Ritter, christlicher  Waren ihre gurgelnden Laute, die ich nicht verstand und zuerst für ein Grunzen der häßlichsten, abartigsten Behaglichkeit hielt, nicht in Wahrheit qualvoll geknebelte Rufe um Gnade und Beistand? Ich stand also auf und trat wie ein christlicher Ritter an ihren Pfuhl. Ich muß zugeben, ich erblickte ein Geschöpf, das in unendlicher Entfernung von der Sphäre des Menschen niederkauerte, am Rand, nein schon inmitten der breiigen Zuflüsse der Verdammnis hing, das aber dennoch weit die Arme ausgebreitet hatte, um genommen und gerettet zu werden. Nur meinem hohen Bekenntnis war ich es schuldig, in diese flehend geöffneten Arme hinabzusteigen, um diesem Wesen die Freude zu bringen und es dem ewigen Umlauf des Unflats zu entreißen. Kaum hatte ich mich über die Entstellte gebeugt, da ergriff sie meinen Leib und umschlang ihn mit kotigen Gliedern. Die gewaltsame Jagd unserer Körper, die nun erfolgte und die einzig dazu diente, das Ungetüm ihrer Verdorbenheit zu erlegen, führte uns durch einen schauerlichen Rausch, zu einer blinden Raserei, wo Mord und Werden eins sind und Schreie Feuer spucken.   - Botho Strauß, Der junge Mann. München 1984
 

Ritter Christentum

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