unkt, wunder  »Calderara, den Sohn von dem Pockengesicht, den Enkel von dem Kleiebauch, den Bruder von dem Maulesel! Mein Gott, mein Gott! Eine Stadt, aus der De Felice, Macchi, Verga, Bellini, Angelo Musco, Giovanni Grassi, Capuana, mein Freund De Roberto stammen, sinkt so tief zu Füßen eines Lorenzino Calderara (den »Klotz« nennen sie ihn), eines Jesuiten, der eine so schlechte Verdauung hat, daß man es neben ihm kaum aushält, ein Rindvieh, so dumm, daß eines Tages seine Freunde ihm eingeredet haben, in den Apotheken würden eiserne Handschuhe verkauft . ..«

»Was für Handschuhe?«

»Geh her, Antonio! ... Aber andererseits, was sollte er damit anfangen ... ein Kerl, der unfähig ist...«

Antonio wurde bleich wie ein Leintuch, legte seinen Kopf an die Sessellehne und schaute den Onkel mit zwei elend matten Augen an.

»Was hast du?« sagte der Onkel, »was kommt dich an?«

Antonio kniff die Augen energisch zusammen, beugte den Kopf nach vorn, drückte den Daumen und den Zeigefinger einer Hand auf seine Lider und machte mit der anderen Hand dem Onkel ein Zeichen, er solle still sein, er brauche sich keine Sorgen zu machen, es gehe vorüber.

»Du, mein Sohn«, fuhr der Edelmann fort, als Antonio den Kopf wieder hob und mit geschlossenen Augen sich an die Sessellehne schmiegte, »mußt die Füße in die Hand nehmen und schnurstracks nach Catania zurückkehren. Wenn du hierbleibst, fressen dich die Frauen bei lebendigem Leibe auf mitsamt den Kleidern, die du anhast... Auf mich, der ich alt bin, achten sie nicht: aber auf dich, ich bitte dich, in deinen Jahren und mit deinem ... ja, alles in allem, mit deinem sympathischen Wesen. Dein Gesicht, mager wie es ist, lutschen sie ab wie ein Bonbon ... Aber genug davon. Reden wir von ernsthaften Dingen. Ich kenne Barbara Puglisi, das Mädchen, das sie dir zur Frau geben wollen. Ich habe sie Geige spielen hören, an dem Abend, als ihr Onkel, der Mönch, seine Silberhochzeit mit der Kirche feierte. Ich will nicht behaupten, daß sie ausgezeichnet spielt ... Aber andererseits ist das für dich auch nicht wichtig. Sie ist reich, halb Paternó gehört ihr. Sie ist im Internat erzogen worden ... Damit will ich nicht sagen, daß sie ein Genie ist. Es genügt, daß sie nicht dumm ist. Und selbst wenn sie dumm wäre, könnte dir das gleichgültig sein. So ist das Leben. Los, Kopf hoch!«   - Vitaliano Brancati, Bell'Antonio. Frankfurt am Main 1961 (zuerst ca. 1950)

 

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