lotür   Einige der Gäste gingen nachsehen. Die Toilettentür war von innen verriegelt. Wahrscheinlich schläft unser Ritterkreuzträger, sagte Dr. Erb. Vermutlich. Leutnant Fürstenberg versuchte, am Boden liegend durch die Türritze zu blicken. Er sah im Nahfeld einige Fliesen in der Nähe der Tür, Holzrahmen, staujjjge Rillen zwischen den Fliesen usf. Das Innere der Toilette war erleuchtet.

Schläft, sagte er.

Ritterkreuzträger weckt man durch Schüsse, ordnete der Gastgeber an. In der gleichen bestimmten Tonart, in der er im Dienst festgestellt hätte: Totalresektion des Magens. Die Männer hier auf halber Höhe zum I. Stock, teils in Hockstellung, glichen zur Zeit mit Bowle gefüllten Ballons.

Leutnant Fürstenberg löste befehlsgemäß seine Dienstwaffe aus der Pistolentasche und gab planparallel zu den Fliesen zwei Schüsse ab. Sie beschädigten die untere Türfüllung. Die Aktion war auch nicht ungefährlich für den Schützen, da die Kugeln Abpraller sein konnten. Schließlich war aber Krieg. Die Schüsse sollten den Toilettensockel treffen, auf dem der vermutlich eingeschlafene Ritterkreuzträger saß. Fürstenberg stellte sich vor, daß pissevermischtes Wasser aus dem zerstörten Sockel auslaufen oder aber der Thron unter dem Schlafenden zusammenbrechen würde. Er wollte den Kameraden »überraschen«.

Man hört nichts, sagte Erb, der auf gleicher Höhe mit dem am Boden »nachzielenden« Fürstenberg lag und die Ohren spitzte. Man sollte annehmen, daß sich was rührt, meinte Fürstenberg.

Erb war jetzt beunruhigt. Er erhob sich und trommelte mit den Fäusten gegen die Türfüllung, rackelte. Es traten Gäste hinzu. Auf Anweisung des Chefarztes holten sie aus einem Kabuff neben der Küche eine Säge. Es war aber keine Ansatzfläche zum Sägen da.

Man kann ja nicht, sagte der praktische Arzt Struncke, bloß immerzu Runen da reinschneiden. Und durch das Fenster von außen? Das war die Idee einer Krankenschwester, die sich auf eine Nacht mit Oberleutnant Ortlieb vorbereitet hatte. Sie hatte eine fixe Idee: die Restnacht und einen Teil des Vormittags, vielleicht anschließend noch Sommerbad oder ein Picknick im Harz - und jetzt verunsicherte diese Toilettensache den Verlauf. Die Augenblicke schwanden ihr durch die Finger.

Durch das Fenster, sagte Erb, ich hole eine Leiter. Aber das Fenster war von außen mit Eisenstäben vergittert. Man konnte durch die Milchglasscheiben nicht hineinsehen. Diese Fensterscheiben zu zertrümmern, hätte es eines Steins bedurft. Den hatte er beim Besteigen der Eeiter mitzunehmen vergessen. Er wollte auch keine »überflüssigen Zerstörungen« anrichten. Schon war die Festlaune der Gäste im Abflauen. Erb stieg umständlich wieder herab. Er ließ die Leiter stehen und begab sich wieder zur Toilettentür auf halber Höhe zum 1. Stock. Eine Schüssel Bowle war heraufgeschafft, die Mehrzahl der Gäste saß darum im Kreise. Drei der Ärzte hatten aus dem Keller eine Eisenstange organisiert und versuchten, die Tür mit Gewalt zu erbrechen. Jetzt müßte Roers doch aufwachen, sagte Fürstenberg. Bei diesem Lärm! Es war dann aber doch einfacher, mit  einem Schraubenzieher die Schrauben, die das Schloß festhielten, zu lösen und Schloß und Türklinken herauszunehmen. Der Ritterkreuzträger lag seitllich des Toilettensockels auf den Fliesen, blutete stark.

Muß von der Brille gefallen sein und schlief, als Sie schossen, neben dem Sockel, sagte Dr. Brink. Wer schreibt denn nun den Totenschein, fragte Dr. Winkler den Gastgeber. Sie haben daneben gestanden, als Roers geweckt wurde, da müssen Sie den Schein ausschreiben. Die Damen machten betroffene Gesichter. Es war wenig zu diesem Resultat zu sagen.

Paragraph 11 der Trinkordnung, sagte die junge Frau Schliephake, um von der Stimmung zu retten, was vom Abend (»trotz gräßlicher Umstände«) zu retten war, lautet: »Wer in die Bowle kotzt, darf nicht mehr mittrinken.« Ein nervöser Lacher von Dr. Winkler, der auf die junge Frau scharf war.  - (klu)

 

Klosett Tür

 

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