alkon  welche die Zeit zerknicken denn ich bin schon die neunte Woche, sagte er, hier. In der Luftschneise. Auf dem Balkon. Wo man Lust hat die Nacht zu verbringen wenn der Tag heiß war. Wo kaum Platz zum stehen ist weil die Liege sich streckt. Wo die elektrischen Schläge aus jenen Schichten des Himmels kommen welche die Zeit zerknicken: sie entspringen einer gescheitelten Stille nämlich einem Stadtteil den jeder kennt der weiß wo der Flughafen ist nämlich, sagte er, einer Quelle des Dröhnens nämlich hier auf dem Balkon. Erst ein leicht quälendes Kräuseln in der Luft später ein Ausbruch wie glühend und in Sekundenschnelle ins Gelände geschleudert, ins Ohr. Wellenschläge wie Wellenschlag, zu sehen zu hören ein brüllender stampfender schwellender Schmerz und man duckt sich wie unter Hieben, und, schweißgeboren, sagte er, wenn es wieder vorüber ist.

Welche die Zeit zerknicken, sagte er, Hammerschläge auf einem Wellblechdach, vis à vis hinter der grün gebohnerten Natur eines Gartenrelikts. Mit Kreissägen, Schweißbrennern, Silbermasten, Blechfetzen.  - Aus: Friederike Mayröcker, rot ist unten. In: F. M., Gesammelte Prosa 1949 bis 1975. Frankfurt am Main 1989 (zuerst 1977)

Balkon (2)

- Nicole Claveloux (Illustr. zu Confessions d'un monte-en-l'air)

Balkon (3)

- Helmut Newton

 

Wohnung

 

  Oberbegriffe
zurück 

.. im Thesaurus ...

weiter im Text 
Unterbegriffe

 

Verwandte Begriffe
Synonyme