Aber beruht nicht die Federn meines Schwanzes!« Mama schlüpfte unter den linken Flügel des Lao. Afa schlüpfte unter den rechten Flügel des Lao. Sie hielten sich fest. Mama sagte zu dem Vogel Lao: »Wie könnte ich dir Schlechtes tun, wo du uns von hier forttragen und retten willst!« Der Vogel Lao flog mit ihnen von dannen.

Nach einiger Zeit flog der Vogel Lao mit Mama und dem Afa ganz hoch oben in der Luft. Mama sagte zu dem Afa: »Sieh den schönen Schwanz des Vogels Lao. Ich muß ihn einmal anfassen!« Der Afa erschrak. Der Afa sagte: »Der Vogel Lao hat das untersagt. Wenn er uns fallen läßt, stürzen wir herab. Wenn wir herabstürzen, werden wir sterben, noch ehe wir zur Erde kommen.« Mama sagte: »Ich werde es nicht tun!« Nach einiger Zeit faßte Mama an den Schwanz des Vogels. Als der Vogel Lao das fühlte, schüttelte er sich. Mama stürzte herab. Der Afa stürzte herab. Ehe Afa zur Erde kam, hatte er sich in langes Gras verwandelt. Ehe Mama zur Erde kam, hatte er sich in das kurze harte Gras verwandelt, das jeden Fuß verwundet, der darauf tritt.

Wenn eine Mutter ihr Kind auf den Misthaufen wirft, kann man sicher sein, daß es nicht mehr viel taugt.  - Leo Frobenius, Schwarze Sonne Afrika. München 1996

Taugenichts (4) Aufgedunsene, welke Backen; großes, schwammiges Maul; mittlere, eher kleine Figur; Sommerflecken im Gesichte; flaches, unlocksames Haar; widersprechende, gebrochene Falten in der Stirnhaut; schnell gegen die Stirn sich senkender Schädel; Augen, die nie natürlich ruhig auf einen Fleck hinschauen, und abwärts gewinkelt sind sind – zusammen das Rezept zu einem Taugenichts. - Lavater

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