eptun    Der Gott betrachtete den Fisch noch einmal, als sähe er ihn zum ersten Mal.

»Was ich mit diesem Fisch vorhabe?« fragte er leicht verwirrt. »Nun ja, ich weiß nicht genau, was ich mit dem Fisch vorhabe, aber eins weiß ich. Ich lege ihn nicht wieder hin.« »So«, sagte der Mann, »Sie legen ihn also nicht hin.« »Nein«, bestätigte Neptun würdevoll, »ich lege den Fisch nicht hin.«

»Um Himmels willen«, rief der andere, dem nun endgültig die Geduld riß, »wollen Sie die ganze Nacht mit dem verdammten Fisch in der Hand hier rumstehen?« »Nein«, erwiderte Neptun, »ganz bestimmt nicht.« »Was wollen Sie denn sonst mit dem Fisch machen?« fragte der Mann mit unheilverkündender Ruhe. »Ich kann nicht genau sagen, welche Absichten ich in Hinblick auf diesen Fisch hege«, erklärte Neptun mit alkoholisierter Gespreiztheit. »Ich habe nicht vor, diesen Fisch in der Hand zu halten, hege aber auch nicht die Absicht, ihn hinzulegen. Außerdem habe ich keine Lust mehr, mir Ihr Gesicht anzusehen. Wenn Sie wissen wollen, was ich von Ihnen und Ihrem Fisch halte ... bitte!« Neptun warf den Gegenstand der langen Diskussionen dem verblüfften Mann ins Gesicht. Es war ein Volltreffer. Mit einem unangenehm lauten Klatschen traf der Fisch die linke Backe des Mannes und einen beachtlichen Teil der Nase. Von einem Fisch getroffen zu werden, bringt die schlechtesten Seiten des Charakters zum Vorschein. Eine Torte oder ein Stein mögen auf verschiedene Menschen unterschiedliche Wirkungen haben, doch bei einem Fisch ist es immer dasselbe. Es führt nur zu einem Ergebnis - mörderischer Wut auf selten des Getroffenen. So auch in diesem Fall.

Der Mann stand einen Moment regungslos da; dann verschwand seine Hand automatisch in der Kiste, und er schleuderte Neptun mehrere Fische ins Gesicht.

»Genau das wollte ich«, rief der Gott mit einem unangenehmen Lachen. »Ich liebe Fisch.«

»Ach ja, ach ja?!« keuchte der andere, aber mehr vor Wut als vor Anstrengung. »Wie wär's dann mit dem hier?«

Er griff nach einem Fisch, dem nur wenig zu einem Wal fehlte, und schleuderte ihn mit aller Macht auf Neptun. Der Gott duckte sich gewandt, und der Fisch landete im Rinnstein. Als der Mann sich nach einem weiteren Fisch bückte, stach Neptun ihn mit dem Dreizack unternehmungslustig in den so großzügig dargebotenen Körperteil. Dieser Akt der Vergeltung war weniger schmerzhaft als schimpflich. Der Mann fühlte sich zutiefst beleidigt. Er fuhr mit einem großen Fisch in der Hand auf, und diesmal zielte er besser. Der Fisch klatschte schwer auf Neptuns Kopf, und der Olympier sah plötzlich Sterne. Er wankte rückwärts und stieß ein Gebrüll aus, das nichts anderes als Kampf auf Leben und Tod verhieß.  - (goetter)

Meergott Astrologie Planet

 

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