bschweifung   »Kann sein, daß es auch nicht Angina pectoris ist, aber irgend etwas ist es. Jedenfalls bin ich zuckerkrank: darüber gibt es keine Diskussion mehr. Entdeckt hat es dein Dingsda ... wie, zum Teufel, sagt man ... dein Onkel, an einem Abend, an dem ich bei ihm gesessen und zuviel Wasser getrunken habe. ›Hör mal, lieber Freund‹, hat er gesagt, ›das ist das sechste Glas, das du trinkst! Laß mal eine Blutprobe machen, sofort, morgen, verliere ja keine Zeit.‹ Am nächsten Tag ließ ich die Blutprobe machen, und sie entdeckten mehr Zucker bei mir als in einer kandierten Frucht. Zieh keine solche Leichenbittermiene. Noch bin ich auf dem Damm, und wenn deine Mutter nicht wäre, die es allzu tragisch nimmt... mein Gott, schließlich ... ich bin noch ein Mann. Das sage ich dir, damit du dich deines Vaters nicht zu schämen brauchst.«

Antonio errötete bis unter die Haare.

»Warum wirst du rot?« fuhr Herr Alfio fort. »Ich habe nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn ich mit dir gesprochen habe. Ich bin sicher, daß es dir unangenehm wäre, einen Vater zu haben, der nicht mehr bei Kräften ist, so wie es mir unangenehm war, als ich erfuhr, daß dein Großvater zwei Tarì zahlte, um so eine nackt betrachten zu können, sich den Mund zu wischen und fortzugehen, wie er gekommen war... Immerhin war er damals fast achtzig Jahre alt.« Er hielt einen Augenblick inne. »Mein Gott, ich schweife ab, schweife ab. Das ist das einzige Übel, mit dem ich nicht zu Rande komme. Ich kann mich nie erinnern, warum ich von einer Sache angefangen habe ... Ach, richtig«, sagte er dann, weil es ihm wieder einfiel, »all das habe ich dir erzählt, weil du eine Frau nehmen sollst.«

»Aber, Papa ...«  - Vitaliano Brancati, Bell'Antonio. Frankfurt am Main 1961 (zuerst ca. 1950)

 

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