lapperschlange  Eine diebin hatte sich in einer hohlen weide versteckt und wollte darin abwarten, bis die gendarmen vorüber wären. Nun befand sich in diesem weidenbaume auch eine klapperschlange. Die hatte zehn tage nichts mehr gefressen und war sehr hungrig. Da sich die gendarmen ganz in der nähe befanden, konnte die diebin nicht aus dem baume heraus, es sei denn, sie hätte riskiert, alsbald gefangen und gehenkt zu werden. Mit diesen gendarmen war nicht zu spaßen. Das wollte sie auch nicht.

So begann sie, der fürchterlichen schlange ihre kleidungsstücke zuzuwerfen. Erst warf sie den schönen jägerhut, den sie einem forstmeister vom haken geholt hatte. Das war jedoch für das ausgehungerte reptil nur eine leckere Vorspeise. So warf sie ihr neues halstuch, das sie dem seidenwirkervogel aus dem laden gefischt. Das verschlang die schlange als suppe. Ganz glatt schlüpfte ihr das seidene tuch durch die gurgel in den magen. Darauf klapperte sie vernehmlich um mehr. Die diebin zog ihre neuen schuhe aus, ganz spitz und kaffeebraun waren sie, weich und flaumig, und ebenfalls gestohlen. Diese weichen schuhe schmeckten der fürchterlichen schlänge ganz besonders. »Dieser kuchen ist mit VII eiern zubereitet«, zischte sie. Aber sie war trotzdem noch nicht zufrieden, und die diebin mußte ihr nach und nach das gilet, die taschenuhr, das feuerzeug, IV virginische zigarren, einen rosenkranz, eine leimspindel, VII wertvolle schweinszähne und endlich ihre beiden hosen, denn sie trug mannstracht, mitsamt den socken hinwerfen, so daß ihr allein das hemd verblieb. Dann erst schlief die schlange ein, satt und zufrieden.  - (hus)

Klapperschlange (2)   Sein Haar sah aus, als hätte man es mit Schuhwichse poliert. Seine Augen sahen einen zwar direkt an, aber irgend etwas fehlte ihnen. Entweder war etwas in ihnen erloschen oder nie dagewesen. Ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Sogar in Hundeaugen findet man es, aber ihm fehlte es. Seele, würde ich sagen. Erinnerte mich an Schuhknöpfe. Oder an Kaffeebohnen: glatt und hart. Einfach ein Gegenstand.

Er trug ein schwarzes Seidenhemd und darüber ein offenes, senfbraunes Sportjackett. Seine von dicken Adern durchzogenen nackten Füße steckten in Strohsandalen. Trotzdem war mir nicht nach Lachen zumute.

Irgend etwas an ihm jagte mir Angst ein, ich weiß nicht genau was. Es war wie die Begegnung mit einer Klapperschlange; nahe genug, daß das verdammte Vieh nicht einmal den Hals recken mußte, um anzugreifen. An Zurückweichen war nicht zu denken, dann würde es erst recht angreifen. So ein Gefühl war es.

Nicht daß er mir gedroht hätte; das tat er gar nicht. Er sprach langsam und gleichgültig, und sein Gang war verschlafen. Seine Hände streiften mich ständig, ohne daß er es zu bemerken schien. - Cornell Woolrich, Der schwarze Pfad. Zürich 1988 (zuerst 1944)

Schlange
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