Jean Paul   Ein Schriiftsteller wie Jean Paul ist mir noch nicht vorgekommen, unter allem was ich seitje-her gelesen habe. Eine solche Verbindung von Witz, Phantasie und Empfindung möchte auch wohl ungefähr das in der Schriftsteller Welt seyn, was die große Conjunction dort oben am Planeten Himmel ist. Einen allmächtigern Gleich-niß= Schöpfer kenne ich gar nicht. Es ist, als wenn in seinem Kopf sich jeder Gegenstand in dem Reiche der Natur oder der Körperwelt sogleich mit der schönsten Seele aus dem Reich der Sitten, der Philosophie oder der Gnade, vermählte und nun mit ihr in Liebe verbunden wieder hervorträte. Haben Sie wohl die Stelle in dem Campaner Thal gelesen, wo Gione7 in einem Luftball aufsteigt?

Ich kan mich nicht erinnern, daß seit langer Zeit irgend nur ein Bild einen so hinreißenden Eindruck auf mich gemacht hat. Ich muß gestehen, ich legte das Buch weg,, um ihn recht lange zu behalten, denn ich fürchtete, er möchte vielleicht in der nächsten Periode durch einen vielleicht blos witzigen Ein-fall gestöhrt werden.

Dieses ist, wo ich nicht sehr irre, der einzige Fehler dieses wunderbaren Schriftstellers; er weiß seinen Reichthum nicht immer mit Geschmack anzuwenden. Ein Bild jagt das andere und eine Blüthe erstickt die andere. Deswegen kann ich, die Wahrheit zu gestehen, nicht viel auf einmal in ihm lesen.

Vielleicht gäbe sich das mit den Jahren, und wenn man einige Alten nicht der Materie, sondern blos der Form wegen liest.  - Lichtenberg an Joh. Friedr. Benzenberg (22. Juli 1798), nach (mehr)

Jean Paul (2)

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